Nach dem 7. Oktober explodieren die Einnahmen der Israel Boykott LobbyNach dem 7. Oktober explodieren die Einnahmen der Israel Boykott Lobby
Die Palestine Solidarity Campaign nahm 2025 rund 3,84 Millionen Pfund, etwa 4,49 Millionen Euro, ein. Seit dem Hamas Massaker vervielfachte sich ihr Budget, zugleich wächst ihr Einfluss auf britische Kommunen und Politiker.

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Der 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen war für IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen der Tag des schlimmsten Massakers an Juden seit der SchoahShoah: Der nationalsozialistische Mord an sechs Millionen JudenShoah ist der hebräische Begriff für die Katastrophe der Vernichtung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland und seine Helfer. Rund sechs Millionen Juden wurden ermordet.Mehr lesen. Für eine der einflussreichsten antiisraelischen Kampagnenorganisationen Großbritanniens begann danach zugleich eine Phase außergewöhnlichen finanziellen Wachstums. Die PalestinePalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen Solidarity Campaign, kurz PSC, verfügte vor dem HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen Angriff über jährliche Einnahmen von deutlich weniger als einer Million Pfund. Inzwischen bewegt die Organisation fast vier Millionen Pfund pro Jahr und verwendet erhebliche Summen für politische Kampagnen gegen Israel.
Die Zahlen aus den veröffentlichten Unternehmensunterlagen sind bemerkenswert. Im Geschäftsjahr 2022 nahm PSC 691.736 Pfund, rund 809.000 Euro, ein. Im Geschäftsjahr bis zum 31. August 2023 waren es bereits 773.886 Pfund, rund 906.000 Euro. Gleichzeitig lagen die direkten Kampagnenkosten bei 789.528 Pfund, rund 924.000 Euro. Die Organisation gab damit für ihre politische Arbeit mehr aus, als sie in diesem Zeitraum einnahm.
Dann kam der 7. Oktober.
Für das Geschäftsjahr bis Ende August 2024 meldete PSC Einnahmen von 3.675.576 Pfund, rund 4,30 Millionen Euro. Gegenüber dem vorherigen Jahr bedeutete das einen Anstieg um etwa 375 Prozent. Die Kampagnenkosten stiegen zugleich auf 1.941.615 Pfund, rund 2,27 Millionen Euro.
Doch selbst damit war die Entwicklung nicht beendet. Für das Geschäftsjahr 2025 weist PSC Einnahmen von 3.838.259 Pfund, rund 4,49 Millionen Euro, aus. Die Kosten der politischen Kampagnen erhöhten sich auf 2.386.923 Pfund, rund 2,79 Millionen Euro.
Innerhalb von nur zwei Jahren wurde aus einer Organisation mit Einnahmen von rund 774.000 Pfund, etwa 906.000 Euro, eine politische Kampagnenmaschine mit fast 3,84 Millionen Pfund, rund 4,49 Millionen Euro, Jahresbudget.
Dieser Zusammenhang darf nicht falsch dargestellt werden. Die Zahlen beweisen nicht, dass PSC den Hamas Angriff unterstützte oder dass Spender wegen des Massakers Geld überwiesen. Eine solche Behauptung wäre ohne Belege unseriös. Was sich jedoch zweifelsfrei feststellen lässt, ist etwas anderes: Der 7. Oktober und der anschließende Krieg führten zu einer gewaltigen Mobilisierung der antiisraelischen Bewegung in Großbritannien, und PSC gehört finanziell zu den großen Gewinnern dieser Entwicklung.
Das ist politisch relevant, weil PSC keine gewöhnliche Hilfsorganisation ist. Die Palestine Solidarity Campaign ist auch keine britische Wohltätigkeitsorganisation, obwohl sie gelegentlich unzutreffend als solche bezeichnet wird. Sie ist als private Gesellschaft mit Haftungsbeschränkung durch Garantie registriert. PSC erklärt selbst, dass ihre politische Arbeit eine Registrierung als gemeinnützige Organisation ausschließt.
Das Geld dient deshalb nicht hauptsächlich dazu, Lebensmittel nach Gaza zu bringen, Krankenhäuser zu betreiben oder Zivilisten medizinisch zu versorgen. PSC sammelt Geld für politische Mobilisierung, Demonstrationen, Boykottkampagnen, Lobbyarbeit und den Versuch, wirtschaftlichen und politischen Druck auf Israel auszuüben.
Genau darin liegt die Bedeutung des enormen Einnahmenanstiegs.
PSC ist längst mehr als ein Veranstalter großer Demonstrationen mit palästinensischen Fahnen in London. Die Organisation versucht systematisch, ihre Vorstellungen in britische Rathäuser, Pensionsfonds und politische Entscheidungsprozesse hineinzutragen. Nach eigenen Angaben konnte sie seit Juni 2024 mindestens 34 Kommunen dazu bewegen, Anträge über den Abzug von Investitionen aus Unternehmen mit Verbindungen zu Israel einzubringen.
PSC berichtet außerdem, dass 1.468 Gemeinderäte eine von der Organisation formulierte Verpflichtung unterschrieben hätten. Darin sollen sich die Politiker unter anderem dazu bekennen, Maßnahmen zur Unterstützung der PalästinenserPalästinenser: Herkunft, Begriffswandel und politische IdentitätPalästinenser bezeichnet heute meist palästinensische Araber mit eigener nationaler Identität. In der Mandatszeit konnte der Begriff jedoch allgemein Bewohner des britischen Mandatsgebiets Palästina meinen, auch Juden.Mehr lesen zu ergreifen und kommunale Investitionen aus Unternehmen abzuziehen, die PSC als mit israelischer Politik verbunden betrachtet.
Hier zeigt sich, was mit inzwischen mehreren Millionen Pfund politisch möglich wird.
Es geht nicht mehr nur darum, Menschen auf die Straße zu bringen. Es geht darum, Mandatsträger gezielt anzusprechen, kommunale Entscheidungen zu beeinflussen, Pensionsfonds unter politischen Druck zu setzen und die Beziehung britischer Städte zu Israel zu verändern.
Ein besonders sichtbares Beispiel ist Hackney. Der Londoner Bezirk entschied, seine Städtepartnerschaft mit Haifa zu beenden. Gleichzeitig wurde über Investitionen des kommunalen Pensionsfonds in Unternehmen gestritten, denen von Aktivisten eine Beteiligung an israelischer Politik vorgeworfen wird. PSC gehörte zu den Gruppen, die in diesem Umfeld erheblichen politischen Druck ausübten.
Das wirft eine grundsätzliche Frage auf: Warum soll die Außenpolitik des Nahen Ostens plötzlich zu einer zentralen Aufgabe britischer Gemeinderäte werden?
Die Bürger wählen ihre kommunalen Vertreter, damit diese sich um Schulen, Straßen, Wohnungen, Pflege, öffentlichen Nahverkehr, Müllabfuhr und kommunale Finanzen kümmern. Trotzdem werden immer mehr Rathäuser zu Schauplätzen eines Konfliktes gemacht, der Tausende Kilometer entfernt stattfindet.
Natürlich dürfen Kommunalpolitiker politische Überzeugungen besitzen. Und selbstverständlich darf eine Organisation wie PSC versuchen, sie davon zu überzeugen.
Aber dann muss ebenso offen darüber gesprochen werden, dass hier längst ein professioneller Lobbyapparat entstanden ist, der über erhebliche finanzielle Möglichkeiten verfügt.
PSC selbst beschreibt seine Strategie bemerkenswert offen. Nach einem internen Bericht, den die Sunday Times ausgewertet hat, soll der Druck auf Abgeordnete maximiert und sollen Politiker zur Verantwortung gezogen werden. Als Mittel nennt die Organisation Online Aktionen, Lobbyarbeit, Flugblätter und Proteste vor den Wahlkreisbüros von Parlamentariern.
Das ist organisierte politische Einflussnahme.
Daran ist zunächst nichts illegal. In einer Demokratie dürfen Interessenverbände versuchen, Politik zu beeinflussen. Aber genau deshalb müssen Öffentlichkeit und Medien wissen, wer Einfluss nimmt, welche finanziellen Mittel dafür eingesetzt werden und wie stark eine Organisation tatsächlich geworden ist.
Besonders auffällig ist, dass sich die Grenze zwischen Aktivismus und unmittelbarer Beteiligung an der Parteipolitik zunehmend verwischt. Kamel Hawwash, der 2026 in Birmingham zum Gemeinderat gewählt wurde, war zuvor Direktor von PSC. Sheila Guhadasan, die im Februar 2024 Direktorin der Organisation wurde, trat bei den Kommunalwahlen 2026 selbst als Kandidatin an. Auch andere britische Politiker traten auf PSC Veranstaltungen auf oder machten die Palästinafrage ausdrücklich zum Bestandteil ihrer Wahlkampagnen.
Eine politische Bewegung darf das.
Sie sollte dann aber auch als politische Machtorganisation behandelt werden und nicht als spontane Ansammlung besorgter Demonstranten.
Die entscheidende Entwicklung liegt deshalb nicht allein in der Zahl von fast 3,84 Millionen Pfund, rund 4,49 Millionen Euro, Jahreseinnahmen. Sie liegt in der Verbindung von Geld, Organisationsstruktur, Straßenmobilisierung und institutionellem Einfluss.
Und dieser Aufstieg erfolgte ausgerechnet nach dem 7. Oktober.
Das schafft eine bittere Situation. Hamas ermordete, vergewaltigte und verschleppte Menschen in Israel. Noch während Israel seine Toten identifizierte und Familien auf Nachrichten über ihre entführten Angehörigen warteten, begann international eine gewaltige Mobilisierung gegen den jüdischen Staat. Eine Organisation, die Israel mit Boykott, wirtschaftlichem Druck und politischer Isolation begegnen will, konnte ihre Einnahmen anschließend binnen kürzester Zeit vervielfachen.
Noch einmal: Daraus folgt nicht, dass die Organisation das Massaker gewollt oder unterstützt hätte.
Aber man darf fragen, warum der größte antisemitische Massenmord seit der Schoah nicht zu einer vergleichbaren gesellschaftlichen Mobilisierung gegen Hamas führte, während Organisationen, deren Kampagnen sich hauptsächlich gegen Israel richten, finanziell einen beispiellosen Aufschwung erlebten.
Man darf auch fragen, weshalb die politische Energie vieler Aktivisten so schnell darauf gerichtet wurde, israelische Unternehmen, israelische Städte und letztlich Israel selbst wirtschaftlich und politisch zu isolieren.
Und man darf fragen, wer die mittlerweile millionenschwere Kampagnenarbeit finanziert.
Die veröffentlichten Jahresabschlüsse zeigen die Einnahmen, aber sie beantworten für die Öffentlichkeit nicht jede Frage nach der Herkunft einzelner großer Zuwendungen. PSC selbst verweist auf Mitglieder, Einzelspender, Gewerkschaften und weitere Unterstützer. Das kann vollkommen rechtmäßig sein. Gerade bei einer Organisation, die gezielt Einfluss auf gewählte Politiker und öffentliche Pensionsgelder nimmt, ist jedoch größtmögliche Transparenz kein Angriff, sondern eine demokratische Selbstverständlichkeit.
Es geht dabei inzwischen um politische Macht.
Vor dem 7. Oktober verfügte PSC über Jahreseinnahmen von 773.886 Pfund, rund 906.000 Euro. Zwei Jahre später waren es 3.838.259 Pfund, rund 4,49 Millionen Euro.
Gleichzeitig wurden aus Demonstrationen Kampagnen in Rathäusern, aus Aktivisten Ansprechpartner von Politikern und aus Boykottforderungen konkrete Anträge über öffentliche Investitionen.
Man muss die Palestine Solidarity Campaign deshalb nicht größer machen, als sie ist.
Man sollte sie aber auch nicht kleiner darstellen.
Sie ist kein loses Protestbündnis mehr, das gelegentlich Menschen durch London marschieren lässt. Sie verfügt über Millionen, ein landesweites Netzwerk und eine Strategie, mit der sie politischen Druck von der Straße in staatliche und kommunale Institutionen tragen will.
Und genau deshalb verdient nicht nur das, was PSC sagt, Aufmerksamkeit.
Ebenso wichtig ist die Frage, wer diesen immer mächtigeren politischen Apparat finanziert, wie das Geld eingesetzt wird und warum ausgerechnet seit dem 7. Oktober so viel mehr davon vorhanden ist.
Autor: Redaktion
Dienstag, 11 August 2026