Miliband behauptet blockierte Medikamente: Israel wirft London Faktenverweigerung vorMiliband behauptet blockierte Medikamente: Israel wirft London Faktenverweigerung vor
Britanniens Außenminister Ed Miliband beruft sich auf Berichte über blockierte Medizin und sterbende Kinder in Gaza. Israel hält mit konkreten Lieferzahlen dagegen. US Botschafter Mike Huckabee geht noch weiter und wirft der britischen Regierung schrankenlosen Judenhass vor.

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Der Streit zwischen IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen und Großbritannien wird schärfer, und diesmal geht es nicht um Siedlungen, Anerkennungsfragen oder diplomatische Sanktionen, sondern um eine überprüfbare Behauptung. Der britische Außenminister Ed Miliband veröffentlichte ein Video über die Lage im GazastreifenPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen und erklärte, das Geschehen dort sei „entsetzlich“. Er habe Geschichten über Medikamente gehört, die nicht hineingelassen würden, und über Kinder, die sterben müssten, während sie auf lebensrettende Behandlung warteten. Daraus leitete Miliband die Forderung ab, die britische Regierung müsse entschlossener handeln. Israel reagierte ungewöhnlich direkt: Der Außenminister erzähle Geschichten, wo er sich mit Fakten beschäftigen sollte.
Das israelische Außenministerium weist die Behauptung zurück, Medikamente würden an der Einfuhr nach Gaza gehindert. Nach israelischen Angaben gelangten seit Beginn der Waffenruhe mehr als 22.000 Tonnen Medikamente und medizinische Ausrüstung in den Gazastreifen. COGAT erklärt zudem ausdrücklich, dass es keine mengenmäßige Beschränkung medizinischer Hilfe gebe und medizinische Ausreisen in Drittstaaten ermöglicht würden, sofern aufnehmende Länder und internationale Organisationen die Transfers organisieren. Allein diese Zahlen widerlegen nicht jedes Versorgungsproblem innerhalb Gazas. Sie stellen aber die pauschale Erzählung infrage, Israel halte lebensrettende Medikamente grundsätzlich an der Grenze zurück.
Eine Versorgungskrise ist nicht automatisch eine Medikamentenblockade
Genau diese Unterscheidung geht in der politischen Debatte zunehmend verloren. Dass das Gesundheitssystem in Gaza schwer beschädigt ist, Kliniken unter Druck stehen und Medikamente lokal fehlen können, bestreitet niemand ernsthaft. Auch die britische Regierung berichtet seit Monaten von erheblichen humanitären Problemen, eingeschränktem Zugang internationaler Organisationen und einem insgesamt niedrigeren Hilfsvolumen als im amerikanischen Friedensplan vorgesehen. London erklärte im Juni sogar, Mediziner in Gaza berichteten von ausgehenden Medikamentenbeständen. Das ist jedoch etwas anderes als der konkrete Vorwurf, Israel blockiere Medikamente bei der Einfuhr. Für genau diese Behauptung legte Miliband in seinem Video nach den bislang veröffentlichten Angaben keinen Beleg vor.
Israel reagierte deshalb nicht mit der Behauptung, in Gaza sei medizinisch alles in Ordnung. JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen widersprach dem behaupteten Mechanismus. Medizinische Ausrüstung, Medikamente und Spezialgeräte gelangen weiterhin in das Gebiet. Israel verweist zugleich darauf, dass Hilfsgüter nach ihrer Einfahrt teilweise innerhalb Gazas auf Verteilung warten. Das Außenministerium meldete Ende August beispielsweise 950 bereits im Gazastreifen befindliche Lastwagen mit Lebensmitteln, Wasser und medizinischen Gütern, die noch nicht verteilt worden seien. Über Ursachen und Verantwortlichkeiten dafür wird heftig gestritten. Aber gerade deshalb ist es unseriös, aus jedem fehlenden Medikament in einer Klinik automatisch eine israelische Blockade an der Grenze zu machen.
Milibands Äußerung fällt zudem nicht in ein politisches Vakuum. Großbritannien hat seinen Kurs gegenüber Israel in den vergangenen Monaten deutlich verschärft. London erkannte einen palästinensischen Staat an, setzte Rüstungsexporte teilweise aus, verhängte Sanktionen gegen israelische Politiker und verschärfte den politischen Druck wegen Judäa und SamariaJudäa und Samaria: Israels historisches Kernland im politischen StreitJudäa und Samaria bezeichnen historische Landschaften zwischen Jerusalem, dem Jordantal und den zentralen Höhenzügen des Landes Israel. In Israel ist der Begriff gebräuchlich. International wird das Gebiet oft anders bezeichnet und politisch als umstritten eingeordnet.Mehr lesen. haOlam hatte bereits im August beschrieben, wie weit sich die britische Regierung politisch von Israel entfernt hat. Wenige Tage später berichtete haOlam darüber, dass Israel wegen dieses Kurses sogar einen Ausschluss britischer Vertreter aus der internationalen Gaza Koordinierungszentrale in Kirjat Gat erwog. Die neue Auseinandersetzung fügt sich deshalb in ein Verhältnis ein, das längst deutlich mehr ist als eine Meinungsverschiedenheit über einzelne Maßnahmen.
Huckabee wirft London Judenhass vor
US Botschafter Mike Huckabee ließ es nicht bei diplomatischer Kritik bewenden. Er unterstützte die israelische Reaktion und schrieb, die Briten hätten den Verstand verloren. Besonders schwer wiegt sein anschließender Vorwurf, der JudenhassAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen der britischen Regierung kenne keine Grenzen und erkenne keine Fakten an. Das ist eine außergewöhnlich harte Anschuldigung eines amerikanischen Botschafters gegen die Regierung eines engen NATO Verbündeten. Huckabee sprach dabei von der britischen Regierung, nicht von Miliband persönlich. Miliband selbst ist Jude.
Gerade deshalb sollte Huckabees Vorwurf nicht leichtfertig erweitert werden. Gleichzeitig kommt er nicht aus dem Mund eines Diplomaten, der jede Kritik an Israelis reflexartig als Antisemitismus abwehrt. Noch am selben Tag besuchte Huckabee Turmus Ayya in Judäa und Samaria und traf dort palästinensische Familien. Gewalt durch eine kleine Gruppe israelischer Täter bezeichnete er als kriminell und terroristisch und erklärte ausdrücklich, solche Taten repräsentierten nicht 99 Prozent der Israelis. haOlam hatte bereits zuvor über Huckabees harte Kritik an jüdischen Extremisten berichtet. Er ist also durchaus bereit, israelisches Fehlverhalten beim Namen zu nennen.
Das macht den aktuellen Streit für London nicht angenehmer. Die britische Regierung darf Israels Gaza Politik kritisieren. Sie darf humanitäre Defizite benennen und mehr Hilfe verlangen. Aber wenn der Außenminister aus gehörten Geschichten eine konkrete Behauptung über blockierte Medikamente übernimmt, muss er sich auch an den verfügbaren Fakten messen lassen. Israel hat konkrete Zahlen genannt. Mehr als 22.000 Tonnen medizinischer Güter seit Beginn der Waffenruhe sind keine Kleinigkeit, die man aus einer politischen Erzählung herausstreichen kann.
Das eigentliche Problem ist deshalb nicht, dass Miliband über leidende Kinder spricht. Leidende Kinder verdienen Hilfe. Das Problem beginnt dort, wo aus realem Leid eine eindeutige Schuldzuweisung konstruiert wird, obwohl die Faktenlage komplizierter ist. Großbritannien selbst ist in die internationale Gaza Hilfe eingebunden. Die Regierung kennt die Lieferwege, die Schwierigkeiten bei Verteilung und medizinischen Evakuierungen und die verschiedenen Ursachen für Engpässe.
Wer diese Informationen besitzt, sollte genauer formulieren als ein Aktivist auf einer Demonstration.
Von einem Außenminister darf man das erwarten.
Autor: Redaktion
Sonntag, 06 September 2026