„Zionisten nicht willkommen“: Israelin geht gegen Bar auf Lesbos vor„Zionisten nicht willkommen“: Israelin geht gegen Bar auf Lesbos vor
Eine israelische Urlauberin entdeckt auf Lesbos ein Schild, das Zionisten ausschließt. Sie fordert dessen Entfernung und kündigt rechtliche Schritte gegen die Betreiberin an.

Was als Urlaub auf der griechischen Insel Lesbos begann, könnte vor Gericht enden. Die israelische Unternehmerin Galit Ben Simhon entdeckte in einer örtlichen Bar ein Schild mit der unmissverständlichen Botschaft: „Zionisten nicht willkommen“. Ben Simhon wollte die offene Ausgrenzung nicht hinnehmen. Sie konfrontierte die Betreiberin und kündigte rechtliche Schritte an, sollte das Schild nicht entfernt werden.
Ben Simhon berichtete am Donnerstag, 17. September, im israelischen Frühstücksfernsehen von Channel 12 über den Vorfall. Sie habe zunächst geglaubt, das Schild falsch gelesen zu haben. Gegen politische Proteste habe sie grundsätzlich nichts einzuwenden. Doch die gezielte Ausgrenzung von Menschen überschreite für sie eine andere Grenze.
Nach ihrer Darstellung erklärte eine Mitarbeiterin, man unterstütze die PalästinenserPalästinenser: Herkunft, Begriffswandel und politische IdentitätPalästinenser bezeichnet heute meist palästinensische Araber mit eigener nationaler Identität. In der Mandatszeit konnte der Begriff jedoch allgemein Bewohner des britischen Mandatsgebiets Palästina meinen, auch Juden.Mehr lesen. Ben Simhon verlangte daraufhin die Entfernung des Schildes. Als dies abgelehnt worden sei, habe sie die Eigentümerin ausfindig gemacht und ihr eine Frist von 24 Stunden gesetzt. Danach wolle sie nach griechischem und europäischem Recht gegen den Betrieb vorgehen.
Der Vorgang ist rechtlich keineswegs so eindeutig als bloße Meinungsäußerung abzutun, wie die Betreiberin es nach Darstellung Ben Simhons versucht haben soll. Das griechische Gleichbehandlungsgesetz 4443/2016 stellt diskriminierende Benachteiligungen bei öffentlich angebotenen Waren und Dienstleistungen unter Strafe. Je nach rechtlicher Einordnung drohen sechs Monate bis drei Jahre Haft sowie Geldstrafen zwischen 1.000 und 5.000 Euro.
Ob das konkrete Schild und die Vorgänge in dieser Bar sämtliche Voraussetzungen einer Straftat erfüllen, müsste allerdings von den zuständigen griechischen Behörden beziehungsweise einem Gericht geklärt werden. Entscheidend dürfte unter anderem sein, ob der Begriff „Zionisten“ tatsächlich als politische Position behandelt wird oder in der Praxis dazu dient, Israelis oder Juden kollektiv vom Zugang auszuschließen.
Griechenlands Ombudsmann warnte bereits vor genau diesem Muster
Diese Unterscheidung ist keineswegs theoretisch. Erst am 18. August reagierte der griechische Ombudsmann auf wiederkehrende Beschwerden, wonach israelischen Staatsbürgern Dienstleistungen verweigert worden seien.
Die Gleichstellungsbehörde stellte ausdrücklich klar, dass der Ausschluss von Menschen von öffentlich angebotenen Dienstleistungen aufgrund ihrer Nationalität oder nationalen Herkunft mit dem griechischen und europäischen Gleichbehandlungsrecht nicht vereinbar sei. Politische oder ideologische Überzeugungen eines Geschäftsinhabers befreiten diesen nicht von den geltenden Diskriminierungsverboten.
Genau hier liegt das Problem des Schildes auf Lesbos. „ZionistZionismus: Das Recht der Juden auf SelbstbestimmungZionismus bezeichnet die jüdische Nationalbewegung, die für die Rückkehr des jüdischen Volkes in seine historische Heimat und für jüdische Selbstbestimmung im Land Israel eintrat. Der moderne Zionismus entstand im 19. Jahrhundert als Antwort auf Antisemitismus, Verfolgung und Entrechtung.Mehr lesen“ ist zunächst eine politische beziehungsweise nationale Selbstbeschreibung. In der gegenwärtigen antiisraelischen Agitation wird der Begriff jedoch immer wieder so verwendet, dass nicht eine konkrete politische Position kritisiert, sondern Israelis pauschal zu unerwünschten Personen erklärt werden.
Der Fall auf Lesbos steht zudem nicht allein. Erst vor wenigen Tagen berichtete mako über ein israelisches Paar, das nach eigenen Angaben aus einer Bar in Athen geworfen wurde, nachdem der Betreiber erfahren hatte, dass die beiden aus IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen kamen. Der Mann soll sie aufgefordert haben zu verschwinden und nicht zurückzukehren. Der Betrieb veröffentlichte anschließend nach dem Bericht einen Facebook-Beitrag, in dem von „Zionisten“ die Rede war und erklärt wurde, man beherberge keine Menschen, die angeblich einen „Völkermord in PalästinaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen“ begingen oder unterstützten.
Auch haOlam berichtete bereits über mehrere Vorfälle in Griechenland. Im August wurde ein Israeli in Athen nach eigener Darstellung kurz nach der Offenlegung seiner jüdischen und israelischen Identität von einer internationalen Veranstaltung ausgeschlossen und zum „Sicherheitsrisiko“ erklärt. Wenige Wochen zuvor waren israelische Touristen in Athen von propalästinensischen Demonstranten körperlich angegriffen worden.
Das Zentrale Jüdische Gemeindegremium Griechenlands, KIS, warnte am 13. August vor einer Serie von Vorfällen, bei denen israelische Touristen sowie Menschen mit sichtbaren jüdischen Symbolen oder hebräischer Sprache eingeschüchtert würden. Kritik an einer israelischen Regierung sei nicht automatisch antisemitischAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen, betonte die Organisation. Eine andere Grenze werde jedoch erreicht, wenn Menschen wegen ihrer israelischen oder jüdischen Identität bedroht, ausgegrenzt oder angegriffen würden.
Einen Tag später erklärte Griechenlands Tourismusministerin Olga Kefalogianni, ihr Land garantiere die Sicherheit aller Besucher. Rassistisches Verhalten und Gewalt hätten in Griechenland keinen Platz. Ausdrücklich versprach sie Schutz unabhängig von Herkunft und Religion.
Aus Israelkritik wird Ausgrenzung von Israelis
Der Vorfall auf Lesbos stellt diese Versprechen erneut auf die Probe.
Niemand muss die Politik der israelischen Regierung unterstützen. Niemand muss Zionismus befürworten. Protest, Kritik und auch scharfe politische Auseinandersetzungen gehören zu einer Demokratie.
Ein öffentliches Lokal ist jedoch etwas anderes als eine Demonstration.
Wenn ein Schild an der Tür festlegt, dass „Zionisten“ unerwünscht sind, wird aus politischer Auseinandersetzung eine Zugangskontrolle nach Gesinnung. Wenn dieses Etikett anschließend auf Israelis als Gruppe angewandt wird, verschwindet die behauptete Trennlinie zwischen Israelkritik und Diskriminierung fast vollständig.
Gerade Griechenland sollte daran ein erhebliches Interesse haben. Israel und Griechenland pflegen enge politische, wirtschaftliche und sicherheitspolitische Beziehungen, gleichzeitig ist das Land eines der wichtigsten europäischen Reiseziele für Israelis.
Galit Ben Simhon will deshalb nicht einfach weiterreisen und den Vorfall vergessen. Ihre Botschaft ist bemerkenswert klar: Meinungsfreiheit gibt einem Geschäftsinhaber nicht automatisch das Recht, Menschen auszugrenzen.
Ob daraus tatsächlich ein Gerichtsverfahren entsteht, bleibt abzuwarten. Schon jetzt aber zeigt der Fall, wie schnell der Begriff „Zionist“ zur scheinbar politisch akzeptableren Ersatzbezeichnung werden kann, wenn in Wahrheit Israelis ausgesondert werden sollen.
Autor: Redaktion
Donnerstag, 17 September 2026