Kindergarten in Grün: Irlands Nationalelf übt vor Israel erst einmal „Mit dem spiele ich nicht“

Kindergarten in Grün: Irlands Nationalelf übt vor Israel erst einmal „Mit dem spiele ich nicht“


Nicht spielen, nicht grüßen, Prämie spenden: Vor Israel verwandelt Irlands Nationalelf ein Fußballspiel in eine erstaunlich kindische Protestübung.

Kindergarten in Grün: Irlands Nationalelf übt vor Israel erst einmal „Mit dem spiele ich nicht“
Bildnachweis: Symbolbild / KI

„Mit dem spiele ich nicht.“ „Dem gebe ich nicht die Hand.“ „Und wenn ich doch mitspiele, dann aber nur unter Protest.“ Nein, das sind keine Originalzitate aus einer Kindergartengruppe. Es ist die zugespitzte Zusammenfassung dessen, womit sich Irlands Fußball-Nationalmannschaft vor dem Nations-League-Spiel gegen IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen beschäftigt.

Torhüter Gavin Bazunu will nach den vorliegenden Berichten nicht antreten. Weitere Spieler erwogen zumindest zeitweise denselben Schritt. Andere diskutieren, ob man zwar 90 Minuten gemeinsam Fußball spielen, sich vorher aber auf keinen Fall die Hand reichen sollte. Dazu kommen mögliche Spenden der Spielprämien, schwarze Armbinden und möglichst viele sichtbare Zeichen dafür, dass man zwar auf dem Platz steht, aber bitte nicht so verstanden werden möchte, als fände man das normal.

Im Kindergarten würde irgendwann eine Erzieherin dazwischengehen und erklären: Entweder ihr spielt zusammen oder ihr lasst es. Im irischen Profifußball braucht es dafür offenbar Mannschaftssitzungen, Verbandsfunktionäre und politische Grundsatzdebatten.

Spielen? Ja. Aber bitte möglichst beleidigt

Die FAI hat selbst beschlossen, die angesetzten Spiele gegen Israel auszutragen. Ein echter Boykott könnte Punkte, Geld und UEFA-Sanktionen kosten. Gleichzeitig wollte der Verband erreichen, künftig gar nicht mehr gegen Israel ausgelost zu werden. Das Heimspiel wurde nach Serbien verlegt. Fans bleiben draußen. RTÉ reduziert seine Übertragung. Und die Nationalspieler dürfen nun ausloten, wie weit man beim Nicht-Mitmachen mitmachen kann.

Das Ergebnis ist ein kleines Meisterwerk der Widersprüchlichkeit: Irland tritt an, möchte aber gleichzeitig möglichst überzeugend demonstrieren, dass es eigentlich nicht antreten möchte.

Trainer Heimir Hallgrímsson hatte die Stimmung zuvor zusätzlich aufgeheizt. Erst erklärte er, Irland spiele nicht „mit Genozid“, sondern „gegen Genozid“. Später räumte er ein, „Genozid“ sei womöglich das falsche Wort gewesen. Erst die große moralische Anklage, dann der sprachliche Rückwärtsgang. Auch das passt inzwischen hervorragend ins Gesamtbild.

Mittelfeldspieler Jason Knight meint, die Partie sollte eigentlich gar nicht stattfinden. Andere Spieler beklagen wiederum, dass ihnen politische Verantwortung aufgeladen werde. Kapitän Dara O’Shea sagt, die Mannschaft fühle sich „exponiert“. Chiedozie Ogbene erinnerte sinngemäß daran, dass Fußballer keine außenpolitischen Entscheidungsträger seien.

Ausgerechnet damit dürfte er recht haben.

Der Handschlag wird zum Weltproblem

Besonders hübsch ist die Diskussion über den Handschlag. Dieselben Spieler, die anschließend Zweikämpfe führen, sich gegenseitig am Trikot ziehen, bei Ecken Schulter an Schulter stehen und 90 Minuten denselben Ball treten, könnten vorher demonstrativ darauf verzichten, sich für ungefähr eine Sekunde die Hand zu geben.

Man muss Prioritäten haben.

Vielleicht folgt als nächster Protestschritt die Diskussion darüber, ob ein irischer Spieler einen Einwurf annehmen darf, wenn der Ball zuvor einen Israeli berührt hat. Oder ob nach einem Foul überhaupt miteinander gesprochen werden darf. Irgendwo muss schließlich eine Grenze gezogen werden.

Dass mehr als 160 irische Sportler einen Boykott fordern und Politiker möglichen Verweigerern öffentlich Rückendeckung gegeben haben, erklärt den Druck auf die Mannschaft. Es macht die daraus entstandene Posse aber nicht erwachsener.

Denn am Ende bleibt eine sehr einfache Frage: Will Irland das UEFA-Spiel austragen oder nicht?

Der Verband sagt ja. Die Mannschaft offenbar mehrheitlich ebenfalls. Trotzdem wird um Handschläge, Protestzeichen und Distanzierungen gerungen, als müsse vor dem Anpfiff noch das Nahostproblem gelöst werden.

Israel braucht dieses Schauspiel nicht einmal zu kommentieren. Die irische Nationalmannschaft liefert die Karikatur inzwischen selbst.

Am Sonntag soll übrigens noch Fußball gespielt werden.

Falls sich bis dahin alle darauf einigen können, wer mit wem spielen darf.




Autor: Redaktion
Samstag, 26 September 2026

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