Sprengstoffverdacht vor US-Bomberbasis: Großbritannien räumt Häuser nahe RAF FairfordSprengstoffverdacht vor US-Bomberbasis: Großbritannien räumt Häuser nahe RAF Fairford
Mehrere Männer sind nahe RAF Fairford festgenommen worden, Armeespezialisten untersuchen Fahrzeuge. Brisant ist der Ort: Von der Basis starten US-Bomber, Iran hatte sie ausdrücklich als mögliches Ziel bezeichnet. Einen Zusammenhang mit Teheran gibt es bislang nicht.

Bildnachweis: U.S. Air Force 307BW by Senior Airman Colin Hollowell /
QuelleNur wenige Kilometer von einer der wichtigsten amerikanischen Bomberbasen Europas entfernt läuft seit Sonntagmorgen ein Großeinsatz britischer Sicherheitskräfte. Die Polizei von Gloucestershire nahm mehrere Männer wegen des Verdachts auf Verstöße gegen den britischen Explosives Act fest. Im Bereich Whelford wurden Anwohner aus ihren Häusern gebracht, während Spezialisten der britischen Armee mehrere Fahrzeuge auf mögliche Sprengstoffe untersuchen. Die Behörden sprechen von einem „major incident“.
Was genau gefunden wurde, wer die Festgenommenen sind und welches mögliche Ziel hinter dem Verdacht steht, ist bislang nicht öffentlich bekannt. Ebenso wichtig:Es gibt bisher keinen bestätigten Hinweis auf einen iranischen Hintergrund oder einen geplanten Angriff auf RAF Fairford.Der Ort des Einsatzes macht den Fall dennoch sicherheitspolitisch außergewöhnlich.
Whelford liegt nur rund zwei Meilen von RAF Fairford entfernt. Die Basis in Gloucestershire ist kein gewöhnlicher britischer Militärflugplatz. Nach Angaben der US Air Force ist Fairford Europas bevorzugter vorgeschobener Standort für amerikanische strategische Bomber. Dort sitzen das Hauptquartier des 501st Combat Support Wing und die 420th Air Base Squadron; die Anlage ist ausdrücklich auf die Aufnahme und Versorgung von Bomberverbänden für globale Einsatzmissionen ausgelegt.
Genau diese Basis hatte Iran ins Visier seiner Drohungen genommen
Die zeitliche Nähe zu den jüngsten Sicherheitsmaßnahmen fällt auf. Bereits vor dem jetzigen Polizeieinsatz war der Schutz von RAF Fairford deutlich verstärkt worden. Bewaffnete Beamte kontrollierten Zufahrten, Absperrungen wurden eingerichtet, Einsatzfahrzeuge waren rund um das Gelände zu sehen. Die US Air Force erklärte lediglich, man beobachte die Lage und passe Schutzmaßnahmen fortlaufend an.
Der Hintergrund reicht in den Krieg mit Iran zurück. Die britische Regierung hatte den Vereinigten Staaten gestattet, RAF Fairford für bestimmte Angriffe auf iranische RaketenstellungenTerrorinfrastruktur: Wie Terrorgruppen Krieg in zivile Räume verlagernTerrorinfrastruktur bezeichnet Einrichtungen, Netzwerke und Strukturen, die Terrororganisationen für Angriffe, Waffenlagerung, Kommandoführung, Ausbildung, Raketenbeschuss, Tunnelbau oder Logistik nutzen. Besonders gefährlich wird sie, wenn sie in Wohngebieten, Schulen, Moscheen oder Krankenhäusern versteckt wird.Mehr lesen zu nutzen, die Schiffe in der Straße von HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen bedrohten. Bereits im Frühjahr bestätigte London, dass amerikanische Bomber in Fairford für Operationen gegen iranische Ziele stationiert worden waren.
Im Juli folgte dann eine offene Drohung aus Teheran. Die Islamischen RevolutionsgardenIslamische Revolutionsgarden: Machtzentrum des iranischen RegimesDie Islamischen Revolutionsgarden sind eine mächtige militärische, politische und wirtschaftliche Organisation der Islamischen Republik Iran. Sie wurden nach der Revolution von 1979 gegründet, unterstehen dem Obersten Führer und steuern über die Quds-Einheit Irans regionales Terrornetzwerk.Mehr lesen erklärten nach amerikanischen Einsätzen gegen Iran, Militärbasen, von denen solche Angriffe gestartet würden, könnten als legitime Ziele betrachtet werden. Großbritannien antwortete damals, seine Streitkräfte seien bereit, das Land gegen Angriffe zu verteidigen.
Diese Drohung bekommt durch den jetzigen Fundort zwangsläufig neue Aufmerksamkeit. Sie beweist jedoch keinen Zusammenhang. Bis Polizei oder Geheimdienste entsprechende Erkenntnisse veröffentlichen, wäre es unseriös, aus der Nähe zur Basis bereits einen iranischen Anschlagsplan zu konstruieren.
Gerade Großbritannien hat allerdings Gründe, solche Möglichkeiten ernst zu nehmen. London stufte die Revolutionsgarden im Juli unter seinem neuen Gesetz gegen staatliche Bedrohungen offiziell als Gefahr für die nationale Sicherheit ein. Die Regierung begründete dies ausdrücklich mit iranischen Geheimdienst- und Proxyaktivitäten außerhalb Irans. Die Quds-EinheitQuds-Einheit: Irans geheime Kommandozentrale gegen IsraelDie Quds-Einheit ist die für Auslandseinsätze zuständige Eliteeinheit der Islamischen Revolutionsgarden des Iran. Sie unterstützt Terrororganisationen und Milizen in der Region, darunter Hisbollah, Hamas, Islamischer Dschihad, Huthi und schiitische Milizen.Mehr lesen unterhalte verdeckte Netzwerke weltweit.
Noch deutlicher wurde das britische Außenministerium: Es wirft der Quds-Einheit vor, Stellvertreter für Angriffe in Europa gelenkt zu haben. Im Sommer erklärte die Regierung, iranische Strukturen hätten hinter einer Serie von Angriffen gegen jüdische und israelische Einrichtungen sowie iranische Oppositionelle gestanden.
haOlam berichtete bereits im August über Aussagen eines hochrangigen Vertreters der Revolutionsgarden, wonach die Basij ihre Aktivitäten weltweit ausweiten solle. Auch diese Aussagen sind kein Beweis für den jetzigen Vorfall, zeigen aber, weshalb britische Sicherheitsbehörden Bedrohungen rund um strategische amerikanische Einrichtungen inzwischen anders bewerten müssen.haOlam
Noch fehlen die entscheidenden Antworten
Derzeit steht deshalb nicht Iran im Mittelpunkt der Faktenlage, sondern ein sehr konkreter britischer Polizeieinsatz: mehrere Festnahmen nach dem Sprengstoffgesetz, evakuierte Häuser, Militärspezialisten an verdächtigen Fahrzeugen und eine strategisch bedeutende US-Bomberbasis in unmittelbarer Nähe.
Ob die Männer tatsächlich Sprengstoff besaßen, ob ein Anschlagsplan existierte und ob RAF Fairford überhaupt das Ziel war, muss die Untersuchung erst zeigen.
Doch sollte sich herausstellen, dass die Basis tatsächlich im Visier stand, wäre die Bedeutung erheblich. RAF Fairford ist ein zentraler Baustein amerikanischer Langstreckenoperationen in Europa und wurde im Konflikt mit Iran bereits operativ genutzt. Genau deshalb hatte Teheran diesen Standort öffentlich in seine Drohkulisse aufgenommen.
Bis dahin gilt:Die Nähe ist brisant. Die iranische Drohung ist dokumentiert. Eine Verbindung zwischen beidem ist bislang nicht belegt.
Autor: Redaktion
Sonntag, 27 September 2026