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Niederländisch nur mit Gaza-Bekenntnis: Israeli von Sprachkurs abgelehnt

Niederländisch nur mit Gaza-Bekenntnis: Israeli von Sprachkurs abgelehnt


Ein Israeli in den Niederlanden will die Landessprache lernen. Doch im Aufnahmegespräch verlangt sein Lehrer zunächst ein politisches Bekenntnis: Gaza sei „Genozid“. Weil der Mann diese Behauptung nicht als feststehende Tatsache akzeptiert, soll er sich eine andere Schule suchen.

Niederländisch nur mit Gaza-Bekenntnis: Israeli von Sprachkurs abgelehnt
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Ein in den Niederlanden lebender Israeli wollte Niederländisch lernen. Was nach einem gewöhnlichen Aufnahmegespräch für einen Sprachkurs klingt, wurde jedoch zu einer politischen Gesinnungsprüfung. Noch bevor es um Sprachkenntnisse oder Unterricht ging, erklärte der Lehrer, er wolle nur mit Menschen arbeiten, die hinsichtlich des behaupteten „palästinensischen Genozids“ seine Auffassung teilten. Als der Israeli widersprach, war das Gespräch praktisch beendet.

Der Fall wurde am Freitag vom niederländischen Centrum Informatie en Documentatie Israël (CIDI) öffentlich gemacht. Nach dessen Darstellung lebt der Israeli, der lediglich mit dem Anfangsbuchstaben Y. bezeichnet wird, in den Niederlanden und hatte sich für einen Niederländischkurs angemeldet. Während des Aufnahmegesprächs machte der Lehrer deutlich, dass für ihn die politische Haltung seines möglichen Schülers eine Voraussetzung für die Zusammenarbeit sei.

„Ich will nur mit Menschen arbeiten, die dieselbe Meinung haben“, erklärte der Lehrer nach der veröffentlichten Gesprächsaufnahme. Hintergrund sei, dass es in seinem Umfeld auch PalästinenserPalästinenser: Herkunft, Begriffswandel und politische IdentitätPalästinenser bezeichnet heute meist palästinensische Araber mit eigener nationaler Identität. In der Mandatszeit konnte der Begriff jedoch allgemein Bewohner des britischen Mandatsgebiets Palästina meinen, auch Juden.Mehr lesen gebe und er zuvor mit Israelis gesprochen habe, die seine Auffassung nicht geteilt hätten.

Y. reagierte keineswegs mit einer pauschalen Verteidigung sämtlicher israelischer Entscheidungen. Er erklärte vielmehr, die Situation sei komplex. Mögliche Kriegsverbrechen müssten untersucht und Verantwortliche gegebenenfalls strafrechtlich verfolgt werden. Was er ablehnte, war etwas anderes: die Behauptung eines vorsätzlichen Genozids als bereits feststehende Tatsache zu übernehmen.

Besonders bitter ist der persönliche Hintergrund. Y. erklärte während des Gesprächs, dass er beim Terrorangriff der HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen am 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen einen Onkel verloren habe. Selbst diese Information änderte nichts an der politischen Prüfung. Der Lehrer beharrte darauf, der „Genozid“ sei eine Tatsache und erklärte dem Israeli schließlich sinngemäß, wer das nicht anerkenne, befinde sich in Verleugnung. Er wünsche ihm viel Glück an einer anderen Schule.

Aus einem Sprachkurs wird eine Gesinnungsprüfung

Der eigentliche Skandal liegt deshalb nicht darin, dass ein niederländischer Sprachlehrer eine ausgesprochen kritische Meinung über IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen vertritt. Dazu hat er jedes Recht. Auch die Behauptung, Israel begehe in GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen einen Genozid, darf politisch vertreten werden.

Etwas völlig anderes geschieht jedoch, wenn die Übernahme dieser politischen Position zur Zugangsvoraussetzung für eine Dienstleistung gemacht wird. Wer Niederländisch lernen möchte, muss weder die israelische Regierung unterstützen noch sie ablehnen. Er muss keine Position zu Gaza, Benjamin Netanjahu, Hamas oder dem Internationalen Gerichtshof unterschreiben. Ein Sprachkurs sollte Sprache vermitteln und keine politischen Glaubensbekenntnisse verlangen.

Hinzu kommt, dass der Lehrer eine hochumstrittene rechtliche Bewertung kurzerhand zum unumstößlichen Fakt erklärte. Das Verfahren Südafrikas gegen Israel vor dem Internationalen Gerichtshof wurde gerade deshalb eingeleitet, weil über den Vorwurf juristisch gestritten wird. Die vom Gericht 2024 angeordneten vorläufigen Maßnahmen waren ausdrücklich keine Entscheidung über die Hauptsache und stellten nicht fest, dass Israel einen Genozid begangen habe. Ein Sprachlehrer kann selbstverständlich eine andere politische Überzeugung vertreten. Er kann sie aber nicht dadurch in eine objektive Tatsache verwandeln, dass er einem Israeli andernfalls den Unterricht verweigert.

CIDI hat den Vorgang inzwischen dem niederländischen College voor de Rechten van de Mens, dem Menschenrechtsinstitut des Landes, vorgelegt und den Vorwurf der Diskriminierung erhoben. Ob im konkreten Fall tatsächlich ein gesetzlich verbotener Unterschied gemacht wurde, muss nun geprüft werden. Eine Entscheidung des Instituts liegt bislang nicht vor.

Der Vorwurf ist jedoch keineswegs aus der Luft gegriffen. Die niederländische Algemene wet gelijke behandeling schützt ausdrücklich unter anderem vor Benachteiligung aufgrund der politischen Überzeugung und der Nationalität. Artikel 7 erfasst grundsätzlich auch den Zugang zu Waren und Dienstleistungen sowie Angebote von Unternehmen und Bildungseinrichtungen. Welche Vorschriften im konkreten Fall greifen und ob mögliche Ausnahmen einschlägig sind, hängt von der genauen Rechtsform und den Umständen der Sprachschule ab. Eine abschließende juristische Bewertung wäre deshalb verfrüht.

Israelis sollen erst ihre politische Unbedenklichkeit beweisen

Politisch ist der Vorgang dennoch bemerkenswert. Der Israeli wurde nicht danach gefragt, ob er andere Kursteilnehmer respektiert, ob er sich an Regeln hält oder ob seine Sprachkenntnisse für das gewünschte Kursniveau ausreichen. Gefragt wurde, ob er die richtige Haltung zum Krieg seines Herkunftslandes besitzt.

Genau hier verschwimmt die Grenze zwischen Kritik an Israel und der Ausgrenzung von Israelis. Ein Bürger eines Landes ist nicht persönlich haftbar für sämtliche Entscheidungen seiner Regierung. Von einem Niederländer würde kaum jemand verlangen, vor einem Englischkurs zunächst die niederländische Außenpolitik zu verurteilen. Von einem Russen sollte vor einem Deutschkurs kein Bekenntnis zum Ukrainekrieg verlangt werden. Und ein Iraner muss nicht zuerst erklären, wie er zum Regime in Teheran steht.

Bei Israelis scheint diese Selbstverständlichkeit zunehmend zur Verhandlungssache zu werden.

Der Fall fügt sich damit in eine Entwicklung ein, über die haOlam wiederholt berichtet hat. Erst vor wenigen Tagen wurde an der Universität Maastricht ein aus Gaza stammender Student suspendiert, nachdem er in einem selbst veröffentlichten Video Aufnahmen des Hamas-Massakers vom 7. Oktober betrachtete, auf maskierte Bewaffnete zeigte, den Daumen hob und erklärte: „This is me.“ Ob er tatsächlich an dem Terrorangriff beteiligt war, ist bis heute nicht belegt und muss von den zuständigen Behörden geklärt werden.

Beide Fälle sind rechtlich nicht miteinander gleichzusetzen und betreffen unterschiedliche Einrichtungen. Zusammen zeigen sie jedoch, wie tief der Nahostkonflikt inzwischen in niederländische Hochschulen und den gesellschaftlichen Alltag hineingetragen wurde.

Im aktuellen Fall geht es dabei um eine besonders einfache Frage: Darf ein Israeli in Europa eine Sprache lernen, ohne zuvor ein politisches Bekenntnis gegen sein eigenes Land abzulegen?

Ein Lehrer darf Israel verurteilen. Er darf Demonstrationen besuchen, von Genozid sprechen und die israelische Regierung scharf kritisieren.

Aber sobald aus dieser Meinung eine Eintrittskarte für Bildung wird, geht es nicht mehr nur um Meinungsfreiheit.

Dann geht es darum, wer wegen seiner Herkunft und seiner politischen Überzeugung überhaupt noch dazugehören darf.




Autor: Redaktion
Samstag, 03 Oktober 2026

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