Pro-palästinensischer Aktivist verhöhnt ermordeten Terrorismusgegner: Festnahme in Großbritannien

Pro-palästinensischer Aktivist verhöhnt ermordeten Terrorismusgegner: Festnahme in Großbritannien


Ein TikTok-Video zeigt, wie das Denkmal des 2021 von einem Islamisten ermordeten Politikers David Amess bespuckt wird. Der Vorfall ereignete sich kurz nach seinem fünften Todestag. Die Polizei hat einen Verdächtigen festgenommen.

Pro-palästinensischer Aktivist verhöhnt ermordeten Terrorismusgegner: Festnahme in Großbritannien
Bildnachweis: Pixabay

Ein Denkmal für einen ermordeten britischen Parlamentarier ist zum Ziel einer öffentlichen Verhöhnung geworden. In einem auf TikTok verbreiteten Video wird die Statue von David Amess in Southend-on-Sea mehrfach angespuckt. Der Politiker war am 15. Oktober 2021 von einem Anhänger der Terrororganisation Islamischer Staat ermordet worden. Nur wenige Tage nach seinem fünften Todestag verbreitete ein Account mit pro-palästinensischen Beiträgen die Aufnahmen. Die Polizei nahm am Freitag einen Mann fest.

Der Vorfall ereignete sich an der Küstenpromenade von Southend in der Grafschaft Essex. Die 2024 enthüllte Statue erinnert an den konservativen Abgeordneten, der fast vier Jahrzehnte im britischen Parlament saß.

In den mittlerweile gelöschten Aufnahmen ist nach Medienberichten zu sehen, wie ein Mann das Denkmal beschimpft und wiederholt darauf spuckt. Dabei wirft er Amess dessen angebliche politische Haltung zum Irakkrieg vor.

Der TikTok-Account „Angry Jesus“, über den die Aufnahmen verbreitet wurden, hatte zuvor auch Videos mit pro-palästinensischen Botschaften und Kritik an IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen veröffentlicht.

Der Betreiber bestritt zunächst, selbst die abgebildete Person zu sein. Ob er tatsächlich der Mann auf dem Video ist, muss die Polizei klären.

Am Freitag, dem 23. Oktober, nahmen Beamte in Westcliff-on-Sea einen Mann im Alter zwischen 30 und 39 Jahren fest. Er wurde wegen des Verdachts der Sachbeschädigung und eines Verstoßes gegen Vorschriften zur öffentlichen Ordnung befragt.

Die Polizei bestätigte die Festnahme, veröffentlichte zunächst jedoch keine abschließende strafrechtliche Bewertung des Vorfalls.

Ein Politiker, der einem islamistischen Terroranschlag zum Opfer fiel

Die Bedeutung der Tat erschließt sich aus der Geschichte des Mannes, dessen Denkmal angegriffen wurde.

David Amess war am 15. Oktober 2021 während einer Bürgersprechstunde in einer Kirche in Leigh-on-Sea erstochen worden. Der Täter, Ali Harbi Ali, hatte sich durch die PropagandaDesinformation: Gezielte Täuschung der ÖffentlichkeitDesinformation bezeichnet bewusst verbreitete falsche oder irreführende Informationen. Ziel ist häufig, Menschen zu täuschen, Vertrauen zu zerstören, Konflikte zu verschärfen oder politische Entscheidungen zu beeinflussen.Mehr lesen des Islamischen Staates radikalisiert.

Ein britisches Gericht verurteilte ihn 2022 wegen Mordes und der Vorbereitung terroristischer Handlungen zu lebenslanger Haft ohne reguläre Möglichkeit einer vorzeitigen Entlassung.

Amess war 69 Jahre alt, verheiratet und Vater von fünf Kindern.

Seine Ermordung löste in Großbritannien parteiübergreifend Entsetzen aus. Der Anschlag traf einen gewählten Volksvertreter bei einer seiner grundlegenden Aufgaben: dem persönlichen Gespräch mit seinen Wählern.

Das Denkmal in Southend erinnert deshalb nicht nur an einen Politiker, sondern auch an einen Menschen, dessen Leben durch islamistischen Terror beendet wurde.

Ausgerechnet dieses Denkmal wurde nun zum Ziel öffentlicher Beschimpfungen.

Angehörige reagieren mit Entsetzen

Die Familie des Ermordeten reagierte tief betroffen.

Ihr Sprecher Radd Seiger erklärte gegenüber britischen Medien, die Angehörigen seien über die Behandlung des Denkmals zutiefst erschüttert. Amess habe an Meinungsfreiheit und das Recht auf politische Meinungsverschiedenheiten geglaubt.

Auch die frühere britische Innenministerin Priti Patel verurteilte die Aufnahmen und forderte polizeiliche Ermittlungen.

Der Vorfall zeigt eine grundlegende Grenze politischer Auseinandersetzungen.

Niemand muss die politischen Ansichten eines verstorbenen Abgeordneten teilen. Auch scharfe Kritik an seinen Entscheidungen ist legitim. Doch einen von Terroristen ermordeten Politiker an seinem Denkmal öffentlich zu verhöhnen, ist kein sachlicher Beitrag zur politischen Debatte.

Besonders bemerkenswert ist der Zeitpunkt. Die Aufnahmen erschienen unmittelbar nach dem fünften Jahrestag eines islamistischen Mordanschlags.

Die Tat selbst wird dadurch nicht zum Terroranschlag. Ebenso wenig beweisen die veröffentlichten pro-palästinensischen Beiträge des TikTok-Accounts, dass die mutmaßliche Denkmalbeschädigung im Auftrag einer politischen Organisation erfolgte.

Die Verbindung zwischen der Verbreitung des Videos und den politischen Inhalten des Accounts ist jedoch dokumentiert.

Gerade deshalb stellt sich die Frage, weshalb die Erinnerung an ein Opfer islamistischen Terrors zum Gegenstand einer solchen öffentlichen Provokation gemacht wurde.

Die Angehörigen von David Amess haben einen Ehemann, Vater und Familienmenschen verloren. Die britische Demokratie verlor einen Parlamentarier, der bei der Ausübung seines Mandats ermordet wurde.

Fünf Jahre später müssen seine Hinterbliebenen erleben, dass ein öffentliches Denkmal für ihn verhöhnt und die Aufnahme in sozialen Netzwerken verbreitet wird.

Die Polizei muss nun feststellen, wer für den Vorfall verantwortlich ist und ob strafrechtliche Grenzen überschritten wurden.

Die Auseinandersetzung mit politischen Überzeugungen rechtfertigt keine Verächtlichmachung von Terroropfern. Wer ein Denkmal für einen ermordeten Abgeordneten bespuckt, trifft damit nicht dessen politische Argumente, sondern die Erinnerung an einen Menschen, der sein Leben durch terroristische Gewalt verlor.




Autor: Redaktion
Montag, 26 Oktober 2026

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