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Reza Pahlavi ruft zum landesweiten Streik auf – Irans Proteste erreichen eine neue Eskalationsstufe

Reza Pahlavi ruft zum landesweiten Streik auf – Irans Proteste erreichen eine neue Eskalationsstufe


Die Straßen Irans füllen sich weiter. Während das Regime mit Drohungen reagiert, fordert Kronprinz Reza Pahlavi offen den Stillstand des Landes. Die Proteste sind längst mehr als ein Aufschrei gegen Inflation – sie stellen die Machtfrage.

Reza Pahlavi ruft zum landesweiten Streik auf – Irans Proteste erreichen eine neue Eskalationsstufe

Der Ton ist unmissverständlich, die Botschaft bewusst maximal. Reza Pahlavi hat sich in der vierten Nacht an die protestierende Bevölkerung Irans gewandt und zum landesweiten Streik aufgerufen. Staatsbedienstete, Arbeiter in Energie und Transport, Lkw Fahrer, Pflegekräfte, Lehrer, Akademiker, Händler, Unternehmer, Rentner – niemand soll sich dem entziehen. Was bisher als wirtschaftlicher Protest begann, wird nun offen als nationale Bewegung gegen die bestehende Ordnung definiert.

Pahlavi spricht von einer nationalen Revolution. Von Straßen, die zurückerobert werden müssen. Von Einheit als entscheidender Waffe. Seine Worte verbreiteten sich in Windeseile über soziale Netzwerke und über iranische Exilmedien. In einem Land, in dem das Regime jede Form oppositioneller Mobilisierung zu ersticken versucht, ist das ein kalkulierter Tabubruch.

Die Proteste selbst dauern inzwischen den vierten Tag an. Besonders symbolträchtig ist die Rolle der Basaris, der traditionellen Händlerklasse. Geschlossene Geschäfte im Großen Basar von Teheran sind mehr als ein ökonomisches Signal. Sie gelten historisch als Vorbote politischer Umbrüche. Der Wertverfall der Landeswährung hat einen Punkt erreicht, an dem selbst das beschönigende System der offiziellen Wechselkurse kollabiert. Ein Dollar entspricht inzwischen rund 1,4 Millionen Rial, während der staatlich festgelegte Kurs weiterhin bei 42.000 liegt. Diese Diskrepanz ist nicht nur ein wirtschaftlicher Skandal, sie ist ein täglicher Affront gegen Millionen Menschen.

In zahlreichen Städten kam es in der Nacht zu Massenkundgebungen. Videos zeigen Sprechchöre, die offen die Rückkehr der Monarchie fordern und den Sturz der aktuellen Führung ankündigen. Besonders bemerkenswert ist dabei der Wandel der Sprache auf der Straße. Die Angst, den obersten Führer beim Namen zu nennen, schwindet. Parolen gegen Ali Khamenei werden lauter, direkter, aggressiver. Für das Regime ist das eine rote Linie.

Die Reaktion folgte prompt. Der Generalstaatsanwalt warnte öffentlich vor einem harten Durchgreifen, sollte aus wirtschaftlichem Protest politischer Widerstand werden oder öffentliches Eigentum beschädigt werden. Die Wortwahl ist bekannt. Verständnis für soziale Not, kombiniert mit der Drohung staatlicher Gewalt. Gleichzeitig spricht die Führung von Manipulation, von gesteuerten Medienkampagnen, von Kräften, die legitime Sorgen missbrauchten. Es ist das vertraute Narrativ, mit dem jede systemkritische Bewegung delegitimiert wird.

Auf den Straßen zeigt sich jedoch eine andere Realität. Sicherheitskräfte setzen Tränengas und Gummigeschosse ein, werden in einzelnen Fällen jedoch von Menschenmengen zurückgedrängt. In Städten wie Karaj war am Morgen eine massive Präsenz von Polizei und paramilitärischen Einheiten zu sehen. Schulen und Universitäten wurden geschlossen, offiziell wegen Kälte und Energieknappheit. Inoffiziell ist klar, dass Versammlungen verhindert werden sollen.

Der Aufruf Pahlavis richtet sich nicht nur nach innen. Auch die iranische Diaspora wird explizit angesprochen. Demonstrationen, Medienarbeit, politische Lobbyarbeit im Ausland sollen intensiviert werden. Ziel ist internationale Sichtbarkeit und politischer Druck. Dass ein prominenter Vertreter der ehemaligen Monarchie dabei eine zentrale Rolle spielt, ist kein Zufall. Für viele Iraner verkörpert Pahlavi weniger eine konkrete Regierungsalternative als vielmehr den radikalen Bruch mit der islamischen Republik.

Für das Regime ist diese Entwicklung hochgefährlich. Wirtschaftliche Krisen lassen sich verwalten, Proteste niederschlagen, Narrative kontrollieren. Ein landesweiter Streik jedoch würde die Funktionsfähigkeit des Staates direkt treffen. Energie, Transport, Verwaltung – all das sind neuralgische Punkte. Genau dort setzt der Aufruf an.

Noch ist offen, ob die Bewegung diese Schwelle überschreitet. Doch eines ist bereits klar: Die Proteste haben eine neue Qualität erreicht. Sie sind nicht mehr defensiv, nicht mehr bittend, nicht mehr lokal begrenzt. Sie fordern Macht ein. Und sie tun es mit einer Entschlossenheit, die das politische System Irans seit Jahren nicht mehr erlebt hat.


Autor: Redaktion
Bild Quelle: Von ir.voanews.com - https://ir.voanews.com/a/crown-reza-pahlavi-full-iv/3718665.html, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=64394184


Donnerstag, 01 Januar 2026

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