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„Generation V“ gegen das Regime: Irans Jugend fordert die Macht der Mullahs offen heraus

„Generation V“ gegen das Regime: Irans Jugend fordert die Macht der Mullahs offen heraus


Der Sohn des letzten Schahs nennt sie die Generation des Sieges. Während die Proteste in Iran in den achten Tag gehen, zeigt sich ein Bruch, der tiefer reicht als frühere Aufstände. Es ist der offene Machtanspruch einer jungen Generation, die nichts mehr zu verlieren glaubt.

„Generation V“ gegen das Regime: Irans Jugend fordert die Macht der Mullahs offen heraus

Die Proteste in Iran gehen in den achten Tag und sie tragen ein neues Gesicht. Es ist jung, entschlossen und erstaunlich furchtlos. Aus Sicht von Reza Pahlavi, dem Sohn des letzten Schahs, ist es mehr als nur eine weitere Protestwelle. In einer Videobotschaft wandte er sich direkt an die Jugendlichen des Landes und nannte sie „Generation V“, das V stehe für Victory, für Sieg.

Pahlavi lobte insbesondere Teenager und junge Erwachsene, die nach seinen Worten dem Regime um Ali Khamenei seit Tagen den Schlaf rauben. Straßenblockaden, nächtliche Proteste, spontane Versammlungen. Nicht organisiert von Parteien, nicht gesteuert von Exilgruppen, sondern getragen von einer Generation, die im wirtschaftlichen Niedergang, unter Repression und internationaler Isolation aufgewachsen ist.

Die aktuellen Proteste begannen vor einer Woche, als Händler in Teherans Basaren aus Verzweiflung über Inflation, Währungsverfall und Perspektivlosigkeit ihre Geschäfte schlossen. Daraus entwickelte sich rasch eine landesweite Bewegung. Nach Angaben der in den USA ansässigen Organisation HRANA kam es in mindestens 70 Städten zu Demonstrationen. Mindestens 15 Demonstranten und ein Angehöriger der Sicherheitskräfte sollen bislang getötet worden sein. Die tatsächlichen Zahlen lassen sich kaum unabhängig überprüfen.

Auffällig ist die Zusammensetzung der Protestierenden. Viele von ihnen gehören zu einer Generation, die keine Erinnerung mehr an die Revolution von 1979 hat und für die die religiöse Legitimation des Systems keine Bedeutung mehr besitzt. Für sie ist die Islamische Republik kein Schutzraum, sondern ein Käfig. Pahlavi griff dieses Gefühl auf und rief zu Disziplin, Solidarität und der dauerhaften Besetzung des öffentlichen Raums auf. Der Druck, so seine Botschaft, müsse aufrechterhalten werden, um das Gewaltmonopol des Regimes zu unterlaufen.

Das Regime reagierte erwartbar hart, aber ungewohnt defensiv. Khamenei meldete sich erstmals seit Beginn der Proteste zu Wort und versuchte zu unterscheiden zwischen legittem Protest und sogenanntem Aufruhr. Mit Demonstranten könne man sprechen, erklärte er, Aufrührer hingegen müssten „in ihre Schranken gewiesen werden“. Die Wortwahl wirkt wie ein Eingeständnis, dass das alte Narrativ der ausländischen Verschwörung nicht mehr trägt.

Aus israelischer Perspektive ist diese Entwicklung von hoher strategischer Bedeutung. Ein geschwächtes Regime in Teheran, das innenpolitisch unter Druck steht, verliert Spielraum für aggressive Außenpolitik. Die Jugend, die heute auf Irans Straßen steht, ruft nicht nach Krieg, sondern nach Normalität. Viele von ihnen verbinden Hoffnung offen mit den USA und auch mit Israel, ein Tabubruch, der noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wäre.

Ob die „Generation V“ tatsächlich zum Wendepunkt wird, ist offen. Die Islamische Republik hat in der Vergangenheit bewiesen, dass sie bereit ist, extreme Gewalt anzuwenden, um an der Macht zu bleiben. Doch der Ton der Straße hat sich verändert. Die Angst scheint zu bröckeln, und mit ihr das Fundament eines Systems, das jahrzehntelang auf Einschüchterung gebaut war.

Iran steht an einem Punkt, an dem selbst die Herrschenden spüren, dass etwas Grundsätzliches in Bewegung geraten ist. Sollte diese Generation standhalten, könnte sie das Gesicht des Landes verändern. Nicht durch Parolen, sondern durch schiere Beharrlichkeit.


Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Gage Skidmore from Peoria, AZ, United States of America - Reza Pahlavi, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=71742776


Sonntag, 04 Januar 2026

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