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Irans Führung droht offen mit Präventivschlägen gegen Israel und die USA

Irans Führung droht offen mit Präventivschlägen gegen Israel und die USA


Während landesweite Proteste das Regime unter Druck setzen, formuliert Teheran eine sicherheitspolitische Drohung von historischer Tragweite. Die Botschaft ist unmissverständlich und richtet sich auch an Jerusalem.

Irans Führung droht offen mit Präventivschlägen gegen Israel und die USA

Was sich derzeit in Iran abspielt, ist mehr als eine innenpolitische Krise. Es ist ein Moment, in dem das Regime in Teheran versucht, innere Schwäche durch äußere Härte zu kompensieren. Seit Ende Dezember gehen im ganzen Land Menschen auf die Straße. Sie protestieren gegen wirtschaftliche Not, politische Repression und eine Führung, die ihre eigene Bevölkerung als Sicherheitsrisiko betrachtet. In dieser Lage hat der neu aktivierte Nationale Verteidigungsrat eine Erklärung veröffentlicht, die weit über übliche Drohrhetorik hinausgeht.

Zum ersten Mal seit Jahren lässt die iranische Führung ausdrücklich erkennen, dass sie sich nicht mehr an das Prinzip reiner Vergeltung gebunden fühlt. Teheran behält sich vor, militärisch zuzuschlagen, bevor ein Angriff erfolgt. Präventiv, gezielt und ohne vorherige Eskalation. Diese Botschaft ist kein Zufall, sie ist eine strategische Ansage.

Der Verteidigungsrat erklärte, Sicherheit, Unabhängigkeit und territoriale Integrität Irans seien eine rote Linie, die nicht überschritten werden dürfe. Wer objektive Anzeichen einer Bedrohung setze, müsse mit einer entschlossenen Antwort rechnen. Entscheidend ist dabei nicht nur der Inhalt, sondern die neue Logik. Iran definiert Bedrohung nicht mehr erst durch konkrete Angriffe, sondern bereits durch Worte, politische Signale und internationale Stellungnahmen.

Damit richtet sich die Erklärung faktisch an zwei Adressaten. An die Vereinigten Staaten und an Israel. Auch wenn beide nicht namentlich genannt werden, ist der Kontext eindeutig. Die Proteste im Land werden vom Regime als von außen befeuert dargestellt. Warnungen aus Washington, insbesondere von US Präsident Donald Trump, wertet Teheran als Einmischung. Dass Trump öffentlich erklärte, die USA würden eingreifen, falls friedliche Demonstranten getötet würden, hat in Teheran Alarm ausgelöst.

Aus israelischer Sicht ist die Entwicklung besonders brisant. Die Führung in Jerusalem weiß, dass Iran seit Jahren versucht, jede interne Krise in eine äußere Konfrontation umzulenken. Schon jetzt kursieren Videos aus Iran, in denen Demonstranten Botschaften an Trump und an Ministerpräsident Benjamin Netanyahu richten. Für das Regime ist das der perfekte Vorwand, um von ausländischer Verschwörung zu sprechen.

Der iranische Machthaber Ali Khamenei hat diese Linie zuletzt selbst bekräftigt. In einem öffentlichen Beitrag warf er Israel vor, erst einen Waffenstillstand gefordert und anschließend Täuschung betrieben zu haben. Solche Aussagen sind kein spontaner Zorn. Sie dienen der Mobilisierung der eigenen Anhänger und der Legitimation möglicher Gewalt nach außen.

Ein Regime unter Druck greift nach außen

Die Reaktivierung des Nationalen Verteidigungsrates ist dabei ein zentrales Signal. Das Gremium war jahrzehntelang politisch bedeutungslos. Nun wird es bewusst in den Vordergrund gerückt, als kollektive Entscheidungsinstanz von Präsident, Militärführung und Justiz. Das zeigt, wie ernst die Lage eingeschätzt wird. Wenn ein Regime beginnt, seine gesamte Machtstruktur sicherheitspolitisch auszurichten, bedeutet das in der Regel, dass es sich existenziell bedroht fühlt.

Aus israelischer Perspektive ist diese Entwicklung gefährlich, aber nicht überraschend. Iran hat in der Vergangenheit wiederholt bewiesen, dass es bereit ist, regionale Spannungen zu instrumentalisieren, um interne Stabilität zu erzwingen. Präventivschläge sind dabei kein neues Konzept, sondern ein offenes Eingeständnis dessen, was längst Teil der iranischen Militärdoktrin ist.

Der entscheidende Unterschied liegt in der Offenheit. Teheran spricht nun aus, was früher nur implizit war. Wer als Feind wahrgenommen wird, muss nicht erst handeln, um Ziel zu werden. Das verändert die strategische Lage im Nahen Osten erheblich. Besonders für Israel, das seit Jahren versucht, iranische Aufrüstung und Einflussnahme einzudämmen.

Gleichzeitig zeigt die Drohung auch die Schwäche des Regimes. Ein Staat, der sich seiner inneren Stabilität sicher ist, braucht keine religiös aufgeladene Rechtfertigung für mögliche Militärschläge. Die zitierte Koranpassage am Ende der Erklärung ist weniger spirituell als politisch. Sie soll Gewalt legitimieren und Kritik im Keim ersticken.

Die kommenden Wochen werden entscheidend sein. Sollten die Proteste anhalten oder sich ausweiten, steigt der Druck auf die Führung weiter. Das Risiko, dass Teheran versucht, durch eine außenpolitische Eskalation die Reihen im Inneren zu schließen, ist real. Israel und die USA beobachten diese Entwicklung mit höchster Aufmerksamkeit.

Was jetzt formuliert wurde, ist keine leere Drohung. Es ist eine strategische Warnung aus einem Regime, das sich bedroht fühlt und bereit ist, diese Bedrohung nach außen zu verlagern. Für die Region bedeutet das eine neue Phase der Unsicherheit. Für Israel bedeutet es, wachsam zu bleiben und sich nicht von der Lautstärke der Worte täuschen zu lassen.


Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Khamenei.ir, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=141074394


Mittwoch, 07 Januar 2026

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