Kurden fordern den Sturz des Regimes: Irans Machtkampf erreicht eine neue EskalationsstufeKurden fordern den Sturz des Regimes: Irans Machtkampf erreicht eine neue Eskalationsstufe
Während das iranische Regime landesweit mit tödlicher Gewalt gegen Proteste vorgeht, treten kurdische Parteien geschlossen aus der Deckung. Erstmals seit Jahren fordern sie offen den Sturz der Islamischen Republik. Was sich im kurdischen Westen Irans formiert, ist mehr als Solidarität. Es ist eine strategische Kampfansage.
Der iranische Machtapparat steht unter Druck wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Seit Wochen erschüttern Proteste das Land, getragen von wirtschaftlicher Verzweiflung, politischer Aussichtslosigkeit und offener Wut auf die Islamische Republik. Nun verschiebt sich das Kräfteverhältnis weiter. Kurdische Oppositionsparteien, lange Zeit Ziel besonders brutaler Repression, haben sich öffentlich und koordiniert gegen das Regime positioniert und sprechen erstmals unmissverständlich von Regimewechsel.
Diese Entwicklung ist von erheblicher Bedeutung. Denn wenn es eine Region gibt, in der das iranische System historisch auf besonders organisierten Widerstand trifft, dann ist es Kurdistan. Der Westen Irans gilt seit Jahrzehnten als neuralgischer Punkt der inneren Stabilität. Genau dort formiert sich nun politischer und bewaffneter Druck.
Die Demokratische Partei Kurdistans Iran erklärte in einer Stellungnahme, das Ziel sei der Sturz des Regimes und der Aufbau eines demokratischen Staates, in dem Minderheiten nicht länger unterdrückt werden. Ein Vertreter der Partei in Europa sprach offen von einem Iran, in dem Freiheit, politische Teilhabe und Gleichberechtigung nicht länger leere Versprechen seien. Diese Worte sind keine Rhetorik. Sie markieren einen strategischen Bruch mit Jahren vorsichtiger Zurückhaltung.
Gleichzeitig betonten mehrere kurdische Organisationen ihre Einigkeit. Über Parteigrenzen hinweg wurde ein gemeinsames Signal gesendet: Die kurdische Bevölkerung stehe geschlossen hinter den landesweiten Protesten. Generalstreiks, geschlossene Märkte und anhaltende Demonstrationen in kurdischen Städten gelten als Beweis dafür, dass Drohungen, Einschüchterung und Gewalt ihre Wirkung verlieren.
Dass das Regime darauf mit massiver Gewalt reagiert, überrascht nicht. Historisch trifft die Repression ethnische Minderheiten besonders hart, sobald sie sich an landesweiten Aufständen beteiligen. Kurden, Belutschen und Araber zählen regelmäßig zu den ersten Opfern. Genau deshalb verfügen diese Gruppen über dichte Widerstandsnetzwerke und eine hohe Mobilisierungsfähigkeit. Was derzeit sichtbar wird, ist das Resultat jahrelanger Unterdrückung.
Neben der PDKI tritt auch die Kurdistan Freedom Party zunehmend offensiv auf. Die Organisation verfügt über kampferfahrene Einheiten, die bereits im Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat in Irak eingesetzt waren. Ihre bewaffneten Strukturen erklärten öffentlich, Angriffe auf Einheiten der iranischen Revolutionsgarden durchgeführt zu haben. Ob alle gemeldeten Operationen überprüfbar sind, ist zweitrangig. Entscheidend ist die Botschaft: Der bewaffnete Widerstand gegen Teheran ist zurück auf der Bühne.
Noch komplexer ist die Rolle der Partei für ein freies Leben in Kurdistan, die ideologisch aus dem linken Spektrum stammt und Verbindungen zur PKK hat. Während andere kurdische Akteure pragmatisch-national orientiert sind, spricht PJAK offen von Verbrechen gegen die Menschlichkeit. In ihrer Erklärung verurteilte sie den systematischen Einsatz leichter und schwerer Waffen gegen Zivilisten und machte die gezielte Abschaltung von Internet und Kommunikation zum Thema. Die Proteste, so heißt es, würden von Jugendlichen und Frauen getragen und seien nicht mehr umkehrbar.
Für das Regime ist diese Entwicklung brandgefährlich. Kurdische Parteien verfügen nicht nur über politische Strukturen, sondern über bewaffnete Erfahrung, regionale Verwurzelung und internationale Kontakte. Wenn sich soziale Massenproteste im Kernland mit organisiertem Widerstand in den Randregionen verbinden, gerät die innere Kontrolle ins Wanken.
Noch ist offen, ob Teheran diesen Sturm übersteht. Die Islamische Republik hat in der Vergangenheit bewiesen, dass sie bereit ist, Tausende zu töten, um ihre Macht zu sichern. Doch diesmal ist etwas anders. Die Proteste halten an, die Angst schwindet, und erstmals seit Langem formiert sich Opposition nicht isoliert, sondern koordiniert.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: Symbolbild KI generiert
Dienstag, 13 Januar 2026