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Durchgesickerte Regierungsumfrage zeigt beispiellose Ablehnung des iranischen Systems

Durchgesickerte Regierungsumfrage zeigt beispiellose Ablehnung des iranischen Systems


Interne Erhebungen aus dem Umfeld der iranischen Präsidialverwaltung zeichnen ein drastisches Bild. Die Distanz zwischen Bevölkerung und Machtapparat ist tiefer als je zuvor. Das Regime kennt diese Zahlen und handelt trotzdem mit Gewalt.

Durchgesickerte Regierungsumfrage zeigt beispiellose Ablehnung des iranischen Systems

Was auf Irans Straßen seit Jahren sichtbar ist, liegt nun auch schwarz auf weiß vor. Interne Umfragen aus dem Umfeld der iranischen Regierung belegen eine massive Entfremdung zwischen Bevölkerung und politischem System. Laut mehreren übereinstimmenden Berichten aus exiliranischen Medien und Leaks aus Teheran erreicht die Ablehnung des bestehenden Systems historische Ausmaße.

Konkret handelt es sich um eine vertrauliche Erhebung, die im Auftrag staatlicher Stellen durchgeführt wurde und nicht für die Öffentlichkeit bestimmt war. Ziel war es, der politischen Führung ein realistisches Lagebild zur gesellschaftlichen Stimmung zu liefern. Die Ergebnisse fielen derart eindeutig aus, dass sie nie offiziell veröffentlicht wurden.

Nach übereinstimmenden Darstellungen lag der Anteil der Befragten, die mit den politischen, wirtschaftlichen und sozialen Zuständen im Land unzufrieden sind, bei über 90 Prozent. Entscheidend ist dabei, dass sich diese Ablehnung nicht auf einzelne Politiker oder Regierungen bezieht, sondern auf das gesamte Machtgefüge der Islamischen Republik - einschließlich des Amtes des Obersten Führers, der Revolutionsgarden und der religiös legitimierten Staatsstruktur.

Ablehnung nicht neu - aber erstmals intern dokumentiert

Bereits im November 2025 berichteten unabhängige iranische Medien im Exil, dass eine Umfrage der Iranian Student Polling Agency (ISPA), die im Auftrag staatlicher Stellen arbeitete, zu nahezu identischen Ergebnissen kam. Auch dort wurde von einer breiten, systemischen Unzufriedenheit gesprochen, die sich quer durch Altersgruppen, Regionen und soziale Schichten zieht.

Diese Umfragen bestätigen, was Proteste, Boykotte von Wahlen und alltägliche Formen des zivilen Ungehorsams seit Jahren zeigen: Die Bevölkerung empfindet das politische System nicht mehr als legitim. Besonders häufig genannt werden wirtschaftliche Perspektivlosigkeit, Korruption, Wasserknappheit, soziale Ungleichheit und die massive Einschränkung persönlicher Freiheiten.

Das Regime kennt die Zahlen - und reagiert mit Repression

Bemerkenswert ist nicht nur das Ausmaß der Ablehnung, sondern der Umgang der Führung mit diesem Wissen. Statt Reformen einzuleiten, reagiert das Regime mit verschärfter Repression. Die jüngsten Massenverhaftungen, Hinrichtungen und die gezielte Verfolgung von Minderheiten wie den Bahai stehen in direktem Zusammenhang mit der Angst der Führung vor einem Kontrollverlust.

Dass diese Maßnahmen nicht auf Unwissen beruhen, sondern trotz klarer interner Lagebilder erfolgen, macht sie politisch umso brisanter. Die Führung weiß, dass sie keine gesellschaftliche Rückendeckung mehr hat. Sie hält sich nicht durch Zustimmung, sondern durch Gewalt an der Macht.

Eine stille Wahrheit mit Sprengkraft

Die Bedeutung dieser Umfragen liegt weniger in der exakten Prozentzahl als in ihrer Herkunft. Es handelt sich nicht um oppositionelle Wunschzahlen, sondern um Daten aus dem Inneren des Systems. Genau das macht sie für Teheran gefährlich - und erklärt, warum sie nie offiziell bestätigt wurden.

Für die internationale Gemeinschaft werfen diese Erkenntnisse eine unbequeme Frage auf: Wie stabil ist ein System, das intern weiß, dass es von der überwältigenden Mehrheit seiner eigenen Bevölkerung abgelehnt wird?


Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Khamenei.ir, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=181156124


Sonntag, 18 Januar 2026

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