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Iran geht gegen Bahai vor und erklärt religiöse Minderheit zu „Randalierern“

Iran geht gegen Bahai vor und erklärt religiöse Minderheit zu „Randalierern“


Nach Wochen massiver Proteste sucht das Regime in Teheran neue Sündenböcke. Nun trifft es erneut die Bahai. Festnahmen, Spionagevorwürfe und alte Feindbilder zeigen, wie konsequent die Islamische Republik jede Form von Abweichung kriminalisiert.

Iran geht gegen Bahai vor und erklärt religiöse Minderheit zu „Randalierern“

Der iranische Staat hat erneut Mitglieder der Bahai-Gemeinschaft festnehmen lassen und ihnen Beteiligung an angeblichen „Unruhen“ vorgeworfen. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Tasnim meldete, sollen Sicherheitsbehörden ein landesweites Netzwerk von Bahai identifiziert haben, das angeblich an Protesten und Sachbeschädigungen beteiligt gewesen sei. Nach offiziellen Angaben wurden zwölf Personen festgenommen, weitere dreizehn vorgeladen.

Die Anschuldigungen fügen sich nahtlos in ein seit Jahrzehnten bekanntes Muster. Die Bahai gelten in der Islamischen Republik als illegitime Religionsgemeinschaft und werden regelmäßig als Bedrohung für Staat und Gesellschaft dargestellt. Der Vorwurf der Spionage für Israel ist dabei fester Bestandteil der staatlichen Rhetorik. Begründet wird er immer wieder mit der Tatsache, dass sich das geistige Zentrum der Bahai in Haifa befindet - ein Argument, das ausreicht, um eine gesamte Glaubensgemeinschaft unter Generalverdacht zu stellen.

Nach Angaben des iranischen Geheimdienstes soll das mutmaßliche Netzwerk in mehreren Landesteilen aktiv gewesen sein, unter anderem in Teheran. Als zentraler Treffpunkt wurde die Stadt Maschhad im Osten des Landes genannt. Belege für die Vorwürfe legte das Regime nicht vor. Unabhängige Beobachter weisen darauf hin, dass solche Anklagen häufig genutzt werden, um politischen Druck auszuüben und von eigener Verantwortung für soziale und wirtschaftliche Missstände abzulenken.

Die jüngsten Festnahmen erfolgten vor dem Hintergrund landesweiter Proteste, die sich in den vergangenen Monaten an wirtschaftlicher Not, Korruption und politischer Repression entzündet hatten. Nachdem Sicherheitskräfte die Demonstrationen mit brutaler Gewalt niederschlugen, sucht das Regime nun sichtbar nach inneren Feinden. Religiöse Minderheiten geraten dabei besonders leicht ins Visier.

Die Bahai sind die größte nichtmuslimische Religionsgemeinschaft im Iran. Ihre genaue Zahl ist schwer zu beziffern, Schätzungen gehen von mehreren Hunderttausend Menschen aus. Seit der Islamischen Revolution von 1979 sind sie systematischer Diskriminierung ausgesetzt. Ihnen wird der Zugang zu Universitäten verwehrt, Eigentum wird beschlagnahmt, Friedhöfe zerstört, führende Vertreter regelmäßig inhaftiert.

Besonders prägend war eine Fatwa des obersten Führers Ali Khamenei aus dem Jahr 2013, in der er die Bevölkerung aufforderte, jeglichen Umgang mit Bahai zu vermeiden. Diese religiöse Ächtung hat bis heute praktische Konsequenzen im Alltag vieler Iraner. Zwei Jahre später verurteilte der US-Senat die Verfolgung der Bahai scharf und forderte die Freilassung inhaftierter Gemeindemitglieder - ohne spürbare Wirkung in Teheran.

Auch in den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu Festnahmen. 2022 wurden in Nordiran zwölf Bahai verhaftet und als „zionistische Spione“ bezeichnet. Die aktuelle Welle zeigt, dass sich an der Grundhaltung des Regimes nichts geändert hat. Wer nicht in das religiös-ideologische Weltbild der Islamischen Republik passt, wird kriminalisiert.

Menschenrechtsorganisationen sehen in den neuen Verhaftungen ein weiteres Indiz dafür, wie das Regime versucht, innere Spannungen durch Repression und die Konstruktion von Feindbildern zu kontrollieren. Die Bahai dienen dabei als leichtes Ziel - schutzlos, entrechtet und politisch machtlos.


Autor: Redaktion
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Montag, 19 Januar 2026

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