Nach der Hoffnung kommt die Repression: Stimmen aus Teheran „Wir hofften auf Trump geblieben ist nur Angst“Nach der Hoffnung kommt die Repression: Stimmen aus Teheran „Wir hofften auf Trump geblieben ist nur Angst“
Während die Welt auf Schlagzeilen blickt, erstickt der Alltag in Teheran im Schweigen. Eine iranische Bürgerin schildert exklusiv, wie Internetabschaltungen, Angst und die ausgebliebene Hilfe des Westens die Protestbewegung lähmen und warum das Verstummen kein Zeichen von Ruhe ist, sondern von brutaler Unterdrückung.
In Teheran ist es leiser geworden. Nicht, weil der Widerstand verschwunden wäre, sondern weil Angst stärker geworden ist als Hoffnung. Leila, eine Bewohnerin der iranischen Hauptstadt, beschreibt in einem seltenen Gespräch die Realität hinter den Fassaden eines Regimes, das auf Erschöpfung setzt und auf das Vergessen der Welt hofft.
Die Proteste, die vor wenigen Tagen noch ganze Straßenzüge erfassten, sind sichtbar zurückgegangen. Doch dieser Rückgang ist kein politisches Signal, sondern das Ergebnis systematischer Zerstörung öffentlicher Kommunikation. Fast vollständige Internetabschaltungen haben die Menschen voneinander abgeschnitten. Wer keinen Zugang zu Satellitenverbindungen hat, ist faktisch von der Außenwelt isoliert. Informationen zirkulieren nur noch flüsternd, wenn überhaupt.
„Es fühlt sich an, als würde uns die Luft abgedreht“, sagt Leila. Nachrichten kommen nur minutenweise durch, bevor die Verbindung erneut gekappt wird. Für das Regime ist diese digitale Dunkelheit ein Instrument der Kontrolle. Ohne Bilder, ohne Videos, ohne Stimmen von innen verliert der Protest seine internationale Resonanz und damit einen seiner wichtigsten Schutzmechanismen.
Die Angst ist allgegenwärtig. Nicht nur vor Verhaftungen, sondern vor dem Verschwinden. Menschen überlegen dreimal, bevor sie überhaupt das Haus verlassen. Gespräche werden abgebrochen, sobald Fremde in der Nähe sind. Die Straße ist kein öffentlicher Raum mehr, sondern ein Risiko. Schweigen ist zur Überlebensstrategie geworden.
Besonders bitter ist die Enttäuschung über die Vereinigten Staaten. Viele Iraner hatten gehofft, dass Präsident Donald Trump mehr tun würde als drohen. Die Erwartung war nicht romantisch, sondern nüchtern: politischer oder militärischer Druck, der dem Regime signalisiert, dass seine Gewalt nicht folgenlos bleibt. Stattdessen blieb es bei Worten.
„Wir haben geglaubt, dass Amerika handeln würde“, sagt Leila. „Nicht nur reden.“ In Teheran wird die Zurückhaltung Washingtons als klares Zeichen interpretiert. Nicht als Besonnenheit, sondern als Desinteresse. Jeder Tag ohne Konsequenzen stärkt die Überzeugung der Machthaber, dass sie freie Hand haben.
Der Frust richtet sich nicht nur gegen die USA. Auch Israel wird genannt - nicht aus Feindseligkeit, sondern aus Hoffnung. Viele Iraner sehen in Israel einen Staat, der das iranische Regime klarer einschätzt als andere. Doch Hoffnung ohne sichtbare Unterstützung nutzt sich schnell ab. Zurück bleibt das Gefühl, allein gelassen worden zu sein.
Die Proteste sind nicht verschwunden. Sie wurden unterdrückt. Das ist ein entscheidender Unterschied. Was von außen wie Ruhe wirkt, ist in Wahrheit ein Zustand erzwungener Starre. Das Regime setzt auf genau diesen Effekt: Ermüdung, Vereinzelung, Resignation. Es weiß, dass Gewalt nicht dauerhaft sichtbar sein darf, um international nicht zu reagieren zu zwingen.
Leila warnt davor, das Schweigen falsch zu deuten. „Stille bedeutet nicht Akzeptanz“, sagt sie. „Sie bedeutet Angst.“ Jeder Tag, an dem die Welt wegschaut, ist für das Regime eine Bestätigung. Jede ausgebliebene Reaktion ist eine Einladung zur nächsten Repressionswelle.
Die iranische Gesellschaft steht an einem gefährlichen Punkt. Der Wille zum Wandel ist da, doch ohne äußeren Druck wird er systematisch erstickt. Was bleibt, ist ein Land, das innerlich kocht und äußerlich erstarrt und eine Bevölkerung, die sich fragt, wie viele Tote es noch braucht, bis Schweigen nicht mehr als Neutralität gilt.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: Symbolbild KI generiert
Montag, 19 Januar 2026