Risse im Machtapparat Teherans werden sichtbarRisse im Machtapparat Teherans werden sichtbar
Interne Informationen iranischer Funktionäre gelangen zunehmend an westliche Medien. Die Enthüllungen zeichnen ein Bild massiver Gewalt gegen Demonstranten und zeigen, wie tief die Unruhe im Inneren des Regimes bereits reicht.
Während das iranische Regime weiter versucht, Kontrolle und Geschlossenheit zu demonstrieren, dringen immer mehr Informationen aus dem innersten Machtzirkel nach außen. Leaks hochrangiger Funktionäre an westliche Medien deuten auf eine Entwicklung hin, die in Teheran als gefährlich gilt: wachsender Widerstand nicht nur auf den Straßen, sondern innerhalb des Systems selbst.
Berichte, die in den vergangenen Tagen in den Vereinigten Staaten veröffentlicht wurden, zeichnen ein deutlich anderes Bild als jenes, das die Führung um Ali Chamenei nach außen verbreitet. Statt angeblicher ausländischer Drahtzieher, die Unruhen steuern sollen, sprechen interne Quellen von gezielten Anweisungen zur tödlichen Niederschlagung der Proteste.
Zwei iranische Regierungsvertreter, die über direkte Befehle des obersten Führers informiert gewesen sein sollen, erklärten gegenüber westlichen Journalisten, Sicherheitskräfte seien ausdrücklich angewiesen worden, mit scharfer Munition vorzugehen. Die Order habe gelautet, ohne Zurückhaltung zu handeln und keine Rücksicht zu zeigen.
Diese Aussagen stehen in klarem Widerspruch zu den offiziellen Stellungnahmen Teherans, wonach es sich bei den Ausschreitungen um gewaltsame Aktionen extremistischer Gruppen handele, die angeblich von außen unterstützt würden.
Besonders brisant ist der Unterschied bei den Opferzahlen. Während das Regime bei internationalen Gremien von etwas mehr als dreitausend Toten sprach, berichten mehrere hochrangige Quellen von bis zu dreißigtausend Menschen, die allein an zwei Tagen Anfang Januar ums Leben gekommen sein sollen. Sollten sich diese Angaben bestätigen, würde dies eines der schwersten innerstaatlichen Blutbäder seit der Gründung der Islamischen Republik darstellen.
Für die Führung in Teheran ist nicht allein die Zahl der Opfer gefährlich, sondern die Tatsache, dass diese Informationen aus den eigenen Reihen stammen. Jeder Leak untergräbt das zentrale Narrativ des Regimes, wonach es sich lediglich um die Abwehr von Chaos und Terror handle.
Menschenrechtsorganisationen berichten zusätzlich von systematischem Druck auf Angehörige der Getöteten. Familien sollen gezwungen worden sein, ihre ermordeten Verwandten offiziell als Mitglieder regimetreuer Milizen auszugeben. Wer sich weigerte, riskierte Repressionen, Enteignung oder weitere Verhaftungen.
Auch innerhalb der Sicherheitskräfte selbst zeigen sich Brüche. Das US-Außenministerium bestätigte Berichte über einen Soldaten, dem die Hinrichtung drohe, weil er sich geweigert habe, auf Demonstranten zu schießen. Diese Weigerung wurde aus amerikanischer Sicht als moralisch gerechtfertigt bezeichnet, ein ungewöhnlich klares Signal in diplomischer Sprache.
Parallel dazu verschärft ein landesweiter Internetstillstand die Lage. Der Zugang zum internationalen Netz ist weiterhin stark eingeschränkt. Innerhalb des Regimes herrscht darüber offener Streit. Einige Machtzentren befürchten, dass eine Wiederherstellung des Netzes neue Proteste ermöglichen würde. Andere warnen, dass die wirtschaftlichen Schäden durch die digitale Abschottung die Unzufriedenheit weiter anheizen.
Staatsnahe Medien verkündeten mehrfach, die Verbindung werde bald vollständig wiederhergestellt. Technische Überwachungsdienste registrierten jedoch lediglich kurze, instabile Zugänge. Selbst diese widersprüchlichen Meldungen offenbaren, wie wenig einheitlich das Vorgehen inzwischen ist.
Auffällig ist, dass selbst Medien, die traditionell eng an die Revolutionsgarden gebunden sind, öffentlich unterschiedliche Positionen vertreten. Während einige vor einer Rückkehr zur Normalität warnen, argumentieren andere, die digitale Isolation schade der nationalen Sicherheit mehr als sie nütze.
Hinzu kommt eine Entwicklung, die in Teheran als besonders alarmierend gilt: Berichte über diplomatische Absetzbewegungen. Nach Angaben oppositioneller Exilmedien soll ein hochrangiger Vertreter der iranischen UN-Mission in Genf seinen Posten verlassen und mit seiner Familie in der Schweiz um Asyl ersuchen. Weitere Funktionäre sollen demnach ähnliche Schritte prüfen.
Sollte sich dies bestätigen, wäre es ein deutliches Signal dafür, dass selbst privilegierte Mitglieder des Systems nicht mehr an seine Stabilität glauben.
Für Israel sind diese Entwicklungen von hoher strategischer Bedeutung. Ein geschwächtes iranisches Regime reagiert nach außen häufig unberechenbarer, während es im Inneren um seine Existenz ringt. Zugleich zeigen die aktuellen Enthüllungen, dass das Bild einer geschlossenen Führung zunehmend Fassade ist.
Je mehr Informationen aus dem Inneren nach außen dringen, desto schwerer wird es für Teheran, Gewalt als Schutzmaßnahme darzustellen. Die Risse im Machtapparat sind sichtbar geworden. Und sie werden größer.
Ob daraus echter Wandel entsteht oder eine neue Welle brutaler Repression folgt, ist offen. Sicher ist nur: Das iranische Regime kämpft nicht mehr allein gegen Protestierende auf der Straße. Es kämpft zunehmend gegen Zweifel in den eigenen Reihen.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Standardwhale - Own work, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=181521691
Dienstag, 27 Januar 2026