Irans Regime wankt im Schatten des Trump-DealsIrans Regime wankt im Schatten des Trump-Deals
Die Iran-Expertin Tamar Eilam Gindin beschreibt ein Regime, das nach außen Stärke spielt und nach innen Angst zeigt. Der mögliche Deal mit Trump könnte Teheran retten, obwohl die Islamische Republik verwundbarer wirkt als seit Jahren.

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Das iranische Regime kämpft nicht nur gegen IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen, gegen die USA und gegen den Druck der Sanktionen. Es kämpft auch gegen den eigenen Zerfall. In einem ausführlichen Gespräch mit dem israelischen Journalisten Moshe Nussbaum zeichnet die Iran-Expertin Dr. Tamar Eilam Gindin ein Bild eines Machtapparats, der nach außen Härte zeigt, im Inneren aber von Misstrauen, Angst, Informationskontrolle und wachsender Nervosität geprägt ist. Ihr zentraler Vorwurf ist hart: Der Krieg habe dem Regime schwere Schläge versetzt, doch Donald Trump habe ihm mit den neuen Verhandlungen einen Rettungsring zugeworfen.
Eilam Gindin, Linguistin und Iran-Kennerin am Ezri-Zentrum der Universität Haifa, beschreibt Iran nicht als geschlossenen Block, sondern als System, das sich mit wachsender Unsicherheit selbst verwaltet. Sie berichtet, dass sie seit 2015 davon ausgehe, von den RevolutionsgardenIslamische Revolutionsgarden: Machtzentrum des iranischen RegimesDie Islamischen Revolutionsgarden sind eine mächtige militärische, politische und wirtschaftliche Organisation der Islamischen Republik Iran. Sie wurden nach der Revolution von 1979 gegründet, unterstehen dem Obersten Führer und steuern über die Quds-Einheit Irans regionales Terrornetzwerk.Mehr lesen digital überwacht zu werden. Damals seien diese nach ihrer Darstellung in ihren Computer eingedrungen, offenbar um zu prüfen, mit welchen Iranern sie in Kontakt stehe. Seitdem kommuniziere sie mit Menschen im Iran nur noch über Dritte, meist Iraner in anderen Ländern. Das sagt viel über den Zustand eines Staates, der sogar Gespräche mit Experten im Ausland als Bedrohung betrachtet.
Besonders aufschlussreich ist ihre Einschätzung zur inneren Lage. Während das Regime nach außen Siegesparolen verbreitet, sieht Eilam Gindin breite Gegnerschaft in der Bevölkerung. Exakte Zahlen gebe es nicht, doch viele Hinweise sprächen dafür, dass die Zahl der Regimegegner die der Unterstützer deutlich übersteige. Wenn die Führung Demonstrationen für sich organisiere, gebe es Berichte über bezahlte oder unter Druck gesetzte Teilnehmer. Bei echten Protesten dagegen gingen Menschen auf die Straße, obwohl sie wüssten, dass sie verhaftet, gefoltert oder getötet werden könnten. Das ist ein anderes Maß an Entschlossenheit.
Der mögliche Deal mit Washington fällt deshalb in eine besonders sensible Phase. Nach Eilam Gindins Einschätzung war die Islamische Republik durch Krieg, gezielte Tötungen hochrangiger Funktionäre und wirtschaftlichen Druck stark geschwächt. Gerade in einem solchen Moment könne ein Verhandlungsprozess gefährlich sein, wenn er dem Regime Zeit, Legitimität und wirtschaftliche Luft verschaffe. Ihre Formulierung ist eindeutig: Trump habe die Erfolge des Krieges in den Papierkorb geworfen, indem er einem am seidenen Faden hängenden Regime mit den Verhandlungen einen Rettungsring gegeben habe.
Diese Kritik trifft den Kern der israelischen Debatte. Diplomatie kann sinnvoll sein, wenn sie ein gefährliches Regime wirklich beschränkt. Sie wird aber gefährlich, wenn sie einem geschwächten Gegner erlaubt, sich zu stabilisieren, seine Sicherheitsapparate neu zu ordnen und nach innen wieder Stärke zu demonstrieren. Iran braucht nicht nur Geld. Iran braucht Zeit. Und genau diese Zeit könnte ein schlechter Deal liefern.
Besonders brisant sind Eilam Gindins Aussagen über die Führungsspitze. Sie beschreibt den neuen obersten Führer Mojtaba Khamenei als weitgehend „virtuell“. Es gebe nur eine sehr kleine Zahl von Personen, die angeblich Zugang zu ihm hätten. Ob diese Personen tatsächlich mit ihm sprechen oder Entscheidungen in seinem Namen treffen, sei von außen kaum zu überprüfen. Sie verweist auf Zweifel innerhalb iranischer Kreise, auf widersprüchliche Meldungen über seinen Zustand und auf die Möglichkeit, dass das Regime auch dann den Eindruck einer Führung aufrechterhalten könnte, wenn diese real gar nicht handlungsfähig ist. Ihre zugespitzte Deutung: Der Iran könne einen „verborgenen Führer“ inszenieren, weil das System nicht unbedingt die Person brauche, sondern die Idee der Person.
Das ist mehr als eine Spekulation über Machttechniken. In einem religiös geprägten Herrschaftssystem kann Abwesenheit selbst politisch verwertet werden. Sichtbarkeit ist nicht zwingend nötig, solange die Apparate behaupten können, im Namen der höchsten Autorität zu handeln. Genau darin liegt die Gefahr: Wenn niemand eindeutig verantwortlich ist, können Revolutionsgarden, Sicherheitsrat, Staatsfernsehen und harte Fraktionen Entscheidungen treffen und sie später der Führung zuschreiben.
Eilam Gindin sieht auch die Rolle der iranischen Staatsmedien kritisch. Diese dienten nicht nur der PropagandaDesinformation: Gezielte Täuschung der ÖffentlichkeitDesinformation bezeichnet bewusst verbreitete falsche oder irreführende Informationen. Ziel ist häufig, Menschen zu täuschen, Vertrauen zu zerstören, Konflikte zu verschärfen oder politische Entscheidungen zu beeinflussen.Mehr lesen nach außen, sondern auch der inneren Disziplinierung. Das Regime versuche, Stärke zu zeigen, auch wenn es geschwächt sei. Zugleich wachse die Zahl der Hinrichtungen. Für sie sind Hinrichtungen ein Seismograf der Angst des Systems: Je schwächer, gedemütigter oder unsicherer das Regime sei, desto brutaler gehe es gegen die eigene Bevölkerung vor. Nach Protesten und während des Krieges seien Verfahren beschleunigt und Gefangene schneller hingerichtet worden. Ein Abkommen mit den USA würde daran nach ihrer Einschätzung wenig ändern. Im Gegenteil: Die Führung könnte nach innen noch härter auftreten, um jede Wahrnehmung von Schwäche zu unterdrücken.
Für Israel ist diese Analyse unbequem, aber wichtig. Sie widerspricht der Vorstellung, Iran sei ein normaler Verhandlungspartner mit klarer Führung und rationalen Entscheidungswegen. Nach dieser Lesart ist Teheran ein System aus Machtzentren, religiöser Legitimation, Revolutionsgarden, Propaganda, Angst und innerer Gewalt. Ein solches System kann Abkommen taktisch nutzen, ohne seine strategischen Ziele aufzugeben.
Eilam Gindin betont zugleich, dass das iranische Volk nicht mit der Islamischen Republik verwechselt werden dürfe. Diese Unterscheidung ist entscheidend. Israel führt keinen Krieg gegen Iraner als Volk. Der Gegner ist das Regime, das seine eigene Bevölkerung unterdrückt und zugleich Israel vernichten will. Gerade deshalb sieht sie in Reza Pahlavi, dem Sohn des letzten Schahs, eine wichtige oppositionelle Figur. Aus ihrer Sicht werde seine Bedeutung im Westen und auch von Teilen der israelischen Führung unterschätzt. Bei Protesten hätten viele Iraner seinen Namen gerufen. Ob daraus eine politische Zukunft entstehen kann, bleibt offen. Aber es zeigt, dass die Islamische Republik nicht das ganze Land repräsentiert.
Die vielleicht wichtigste Botschaft des Interviews lautet: Die Islamische Republik ist verwundbar, aber nicht besiegt. Sie kann Niederlagen religiös umdeuten, taktische Verluste als spirituelle Siege verkaufen und Märtyrertum als Stärke inszenieren. Wer dieses Denken nicht versteht, unterschätzt Teheran. Militärische Erfolge allein reichen nicht, wenn sie nicht in eine klare politische Strategie eingebettet werden.
Für JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen bedeutet das: Ein Deal mit Iran darf nicht danach bewertet werden, ob er Schlagzeilen beruhigt oder Märkte entlastet. Entscheidend ist, ob er das Regime tatsächlich schwächt, seine nuklearen Fähigkeiten begrenzt, seine Stellvertreter trifft und der iranischen Bevölkerung nicht die Hoffnung nimmt, dass die Zeit der Islamischen Republik enden kann. Wenn die Verhandlungen nur dazu führen, dass ein wankendes Regime wieder Halt findet, wäre der Preis zu hoch.
Iran steht unter Druck. Das Regime weiß das. Die Menschen im Land wissen es. Und genau deshalb wird der kommende Deal, falls er kommt, nicht nur über Uran, Sanktionen oder die Straße von HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen entscheiden. Er wird auch darüber entscheiden, ob Teheran noch einmal Luft bekommt oder ob der Druck auf ein System bestehen bleibt, das nach innen längst viel schwächer wirkt, als seine Parolen vermuten lassen.
Autor: Redaktion
Sonntag, 31 Mai 2026