Iran will Teherans historische Qavam Kirche konfiszieren und zeigt damit seine Angst vor den eigenen ChristenIran will Teherans historische Qavam Kirche konfiszieren und zeigt damit seine Angst vor den eigenen Christen
In Teheran steht eine der letzten protestantischen Kirchen des Iran vor der Beschlagnahmung. Das Regime trifft nicht nur Gebäude, sondern Menschen, Glauben und Erinnerung.

Bildnachweis: Symbolbild / KI
Die Islamische Republik Iran geht offenbar gegen eines der letzten historischen Zentren des protestantischen Christentums in Teheran vor. Nach Berichten von Iran International und der JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen Post drohen iranische Behörden damit, das Gelände der Saint Peter Evangelical Church, auch als Qavam Kirche bekannt, zu beschlagnahmen und rund 20 dort lebende Familien zu vertreiben. Sicherheitskräfte sollen bereits in eine Sitzung der Kirche gekommen sein, angeblich um Menschen zu „identifizieren“. Später, so soll angekündigt worden sein, wolle man zurückkehren, die Bewohner entfernen und das Gelände übernehmen.
Das ist kein gewöhnlicher Verwaltungsstreit um ein Grundstück. Es ist ein Angriff auf eine religiöse Minderheit, auf historische Erinnerung und auf jene Menschen, die im Iran schon lange gelernt haben, ihren Glauben leise zu leben. Die Qavam Kirche steht nicht irgendwo. Sie befindet sich im Zentrum Teherans, in einer Stadt, in der das Regime jede freie Stimme, jede unabhängige Gemeinschaft und jede nicht kontrollierte religiöse Bindung als Gefahr betrachtet. Wer dort als Christ sichtbar bleibt, widerspricht allein durch seine Existenz dem Anspruch der Mullahs, das Leben der Menschen bis in Gewissen und Gebet hinein zu beherrschen.
Die Kirche wurde 1876 von amerikanischen Missionaren gegründet, auf Land, das einst unter Naser al Din Schah Kadschar gewährt worden sein soll. Fast 150 Jahre lang diente sie der kleinen protestantischen Gemeinschaft im Iran. Damit ist sie mehr als ein Gebäude. Sie ist ein Stück iranischer Geschichte, lange vor der Islamischen Revolution von 1979, lange vor der Herrschaft der Revolutionsgarde, lange vor jener religiösen Zwangsordnung, die heute alles Fremde, Freie und Unkontrollierbare verdächtigt.
Ein altes Gotteshaus im Griff der Revolutionsgarde
Besonders schwer wiegt der Bericht, dass Behörden bereits einen rund 10.000 Quadratmeter großen Garten der Kirche beschlagnahmt haben sollen. Nach Angaben aus dem Umfeld der Kirche soll dieses Gelände inzwischen von vier Vertretern der Islamischen Revolutionsgarde beansprucht werden. Ein neuer Eigentumsnachweis sei auf ihre Namen ausgestellt worden. Kirchenmitarbeiter und Gemeindemitglieder sollen gewarnt worden sein, sie würden als Eindringlinge gelten, wenn sie das Gelände betreten.
So sieht Enteignung im Namen der Macht aus. Erst wird ein Ort eingeschüchtert. Dann wird Besitz umgeschrieben. Dann werden die rechtmäßigen Nutzer zu Störern erklärt. Am Ende steht nicht nur eine geschlossene Kirche, sondern eine Botschaft an alle Minderheiten im Land: Was euch gestern noch gehörte, kann morgen dem Regime gehören.
Die Jerusalem Post verweist auf Sasan Tavassoli, einen in den USA lebenden Geistlichen der Presbyterianischen Kirche im Iran. Er schilderte eine bemerkenswerte Aussage, die Sicherheitskräfte gemacht haben sollen. Sinngemäß habe man gesagt, man habe sich früher vor Amerika gefürchtet, doch nach den jüngsten Ereignissen sei diese Furcht verschwunden. Der Satz passt in die Lage nach dem Iran Krieg 2026 und den Verhandlungen zwischen Washington und Teheran. Das Regime wirkt nicht befriedet. Es wirkt ermutigt. Es tritt nach innen härter auf, gerade gegen jene, die keine Waffen haben, keine Milizen, keine internationale Macht im Rücken.
In den vergangenen Wochen wurde bereits die evangelische Kirche in Mashhad zerstört. Der Weltbund Reformierter Kirchen berichtete Anfang Juni über die vollständige Zerstörung des Gebäudes. Auch der Ökumenische Rat der Kirchen äußerte tiefe Sorge über die Zerstörung in Mashhad und über den wachsenden Druck auf kirchliche Einrichtungen in Teheran. Damit steht die Qavam Kirche nicht als Einzelfall da. Sie wirkt wie der nächste Schritt in einer Reihe von Angriffen auf christliche Orte.
Ein Regime fürchtet den Glauben der eigenen Bürger
Die Härte gegen Christen hat einen Grund. Der iranische Staat fürchtet nicht nur politische Opposition. Er fürchtet jede Form innerer Freiheit. Besonders protestantische und evangelikale Gemeinden gelten dem Regime als verdächtig, weil sie Menschen erreichen können, die nicht in den traditionellen armenischen oder assyrischen Gemeinden aufgewachsen sind. Persischsprachige Gottesdienste, Hauskirchen, Bekehrungen vom Islam zum Christentum, all das ist für die Mullahs ein Kontrollverlust.
Nach Einschätzungen von Iran Experten gibt es seit Jahren Hinweise auf eine wachsende Zahl von Konversionen zum Christentum, vor allem in protestantischen Formen. Verlässliche offizielle Zahlen gibt es naturgemäß nicht, denn ein Regime, das solche Entwicklungen verfolgt und bestraft, wird sie kaum ehrlich veröffentlichen. Doch die Reaktion des Staates spricht für sich. Wo Menschen aus der Ideologie des Regimes ausbrechen, reagiert Teheran mit Überwachung, Verhaftungen, Schließungen und Enteignungen.
Die Qavam Kirche trifft das Regime deshalb symbolisch. Sie steht für eine iranische Geschichte, die nicht in das Bild der Islamischen Republik passt. Sie erinnert daran, dass der Iran nicht nur aus Revolutionsparolen, schwarzen Turbanen und Drohungen gegen IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen besteht. Der Iran war und ist auch Heimat von Juden, Christen, Bahai, Sunniten, Atheisten, Dissidenten, Künstlern, Frauenrechtlerinnen und Menschen, die einfach nur frei leben wollen. Genau diese Vielfalt hasst das Regime, weil sie seine Lüge entlarvt: Es behauptet, im Namen des iranischen Volkes zu sprechen, während es große Teile dieses Volkes zum Schweigen bringt.
Wer heute über den Iran spricht, darf deshalb nicht nur über Uran, Raketen, Sanktionen und Drohnen sprechen. Diese Themen sind lebenswichtig, besonders für Israel. Aber der innere Krieg des Regimes gegen die eigene Bevölkerung gehört zur gleichen Wahrheit. Dieselbe Macht, die HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen, HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen, HouthisHuthi: Terrororganisation des Iran-Netzwerks im JemenDie Huthi, auch Ansar Allah genannt, sind eine schiitisch-islamistische Terrororganisation aus dem Jemen. Sie kontrollieren große Teile des Nordwestens, werden vom Iran unterstützt und bedrohen Israel sowie die internationale Schifffahrt im Roten Meer.Mehr lesen und andere Terrorarme finanziert, verfolgt im Inneren Christen, Frauen, Demonstranten und Minderheiten. Außen exportiert sie Gewalt. Innen erstickt sie Freiheit.
Gerade deshalb ist die drohende Beschlagnahmung der Qavam Kirche ein Warnsignal. Ein Regime, das Kirchen enteignet und zerstört, will nicht Stabilität. Es will Gehorsam. Ein Staat, der religiöse Minderheiten einschüchtert, schützt nicht seine Ordnung. Er verrät seine Schwäche. Und eine Führung, die nach außen Stärke spielt, aber im Inneren alte Gotteshäuser fürchtet, zeigt damit, wie brüchig ihre Macht geworden ist.
Für die Christen im Iran geht es nicht um Denkmalschutz allein. Es geht um ihre letzten Räume, ihre Geschichte, ihre Gemeinschaft und ihr Recht, ohne Angst zu beten. Wenn die Qavam Kirche fällt, verliert Teheran nicht nur ein Gebäude. Der Iran verliert ein weiteres Stück seiner Seele an ein Regime, das längst nicht mehr zwischen Glauben, Besitz und Macht unterscheidet.
Autor: Redaktion
Mittwoch, 01 Juli 2026