Sommer-Unterstützung
Die erste Hilfe kam an - der Sommer ist noch nicht gesichert
Einige Leserinnen und Leser haben haOlam.de bereits geholfen. Das war wichtig, reicht für den Sommerbetrieb aber noch nicht. Damit Redaktion, Technik und laufende Arbeiten verlässlich weitergehen können, bitten wir jetzt um weitere Unterstützung.
Iran baut offenbar weiter an geheimer Atomanlage nahe Natanz

Iran baut offenbar weiter an geheimer Atomanlage nahe Natanz


Neue Satellitenbilder zeigen auffällige Aktivitäten am unterirdischen Standort Pickaxe Mountain. Während bekannte Atomanlagen kaum Bewegung zeigen, wächst der Verdacht, dass Teheran den vereinbarten nuklearen Stillstand unterläuft.

Iran baut offenbar weiter an geheimer Atomanlage nahe Natanz
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Iran gibt der Welt wieder einmal Grund, genau hinzusehen. Neue Satellitenbilder von Ende Juni zeigen nach Angaben des Washingtoner Institute for Science and International Security fortgesetzte Aktivitäten am Standort Pickaxe Mountain, einem tief in den Bergen liegenden Tunnelkomplex nahe der Atomanlage Natanz. Es ist ein Ort, über den Teheran wenig preisgibt, den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde bislang nicht betreten konnten und dessen genauer Zweck weiter unklar ist.

Gerade deshalb ist jede Bewegung dort politisch brisant. Während an den bekannten iranischen Atomanlagen Natanz, Fordow und Isfahan nach Auswertung der Bilder kaum neue Aktivität zu erkennen ist, erscheint der Bereich um Pickaxe Mountain als Ausnahme. Dort wurden Fahrzeuge auf Straßen beobachtet, die zu westlichen Tunnelöffnungen führen. Nach Einschätzung der Experten deutet das darauf hin, dass innerhalb des Tunnelkomplexes weiter gearbeitet wird und auch die Zugänge verstärkt werden.

Das wäre nicht nur ein technisches Detail. Nach dem zwischen Washington und Teheran vereinbarten Memorandum soll Iran den nuklearen Status quo wahren. Wenn dieser Stillstand tatsächlich alle nuklearbezogenen Standorte umfasst, dann wären neue Bauarbeiten an Pickaxe Mountain ein schweres Warnsignal. Es wäre der bekannte iranische Reflex: nach außen verhandeln, nach innen absichern, unter der Erde Fakten schaffen.

Teheran hat über Jahrzehnte gelernt, Zeit als Waffe zu benutzen. Jede Frist, jede Verhandlungsrunde, jede Grauzone wird genutzt, um Wissen, Material, Infrastruktur und Schutzräume zu sichern. Das iranische Atomprogramm war nie nur ein Laborprojekt. Es war immer auch ein politisches Machtinstrument, geschützt durch Verschleierung, Verzögerung und die Hoffnung, dass die internationale Gemeinschaft sich irgendwann an Unklarheit gewöhnt.

Der Berg, den niemand kontrolliert

Pickaxe Mountain ist für diese Strategie ein besonders heikler Fall. Der Standort liegt nahe Natanz und wird seit Jahren mit möglichen nuklearen Zwecken in Verbindung gebracht. Fachleute halten verschiedene Funktionen für denkbar: Lagerung sensibler Ausrüstung, Schutz wertvoller Materialien, Verlagerung von Aktivitäten aus verwundbareren Anlagen oder Vorbereitung eines tief geschützten Standorts, der auch nach Angriffen weiter genutzt werden könnte. Sicher bewiesen ist der genaue Zweck nicht. Genau das ist das Problem.

Ein Standort, der tief im Berg liegt, kaum zugänglich ist und nie von der Internationalen Atomenergiebehörde inspiziert wurde, darf in einem Atomabkommen keine Randnotiz sein. Wenn Iran ernsthaft beweisen wollte, dass es den Stillstand einhält, müsste es genau dort Transparenz zulassen. Ein Stopp der Arbeiten und Zugang für Inspektoren wären ein Mindestmaß an Vertrauen. Stattdessen zeigen die Bilder nach Einschätzung der amerikanischen Experten, dass Aktivitäten weitergehen.

Auffällig ist zugleich, was an anderen Standorten nicht passiert. In Natanz sind die Zugänge zu unterirdischen Anreicherungshallen weiterhin nicht repariert. Personaleingänge bleiben zerstört, Zufahrten für Fahrzeuge schwer beschädigt, wichtige Kühl- und Stromsysteme offenbar nicht wiederhergestellt. In Fordow wurden ebenfalls keine Hinweise auf geöffnete Tunnelzugänge gemeldet. Die im Mai erkennbaren passiven Schutzmaßnahmen entlang der Zufahrten liegen weiter dort. In Isfahan waren Ende Juni keine neuen Aktivitäten zu erkennen, die Tunnelöffnungen blieben mit Erde bedeckt.

Das kann zweierlei bedeuten. Entweder Iran ist tatsächlich noch nicht in der Lage, die schwer getroffenen Kernanlagen schnell wiederherzustellen. Oder Teheran konzentriert sich bewusst auf jene Orte, die weniger bekannt, weniger überprüft und schwerer zu bewerten sind. Beides ist für IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen und den Westen wichtig. Denn ein beschädigtes Atomprogramm ist nicht automatisch ein beendetetes Atomprogramm. Besonders dann nicht, wenn ein Regime im Verborgenen neue Ausweichorte vorbereitet.

Stillstand ist nur etwas wert, wenn er überprüfbar ist

Für Israel ist dieser Fall keine akademische Frage. Iran hat über Jahre HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen, HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen, Islamischen Dschihad, die HuthiHuthi: Terrororganisation des Iran-Netzwerks im JemenDie Huthi, auch Ansar Allah genannt, sind eine schiitisch-islamistische Terrororganisation aus dem Jemen. Sie kontrollieren große Teile des Nordwestens, werden vom Iran unterstützt und bedrohen Israel sowie die internationale Schifffahrt im Roten Meer.Mehr lesen und weitere Kräfte gestützt, die den jüdischen Staat bedrohen. Ein iranisches Atomprogramm ist deshalb nie nur ein fernes Problem der Rüstungskontrolle. Es steht in einem größeren System aus Raketen, Drohnen, TerrorfinanzierungPay for Slay: Wie Terror gegen Israelis weiter belohnt wird„Pay for Slay“ ist ein kritischer Begriff für palästinensische Zahlungen an in Israel inhaftierte Täter, freigelassene Gefangene und Familien getöteter Angreifer. Kritiker sehen darin eine Belohnung für Terror gegen Israelis.Mehr lesen und regionaler Erpressung. Wer Teheran beim Atomprogramm Spielräume lässt, stärkt am Ende auch die Hand jener Kräfte, die in GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen, im Libanon, in Syrien, im Irak und im Jemen gegen Israel und westliche Interessen arbeiten.

Die entscheidende Lehre aus den neuen Satellitenbildern lautet daher: Ein Abkommen mit Iran darf nicht an schönen Formeln gemessen werden, sondern an Zugang, Kontrolle und Folgen bei Verstößen. Der Begriff „Status quo“ klingt beruhigend. Aber er ist wertlos, wenn ein uninspektierter Bergkomplex weiter bearbeitet werden kann, während Diplomaten über Vertrauen sprechen.

Washington steht damit vor einem frühen Test. Wenn das Memorandum ernst gemeint ist, darf Pickaxe Mountain nicht zur Grauzone werden. Entweder Iran legt offen, was dort geschieht, oder der Westen muss davon ausgehen, dass Teheran den vereinbarten Stillstand bereits aushöhlt. Jede Nachsicht würde das alte Muster bestätigen: Iran unterschreibt, interpretiert, verzögert und baut weiter.

Es ist richtig, vorsichtig zu bleiben. Satellitenbilder beweisen nicht automatisch, was in einem Tunnel geschieht. Sie zeigen keine Zentrifugen, keine Uranbestände und keine endgültige Nutzung des Standorts. Aber sie zeigen Bewegung an einem Ort, an dem gerade Stillstand erwartet werden müsste. Und bei einem Regime mit Irans Vorgeschichte reicht das nicht aus, um zur Tagesordnung überzugehen.

Der Westen sollte sich nicht erneut von der Hoffnung betäuben lassen, Iran werde durch Papier gezähmt. Vertrauen entsteht nicht durch Unterschriften, sondern durch überprüfbare Offenlegung. Pickaxe Mountain ist deshalb mehr als ein Berg nahe Natanz. Es ist ein Testfall für die Glaubwürdigkeit des ganzen Abkommens.

Wenn Teheran dort weiterarbeitet, während es sich international auf einen nuklearen Stillstand beruft, dann ist die Botschaft klar: Iran betrachtet das Memorandum nicht als Grenze, sondern als Spielraum. Genau diesen Spielraum darf Washington nicht gewähren. Und Israel hat jedes Recht, darauf zu bestehen, dass ein unterirdischer Standort, den niemand kontrolliert, nicht zur nächsten Versicherungspolice der Islamischen Republik wird.




Autor: Redaktion
Sonntag, 05 Juli 2026

haOlam unterstützen

haOlam ist auf die Unterstützung seiner Leserinnen und Leser angewiesen. Jeder Beitrag hilft, unabhängige Berichterstattung weiterzuführen.

Sie benötigen nicht zwingend ein PayPal-Konto. Im nächsten Schritt kann je nach PayPal-Anzeige auch eine Zahlung per Karte angeboten werden.

Sie möchten unsere Arbeit unterstützen, nutzen aber kein PayPal? Schreiben Sie uns kurz, wir melden uns mit den passenden Möglichkeiten.

empfohlene Artikel
weitere Artikel von: Redaktion
Newsletter


meistgelesene Artikel der letzten 7 Tage