Teherans Medien machen aus Chameneis Rachedrohung einen Angriffsbefehl gegen IsraelTeherans Medien machen aus Chameneis Rachedrohung einen Angriffsbefehl gegen Israel
Iranische Titelseiten kündigen Vergeltung an, markieren Politiker und Golfstaaten als Ziele und richten ihre Botschaften sogar auf Hebräisch an Israel. Kayhan fordert offen Angriffe auf israelische Infrastruktur.

Bildnachweis: Symbolbild / KI
Die Führung in Teheran überlässt ihre Rachedrohungen nicht mehr einzelnen Militärsprechern oder Reden vor ausgesuchtem Publikum. Am Sonntag verwandelten regimenahe iranische Zeitungen die Ankündigungen des neuen Obersten Führers Mojtaba Chamenei in eine breit angelegte Medienkampagne. Auf mehreren Titelseiten wurde Vergeltung für den Tod seines Vaters Ali Chamenei als unausweichlich dargestellt. IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen, die Vereinigten Staaten und mehrere arabische GolfstaatenStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen wurden dabei nicht nur als politische Gegner bezeichnet, sondern als mögliche Ziele kommender Angriffe präsentiert.
Die Botschaften unterschieden sich kaum voneinander. Kayhan schrieb, Rache sei eine Forderung des Volkes und werde mit Gewissheit ausgeführt. Hamshahri kündigte an: „Wir werden uns auf jeden Fall rächen.“ Asr Iranian zeigte amerikanische, israelische und arabische Politiker als Teil einer Gruppe, deren Mitglieder nach Darstellung des Blattes nicht friedlich sterben sollen. Die Zeitung Jam Jam wählte für ihre Titelseite die Worte „Rache bald“, nicht nur auf Persisch und Englisch, sondern ausdrücklich auch auf Hebräisch. Die Botschaft sollte Israel erreichen und dort verstanden werden.
Die auffällige Gleichförmigkeit ist kaum als zufällige Übereinstimmung mehrerer Redaktionen zu verstehen. Sie deutet vielmehr auf den Versuch hin, eine staatliche Botschaft gleichzeitig nach innen und außen zu verbreiten. Der iranischen Bevölkerung soll vermittelt werden, dass weitere Opfer, wirtschaftliche Schäden und militärische Angriffe Teil einer notwendigen Vergeltung seien. Israel und die arabischen Nachbarstaaten sollen zugleich wissen, dass Teheran die Liste seiner möglichen Ziele erweitert.
Besonders deutlich wird dies bei Kayhan. Das Blatt gehört zu den einflussreichsten Sprachrohren des Machtapparats. Sein Chefredakteur Hossein Schariatmadari steht dem Büro des Obersten Führers nahe und veröffentlicht regelmäßig Texte, die eine besonders harte Linie des Regimes vorgeben. In seinem aktuellen Leitartikel erklärte er Angriffe auf amerikanische Stützpunkte und auf Infrastruktur in Staaten, die amerikanische Truppen beherbergen, ausdrücklich für gerechtfertigt. Diese Angriffe dürften nicht beendet werden.
Doch Schariatmadari geht noch weiter. Iran dürfe nicht nur amerikanische Einrichtungen in Kuwait, Bahrain, Katar oder Jordanien treffen. Das wichtigste und empfindlichste Ziel der Vereinigten Staaten sei Israel. Ein Angriff auf den jüdischen Staat müsse daher als direkter Schlag gegen Washington verstanden werden. Schariatmadari fordert ausdrücklich Angriffe auf israelische Infrastruktur und strategische Zentren. Solche Schläge würden nach seiner Darstellung die Vereinigten Staaten besonders schwer treffen.
Israel wird zum Hauptziel der iranischen Vergeltung erklärt
Die Sprache des Kayhan Leitartikels lässt wenig Raum für beschwichtigende Deutungen. Israel wird dort als amerikanischer Vorposten dargestellt, dessen Zerstörung den Einfluss der Vereinigten Staaten in der Region brechen könne. Schariatmadari verbindet diese Forderung mit der Schließung der Straße von Hormus und sogar der Meerenge Bab al Mandab. Sein Ziel ist nicht ein begrenzter militärischer Gegenschlag. Er beschreibt eine Strategie, die Israel angreifen, den internationalen Schiffsverkehr treffen und amerikanische Verbündete im gesamten Nahen Osten unter Druck setzen soll.
Damit bestätigt das Regime erneut, dass seine Auseinandersetzung mit Israel nicht auf einzelne militärische Entscheidungen begrenzt ist. In Teheran wird Israel nicht als Staat betrachtet, mit dem ein politischer Konflikt besteht. Es wird als grundsätzlich unrechtmäßiges Gebilde dargestellt, dessen Infrastruktur, Regierung und Bevölkerung als Teile eines feindlichen Systems gelten.
Für Israel ist diese Unterscheidung entscheidend. Wer öffentlich zu Angriffen auf zentrale Infrastruktur aufruft, spricht nicht nur über militärische Einrichtungen. Stromversorgung, Verkehrswege, Häfen, Kommunikationsnetze und Energieanlagen dienen immer auch der Zivilbevölkerung. Angriffe auf solche Ziele sollen den Alltag lahmlegen, Angst verbreiten und die Widerstandskraft der Gesellschaft brechen.
Die iranische Medienkampagne folgt deshalb einem bekannten Muster. Zuerst werden politische und militärische Verantwortliche persönlich markiert. Dann wird Israel als eigentlicher Schwachpunkt der Vereinigten Staaten dargestellt. Schließlich werden Angriffe auf seine Infrastruktur als notwendige und rechtmäßige Vergeltung bezeichnet. Aus PropagandaDesinformation: Gezielte Täuschung der ÖffentlichkeitDesinformation bezeichnet bewusst verbreitete falsche oder irreführende Informationen. Ziel ist häufig, Menschen zu täuschen, Vertrauen zu zerstören, Konflikte zu verschärfen oder politische Entscheidungen zu beeinflussen.Mehr lesen wird damit die öffentliche Vorbereitung möglicher Gewalt.
Während der mehrtägigen Trauerfeiern für Ali Chamenei waren bereits große Plakate mit der englischen Aufschrift „We Will Kill Trump“ gezeigt worden. Teilnehmer riefen, der amerikanische Präsident werde getötet. Diese Botschaften waren weder versteckt noch auf kleine Gruppen beschränkt. Sie wurden inmitten staatlich organisierter Massenveranstaltungen gezeigt und von internationalen Nachrichtenagenturen dokumentiert.
Mojtaba Chamenei selbst hatte in einer schriftlichen Botschaft Vergeltung für den Tod seines Vaters angekündigt. Der neue Oberste Führer ist seit Beginn des Krieges kaum öffentlich aufgetreten. Nach Berichten internationaler Medien wurde er bei dem Angriff, bei dem sein Vater starb, schwer verletzt. Trotzdem werden seine schriftlichen Erklärungen nun als Grundlage einer Kampagne genutzt, die persönliche Rache mit staatlicher Militärpolitik verbindet.
Das Regime versucht damit zugleich, Stärke zu zeigen. Es muss erklären, weshalb Ali Chamenei getötet werden konnte, weshalb iranische Militäranlagen zerstört wurden und weshalb die Vereinigten Staaten erneut Ziele im Süden des Landes angreifen. Die Antwort lautet nicht Selbstkritik, sondern Rache. Die Verantwortung für den Krieg wird nach außen verlagert, während jede weitere iranische Gewalt als Verteidigung des Landes dargestellt wird.
Auch die Golfstaaten geraten auf Teherans Zielliste
Die Kampagne richtet sich nicht allein gegen Israel und die Vereinigten Staaten. Auf den iranischen Titelseiten erscheinen auch der Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate, Mohammed bin Zayed, der König von Bahrain, Hamad bin Isa Al Chalifa, und der Emir von Kuwait, Mischal Al Ahmad Al Dschaber Al Sabah. Ihre Länder werden beschuldigt, amerikanische oder israelische Angriffe gegen Iran zu unterstützen.
Schariatmadari erklärt in Kayhan, die Vereinigten Staaten, Israel und bestimmte arabische Staaten bildeten im Krieg gegen Iran praktisch eine Einheit. Deshalb könnten und sollten alle in die Liste legitimer Ziele aufgenommen werden. Diese Argumentation hebt die Souveränität der betroffenen Staaten vollständig auf. Nach Teherans Logik genügt bereits die Stationierung amerikanischer Soldaten oder die Zusammenarbeit mit Washington, um militärische Angriffe auf das jeweilige Land zu rechtfertigen.
Die Folgen dieser Politik sind bereits sichtbar. Iran hat in den vergangenen Tagen Raketen und Drohnen in Richtung Bahrain, Kuwait, Katar und Jordanien abgefeuert. Gleichzeitig griffen die Vereinigten Staaten erneut iranische Militärstellungen an. Israel erklärte, seine Streitkräfte seien auf eine weitere Angriffswelle gegen Iran vorbereitet und würden bei Bedarf mit noch größerer Kraft vorgehen.
Vor diesem Hintergrund sind die iranischen Titelseiten keine entfernte Propaganda ohne Bezug zur Wirklichkeit. Die militärischen Mittel, über die dort geschrieben wird, werden bereits eingesetzt. Während Kayhan weitere Angriffe fordert, heulen in den Golfstaaten die Sirenen. Während Jam Jam auf Hebräisch „Rache bald“ ankündigt, bereitet sich Israel auf neue iranische Raketen und Drohnen vor.
Dabei darf die iranische Bevölkerung nicht mit dem Regime gleichgesetzt werden. Viele Menschen im Iran haben in den vergangenen Monaten gegen die Herrschaft der Geistlichen protestiert und dafür einen hohen Preis bezahlt. Familien trauern um Angehörige, die von Sicherheitskräften getötet wurden. Andere sitzen in Gefängnissen oder mussten das Land verlassen. Die Forderung nach Rache ist deshalb nicht automatisch die Forderung eines ganzen Volkes, auch wenn die staatlichen Medien genau diesen Eindruck erzeugen wollen.
Gerade darin liegt der Zweck der Kampagne. Das Regime erklärt seine eigene Entscheidung zur Stimme der Nation. Es beansprucht, für alle Iraner zu sprechen, während abweichende Stimmen unterdrückt werden. Ein Land, in dem unabhängige Medien verfolgt und Kritiker inhaftiert werden, kann keine freie öffentliche Zustimmung zu einem Krieg hervorbringen.
Für Israel zählt am Ende nicht nur, was Teheran in vertraulichen Sitzungen beschließt. Entscheidend ist auch, was es seiner Bevölkerung und möglichen Anhängern öffentlich vermittelt. Wer Rache zur nationalen Pflicht erklärt, Politiker als Todeskandidaten abbildet und Angriffe auf israelische Infrastruktur verlangt, schafft ein Klima, in dem weitere Gewalt nicht als Verbrechen, sondern als erwartete Tat erscheint.
Die iranische Führung kündigt nicht an, den Konflikt zu beenden. Sie baut eine Erzählung auf, die jeden neuen Angriff rechtfertigen soll. Israel kann es sich nicht leisten, diese Worte als bloße Inszenierung abzutun. Zu oft wurden die Vernichtungsdrohungen aus Teheran im Ausland als Rhetorik behandelt, bis Raketen, Drohnen und Terrororganisationen daraus eine militärische Wirklichkeit machten.
Autor: Redaktion
Sonntag, 12 Juli 2026