Iran greift Tanker in der Straße von Hormus an: Ein Seemann getötet, acht verletztIran greift Tanker in der Straße von Hormus an: Ein Seemann getötet, acht verletzt
Iranische Marschflugkörper trafen zwei Tanker der Vereinigten Arabischen Emirate in omanischen Hoheitsgewässern. Die Revolutionsgarden bekannten sich zu dem Angriff und drohten weiteren Handelsschiffen. Gleichzeitig beschoss Iran nach eigenen Angaben einen US-Stützpunkt in Jordanien.

Bildnachweis: MC2 Indra Beaufort /
QuelleIran hat seine Angriffe auf die internationale Schifffahrt in der Straße von HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen weiter verschärft. Zwei iranische Marschflugkörper trafen in der Nacht zum Dienstag die Tanker „Mombasa B“ und „Al Bahiyah“, während sie die südliche Fahrrinne der Meerenge innerhalb omanischer Hoheitsgewässer passierten.
Ein indischer Seemann wurde getötet. Acht weitere Besatzungsmitglieder erlitten Verletzungen, vier von ihnen schwere. Unter den Verletzten befinden sich sechs indische und zwei ukrainische Staatsbürger. Auf beiden Schiffen brachen Brände aus, die von den Besatzungen unter Kontrolle gebracht werden konnten.
Das Verteidigungsministerium der Vereinigten Arabischen Emirate bezeichnete den Angriff als schweren Verstoß gegen das Völkerrecht. Abu Dhabi erklärte, das Land behalte sich das Recht vor, alle notwendigen Maßnahmen zum Schutz seiner Sicherheit und Souveränität zu ergreifen. Die Streitkräfte seien in höchster Alarmbereitschaft.
Die Islamischen RevolutionsgardenIslamische Revolutionsgarden: Machtzentrum des iranischen RegimesDie Islamischen Revolutionsgarden sind eine mächtige militärische, politische und wirtschaftliche Organisation der Islamischen Republik Iran. Sie wurden nach der Revolution von 1979 gegründet, unterstehen dem Obersten Führer und steuern über die Quds-Einheit Irans regionales Terrornetzwerk.Mehr lesen bekannten sich anschließend zu den Angriffen. Sie erklärten, die beiden angeblich „fehlbaren“ oder „widerrechtlich handelnden“ Tanker hätten Warnungen ignoriert, Navigationssysteme abgeschaltet und versucht, eine verminte Route zu befahren. Unabhängige Belege für diese Darstellung legten die Revolutionsgarden nicht vor.
Stattdessen drohten sie allen Schiffen, die sich nach iranischer Darstellung an einer von den Vereinigten Staaten organisierten Durchfahrt beteiligen. Eine solche Zusammenarbeit werde zu Schäden, einer verzögerten Wiederöffnung der Meerenge und einer weltweiten Energiekrise führen, hieß es in iranischen Medien.
Damit bestätigt Teheran selbst, worum es bei den Angriffen geht. Iran versucht, den internationalen Schiffsverkehr durch Gewalt zu kontrollieren und Reedereien zur Anerkennung seiner einseitig verhängten Sperre zu zwingen.
Iran beschießt zivile Schiffe in omanischen Gewässern
Die beiden Tanker befanden sich nach Angaben der Vereinigten Arabischen Emirate nicht in iranischen Gewässern, sondern innerhalb der Hoheitsgewässer Omans. Der Angriff war daher nicht nur ein Anschlag auf Handelsschiffe, sondern auch eine Missachtung der Souveränität eines Nachbarstaates, der sich seit Beginn des Konflikts um Vermittlung bemüht.
Die getöteten und verletzten Seeleute waren keine Soldaten. Sie gehörten zu internationalen Besatzungen, die zivile Schiffe durch eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt führten. Iran nahm ihren Tod und ihre Verletzungen in Kauf, um seinen politischen Anspruch auf die Kontrolle der Straße von Hormus durchzusetzen.
Die Behauptung der Revolutionsgarden, Schiffe dürften nach Warnungen angegriffen werden, kehrt die Rechtslage um. Iran besitzt kein Recht, eine internationale Meerenge nach Belieben zu schließen, alternative Routen zu verminen oder zivile Handelsschiffe mit Marschflugkörpern zu beschießen.
Eine Warnung macht einen solchen Angriff nicht rechtmäßig.
Zusätzlich meldete die britische Stelle United Kingdom Maritime Trade Operations einen weiteren Zwischenfall rund 40 Seemeilen nordöstlich der omanischen Hafenstadt Qalhat. Ein zunächst nicht identifiziertes Geschoss traf demnach den Maschinenraum eines Tankers auf der Steuerbordseite. Die Besatzung blieb unverletzt. Ob dieser Vorfall mit den Angriffen auf die beiden Schiffe der Emirate zusammenhing, war zunächst nicht geklärt.
Revolutionsgarden greifen auch Jordanien an
Nahezu zeitgleich erklärten die Revolutionsgarden, sie hätten einen amerikanischen Luftwaffenstützpunkt in Jordanien mit ballistischen Raketen angegriffen. Iranische Staatsmedien verbreiteten die Erklärung, ohne zunächst überprüfbare Angaben über mögliche Treffer oder Schäden vorzulegen.
Die Revolutionsgarden richteten zugleich eine zynische Botschaft an die jordanische Bevölkerung. Iran hege angeblich keine Feindschaft gegen Jordanien und „liebe“ dessen Volk. Die Jordanier sollten jedoch dafür sorgen, dass amerikanische Stützpunkte aus ihrem Land verschwänden.
Diese Formulierung ist nichts anderes als eine Drohung. Iran erklärt einem Nachbarstaat zunächst seine angebliche Freundschaft und feuert gleichzeitig ballistische Raketen auf dessen Territorium. Die Bevölkerung soll anschließend die eigene Regierung für den iranischen Angriff verantwortlich machen.
Jordanien beteiligt sich nicht als Angreifer am Krieg gegen Iran. Die Führung in Amman hat wiederholt betont, nicht zur Kriegspartei werden zu wollen. Dennoch verletzt Iran den jordanischen Luftraum und versucht, das Königreich wegen seiner Sicherheitspartnerschaft mit den Vereinigten Staaten unter Druck zu setzen.
Nach jordanischen Angaben fing die Luftabwehr am Dienstag vier iranische Raketen ab, die in den Luftraum des Königreichs eingedrungen waren. Bereits in den Tagen zuvor hatte Jordanien mehrere iranische Geschosse abgeschossen.
Iran akzeptiert die Neutralität seiner Nachbarn damit nur unter einer Bedingung: Sie dürfen iranischen Raketen keinen Widerstand entgegensetzen und keine amerikanischen Kräfte beherbergen. Wer sein eigenes Territorium schützt, wird von Teheran zum Feind erklärt.
Neue Angriffe auf Bahrain und Kuwait
Auch in Bahrain heulten am Dienstagmorgen erneut die Luftschutzsirenen. Bahrains Luftabwehr meldete, iranische Angriffe abgefangen und zerstört zu haben. Aufnahmen zeigten Rauch über der Hauptstadt Manama.
Die Revolutionsgarden behaupteten anschließend, unter anderem Radarstellungen der amerikanischen Fünften Flotte, ein Patriot-Radar sowie ein C-RAM-Frühwarnsystem zerstört zu haben. CENTCOM-Sprecher Tim Hawkins wies die Angaben zurück und bezeichnete die iranischen Behauptungen über zerstörte Kommunikationssysteme und Munitionslager als Lügen.
Auch aus Kuwait meldeten iranische Staatsmedien angebliche Treffer gegen kritische Einrichtungen amerikanischer Stützpunkte. Unabhängige Bestätigungen lagen zunächst nicht vor.
Das Muster ist inzwischen deutlich. Iran feuert Raketen und Drohnen auf mehrere arabische Staaten, behauptet anschließend große militärische Erfolge und erklärt gleichzeitig, keinen Konflikt mit deren Bevölkerung zu wollen. Die Botschaft richtet sich an die Regierungen: Beendet eure Beziehungen zu den Vereinigten Staaten oder wir tragen den Krieg in eure Städte.
Das Memorandum ist endgültig zusammengebrochen
Die neue Angriffswelle bestätigt das Scheitern des im Juni unterzeichneten Memorandums zwischen Washington und Teheran. Die Vereinbarung sollte die Kämpfe unterbrechen, die Schifffahrt stabilisieren und für 60 Tage einen Rahmen für weitere Verhandlungen schaffen.
Sie löste jedoch keines der zentralen Probleme. Iran behielt seine Raketen, Drohnen, Marineeinheiten und seinen Anspruch, über die Durchfahrt durch die Straße von Hormus bestimmen zu dürfen. Das Regime musste auch sein Netz bewaffneter Stellvertreter nicht aufgeben.
Nach dem iranischen Angriff auf ein zyprisch beflaggtes Containerschiff und der erneuten Erklärung Teherans, die Straße von Hormus sei geschlossen, reagierten die Vereinigten Staaten mit Schlägen gegen iranische RaketenstellungenTerrorinfrastruktur: Wie Terrorgruppen Krieg in zivile Räume verlagernTerrorinfrastruktur bezeichnet Einrichtungen, Netzwerke und Strukturen, die Terrororganisationen für Angriffe, Waffenlagerung, Kommandoführung, Ausbildung, Raketenbeschuss, Tunnelbau oder Logistik nutzen. Besonders gefährlich wird sie, wenn sie in Wohngebieten, Schulen, Moscheen oder Krankenhäusern versteckt wird.Mehr lesen, Marineeinrichtungen, Radaranlagen und Kommunikationsinfrastruktur.
Die amerikanischen Angriffe erfolgten damit nicht aus dem Nichts. Sie waren eine Reaktion auf Irans Angriffe gegen die Handelsschifffahrt und den Versuch, eine internationale Wasserstraße gewaltsam zu sperren.
US-Präsident Donald Trump kündigte am Montag an, die Blockade iranischer Schifffahrt wieder einzusetzen und die Straße von Hormus offen zu halten. Die Vereinigten Staaten würden künftig als Schutzmacht der Meerenge auftreten. Iran erklärte daraufhin, Washington habe keine Befugnis, über die Zukunft der Wasserstraße zu bestimmen.
Teheran beansprucht diese Befugnis allerdings selbst, obwohl die Straße von Hormus auch durch omanische Hoheitsgewässer verläuft und für die internationale Energieversorgung von zentraler Bedeutung ist.
Irans Krieg richtet sich längst gegen die gesamte Region
Mit dem Angriff auf die beiden Tanker hat Iran eine weitere Grenze überschritten. Das Regime beschränkt seine Gewalt nicht mehr auf amerikanische oder israelische Militärziele. Es greift zivile Schiffe, internationale Besatzungen und Staaten an, die selbst keine Offensive gegen Iran begonnen haben.
Ein indischer Seemann hat diesen Machtanspruch mit seinem Leben bezahlt. Weitere Seeleute aus Indien und der Ukraine wurden schwer verletzt. Bahrain, Kuwait und Jordanien müssen ihre Luftabwehr aktivieren, weil Teheran ihre Beziehungen zu Washington bestrafen will. Oman wird zum Schauplatz iranischer Angriffe, obwohl es sich um Vermittlung bemüht.
Die Revolutionsgarden nennen dies Widerstand gegen die Vereinigten Staaten. Tatsächlich nehmen sie die gesamte Region als Geisel.
Wer die Straße von Hormus mit Minen, Raketen und Drohungen kontrollieren will, verteidigt nicht die iranische Souveränität. Er greift die Souveränität aller Staaten an, die auf freie Schifffahrt, sichere Handelswege und den Schutz ihrer Bevölkerung angewiesen sind.
Autor: Redaktion
Dienstag, 14 Juli 2026