Washington schickt erstmals B-1-Bomber gegen IranWashington schickt erstmals B-1-Bomber gegen Iran
Erstmals seit Wiederaufnahme der Kämpfe setzt die US-Luftwaffe ihren schwersten konventionellen Langstreckenbomber ein. Das Ziel bleibt geheim, doch die Botschaft an Teheran ist unübersehbar.

Bildnachweis: Symbolbild / KI
Die Vereinigten Staaten haben erstmals seit der erneuten Aufnahme ihrer Angriffe auf Iran einen B-1B-Langstreckenbomber eingesetzt. Die Maschine griff am Dienstag Ziele der iranischen RevolutionsgardenIslamische Revolutionsgarden: Machtzentrum des iranischen RegimesDie Islamischen Revolutionsgarden sind eine mächtige militärische, politische und wirtschaftliche Organisation der Islamischen Republik Iran. Sie wurden nach der Revolution von 1979 gegründet, unterstehen dem Obersten Führer und steuern über die Quds-Einheit Irans regionales Terrornetzwerk.Mehr lesen an. US-Regierungsvertreter bestätigten den Einsatz gegenüber Axios. Die Mission begann auf einem britischen Luftwaffenstützpunkt, das genaue Angriffsziel wurde bislang nicht veröffentlicht.
Der Einsatz markiert mehr als den Austausch eines Flugzeugtyps. Washington bringt damit eines seiner leistungsfähigsten konventionellen Angriffsmittel zurück in den Krieg. Die B-1B Lancer kann große Mengen schwerer Präzisionsmunition über interkontinentale Entfernungen transportieren, mit hoher Geschwindigkeit in ein Einsatzgebiet eindringen und sowohl einzelne befestigte Ziele als auch weitläufige militärische Anlagen angreifen.
CENTCOM erwähnte die Beteiligung des Bombers in seiner Mitteilung über die Angriffe vom Dienstag nicht. Das US-Zentralkommando erklärte lediglich, amerikanische Streitkräfte hätten iranische Operationszentren, maritime Fähigkeiten, Flugzeughallen, Drohnenlager und militärische Versorgungseinrichtungen getroffen. Ziel der Angriffe sei es, Irans Fähigkeit zu schwächen, Handelsschiffe in der Straße von HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen zu bedrohen.
Dass der B-1-Einsatz zunächst nicht offiziell genannt wurde, ist nicht ungewöhnlich. Das Pentagon veröffentlicht bei laufenden Operationen häufig weder sämtliche beteiligten Plattformen noch die genaue Bewaffnung und Zielauswahl. Fest steht bislang nur, dass die Maschine gegen Ziele der Revolutionsgarden eingesetzt wurde. Ob sie RaketenstellungenTerrorinfrastruktur: Wie Terrorgruppen Krieg in zivile Räume verlagernTerrorinfrastruktur bezeichnet Einrichtungen, Netzwerke und Strukturen, die Terrororganisationen für Angriffe, Waffenlagerung, Kommandoführung, Ausbildung, Raketenbeschuss, Tunnelbau oder Logistik nutzen. Besonders gefährlich wird sie, wenn sie in Wohngebieten, Schulen, Moscheen oder Krankenhäusern versteckt wird.Mehr lesen, KommandozentrenTerrorinfrastruktur: Wie Terrorgruppen Krieg in zivile Räume verlagernTerrorinfrastruktur bezeichnet Einrichtungen, Netzwerke und Strukturen, die Terrororganisationen für Angriffe, Waffenlagerung, Kommandoführung, Ausbildung, Raketenbeschuss, Tunnelbau oder Logistik nutzen. Besonders gefährlich wird sie, wenn sie in Wohngebieten, Schulen, Moscheen oder Krankenhäusern versteckt wird.Mehr lesen, Luftabwehr, unterirdische Lager oder andere Einrichtungen angriff, bleibt offen.
Kein Kampfflugzeug, sondern ein fliegendes Waffenlager
In ersten Berichten wurde die B-1 irrtümlich als Kampfflugzeug bezeichnet. Tatsächlich handelt es sich um einen schweren strategischen Mehrzweckbomber. Nach Angaben der US-Luftwaffe kann die B-1B rund 34 Tonnen Waffen tragen. Möglich sind unter anderem 24 Bomben mit einem Gewicht von jeweils 2.000 amerikanischen Pfund, entsprechend rund 907 Kilogramm, oder bis zu 24 weitreichende AGM-158-Marschflugkörper.
Die vierstrahlige Maschine erreicht mehr als Schallgeschwindigkeit und kann ihre Tragflächen während des Fluges verstellen. Sie verbindet große Reichweite mit hoher Geschwindigkeit und einer außergewöhnlich schweren konventionellen Waffenlast. Anders als der Tarnkappenbomber B-2 ist die B-1 nicht für den unbemerkten Einflug in den modernsten gegnerischen Luftraum gebaut. Sie kann jedoch aus größerer Entfernung Präzisionswaffen absetzen oder nach der Schwächung der gegnerischen Luftabwehr große Mengen Munition gegen mehrere Ziele einsetzen.
Genau darin liegt die Bedeutung für den Krieg gegen Iran. Die Vereinigten Staaten haben in den vergangenen zwölf Tagen bereits zahlreiche Kommandoeinrichtungen, Drohnenlager, Marineanlagen und Raketenstellungen angegriffen. Der B-1 ermöglicht es, in einer einzigen Mission erheblich mehr Ziele zu bekämpfen oder besonders große Anlagen mit mehreren schweren Waffen gleichzeitig zu treffen.
Daraus folgt nicht, dass Washington bereits einen umfassenden Großangriff auf iranische Energieanlagen oder das politische Zentrum des Regimes beschlossen hat. Der unbekannte Zielort lässt eine solche Behauptung nicht zu. Der Einsatz zeigt jedoch, dass Präsident Donald Trump seinem Militär zusätzliche Möglichkeiten eröffnet und die bisherige Angriffskampagne nicht auf begrenzte Schläge mit Jagdbombern und Marschflugkörpern beschränken will.
Die B-1 startete nach Angaben von Axios von einem Stützpunkt im Vereinigten Königreich und war zeitweise über öffentlich zugängliche Flugverfolgungsdienste zu beobachten. Kurz zuvor hatte Bloomberg berichtet, der neue britische Premierminister Andy Burnham habe die Nutzung britischer Stützpunkte für bestimmte amerikanische Angriffe auf Iran genehmigt. Großbritannien stellt damit nicht nur politischen Rückhalt bereit, sondern ermöglicht konkrete militärische Operationen gegen das iranische Regime.
Für London ist dies eine Entscheidung mit Folgen. Britische Stützpunkte werden zu Ausgangspunkten amerikanischer Kampfeinsätze. Iran könnte versuchen, Großbritannien politisch, digital oder durch seine verbündeten Terrororganisationen unter Druck zu setzen. Gleichzeitig signalisiert Burnhams Regierung, dass Teherans Angriffe auf Schiffe, amerikanische Stützpunkte und Staaten der Region nicht als fernes Problem behandelt werden.
Trump schafft die Voraussetzungen für größere Angriffe
Der B-1-Einsatz fällt in eine Phase, in der die Vereinigten Staaten ihre Streitkräfte im Nahen Osten weiter verstärken. Nach Berichten amerikanischer Medien wurden zusätzliche Kampfflugzeuge in der Region verteilt und weitere Bomber in erhöhte Bereitschaft versetzt. Israelische und amerikanische Regierungsvertreter gehen davon aus, dass Trump über eine erhebliche Ausweitung der Angriffe nachdenkt.
Am Mittwoch hatte der Präsident Iran bereits mit einer festen Vergeltungsregel gedroht. Für jeden neuen Angriff auf ein Schiff in der Straße von Hormus werde die US-Luftwaffe eine iranische Brücke oder ein Kraftwerk zerstören. Trump bezog ausdrücklich Anlagen in Teheran und der Umgebung der Hauptstadt ein.
Die B-1 ist für eine solche Kampagne besonders geeignet. Sie kann eine große Zahl schwerer Präzisionswaffen mitführen und damit in einer Mission mehrere Infrastrukturziele treffen. Das bedeutet nicht, dass der Einsatz am Dienstag bereits gegen eine Brücke oder ein Kraftwerk gerichtet war. Er beweist aber, dass die Vereinigten Staaten nun über dem Iran eine Plattform einsetzen, mit der Trumps Drohung militärisch umgesetzt werden könnte.
Washington hatte die B-1 bereits zwischen Februar und April während der Operation „Epic Fury“ gegen Iran eingesetzt. Damals trafen die Bomber nach amerikanischen Angaben Raketenstützpunkte, Kommandozentren, Waffenlager und Einrichtungen der Luftverteidigung. Mit dem neuen Einsatz kehrt ein Waffensystem in den Krieg zurück, das für anhaltende und schwere Angriffsserien ausgelegt ist.
Teheran hat trotz der bisherigen Verluste seine Haltung zur Straße von Hormus nicht grundlegend geändert. Iranische Kräfte bedrohen weiterhin die Handelsschifffahrt und greifen amerikanische Einrichtungen in der Region an. Amerikanische Militärvertreter bewerten Irans Fähigkeiten unterschiedlich. Einige halten die militärische Stellung des Regimes an der Meerenge inzwischen für nahezu zerstört, andere warnen, dass noch immer genügend Raketen, Drohnen und Küstensysteme für weitere Angriffe vorhanden seien.
Genau deshalb ist die B-1 mehr als ein Symbol. Sie ermöglicht längere Missionen, größere Waffenlasten und die gleichzeitige Bekämpfung zahlreicher Ziele. Washington zeigt damit, dass es bereit ist, die Kosten für Teheran schneller zu erhöhen, als das Regime neue Angriffe vorbereiten kann.
Der Einsatz bedeutet noch keinen Übergang zu einem unbegrenzten Krieg. Diplomatische Vermittlungsversuche laufen weiter. Katar führt nach Angaben amerikanischer Vertreter weiterhin Gespräche mit Washington, Teheran und Oman über eine Öffnung der Straße von Hormus und ein Ende der Kämpfe. Die iranische Führung hat den jüngsten Vorschlag bislang jedoch nicht angenommen.
Trump hält damit beide Wege offen. Iran kann ein Abkommen akzeptieren und seine Angriffe beenden. Oder es muss damit rechnen, dass künftig nicht nur Jagdflugzeuge und Drohnen, sondern schwere Langstreckenbomber über seine militärischen Anlagen entscheiden.
Die B-1 ist kein gewöhnliches Flugzeug in einer weiteren Angriffsnacht. Ihr Einsatz zeigt, dass Washington die nächste Stufe vorbereitet hat. Teheran weiß nun, dass die Vereinigten Staaten nicht nur länger, sondern auch erheblich schwerer zuschlagen können.
Autor: Redaktion
Donnerstag, 23 Juli 2026