Teheran feiert Trumps Angriffspause als amerikanische NiederlageTeheran feiert Trumps Angriffspause als amerikanische Niederlage
Kaum schweigen die amerikanischen Bomber, feiert das iranische Regime den angeblichen Rückzug der USA. Die Botschaft aus Teheran lautet nicht Frieden, sondern Dschihad, Widerstand und die Fortsetzung des Krieges durch Hisbollah und Houthis.

Bildnachweis: Symbolbild / KI
Regimenahe Zeitungen verspotten Donald Trump, behaupten einen erzwungenen Rückzug Washingtons und beschwören zugleich Dschihad, Widerstand und die fortgesetzte Unterstützung der HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen. Von Friedensbereitschaft ist in Teheran nichts zu erkennen.
Die vorläufige Einstellung der Angriffe wird in der iranischen Presse nicht als Gelegenheit zur Deeskalation dargestellt. Sie gilt dort als Beweis dafür, dass militärischer Druck, Angriffe auf amerikanische Einrichtungen und die Bedrohung der internationalen Energieversorgung erfolgreich gewesen seien. Die Botschaft an die iranische Bevölkerung und an die Terrororganisationen des Regimes lautet: Iran habe standgehalten, Amerika habe seine Ziele verfehlt und Trump sei schließlich zum Rückzug gezwungen worden.
Besonders offen formuliert es die ultrakonservative Zeitung „Kayhan“, die zu den wichtigsten Sprachrohren des Regimes gehört. Sie stellt eine Botschaft des iranischen Führers Mojtaba Chamenei heraus, wonach es „keinen anderen Weg als Dschihad und Widerstand“ gebe. Gleichzeitig wird betont, dass die Unterstützung der „Kämpfer im Libanon“, gemeint ist die Terrororganisation Hisbollah, weiterhin fester Bestandteil der iranischen Staatsdoktrin bleibe.
Die Angriffspause führt damit nicht zu einer gemäßigteren Sprache. Im Gegenteil. Das Regime nutzt sie, um seinen Anhängern zu erklären, dass gerade die Fortsetzung des bewaffneten Kampfes Amerika zum Einlenken gezwungen habe. Iran will nicht den Eindruck vermitteln, eine militärische Auseinandersetzung beendet zu haben. Teheran will den Eindruck erwecken, sie gewonnen zu haben.
„Kayhan“ veröffentlicht zugleich eine angebliche Bilanz der schweren Schäden, die Iran den Vereinigten Staaten während der Kämpfe zugefügt habe. Mehr als tausend amerikanische Geheimdienst- und Kommandoeinrichtungen seien identifiziert worden. Zudem habe Iran eine Seeblockade durchbrochen und eine Waffenlieferung beschlagnahmt. Unabhängig überprüfbare Beweise für diese weitreichenden Behauptungen werden nicht vorgelegt.
Das ist jedoch nicht der Zweck dieser Veröffentlichungen. Regimepropaganda soll keine nüchterne Bilanz liefern. Sie soll die Wirklichkeit so lange umdeuten, bis jeder mögliche Ausgang als iranischer Erfolg erscheint. Greifen die USA an, bestätigt dies angeblich ihre Aggressivität. Stellen sie die Angriffe ein, gilt dies als Beweis ihrer Niederlage. In dieser Erzählung kann Iran niemals verlieren, weil jedes Ereignis nachträglich zum Sieg erklärt wird.
Noch deutlicher wird der Spott in der Zeitung „Hamshahri“. Auf ihrer Titelseite zeigt sie Donald Trump mit Gewehr und Munitionsgurten. Er hält dem Betrachter nur noch wenige Patronen entgegen. Die Botschaft der Karikatur ist eindeutig: Amerika habe seine Munition verschossen und keine andere Wahl gehabt, als den Krieg zu beenden.
Unter der Schlagzeile „Warum zog sich Amerika zurück?“ zählt das Blatt acht angebliche Ursachen auf. Genannt werden Verluste amerikanischer Truppen, Schäden an Energieanlagen, steigende Ölpreise, die Gefahr einer regionalen Ausweitung des Krieges und eine behauptete iranische Überlegenheit bei Geheimdienstinformationen und militärischen Operationen. Aus einer vorläufigen Unterbrechung der Angriffe wird so eine amerikanische Kapitulation konstruiert.
Auch die Zeitung „Vatan Emrooz“ folgt dieser Linie. Unter der Überschrift „Siegesbericht“ räumt sie den RevolutionsgardenIslamische Revolutionsgarden: Machtzentrum des iranischen RegimesDie Islamischen Revolutionsgarden sind eine mächtige militärische, politische und wirtschaftliche Organisation der Islamischen Republik Iran. Sie wurden nach der Revolution von 1979 gegründet, unterstehen dem Obersten Führer und steuern über die Quds-Einheit Irans regionales Terrornetzwerk.Mehr lesen großen Raum ein. Deren Sprecher behauptet, iranische Raketenangriffe hätten erhebliche Schäden an amerikanischen Stützpunkten in der Region verursacht. Die Angaben werden als Beweis präsentiert, dass Iran Washington die Angriffspause aufgezwungen habe.
Die den Revolutionsgarden nahestehende Zeitung „Javan“ behauptet ebenfalls, die Vereinigten Staaten hätten keines ihrer Kriegsziele erreicht und keinen Ausweg aus der Auseinandersetzung gefunden. Zugleich warnt sie davor, Amerika nun Zeit für eine Neuordnung seiner Kräfte zu geben. Das Regime misstraut der Angriffspause, feiert sie aber gleichzeitig als eigenen Sieg.
Der Widerspruch ist nur scheinbar. Teheran will die Ruhe nutzen, ohne die kämpferische Mobilisierung aufzugeben. Nach innen soll der Eindruck entstehen, Iran habe die stärkste Militärmacht der Welt zurückgedrängt. Nach außen soll die Drohung bestehen bleiben, dass jederzeit neue Angriffe folgen könnten.
Diese PropagandaDesinformation: Gezielte Täuschung der ÖffentlichkeitDesinformation bezeichnet bewusst verbreitete falsche oder irreführende Informationen. Ziel ist häufig, Menschen zu täuschen, Vertrauen zu zerstören, Konflikte zu verschärfen oder politische Entscheidungen zu beeinflussen.Mehr lesen richtet sich nicht nur an die iranische Bevölkerung. Sie richtet sich ebenso an die Hisbollah im Libanon, die HouthisHuthi: Terrororganisation des Iran-Netzwerks im JemenDie Huthi, auch Ansar Allah genannt, sind eine schiitisch-islamistische Terrororganisation aus dem Jemen. Sie kontrollieren große Teile des Nordwestens, werden vom Iran unterstützt und bedrohen Israel sowie die internationale Schifffahrt im Roten Meer.Mehr lesen im Jemen, schiitische Milizen im IrakSchiitenmilizen: Irans bewaffnete Netzwerke im Nahen OstenSchiitenmilizen sind bewaffnete Gruppen mit schiitischem Hintergrund, die besonders im Irak und in Syrien aktiv sind. Viele von ihnen werden vom Iran unterstützt, ausgebildet oder politisch beeinflusst und gehören zum regionalen Netzwerk der Quds-Einheit und der Revolutionsgarden.Mehr lesen und weitere Terrororganisationen der sogenannten WiderstandsachseAchse des Widerstands: Irans Terrornetzwerk gegen Israel„Achse des Widerstands“ ist die Eigenbezeichnung eines von Iran unterstützten Netzwerks aus Terrororganisationen und Milizen. Dazu zählen unter anderem Hisbollah, Hamas, Islamischer Dschihad, Huthi und proiranische Milizen im Irak und in Syrien. Das Netzwerk bedroht Israel mit Raketen, Drohnen, Terroranschlägen und Stellvertreterkrieg.Mehr lesen. Sie sollen aus dem Verhalten Washingtons die Lehre ziehen, dass Eskalation belohnt werde.
Wer amerikanische Stützpunkte angreift, die internationale Schifffahrt bedroht, Ölwege blockiert und Nachbarstaaten mit Raketen beschießt, zwingt die Vereinigten Staaten angeblich zu Verhandlungen. Genau diese Botschaft ist gefährlich, weil sie weitere Gewalt nicht verhindert, sondern ermutigt.
Besonders entlarvend ist die Verbindung zum Libanon. Die iranische Presse erklärt, eine erste Bedingung für ein dauerhaftes Ende des Krieges sei die Einstellung der angeblichen Aggression gegen den Libanon. Gleichzeitig wird erneut betont, der Schutz der „Kämpfer im Libanon“ gehöre zur strategischen Politik der Islamischen Republik.
Damit macht Teheran deutlich, dass es die Hisbollah in jede mögliche Vereinbarung hineinziehen will. Das Regime will nicht nur Schutz für das eigene Territorium. Es verlangt politischen und militärischen Schutz für seine Terrorarmee im Libanon.
Die Hisbollah soll ihre Waffen behalten. Iran soll weiterhin bestimmen können, wann vom libanesischen Boden aus Krieg gegen IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen geführt wird. Israel soll daran gehindert werden, RaketenstellungenTerrorinfrastruktur: Wie Terrorgruppen Krieg in zivile Räume verlagernTerrorinfrastruktur bezeichnet Einrichtungen, Netzwerke und Strukturen, die Terrororganisationen für Angriffe, Waffenlagerung, Kommandoführung, Ausbildung, Raketenbeschuss, Tunnelbau oder Logistik nutzen. Besonders gefährlich wird sie, wenn sie in Wohngebieten, Schulen, Moscheen oder Krankenhäusern versteckt wird.Mehr lesen, WaffenlagerTerrorinfrastruktur: Wie Terrorgruppen Krieg in zivile Räume verlagernTerrorinfrastruktur bezeichnet Einrichtungen, Netzwerke und Strukturen, die Terrororganisationen für Angriffe, Waffenlagerung, Kommandoführung, Ausbildung, Raketenbeschuss, Tunnelbau oder Logistik nutzen. Besonders gefährlich wird sie, wenn sie in Wohngebieten, Schulen, Moscheen oder Krankenhäusern versteckt wird.Mehr lesen und Kommandozentralen der Terrororganisation zu zerstören. Die Ruhe mit Iran soll auf Kosten der israelischen Sicherheit erkauft werden.
Washington darf sich darauf nicht einlassen. Die Hisbollah ist keine gewöhnliche libanesische Partei und keine legitime Verteidigungsorganisation. Sie ist ein von Iran finanzierter, bewaffneter und kontrollierter Terrorapparat, der den libanesischen Staat unterwandert und Israel seit Jahrzehnten bedroht.
Auch deshalb ist die gegenwärtige Angriffspause kein Frieden. Sie ist zunächst nur eine Unterbrechung militärischer Operationen. Ein belastbares Abkommen existiert nicht. Iran hat seine Unterstützung für Hisbollah und Houthis nicht beendet. Die Drohungen gegen die internationale Schifffahrt bestehen fort. Von einem Verzicht auf Dschihad und bewaffneten Widerstand ist keine Rede.
Eine solche Pause kann zur Diplomatie genutzt werden. Sie kann aber ebenso dazu dienen, beschädigte Kommandostrukturen zu ersetzen, Raketenbestände aufzufüllen, Abschussanlagen zu verlegen und neue Angriffe vorzubereiten. Die iranischen Zeitungen warnen selbst davor, Amerika Zeit zur Neuordnung zu geben. Es wäre naiv zu glauben, dass das Regime die eigene Seite nicht ebenfalls neu organisiert.
Donald Trump muss militärische Entscheidungen nicht danach treffen, welche Karikaturen iranische Zeitungen drucken. Kein verantwortlicher Präsident darf weiterbomben, nur um den Spott eines feindlichen Regimes zu beantworten. Entscheidend ist, ob die Angriffspause konkrete und überprüfbare Ergebnisse bringt.
Iran müsste die freie Schifffahrt durch die Straße von HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen garantieren. Die Angriffe auf amerikanische Einrichtungen und zivile Schiffe müssten dauerhaft enden. Waffenlieferungen an Hisbollah und Houthis müssten gestoppt werden. Das Nuklearprogramm müsste wirksam kontrolliert und begrenzt werden. Eine amerikanische Schutzgarantie für die Terrorinfrastruktur im Libanon darf es nicht geben.
Bleiben diese Ergebnisse aus, wird Teheran seine Siegeserzählung nicht nur propagandistisch verbreiten. Das Regime könnte seinen Terrorverbündeten dann glaubhaft erklären, dass Gewalt, Raketen und wirtschaftliche Erpressung tatsächlich funktioniert haben.
Die iranischen Zeitungen feiern nicht das Ende eines Krieges. Sie feiern die Überzeugung, Amerika zum Rückzug gezwungen zu haben. Sie rufen nicht zur Versöhnung auf, sondern zum Dschihad. Sie versprechen keine Abrüstung, sondern weitere Unterstützung für die Hisbollah.
Genau daran muss die amerikanische Politik gemessen werden. Eine Angriffspause, die dem Regime nur Zeit verschafft und seine Terrorachse schützt, ist kein diplomatischer Erfolg. Sie wäre eine Einladung zur nächsten Eskalation.
Autor: Redaktion
Montag, 27 Juli 2026