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Teheran will für freie Fahrt kassieren: Oman verhandelt Öffnung der Straße von Hormus

Teheran will für freie Fahrt kassieren: Oman verhandelt Öffnung der Straße von Hormus


Die amerikanische Angriffspause eröffnet ein diplomatisches Zeitfenster. Oman schlägt eine regionale Verwaltung der Wasserstraße vor, doch Iran beharrt auf Kontrolle und Gebühren für eine Passage, die es zuvor selbst mit Gewalt gefährdet hat.

Teheran will für freie Fahrt kassieren: Oman verhandelt Öffnung der Straße von Hormus
Bildnachweis: MC2 Indra Beaufort / Quelle

OmanStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen und Iran verhandeln über eine Vereinbarung, die Handelsschiffen wieder eine sichere Passage durch die Straße von HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen ermöglichen soll. Die Gespräche wurden am Wochenende beschleunigt, nachdem US-Präsident Donald Trump die nächtlichen Angriffe auf iranische Militärziele vorläufig ausgesetzt hatte. Eine omanische Delegation reiste am Freitag nach Teheran und legte einen Vorschlag für eine gemeinsame regionale Organisation der Schifffahrt vor.

Eine Einigung wäre für die Weltwirtschaft von enormer Bedeutung. Durch die Meerenge zwischen Iran und Oman flossen vor dem Krieg täglich rund 20 Millionen Barrel Öl. Das entsprach etwa einem Fünftel des weltweiten Verbrauchs von Erdöl und anderen flüssigen Energieträgern. Hinzu kommt rund ein Fünftel des internationalen Handels mit Flüssigerdgas, vor allem aus Katar. Für große Teile Asiens existiert keine gleichwertige Ausweichroute.

Doch die Verhandlungen drehen sich nicht allein um sichere Navigation. Iran versucht weiterhin, aus der von ihm selbst verschärften Krise politische Macht und dauerhafte Einnahmen zu gewinnen.

Teheran verlangt, die Kontrolle über die Straße von Hormus zu behalten und von passierenden Schiffen Gebühren zu erheben. Oman schlägt dagegen einen gemeinschaftlichen Mechanismus vor, an dem weitere Staaten der Region beteiligt werden könnten. Beiträge der Golfstaaten, Reedereien und Energieunternehmen sollen freiwillig sein und konkrete Leistungen finanzieren, darunter Seenotrettung, Umweltschutz und die Sicherheit der Schifffahrtswege.

Der Unterschied ist entscheidend.

Freiwillige Beiträge für tatsächlich erbrachte maritime Dienstleistungen sind etwas anderes als ein iranischer Zwangszoll. Teheran darf nicht das Recht erhalten, internationale Handelsschiffe nur gegen Bezahlung passieren zu lassen. Ein solches Modell würde die iranischen Angriffe und Drohungen im Nachhinein belohnen.

Iran will aus der verursachten Krise ein Geschäftsmodell machen

Die omanische Initiative soll sich an der Zusammenarbeit der Anrainerstaaten an der Straße von Malakka orientieren. Dort koordinieren mehrere Staaten Maßnahmen gegen Piraterie, Unfälle und Umweltgefahren, ohne dass ein einzelnes Land die vollständige Kontrolle über die internationale Wasserstraße beansprucht.

Oman bietet damit einen vernünftigen Ansatz: gemeinsame Verantwortung statt iranischer Vorherrschaft.

Iran akzeptiert nach den bisherigen Berichten zwar Verhandlungen über einen regionalen Mechanismus, besteht aber weiterhin auf einer führenden Rolle und auf der Möglichkeit, Gebühren einzuziehen. Schon Anfang Juli hatten hochrangige iranische Quellen erklärt, Teheran wolle eine internationale Anerkennung seines Anspruchs auf Kontrolle über die Meerenge und das Recht zur Erhebung von Abgaben notfalls mit Gewalt durchsetzen.

Damit wird deutlich, dass die iranische Führung unter einer sicheren Öffnung etwas anderes versteht als Washington, die Golfstaaten und die internationale Schifffahrt.

Für die Vereinigten Staaten bedeutet eine offene Straße von Hormus, dass zivile Schiffe ohne Angriffe, politische Genehmigungen und Zwangsabgaben passieren können. Iran will dagegen offenbar selbst entscheiden, wer fahren darf, unter welchen Bedingungen die Durchfahrt erfolgt und welcher Preis dafür verlangt wird.

Das wäre keine freie Schifffahrt. Es wäre eine Schutzgeldordnung unter staatlicher Kontrolle.

Iran könnte zuerst eine Krise erzeugen, Tanker bedrohen, Schiffe aufbringen und den Welthandel stören. Anschließend würde das Regime anbieten, genau diese Gefahr gegen Zahlung zu verringern. Die Gewalt würde damit nicht bestraft, sondern in ein dauerhaftes politisches und wirtschaftliches Instrument verwandelt.

Die Vereinigten Staaten und die Mitglieder des Golfkooperationsrates haben sich deshalb ausdrücklich gegen Mautgebühren, Zwangsabgaben und einseitige Kontrollansprüche in der Straße von Hormus ausgesprochen. In einer gemeinsamen Erklärung vom Juni wiesen sie jeden Versuch zurück, die Passage zu beherrschen oder für ihre Nutzung Geld zu verlangen.

Auch Trump und Chinas Staatschef hatten zuvor erklärt, dass kein Staat und keine Organisation Gebühren für die Durchfahrt erheben dürfe. Diese rote Linie darf nicht aufgegeben werden, nur weil die Märkte auf eine schnelle Entspannung hoffen.

Die Angriffspause verschafft Iran wertvolle Zeit

Oman begann die neue Gesprächsrunde am selben Tag, an dem Trump die amerikanischen Angriffe nach fast zwei Wochen nächtlicher Schläge vorläufig stoppte. Nach Angaben des Wall Street Journal hat Washington nicht unmittelbar an den Verhandlungen teilgenommen. Maskat hält die amerikanische Regierung jedoch über den Verlauf auf dem Laufenden.

Für die Diplomatie eröffnet die Pause eine Chance. Für Iran eröffnet sie ebenfalls eine Gelegenheit.

Solange keine amerikanischen Bomben auf militärische Anlagen fallen, kann das Regime Schäden untersuchen, Einheiten verlegen, Luftabwehr neu organisieren und gefährdete Fähigkeiten besser schützen. Das ist eine strategische Schlussfolgerung aus der Kampfpause, auch wenn bisher keine belastbaren öffentlichen Angaben darüber vorliegen, in welchem Umfang Iran diese Zeit tatsächlich zur militärischen Wiederherstellung nutzt.

Trump hat erklärt, die Angriffe könnten wieder aufgenommen werden, sollte die Diplomatie scheitern. Gleichzeitig berichtete er von guten Gesprächen. Die Ölpreise reagierten bereits auf die Hoffnung einer Entspannung und fielen auf den niedrigsten Stand seit mehr als einer Woche. Brent-Rohöl sank zeitweise auf rund 86,61 Dollar je Barrel.

Die Reaktion der Märkte zeigt, wie groß der internationale Druck auf Washington ist, eine schnelle Vereinbarung zu erreichen. Genau darin liegt die Gefahr.

Ein schlechter Vertrag kann kurzfristig Tanker passieren lassen und die Preise senken. Langfristig könnte er Iran jedoch ein Mitspracherecht über einen der wichtigsten Energiewege der Welt sichern. Teheran hätte dann gelernt, dass militärischer Druck, Angriffe auf Schiffe und die Störung des Welthandels am Ende politische Anerkennung und Einnahmen bringen.

Die Gespräche lösen den Krieg nicht

Die Verhandlungen zwischen Oman und Iran sind bewusst eng gefasst. Sie sollen zunächst die Passage kommerzieller Schiffe regeln. Eine umfassende Beendigung des Konflikts zwischen Iran und den Vereinigten Staaten ist damit nicht verbunden. Vermittler hoffen lediglich, dass eine maritime Vereinbarung die Spannungen senkt und später weitergehende Gespräche ermöglicht.

Das ist diplomatisch nachvollziehbar. Die Wiederöffnung der Straße von Hormus kann nicht warten, bis sämtliche Fragen des iranischen Atomprogramms, der Raketenrüstung, der TerrorfinanzierungPay for Slay: Wie Terror gegen Israelis weiter belohnt wird„Pay for Slay“ ist ein kritischer Begriff für palästinensische Zahlungen an in Israel inhaftierte Täter, freigelassene Gefangene und Familien getöteter Angreifer. Kritiker sehen darin eine Belohnung für Terror gegen Israelis.Mehr lesen und der regionalen Stellvertreter geklärt sind.

Dennoch darf ein begrenztes Schifffahrtsabkommen nicht zu einer stillschweigenden politischen Aufwertung Irans führen.

Teheran versucht seit Beginn der Krise, die Straße von Hormus nicht als internationale Wasserstraße, sondern als iranisches Machtgebiet zu behandeln. Eine neu gegründete iranische Behörde erklärte zeitweise, Schiffe benötigten Genehmigungen, sobald die Sicherheitslage dies wieder zulasse. Iranische Quellen bestanden zugleich darauf, selbst über die Passage und mögliche Gebühren zu bestimmen.

Oman verfolgt eine andere Linie. Das Sultanat hat wiederholt erklärt, dass die Straße von Hormus offen und für die internationale Schifffahrt frei zugänglich bleiben müsse. Schon im April führten beide Länder Gespräche über Möglichkeiten zur Sicherung eines ungehinderten Verkehrs. Im Juni vereinbarten sie eine gemeinsame Arbeitsgruppe zu Navigation, Dienstleistungen und den damit verbundenen Kosten.

Die neue Initiative beginnt daher nicht bei null. Sie baut auf monatelangen Gesprächen auf, die bisher gerade an der Frage scheiterten, ob Iran eine Dienstleistung anbieten oder politische Herrschaft ausüben darf.

Der Fehler aus dem Juni darf sich nicht wiederholen

Besonders problematisch ist, dass die Vereinigten Staaten und Iran bereits im Juni eine Vereinbarung geschlossen hatten, deren Formulierungen zur Straße von Hormus unterschiedlich ausgelegt wurden.

Washington verstand die Regelung als Verpflichtung zur sicheren, freien und gebührenfreien Schifffahrt. Iranische Hardliner sahen darin dagegen eine Anerkennung der iranischen Verantwortung und damit auch eines möglichen Kontroll- und Gebührenrechts. Der Streit über eine unpräzise formulierte Passage trug dazu bei, dass die Gewalt erneut eskalierte.

Eine neue Vereinbarung muss deshalb unmissverständlich sein.

Iran darf kein Vetorecht über die Passage ziviler Schiffe erhalten.

Es darf keine verpflichtenden Gebühren geben.

Inspektionen dürfen nicht zu politischer Schikane oder zur Beschlagnahmung unerwünschter Schiffe führen.

Die Verantwortung für Seenotrettung, Umweltschutz und Navigationssicherheit muss auf mehrere Staaten verteilt werden.

Jeder Verstoß muss automatische und klar definierte Folgen haben.

Vor allem darf Teheran nicht erneut unterschiedliche Auslegungen nutzen können, um nach der Unterzeichnung weitergehende Ansprüche zu erheben.

Saudi-Arabien und Oman drängen auf Stabilität

Der iranische Außenminister Abbas Araghchi sprach am Montag getrennt mit seinen Amtskollegen aus Oman und Saudi-Arabien. Nach iranischer Darstellung betonten beide Seiten die Notwendigkeit, die diplomatischen Bemühungen zu verstärken, die Region zu stabilisieren und die Unsicherheit in der Straße von Hormus zu beenden.

Die Golfstaaten besitzen ein unmittelbares Interesse an einer schnellen Lösung. Saudi-Arabien, Kuwait, Bahrain, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate sind für einen erheblichen Teil ihrer Energieexporte auf die Meerenge angewiesen. Zwar bestehen einige Pipelines zu Häfen außerhalb des Persischen Golfs, doch ihre Kapazitäten reichen nicht aus, um die gesamten Exporte zu ersetzen.

Die Störungen haben bereits zu Produktionsausfällen, steigenden Versicherungsprämien, Umleitungen und erheblichen Belastungen für die asiatischen Abnehmer geführt. Die US-Energiebehörde schätzte im Frühjahr, dass die betroffenen Golfstaaten zeitweise mehrere Millionen Barrel täglicher Förderung stilllegen mussten, weil Lager gefüllt waren und der Abtransport stockte.

Saudi-Arabien und Oman wollen deshalb Ruhe. Doch Ruhe allein ist noch keine Sicherheit.

Eine Vereinbarung, die iranische Kontrolle festschreibt, könnte den unmittelbaren Schiffsverkehr erleichtern und zugleich die nächste Krise vorbereiten. Sobald Teheran mit einer amerikanischen Entscheidung, einer israelischen Operation oder einer Sanktion unzufrieden wäre, könnte es erneut mit Gebühren, Verzögerungen oder einer Schließung drohen.

Öffnung ja, iranische Erpressung nein

Oman leistet mit seiner Vermittlung wichtige Arbeit. Eine regionale Kooperation für Navigation, Rettungsdienste und Umweltschutz könnte eine tragfähige Übergangslösung sein. Sie wäre besonders überzeugend, wenn neben Iran und Oman auch die betroffenen Golfstaaten, internationale Schifffahrtsorganisationen und die wichtigsten Handelspartner eingebunden würden.

Doch jede Vereinbarung muss von einem einfachen Grundsatz ausgehen: Iran besitzt kein Recht, die von ihm geschaffene Gefahr anschließend gewinnbringend zu verwalten.

Die Straße von Hormus darf nicht zur iranischen Mautstelle werden.

Teheran kann an einem gemeinsamen Sicherheitsmechanismus teilnehmen. Es kann Rettungsdienste koordinieren, Informationen austauschen und sich an der Beseitigung von Gefahren beteiligen. Es darf aber weder allein über die Durchfahrt entscheiden noch aus militärischem Druck ein Gebührenrecht ableiten.

Trump sollte die Kampfpause nur so lange aufrechterhalten, wie sie zu überprüfbaren Ergebnissen führt. Eine sichere Passage muss tatsächlich beginnen. Angriffe, Beschlagnahmungen und politische Genehmigungsverfahren müssen enden. Erst dann kann von Fortschritt gesprochen werden.

Die Diplomatie darf Iran einen Weg aus der Eskalation anbieten.

Sie darf dem Regime aber nicht beibringen, dass Terror gegen den Welthandel sich lohnt.




Autor: Redaktion
Dienstag, 28 Juli 2026

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