Trump droht, Iran verzögert und Teheran gewinnt schon wieder ZeitTrump droht, Iran verzögert und Teheran gewinnt schon wieder Zeit
Der Großangriff ist abgesagt, obwohl Teheran erst am Freitag Schiffe stoppte. Außenminister Araghchi sagt Ja, doch die Revolutionsgarde entscheidet und genau so scheiterten bereits die früheren Absprachen.

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Donald Trump hatte die amerikanischen Streitkräfte in Stellung gebracht, Angriffe auf iranische Kraftwerke und Raffinerien angekündigt und erklärt, Teheran werde diesmal sehr hart getroffen. Wenige Stunden später standen die Flugzeuge wieder still. Iran hatte gerade genug Entgegenkommen signalisiert, um den Angriff abzuwenden, aber noch lange nicht genug zugesagt, um die Krise zu lösen. Was nun als neue diplomatische Chance verkauft wird, folgt einem inzwischen vertrauten Ablauf: Trump droht mit überwältigender Gewalt, Vermittler bitten um Aufschub, Teheran verspricht Bewegung, Washington stoppt den Angriff – und danach beginnt der Streit darüber, was Iran eigentlich zugesagt hat.
In der Nacht zum Sonntag erklärte sich Außenminister Abbas Araghchi nach Informationen von N12 mit einem amerikanisch-katarischen Vorschlag zur Straße von HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen einverstanden. Einlaufende Schiffe sollen demnach iranische Gewässer benutzen, während der auslaufende Verkehr über die omanische Seite geführt wird. OmanStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen stimmte dem Grundsatz zu, verlangte jedoch eine entscheidende Klarstellung: Gilt Araghchis Zustimmung auch für die Revolutionsgarde? Genau diese Frage entlarvt die Schwäche des gesamten Vorgangs. Ein Abkommen, bei dem noch geklärt werden muss, ob die bewaffnete Macht an der Meerenge mitmacht, ist kein Abkommen. Es ist eine Hoffnung.
Trump sagte daraufhin die vorbereiteten Angriffe ab. Er erklärte, Iran und mehrere Staaten der Region hätten um Zeit gebeten, weil die Grundzüge einer Vereinbarung feststünden. Dazu sollten eine sofortige und vollständige Öffnung der Straße von Hormus und ein Ende der iranischen atomaren Bedrohung gehören. Zugleich machte er die Entscheidung von einem raschen Abschluss abhängig. Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman hatte zuvor vor den Folgen einer großen Angriffswelle gewarnt, insbesondere vor iranischen Vergeltungsschlägen gegen die Energieanlagen der Golfstaaten.
Teheran reagierte nicht mit Dankbarkeit oder sichtbarer Bereitschaft zur Abrüstung. Regimenahe Medien verspotteten Trump noch am selben Morgen als Präsidenten, der erneut zurückgewichen sei. Iranische Stimmen bestritten sogar, Washington um die Absage gebeten zu haben, und bezeichneten Trumps Darstellung als erfunden. Militärische Stellen erklärten gleichzeitig, die Streitkräfte blieben in höchster Bereitschaft. Damit wiederholt sich auch auf der propagandistischen Ebene das alte Spiel: Der iranische Außenminister übermittelt den Vermittlern gerade so viel Zustimmung, dass die amerikanischen Bomber am Boden bleiben, während die Revolutionsgarde und ihre Medien den Vorgang im Inland als amerikanische Niederlage darstellen.
Jede angeblich letzte Chance führte zur nächsten Krise
Der aktuelle Rückzieher ist kein einzelner Moment der Vorsicht. Seit Monaten wiederholt sich derselbe Ablauf. Bereits am 23. März verschob Trump angedrohte Angriffe auf das iranische Stromnetz, nachdem erneut von Gesprächen die Rede gewesen war. Washington und Teheran verbreiteten anschließend widersprüchliche Aussagen darüber, ob überhaupt ernsthafte Verhandlungen liefen. Die militärische Drohung hatte Iran an den Tisch bringen sollen, wurde jedoch aufgehoben, bevor eine überprüfbare Vereinbarung vorlag.
Am 7. April geschah es erneut – diesmal besonders dramatisch. Weniger als zwei Stunden vor Ablauf eines amerikanischen Ultimatums akzeptierte Trump eine zweiwöchige Feuerpause. Noch am selben Tag hatte er Iran mit der Zerstörung seiner Kraftwerke, Brücken und weiterer ziviler Infrastruktur gedroht. Dann erklärte er plötzlich, die militärischen Ziele seien erreicht und ein langfristiger Frieden stehe kurz bevor. Iran präsentierte die Entscheidung umgehend als eigenen Sieg. Selbst nach der Verkündung wurden noch Raketen aus Iran gestartet und in IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen sowie mehreren Golfstaaten Luftalarme ausgelöst. Schon damals warnte eine mit den Gesprächen vertraute Quelle, Teheran könne lediglich Zeit kaufen.
Was aus der angekündigten vollständigen Öffnung von Hormus wurde, zeigte sich wenige Tage später. Am 17. April erklärte ein iranischer Regierungsvertreter, Schiffe dürften die Meerenge nur mit Zustimmung der Revolutionsgarde und über von Iran festgelegte Routen passieren. Die versprochene freie Schifffahrt verwandelte sich damit in ein iranisches Genehmigungssystem. Nachdem Washington weitere Angriffe erneut nicht ausführte, setzte Iran Schiffe fest. Der militärische Druck war vertagt, das iranische Machtmittel blieb bestehen.
Im Mai folgte die nächste beinahe identische Runde. Trump erklärte, er sei nur eine Stunde von der Wiederaufnahme des Krieges entfernt gewesen, wolle Iran aber noch einige Tage für die „richtige Antwort“ geben. Wieder drohte er mit einem sehr harten Schlag, wieder warnte die Revolutionsgarde vor einem regionalen Krieg, und wieder wurde aus der angeblich letzten Frist eine weitere Verlängerung.
Im Juni wurde der Öffentlichkeit abermals ein unmittelbar bevorstehender Durchbruch angekündigt. Trump sagte Angriffe ab und erklärte, ein großes Abkommen werde bald unterzeichnet. N12 berichtete von einem ausgehandelten Text, wies aber zugleich darauf hin, dass der endgültige Beschluss in Teheran noch fehlte. Besonders bezeichnend war die Behandlung des Atomprogramms: Die konkreten Schritte sollten erst in einem späteren, ausführlicheren Abkommen festgelegt werden. Die schwierigste Frage wurde damit nicht gelöst, sondern erneut vertagt.
Das am 17. Juni vereinbarte Memorandum sollte die Feuerpause verlängern und die Meerenge öffnen. Seine Formulierungen blieben jedoch so unklar, dass beide Seiten völlig verschiedene Rechte daraus ableiteten. Iran verpflichtete sich lediglich, sich für eine sichere Durchfahrt einzusetzen – und auch das nur für 60 Tage. Washington verstand darunter freie Schifffahrt, Teheran leitete daraus ein Recht zur Kontrolle der Passage ab. Anfang Juli brach die Regelung zusammen, nachdem Iran auf Schiffe schoss, die einen von Teheran nicht genehmigten Korridor nutzten.
Am 28. Juni waren die Vereinigten Staaten und Iran bereits wieder gezwungen, Angriffe einzustellen und neue Gespräche anzukündigen. Zuvor waren Schiffe getroffen, amerikanische Ziele in Kuwait und Bahrain angegriffen und neue US-Schläge ausgeführt worden. Trump hatte erneut gedroht, Iran könne als Staat nicht überleben, wenn es die Vereinbarung missachte. Wenige Stunden später wurde wieder verhandelt.
Mitte Juli erklärte Trump schließlich selbst, Iran habe das Abkommen gebrochen. Die Vereinigten Staaten nahmen ihre Blockade und die Angriffe wieder auf. Doch nach 13 Nächten Bombardierung stoppte Trump auch diese Kampagne am 26. Juli. Zwei Tage später sprach er von „guten Gesprächen“, während Iran gleichzeitig darauf bestand, weiterhin die Straße von Hormus zu kontrollieren. Iranische Kräfte wiesen Schiffe zurück, und verbündete Milizen griffen Ziele in Saudi-Arabien und anderen Staaten an.
Noch am Freitag, unmittelbar vor dem jüngsten angeblichen Durchbruch, meldete Iran, zwei Schiffe gestoppt und vier weitere zur Umkehr gezwungen zu haben. Teheran erklärte, Überfahrten blieben ohne iranische Erlaubnis unmöglich. Der Ölpreis stieg, weil erneut deutlich wurde, dass Iran die wichtigste Energiestraße der Welt weiterhin als Druckmittel benutzt. Zwei Tage später reicht die Zustimmung Araghchis zu einem noch nicht bestätigten Kompromiss aus, um den angekündigten amerikanischen Großangriff zu stoppen.
Teheran hat gelernt, wann Trump die Hand vom Abzug nimmt
Trump hat Iran militärisch zweifellos schwer getroffen. Amerikanische Angriffe zerstörten Kommandoanlagen, Tunnel, Brücken und militärische Stellungen. Das Problem liegt nicht in einem völligen Mangel an Gewaltbereitschaft. Es liegt darin, dass Teheran inzwischen ziemlich genau weiß, wie viel Bewegung nötig ist, um die nächste Angriffswelle zu verhindern. Ein Gespräch mit einem Vermittler, eine vage Zustimmung des Außenministers und die Aussicht auf einen späteren Vertrag reichen immer wieder, um die amerikanische Entscheidung aufzuschieben.
Iran profitiert dabei von den Ängsten seiner Nachbarn. Die Golfstaaten fürchten Angriffe auf Raffinerien, Gasfelder, Häfen und Entsalzungsanlagen. Rund ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssiggaslieferungen führte vor dem Krieg durch die Straße von Hormus. Im Juli stieg der Preis für Brent-Rohöl um etwa 24 Prozent. Jeder neue amerikanische Angriffsplan löst deshalb sofort diplomatischen Druck auf Washington aus. Teheran braucht die Vereinigten Staaten nicht militärisch zu besiegen. Es muss nur glaubhaft machen, dass die wirtschaftlichen Kosten eines Angriffs auch Saudi-Arabien, Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate und die amerikanischen Verbraucher treffen würden.
Das ist eine erkennbare iranische Strategie: Zugeständnisse werden gerade so weit angedeutet, dass die unmittelbare Gefahr vorübergeht. Danach beginnt der Streit über Zuständigkeiten, Routen, Gebühren, Kontrollen und Ausnahmen. Das Außenministerium verhandelt, während die Revolutionsgarde auf dem Wasser Tatsachen schafft. Iran verspricht eine Öffnung, verlangt aber Genehmigungen. Es akzeptiert eine Feuerpause, lässt jedoch Angriffe durch eigene Kräfte oder verbündete Milizen weiterlaufen. Es spricht über sein Atomprogramm, verschiebt die konkreten Maßnahmen aber in ein späteres Abkommen.
Für Israel ist dieser Kreislauf besonders gefährlich. Jede neue Frist bedeutet weitere Wochen, in denen Iran RaketenstellungenTerrorinfrastruktur: Wie Terrorgruppen Krieg in zivile Räume verlagernTerrorinfrastruktur bezeichnet Einrichtungen, Netzwerke und Strukturen, die Terrororganisationen für Angriffe, Waffenlagerung, Kommandoführung, Ausbildung, Raketenbeschuss, Tunnelbau oder Logistik nutzen. Besonders gefährlich wird sie, wenn sie in Wohngebieten, Schulen, Moscheen oder Krankenhäusern versteckt wird.Mehr lesen sichern, Drohnen nachproduzieren, seine Verbündeten anweisen und an seinem Atomprogramm arbeiten kann. Gleichzeitig bleibt Israel das naheliegende Ziel iranischer Vergeltung, obwohl es an den amerikanischen Entscheidungen nicht immer beteiligt ist. Israelis müssen sich auf neue Raketenangriffe vorbereiten, während die entscheidenden Gespräche erneut hinter verschlossenen Türen zwischen Washington, Katar, Oman und Teheran geführt werden.
Der neue Hormus-Vorschlag kann nur dann mehr sein als die nächste Pause, wenn er nicht auf dem Wort Araghchis beruht. Die Revolutionsgarde muss sich ausdrücklich und öffentlich verpflichten. Die Durchfahrt muss ohne politische Auswahl, ohne Zwangsgebühren und ohne iranische Sondergenehmigung möglich sein. Verstöße müssen vorab festgelegte Folgen haben, die nicht nach jedem neuen Vermittlungsgespräch wieder ausgesetzt werden. Und das Atomprogramm darf nicht erneut mit einer allgemeinen Formulierung über die „Beendigung der Bedrohung“ in spätere Verhandlungen verschoben werden.
Solange diese Bedingungen fehlen, hat Trump keinen Frieden erreicht und Hormus nicht geöffnet. Er hat einen Großangriff abgesagt, weil Iran erneut die Möglichkeit eines späteren Abkommens angeboten hat. Genau das geschah bereits im März, im April, im Mai, im Juni und im Juli. Jedes Mal sollte es die letzte Chance sein. Jedes Mal wurde aus der letzten Chance eine neue Frist. Und jedes Mal ging Teheran mit mehr Erfahrung aus der Runde hervor.
Iran spielt nicht auf einen schnellen Sieg. Das Regime spielt auf Zeit, auf hohe Energiepreise, auf die Angst der Golfstaaten und auf Trumps Wunsch, kurz vor den amerikanischen Zwischenwahlen keinen noch größeren Krieg verantworten zu müssen. Solange Washington Drohungen zurücknimmt, bevor klare, überprüfbare und unumkehrbare Schritte erfolgt sind, wird Teheran dieses Spiel fortsetzen.
Der Kreislauf endet nicht durch eine weitere Erklärung des iranischen Außenministers. Er endet erst, wenn ein gebrochenes Versprechen für Iran teurer wird als seine Einhaltung.
Autor: Redaktion
Sonntag, 02 August 2026