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Galgen gegen den nächsten Aufstand: Teheran will Iran in Angst halten

Galgen gegen den nächsten Aufstand: Teheran will Iran in Angst halten


Das Regime richtet Demonstranten öffentlich und heimlich hin, Monate nachdem die Proteste niedergeschlagen wurden. Amnesty warnt vor mindestens 60 weiteren Menschen in Todesgefahr. Die Botschaft ist eindeutig: Wer sich erhebt, soll mit dem Tod rechnen.

Galgen gegen den nächsten Aufstand: Teheran will Iran in Angst halten
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Am frühen Morgen des 28. Juli ließ die Islamische Republik zwei junge Männer auf dem Alikhani Platz in Isfahan öffentlich hängen. Abolfazl Sepahi Badjani und Amirhossein Safari Hosseinabadi waren während der landesweiten Proteste im Januar festgenommen worden. Sicherheitskräfte hatten den Platz bereits in der Nacht abgeriegelt. Menschen versuchten dennoch, sich dort zu versammeln und die Hinrichtungen zu verhindern. Menschenrechtsorganisationen berichten von gewaltsamer Vertreibung der Menge.

Vier Tage später geschah dasselbe Verbrechen ohne Publikum. Arvin Kheirkhahan, ebenfalls während des Aufstands festgenommen, wurde nach dem vorliegenden Bericht im Gefängnis von Shahrud gehängt. Seine Familie soll vorher nicht informiert worden sein. Angehörige mussten den Leichnam am frühen Morgen abholen und unter Aufsicht beerdigen. Eine öffentliche Mitteilung der Justiz gab es nicht. Öffentliches Erhängen auf einem Platz und heimliches Töten vor Tagesanbruch wirken unterschiedlich. Der Zweck ist derselbe: Angst.

Das iranische Regime bestraft nicht nur Menschen für den vergangenen Aufstand. Es bereitet sich auf den nächsten vor.

Nach Angaben von Amnesty International wurden allein im Zusammenhang mit der Protestbewegung zahlreiche Todesurteile verhängt. Ende Juli warnte die Menschenrechtsorganisation, mindestens 60 weitere Menschen seien unmittelbar von Hinrichtungen bedroht. Drei von ihnen waren zum Zeitpunkt der ihnen vorgeworfenen Handlungen noch minderjährig. Amnesty spricht von grob unfairen Verfahren, Foltervorwürfen, erzwungenen Geständnissen und fehlendem wirksamen Zugang zu unabhängigen Anwälten.

Damit wird die Todesstrafe zu etwas Größerem als einer grausamen Form staatlicher Bestrafung. Sie wird zur politischen Waffe.

Wer protestiert, soll auch Monate später noch Angst haben

Die Demonstrationen hatten Ende Dezember 2025 begonnen und entwickelten sich im Januar zu einer landesweiten Revolte gegen die Islamische Republik. Auslöser waren wirtschaftlicher Verfall, Inflation und der Absturz der iranischen Währung. Schnell richteten sich die Forderungen gegen das gesamte Herrschaftssystem.

Die Antwort des Regimes war tödlich. Amnesty dokumentierte für den 8. und 9. Januar massenhafte rechtswidrige Tötungen und spricht vom blutigsten Zeitraum staatlicher Repression in Iran seit Jahrzehnten. Über die genaue Zahl der Opfer gibt es stark voneinander abweichende Angaben. Der iranische Nationale Sicherheitsrat räumte später 3.117 Tote ein. Die UN Sonderberichterstatterin für Iran sprach bereits Mitte Januar von mehr als 5.000 durch Sicherheitskräfte Getöteten. Belastbar ist damit vor allem eines: Innerhalb kürzester Zeit starben Tausende.

Doch Schüsse auf Demonstranten sind nur die erste Stufe.

Nach dem Ende der großen Straßenproteste begann die zweite Phase. Menschen wurden zu Hause abgeholt, verschwanden in Haftanstalten, wurden verhört und vor Revolutionsgerichte gestellt. Amnesty berichtet von willkürlichen Festnahmen, erzwungenem Verschwindenlassen, Schlägen, sexueller Gewalt, Scheinhinrichtungen und erzwungenen Geständnissen. Seit Beginn des Krieges Ende Februar wurden nach Angaben der Organisation zusätzlich mehr als 6.000 Menschen unter dem Vorwand der nationalen Sicherheit festgenommen. Betroffen waren unter anderem Demonstranten, Journalisten, Anwälte, Studenten, Menschenrechtsaktivisten sowie Angehörige ethnischer und religiöser Minderheiten.

Die Hinrichtungen Monate später haben eine besondere Wirkung. Während eines Aufstands stehen Zehntausende oder Millionen Menschen gemeinsam auf der Straße. Die Angst wird durch die Menge kleiner. Menschen erleben, dass andere denselben Mut haben.

Das Regime versucht, genau diese Erinnerung zu zerstören.

Ein Mensch, der die Demonstrationen überlebt hat, soll wissen, dass er trotzdem nicht sicher ist. Vielleicht findet der Geheimdienst Monate später ein Video. Vielleicht wird sein Mobiltelefon ausgewertet. Vielleicht nennt ein unter Folter verhörter Gefangener seinen Namen. Vielleicht wird aus dem Verbrennen eines Gebäudes, einer Straßensperre oder einem Zusammenstoß mit Sicherheitskräften vor dem Revolutionsgericht plötzlich „Feindschaft gegen Gott“, ein Straftatbestand, der mit dem Tod enden kann.

Der von der JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen Post befragte Iran Experte Khosro Isfahani beschreibt diese Strategie als gesellschaftliche Einschüchterung. Das Regime wolle den Menschen vermitteln, dass Widerstand auch lange nach einer Demonstration mit Festnahme und Hinrichtung beantwortet werden könne. Der unmittelbar Getötete sei deshalb nicht das einzige Ziel. Die Angst soll Eltern, Geschwister, Freunde, Kollegen und ehemalige Mitstreiter erreichen.

Genau deshalb haben öffentliche Hinrichtungen für das Regime einen besonderen Wert. Die Galgen in Isfahan waren nicht verborgen. Die Bevölkerung sollte wissen, was dort geschah. Iran Human Rights bezeichnet die Rückkehr zu öffentlichen Hinrichtungen ausdrücklich als Versuch, Angst in der Gesellschaft zu verbreiten und künftige Proteste abzuschrecken.

Erst wird der Demonstrant zum Agenten erklärt, dann darf der Staat töten

Zur Gewalt gehört eine zweite Waffe: PropagandaDesinformation: Gezielte Täuschung der ÖffentlichkeitDesinformation bezeichnet bewusst verbreitete falsche oder irreführende Informationen. Ziel ist häufig, Menschen zu täuschen, Vertrauen zu zerstören, Konflikte zu verschärfen oder politische Entscheidungen zu beeinflussen.Mehr lesen.

Das Regime versucht, den Aufstand nicht als Revolte iranischer Bürger gegen wirtschaftlichen Niedergang, politische Unterdrückung und die Islamische Republik darzustellen. Stattdessen werden Demonstranten zu Werkzeugen Israels und der Vereinigten Staaten erklärt.

Aus Bürgern werden angebliche Agenten. Aus Protest wird Spionage. Aus dem Weiterleiten von Bildern ins Ausland kann Zusammenarbeit mit feindlichen Medien werden. Material auf einem Mobiltelefon kann als nachrichtendienstlicher Kontakt ausgelegt werden. Widerstand gegen Sicherheitskräfte kann als „moharebeh“, Feindschaft gegen Gott, angeklagt werden. Der Staat schafft damit eine Erzählung, in der nicht mehr das Regime gegen seine eigene Bevölkerung kämpft, sondern Iran angeblich eine ausländische Verschwörung abwehrt.

Das ist für IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen ebenfalls bedeutsam. Die Islamische Republik benutzt den jüdischen Staat nicht nur als äußeren Feind. Israel dient dem Regime auch als innenpolitische Erklärung für jede Form des Widerstands. Wer gegen die Mullahs demonstriert, kann zum „zionistischen Agenten“ erklärt werden. Wer Informationen über Menschenrechtsverletzungen weitergibt, kann plötzlich als Spion gelten. Die Behauptung einer amerikanisch zionistischen Verschwörung nimmt den Iranern ihre eigene politische Stimme und liefert dem Regime gleichzeitig die Rechtfertigung für Repression.

Amnesty berichtet, dass die iranischen Behörden die Todesstrafe inzwischen systematisch zur Unterdrückung von Dissens einsetzen. Im Mai waren mindestens 78 Menschen nach politisch motivierten Verfahren vom Tod bedroht, darunter 41 Personen, die im Zusammenhang mit den Januarprotesten festgenommen worden waren. Nach weiteren Hinrichtungen lag die Zahl Ende Juli noch bei mindestens 60 akut Gefährdeten.

Die Welt darf diese Entwicklung nicht als gewöhnliche Anwendung iranischen Strafrechts behandeln.

Ein Staat, der Menschen nach Foltervorwürfen und Verfahren ohne rechtsstaatliche Mindeststandards öffentlich an Galgen hängt, vollstreckt nicht einfach Urteile. Er führt psychologische Kriegsführung gegen seine eigene Bevölkerung.

Dabei offenbart die Brutalität auch die Angst des Regimes.

Eine Regierung, die sich ihrer Unterstützung sicher wäre, müsste keine Galgen auf öffentlichen Plätzen errichten. Sie müsste Familien nicht überwachen, Begräbnisse kontrollieren, Geständnisse erzwingen und Demonstranten als israelische Agenten darstellen. Sie müsste nicht Monate nach einer Revolte noch Menschen töten, um andere davon abzuhalten, erneut auf die Straße zu gehen.

Die Islamische Republik weiß, wie tief die Wut in Iran sitzt. Sie kennt den wirtschaftlichen Niedergang. Sie kennt die Ablehnung ihrer religiösen Bevormundung. Und sie hat im Januar gesehen, wie viele Menschen bereit waren, trotz tödlicher Gewalt gegen das System aufzustehen.

Deshalb hängen heute Menschen in Isfahan und sterben Gefangene heimlich vor Tagesanbruch.

Der Galgen ist nicht das Zeichen eines starken Regimes. Er ist die Antwort eines Regimes, das seiner eigenen Bevölkerung nicht mehr vertraut und nur noch eine Sprache kennt, von der es glaubt, dass sie jeder versteht: Angst.

Doch genau die Vielzahl der Hinrichtungen verrät, wie wenig sicher sich die Herrscher in Teheran tatsächlich fühlen. Wer Zehntausende festnehmen und immer neue Todesurteile vollstrecken muss, hat die Gesellschaft nicht überzeugt.

Er versucht nur, sie zum Schweigen zu bringen.




Autor: Redaktion
Freitag, 07 August 2026

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