Teherans stärkste Waffe stumpft ab: 18 Millionen Barrel durch HormusTeherans stärkste Waffe stumpft ab: 18 Millionen Barrel durch Hormus
40 Handelsschiffe mit 18 Millionen Barrel Öl passierten die Straße von Hormus unter US-Schutz. Irans wichtigstes Druckmittel verliert an Wirkung.

Bildnachweis: Earth Science and Remote Sensing Unit, Lyndon B. Johnson Space Center /
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Die Straße von HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen sollte für Teheran die Waffe sein, mit der sich militärischer Druck aus IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen und den Vereinigten Staaten in eine weltweite Wirtschaftskrise verwandeln lässt. Nun mehren sich die Hinweise, dass genau dieses Druckmittel erheblich an Wirkung verliert. Nach Angaben amerikanischer Regierungsvertreter eskortierten US-Streitkräfte am Dienstag rund 40 Handelsschiffe durch die Meerenge. Sie transportierten zusammen etwa 18 Millionen Barrel Öl – so viel wie an keinem anderen Tag seit Beginn des Krieges. Vor dem Krieg passierten täglich rund 20 Millionen Barrel die strategische Wasserstraße; die US-Energiebehörde EIA beziffert den Durchschnitt des vierten Quartals 2025 sogar auf 21,6 Millionen Barrel pro Tag. Damit hat sich der Durchsatz zumindest an einzelnen Tagen wieder erstaunlich weit dem Vorkriegsniveau angenähert.
Der israelische Sender N12 spricht deshalb von einem amerikanischen Rekorderfolg und berichtet, dass die iranische Kontrolle über die Straße von Hormus zunehmend zusammenbricht. Noch vor wenigen Monaten sah die Lage völlig anders aus. Nachdem Teheran die Meerenge als wirtschaftliche Waffe eingesetzt und Handelsschiffe bedroht hatte, sank der Öltransport dramatisch. Nach Berechnungen der amerikanischen Energiebehörde wurden im zweiten Quartal 2026 im Durchschnitt lediglich 4,9 Millionen Barrel Rohöl und andere flüssige Erdölprodukte täglich durch Hormus transportiert. Vor Beginn des Krieges waren es mehr als viermal so viele.
Die Bedeutung dieser Entwicklung reicht weit über die Zahl der Tanker hinaus. Die Straße von Hormus ist eine der empfindlichsten Lebensadern der Weltwirtschaft. Zwischen dem Iran und Oman führt ein erheblicher Teil der Öl- und Gasexporte der Golfstaaten hindurch. Teherans Fähigkeit, diese Route zu bedrohen, war deshalb jahrzehntelang eine strategische Versicherung des Regimes: Wer den Iran militärisch unter Druck setzt, sollte damit rechnen müssen, dass Energiepreise weltweit steigen und verbündete Staaten Washington und JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen zur Zurückhaltung drängen.
Genau diese Rechnung gerät nun ins Wanken.
Die USA greifen Irans Fähigkeiten direkt an
Die Vereinigten Staaten beschränken sich inzwischen nicht mehr darauf, Tanker zu begleiten. Das US-Zentralkommando CENTCOM bestätigte am 1. September eine neue Angriffswelle auf militärische Einrichtungen der Islamischen RevolutionsgardenIslamische Revolutionsgarden: Machtzentrum des iranischen RegimesDie Islamischen Revolutionsgarden sind eine mächtige militärische, politische und wirtschaftliche Organisation der Islamischen Republik Iran. Sie wurden nach der Revolution von 1979 gegründet, unterstehen dem Obersten Führer und steuern über die Quds-Einheit Irans regionales Terrornetzwerk.Mehr lesen. Getroffen wurden nach offiziellen Angaben iranische Luftverteidigungsstellungen, Radarsysteme, maritime Anlagen, Fähigkeiten zum Verlegen von Seeminen und Kommunikationseinrichtungen. CENTCOM begründete die Angriffe mit iranischen Versuchen, Handelsschiffe in der Straße von Hormus sowie amerikanische Soldaten anzugreifen. Mehr als 50.000 US-Soldaten seien derzeit im Nahen Osten eingesetzt.
Während der großen Begleitoperation am Dienstag mussten amerikanische Kräfte nach Angaben von CNN gleichzeitig iranische Drohnen abwehren. Auch gegen Schiffe gerichtete Marschflugkörper seien unschädlich gemacht worden. Parallel dazu griffen die USA zahlreiche militärische Ziele rund um die Meerenge an. Damit entsteht ein Bild, das für Teheran problematisch ist: Die Revolutionsgarden können die Durchfahrt weiterhin gefährlich machen, aber sie können offenbar nicht mehr zuverlässig verhindern, dass eine große Zahl von Schiffen unter amerikanischem Schutz die Route passiert.
Das Institute for the Study of War und das Critical Threats Project kommen zu einer ähnlichen Einschätzung. Nach deren Analyse haben amerikanische Angriffe insbesondere Irans Fähigkeit beeinträchtigt, den südlichen Teil der Meerenge zu überwachen und dort Minen einzusetzen. Die Revolutionsgarden hätten zuletzt weniger geeignete Methoden nutzen müssen. Dazu gehörten landgestützte Systeme für das Verlegen von Minen und Schnellboote, mit denen Schiffe unmittelbar identifiziert werden müssten, weil nur noch wenige funktionierende iranische Radaranlagen zur Überwachung der südlichen Route vorhanden seien.
Dass Teheran versucht, beschädigte Fähigkeiten wiederherzustellen, zeigt zugleich, wie wichtig Hormus für das Regime bleibt. US-Präsident Donald Trump erklärte, Iran habe bereits damit begonnen, zerstörte Radarsysteme wieder aufzubauen, worauf Washington erneut zugeschlagen habe. Die amerikanische Strategie scheint damit immer deutlicher zu werden: Was Teheran an Fähigkeiten zur Bedrohung der Schifffahrt wiederherstellt, soll erneut angegriffen werden.
Für den Iran entsteht dadurch ein kostspieliges Wettrennen. Das Regime muss Radar, RaketenstellungenTerrorinfrastruktur: Wie Terrorgruppen Krieg in zivile Räume verlagernTerrorinfrastruktur bezeichnet Einrichtungen, Netzwerke und Strukturen, die Terrororganisationen für Angriffe, Waffenlagerung, Kommandoführung, Ausbildung, Raketenbeschuss, Tunnelbau oder Logistik nutzen. Besonders gefährlich wird sie, wenn sie in Wohngebieten, Schulen, Moscheen oder Krankenhäusern versteckt wird.Mehr lesen, Kommunikationsanlagen und maritime Fähigkeiten wiederherstellen, nur um weiterhin jene Bedrohung aufrechterhalten zu können, mit der es den internationalen Handel unter Druck setzt. Die USA wiederum müssen nicht die gesamte iranische Küste kontrollieren. Es genügt, Teherans Fähigkeit so weit zu schwächen, dass eine geschützte Passage für Handelsschiffe möglich bleibt.
Besonders empfindlich ist dabei, dass sich der Druck gegen Iran nicht nur militärisch, sondern auch wirtschaftlich richtet. Axios berichtete, dass Washington inzwischen sogar zwei iranische staatliche Tanker angegriffen habe. Nach Angaben amerikanischer Regierungsvertreter handelt es sich um eine neue Strategie, mit der Angriffe auf Handelsschiffe unmittelbar beantwortet werden sollen. Die Schiffe seien außerhalb der amerikanischen Blockadelinie vor der iranischen Küste vor Anker gelegen; Drohnen hätten ihre Maschinenräume getroffen.
Irans Drohung verliert ihren Schrecken – aber die Gefahr bleibt
Ein endgültiger Sieg in der Straße von Hormus wäre es allerdings verfrüht auszurufen. Gerade bei den Angaben zum Schiffsverkehr bestehen weiterhin erhebliche Unterschiede. Klassische Systeme zur Beobachtung des Schiffsverkehrs erfassen wesentlich weniger Durchfahrten als die amerikanische Regierung meldet. Ein Grund dafür ist offenbar, dass zahlreiche Handelsschiffe ihre Transponder abschalten, um iranische Kräfte nicht auf sich aufmerksam zu machen. Nach Angaben eines US-Beamten gegenüber CNN sollen die meisten oder sogar alle der 40 Schiffe der großen Dienstagsoperation ohne eingeschaltete Transponder gefahren sein. Dadurch entsteht zwangsläufig eine Lücke zwischen öffentlich sichtbaren Daten und den Angaben der amerikanischen Streitkräfte.
Diese Unsicherheit ändert aber nichts an einer wesentlichen Entwicklung: Selbst unabhängige Analysten sehen Anzeichen dafür, dass Teherans Fähigkeit zur Durchsetzung seiner Ansprüche geschwächt wurde. ISW verweist darauf, dass bereits am 31. August mehr als 17 Millionen Barrel Öl die Straße passiert hätten. Einen Tag später folgte nach amerikanischen Angaben die Eskorte der 40 Schiffe mit insgesamt 18 Millionen Barrel. Noch im zweiten Quartal lag der Durchschnitt bei lediglich 4,9 Millionen Barrel täglich. Der Abstand ist so groß, dass er sich nicht mit statistischen Schwankungen allein erklären lässt.
Für Israel ist das von unmittelbarer strategischer Bedeutung. Teheran hat seine militärischen Stellvertreter, sein Raketenarsenal und die Drohung gegen internationale Energiewege über Jahre miteinander verbunden. Dahinter stand stets dieselbe Vorstellung: Ein Angriff auf das iranische Machtzentrum müsse für den Westen so teuer werden, dass der internationale Druck am Ende nicht auf Iran, sondern auf Israel und die Vereinigten Staaten gerichtet werde.
Je zuverlässiger die USA jedoch die Straße von Hormus offenhalten können, desto weniger funktioniert diese Rechnung. Israel erhält dadurch mehr strategischen Handlungsspielraum gegenüber einem Regime, das seine Vernichtungsdrohungen gegen den jüdischen Staat nie verborgen hat. Gleichzeitig sinkt die Aussicht Teherans, über steigende Ölpreise und eine erzwungene Energiekrise politische Zugeständnisse zu erzwingen.
US-Finanzminister Scott Bessent brachte die amerikanische Sicht bemerkenswert knapp auf den Punkt. Nachdem mehr als 17 Millionen Barrel an einem Tag die Meerenge passiert hatten, erklärte er sinngemäß: Das sei keine iranische Kontrolle über Hormus. Seine Aussage ist politisch zugespitzt, doch die Entwicklung gibt Washington derzeit Argumente dafür.
Iran kann weiterhin Drohnen starten, Raketen einsetzen und Handelsschiffe bedrohen. Eine Meerenge von weltweiter Bedeutung lässt sich nicht innerhalb weniger Tage dauerhaft sichern. Doch der entscheidende Unterschied besteht darin, dass Teherans Drohung nicht mehr automatisch mit einer tatsächlichen Blockade gleichgesetzt werden kann.
Das ist für das Regime gefährlicher, als es auf den ersten Blick erscheint. Macht im Nahen Osten beruht nicht allein darauf, eine Waffe zu besitzen. Sie beruht darauf, dass Gegner überzeugt sind, diese Waffe werde funktionieren. Jahrelang gehörte die Straße von Hormus zu den stärksten Karten Teherans. Wenn amerikanische Streitkräfte tatsächlich fast wieder Mengen auf Vorkriegsniveau durch die Meerenge bringen können, während iranische Radar-, Raketen- und Minenfähigkeiten fortlaufend zerstört werden, verliert diese Karte ihren Wert.
Und genau deshalb ist die Entwicklung auch für Israel eine gute Nachricht: Ein Iran, dessen Möglichkeiten zur Erpressung der Weltwirtschaft schrumpfen, verfügt über weniger Mittel, um die Konsequenzen seiner eigenen Aggression auf andere abzuwälzen.
Autor: Redaktion
Donnerstag, 03 September 2026