Israels Schläge haben Irans Atomprogramm schwer getroffen, doch die Gefahr bleibt

Israels Schläge haben Irans Atomprogramm schwer getroffen, doch die Gefahr bleibt


Zehntausende Zentrifugen wurden zerstört oder unbrauchbar gemacht, die bekannten Anreicherungsanlagen sind weitgehend außer Betrieb und hoch angereichertes Uran liegt offenbar eingeschlossen unter der Erde.

Israels Schläge haben Irans Atomprogramm schwer getroffen, doch die Gefahr bleibt
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Doch israelische Sicherheitsquellen warnen: Überlebende IR6 Zentrifugen, unzugängliche Uranbestände und eine praktisch blinde IAEA könnten Teheran langfristig einen neuen Weg zur Bombe eröffnen.

IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen hat mit seinen Angriffen auf das iranische Atomprogramm erheblich mehr erreicht als frühere diplomatische Vereinbarungen. Trotzdem wäre es ein gefährlicher Fehler, daraus das endgültige Ende der iranischen Nukleargefahr abzuleiten.

Mehrere israelische Quellen haben der Jerusalem Post erklärt, dass derzeit keine unmittelbare iranische Atomwaffengefahr bestehe. Iran betreibe momentan keine Zentrifugen zur Urananreicherung. Die großen bekannten Nuklearanlagen seien durch die Angriffe von 2025 und 2026 größtenteils unbrauchbar geworden. Auch die Bestände an auf 20 und 60 Prozent angereichertem Uran seien für Teheran derzeit offenbar nicht einfach zugänglich.

Das ist ein gewaltiger Erfolg.

Doch es ist kein endgültiger Sieg.

Zentrifugen zerstört, aber nicht alle

Nach Informationen der JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen Post wurde der überwiegende Teil einer iranischen Flotte von rund 20.000 Zentrifugen zerstört oder beschädigt. Entscheidend ist jedoch, was überlebt hat.

Israelische Quellen gehen davon aus, dass sich weiterhin eine erhebliche Zahl von Zentrifugen tief unter der Erde befinden könnte. Besonders problematisch sind moderne Maschinen vom Typ IR6. Sie arbeiten wesentlich leistungsfähiger als die alten IR1 Modelle.

Schon einige Hundert funktionsfähige IR6 Zentrifugen könnten nach Einschätzung der Quellen ausreichen, um irgendwann eine kleine geheime Anlage aufzubauen und vorhandenes hoch angereichertes Uran weiter in Richtung Waffenqualität anzureichern. Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass eine solche Anlage heute existiert oder dass Iran unmittelbar vor einer Bombe steht.

Es bedeutet aber, dass ein Teil der technischen Grundlage überlebt haben könnte.

Unabhängige Satellitenanalysen des Institute for Science and International Security bestätigen wesentliche Teile dieses Bildes. Das Institut stellte im Juni fest, dass keine Hinweise auf eine wieder aufgenommene Urananreicherung vorliegen und das iranische Zentrifugenprogramm massiv zerstört wurde. Gleichzeitig könnten in unterirdischen Anlagen weiterhin Zentrifugen, Komponenten und Ausrüstung vorhanden sein.

Besonders brisant sind Natanz, Fordow und Isfahan.

Die Tunnelzugänge zu mehreren Anlagen sind verschüttet oder blockiert. Das erschwert Iran derzeit selbst den Zugriff. Gleichzeitig erschwert es aber auch jede unabhängige Kontrolle dessen, was sich dahinter befindet.

haOlam berichtete bereits darüber, dass Iran möglicherweise Tausende Zentrifugen tief unter Fels geschützt hat. Damals galt bereits: Es gab keinen Beweis für eine laufende Anreicherung. Aber ebenso wenig gab es Gewissheit darüber, was Teheran unter der Erde retten konnte.

Ein weiterer möglicher Schlüssel für einen Wiederaufbau ist Pickaxe Mountain südlich von Natanz. haOlam berichtete über den tief in einem Berg angelegten Komplex, den Iran internationalen Inspektoren bislang nicht geöffnet hat.

Das Institute for Science and International Security sieht dort weiterhin Bauarbeiten, bewertet die Anlage bislang jedoch nicht als betriebsbereit.

Genau diese Unterscheidung ist wichtig.

Iran besitzt gegenwärtig offenbar keine funktionierende große Anreicherungsindustrie mehr.

Aber das Regime besitzt weiterhin Wissen, Personal, möglicherweise gerettete Maschinen und unterirdische Infrastruktur.

Das Uran liegt unter der Erde und niemand kann es kontrollieren

Noch größer ist das Problem beim bereits angereicherten Uran.

Vor den Angriffen verfügte Iran nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde über rund 440,9 Kilogramm Uran mit einem Anreicherungsgrad von bis zu 60 Prozent. 60 Prozent sind noch kein waffenfähiges Uran. Für eine Atomwaffe wird üblicherweise eine Anreicherung von etwa 90 Prozent angestrebt. Technisch ist der verbleibende Schritt jedoch wesentlich kleiner als der gesamte Weg von Natururan zu 60 Prozent.

Das Institute for Science and International Security geht davon aus, dass große Teile dieses Bestands weiterhin in unterirdischen Anlagen bei Isfahan, Natanz und Fordow eingeschlossen sind. Allein im Tunnelkomplex von Isfahan könnten sich nach den verfügbaren Schätzungen mehrere Hundert Kilogramm befinden.

Die gute Nachricht für Israel lautet: Teheran kann offenbar nicht einfach an das Material heranfahren und es abtransportieren.

Die schlechte Nachricht lautet: Niemand weiß zuverlässig, wie lange das so bleibt.

Die Jerusalem Post berichtet unter Berufung auf mehrere Quellen über die Sorge, Iran könne langfristig versuchen, sich aus größerer Entfernung heimlich zu den verschütteten Bereichen vorzugraben. Ein solcher Versuch könnte Monate oder Jahre dauern. Satelliten würden offene Bauarbeiten wahrscheinlich erkennen, doch Teheran könnte versuchen, diese Aktivitäten zu verschleiern.

Genau deshalb sind neue Erdarbeiten und Schutzbauten rund um iranische Nuklearstandorte von Bedeutung.

Das Institute for Science and International Security dokumentiert seit Monaten zusätzliche Erdwälle, Straßensperren, neue Strukturen und Arbeiten an verschiedenen Standorten. Nicht jede Bautätigkeit bedeutet den Wiederaufbau einer Atomanlage. Die Analysten warnen selbst davor, Satellitenbilder zu überinterpretieren.

Aber das Muster zeigt eines deutlich: Iran behandelt seine verbliebene Nuklearinfrastruktur keineswegs wie ein aufgegebenes Projekt.

Noch gefährlicher wird diese Unsicherheit durch den Zusammenbruch der internationalen Kontrolle.

IAEA Generaldirektor Rafael Grossi erklärte am Montag vor dem Gouverneursrat, seine Behörde habe von Iran weder ausreichende Informationen über den Zustand des deklarierten Nuklearmaterials und der Anlagen erhalten, noch Zugang für Kontrollen bekommen. Die Behörde könne deshalb ihre Überwachungsaufgaben an den betroffenen Standorten nicht erfüllen. (Jerusalem Post)

Grossi bezeichnet die Situation als ernstes Proliferationsproblem.

Auch Reuters berichtet, dass Iran der IAEA seit den Angriffen den Zugang zu den bombardierten Nuklearanlagen sowie belastbare Informationen über die hoch angereicherten Uranbestände verweigert. Die USA, Großbritannien, Frankreich und Deutschland wollen deshalb den Druck im Gouverneursrat erhöhen. (Reuters)

haOlam warnte bereits nach den Angriffen, dass die alten Kontrollmechanismen nicht mehr ausreichen. Inspektoren müssten heute nicht nur überprüfen, welche Zentrifugen laufen. Sie müssten überhaupt erst feststellen können, wo sich das Uran befindet, was in den beschädigten Tunneln erhalten blieb und welche neuen Anlagen Iran möglicherweise vorbereitet.

Genau das können sie derzeit nicht.

Die Gefahr endet außerdem nicht beim Uran.

Für eine einsatzfähige Atomwaffe benötigt Iran weitere technische Schritte. Hoch angereichertes Uran muss verarbeitet, in eine geeignete Form gebracht und schließlich in einen funktionierenden Sprengkopf integriert werden. Nach Angaben israelischer Quellen waren deshalb bei den israelischen Angriffen auch Einrichtungen Ziel, die mit Uranmetall, der Herstellung entsprechender Komponenten und Arbeiten an einem möglichen nuklearen Sprengkopf in Verbindung standen.

Gerade dort sieht die Lage für Iran derzeit besonders schlecht aus.

Nach Informationen der Jerusalem Post hat Teheran beim Wiederaufbau dieser Fähigkeiten bislang keine nennenswerten Fortschritte erzielt. Israelische Geheimdienste betrachten die Verhinderung eines solchen Wiederaufbaus als eine ihrer wichtigsten Aufgaben.

Auch unabhängige Satellitenanalysen zeigen allerdings, warum Wachsamkeit notwendig bleibt. Das Institute for Science and International Security dokumentierte im Sommer neue Arbeiten am schwer beschädigten Taleghan 2 Komplex im Militärgelände Parchin. Dort wurden beschädigte Bereiche geräumt, Zugänge bearbeitet und Teile der Anlage erneut befestigt. Das beweist keinen erneuten Bau einer Atomwaffe, zeigt aber, dass Teheran beschädigte nuklear relevante Infrastruktur nicht überall sich selbst überlässt. (Institute for Science and International Security)

Die Bilanz ist deshalb gleichzeitig beeindruckend und unbequem.

Israel und die Vereinigten Staaten haben Irans Atomprogramm massiv zurückgeworfen. Die großen bekannten Anreicherungsanlagen funktionieren nicht wie zuvor. Der größte Teil der Zentrifugen wurde vernichtet oder beschädigt. Hoch angereichertes Uran ist offenbar zu erheblichen Teilen eingeschlossen. Auch wichtige Einrichtungen für eine mögliche spätere Waffenproduktion wurden getroffen.

Iran steht heute wesentlich weiter von einer einsatzfähigen Atomwaffe entfernt als vor den Angriffen.

Aber Teheran hat nicht vergessen, wie Uran angereichert wird.

Es besitzt möglicherweise überlebende moderne Zentrifugen.

Es besitzt weiterhin hoch angereichertes Uran.

Es verfügt über tief eingegrabene Anlagen.

Und die internationale Atomaufsicht kann nicht einmal zuverlässig nachsehen, was dort geschieht.

Israels Operationen haben dem iranischen Atomprogramm Jahre genommen.

Sie haben die iranische Nuklearfrage nicht für immer erledigt.




Autor: Redaktion
Dienstag, 08 September 2026

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