Golfstaaten bremsen Teheran: Irans Hormus-Plan gerät ins Stocken

Golfstaaten bremsen Teheran: Irans Hormus-Plan gerät ins Stocken


Iran will die Straße von Hormus weiter als Druckmittel gegen die USA nutzen und die freie Durchfahrt an eigene Bedingungen knüpfen. Nun wurde ein Treffen mit arabischen Golfstaaten kurzfristig verschoben. Mehrere Länder wollen Teherans Spiel offenbar nicht einfach mittragen.

Golfstaaten bremsen Teheran: Irans Hormus-Plan gerät ins Stocken
Bildnachweis: Earth Science and Remote Sensing Unit, NASA Johnson Space Center / Quelle

Das iranische Regime versucht, aus der Krise an der Straße von HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen politischen Gewinn zu ziehen. Teheran bedroht seit Monaten einen der wichtigsten Seewege der Welt, knüpft die vollständige Öffnung der Meerenge an Forderungen gegenüber den Vereinigten Staaten und präsentiert anschließend eigene Vorschläge für eine angeblich neue regionale Ordnung.

Doch genau dieser Versuch stößt offenbar auf Widerstand.

Ein für Montag in Oman geplantes Treffen zwischen Iran und mehreren arabischen Golfstaaten wurde kurzfristig abgesagt beziehungsweise auf unbestimmte Zeit verschoben. Omans Außenminister Badr Albusaidi erklärte, die Entscheidung sei „im Interesse des Konsenses“ gefallen. Iranische Staatsmedien gingen weiter und berichteten unter Berufung auf das Außenministerium, mehrere Staaten der Region hätten selbst um die Verschiebung gebeten.

Unabhängig bestätigt ist diese iranische Darstellung bislang nicht. Klar ist jedoch: Die Runde kommt vorerst nicht zustande.

Das ist bemerkenswert, denn Teheran wollte bei dem Treffen eine mit Oman ausgearbeitete Vorstellung für den künftigen Schiffsverkehr durch Hormus präsentieren. Saudi-Arabien und Katar sollten nach Reuters-Angaben durch ihre Außenminister vertreten sein, auch der Irak hatte seine Teilnahme angekündigt.

Bahrain verweigerte dagegen von vornherein Gespräche mit iranischen Vertretern.

Iran bedroht die Passage und will danach über ihre Bedingungen bestimmen

Genau hier liegt der eigentliche Konflikt.

Teheran stellt seine Gespräche mit Oman gern als Beitrag zur regionalen Stabilität dar. Doch Irans Außenminister Abbas Araghchi hat gleichzeitig unmissverständlich erklärt, dass Iran die Meerenge nicht vollständig öffnen werde, solange Washington den iranischen Forderungen nicht entgegenkommt.

Mit freier Schifffahrt hat das wenig zu tun.

Das Regime versucht damit, eine internationale Lebensader als politisches Faustpfand zu benutzen. Schiffe sollen passieren können, wenn Teheran die politischen Bedingungen für akzeptabel hält. Gleichzeitig wurden Modelle diskutiert, bei denen Iran für bestimmte Dienstleistungen oder Sicherheitsleistungen im Zusammenhang mit der Passage Geld verlangen könnte.

haOlam hatte bereits über diesen Versuch berichtet. Die entscheidende Frage lautet nicht, ob Iran technische Vereinbarungen mit Oman treffen darf. Natürlich darf er das.

Problematisch ist vielmehr die Reihenfolge:

Teheran verschärft die Gefahr für die Schifffahrt, setzt Hormus im Krieg als Druckmittel ein und versucht anschließend, aus dieser selbst geschaffenen Unsicherheit politischen Einfluss und möglicherweise wirtschaftliche Vorteile abzuleiten.

Das darf nicht mit einem gewöhnlichen Interessenausgleich zwischen gleichberechtigten Handelspartnern verwechselt werden.

Für IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen ist dieses Muster besonders vertraut. Das iranische Regime nutzt seit Jahren nicht nur seine eigenen Streitkräfte, sondern ein Netzwerk bewaffneter Terrororganisationen, um Gegner unter Druck zu setzen.

Die HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen bedroht Israel aus dem Libanon.

HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen wurde über Jahre von Teheran finanziert und bewaffnet.

Die HuthiHuthi: Terrororganisation des Iran-Netzwerks im JemenDie Huthi, auch Ansar Allah genannt, sind eine schiitisch-islamistische Terrororganisation aus dem Jemen. Sie kontrollieren große Teile des Nordwestens, werden vom Iran unterstützt und bedrohen Israel sowie die internationale Schifffahrt im Roten Meer.Mehr lesen-Terrororganisation greift Israel an und bedroht inzwischen zugleich den Schiffsverkehr am Bab al-Mandab.

Damit entsteht an beiden Enden der Arabischen Halbinsel eine strategisch gefährliche Lage.

Im Osten kontrolliert Iran große Teile der militärischen Eskalation um Hormus.

Im Westen gewinnt eine von Teheran unterstützte Terrororganisation an einer zweiten für den Welthandel entscheidenden Meerenge an Einfluss.

Dass Iran gleichzeitig behauptet, mit dieser Entwicklung wenig zu tun zu haben und lediglich regionale Lösungen anzubieten, ist schwer glaubwürdig.

Selbst die Golfstaaten haben wenig Interesse an iranischer Vorherrschaft

Für Saudi-Arabien, Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate und andere Golfstaaten ist das Problem grundsätzlich dasselbe wie für Israel: Ein stärkeres Iran bedeutet nicht mehr Stabilität, sondern mehr Abhängigkeit von den Entscheidungen eines Regimes, das seine Nachbarn seit Jahren mit Raketen, Drohnen, Stellvertretern und wirtschaftlichem Druck bedroht.

Saudi-Arabien erlebt diese Gefahr derzeit unmittelbar.

Weil die Straße von Hormus unsicher geworden ist, verlagerte Riad große Ölmengen durch seine Ost-West-Pipeline zum Roten Meer. Dann wurde genau diese Pipeline durch Drohnen angegriffen. Gleichzeitig rückten die Huthis am Bab al-Mandab vor.

Damit geraten nacheinander mehrere saudische Ausweichmöglichkeiten unter Druck.

US-Präsident Donald Trump erklärte inzwischen, Iran sei wahrscheinlich für den Angriff auf die saudische Pipeline verantwortlich. Ein öffentlicher Beweis für eine direkte iranische Steuerung liegt bislang nicht vor. Die Drohnen sollen nach saudischen Angaben aus dem Irak gekommen sein, wo mehrere eng mit Teheran verbundene bewaffnete Gruppen operieren.

Gerade solche Entwicklungen erklären, warum arabische Staaten vorsichtig sein müssen, bevor sie Iran zusätzliche politische Rechte oder faktische Kontrollmöglichkeiten über Hormus zugestehen.

Ein Regime, das selbst Teil des Sicherheitsproblems ist, kann sich nicht gleichzeitig glaubwürdig als neutraler Garant der Lösung präsentieren.

Die USA nehmen Teheran den Hebel teilweise aus der Hand

Washington versucht deshalb, die iranische Erpressbarkeit der Schifffahrt praktisch zu verringern.

CENTCOM erklärte am Sonntag, inzwischen 101 Handelsschiffe im Zusammenhang mit der amerikanischen Blockade und der angespannten Sicherheitslage umgeleitet beziehungsweise durch alternative Routen geführt zu haben.

Die Wirkung auf Iran ist erheblich.

Teherans Ölexporte stehen unter massivem Druck, die Wirtschaft leidet, der Rial befindet sich auf einem historischen Tiefstand und der Zugang zu Devisen wird schwieriger. Gleichzeitig verhindert die amerikanische Militärpräsenz, dass Iran die Meerenge vollständig nach eigenem Belieben kontrollieren kann.

Trotzdem ist die Lage für den internationalen Handel gefährlich.

Der Schiffsverkehr durch Hormus liegt weiter deutlich unter normalen Werten. Die Unsicherheit treibt Versicherungs- und Transportkosten und wirkt sich unmittelbar auf den Ölpreis aus.

Genau deshalb ist diplomatische Vermittlung durch Oman sinnvoll.

Aber Vermittlung darf nicht bedeuten, Teherans Grundannahme zu akzeptieren.

Die Straße von Hormus ist kein iranischer Besitz, dessen Nutzung das Regime je nach politischem Wohlverhalten Washingtons gewährt oder verweigert.

Und Iran darf nicht dafür belohnt werden, dass es zunächst Instabilität schafft und anschließend anbietet, diese Instabilität unter eigenen Bedingungen wieder zu reduzieren.

Die kurzfristige Verschiebung des Treffens in Oman ist deshalb möglicherweise ein wichtiger Hinweis.

Vielleicht sind zumindest einige arabische Staaten nicht bereit, Teherans Versuch mitzutragen, militärischen Druck in politische Anerkennung umzuwandeln.

Das wäre nicht das Scheitern von Diplomatie.

Es wäre eine notwendige Grenze für ein Regime, das zu lange gelernt hat, dass Drohungen, Terrororganisationen und gefährdete Handelswege am Ende neue Zugeständnisse bringen.




Autor: Redaktion
Montag, 14 September 2026

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