Teherans letzte Karten: Wenn das Öl versiegt, droht Iran mit dem Flächenbrand

Teherans letzte Karten: Wenn das Öl versiegt, droht Iran mit dem Flächenbrand


Irans Ölexporte brechen ein, die Sanktionen greifen und Gespräche mit Washington stecken fest. Gleichzeitig droht das Regime mit Präventivschlägen, Angriffen auf regionale Infrastruktur und einem möglichen Ausstieg aus dem Atomwaffensperrvertrag.

Teherans letzte Karten: Wenn das Öl versiegt, droht Iran mit dem Flächenbrand
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Teheran spricht wieder mit Washington. Doch wer darin bereits den Beginn einer Entspannung sieht, übersieht die andere Hälfte der iranischen Botschaft: Während Unterhändler in New York nach einem Ausweg suchen, drohen Vertreter des Regimes mit einer erheblichen Ausweitung des Krieges. Flughäfen, Energieanlagen, Wasser- und Stromversorgung in der Region werden offen als mögliche Druckpunkte genannt. Parallel wächst in Iran die Debatte darüber, den Atomwaffensperrvertrag NPT zu verlassen. Diplomatie und Drohung laufen gleichzeitig.

Der Grund dafür ist nicht schwer zu erkennen. Der wirtschaftliche Spielraum Irans schrumpft. Reuters berichtete Anfang September, dass die amerikanische Seeblockade erreicht hat, was jahrelange Sanktionen nur teilweise schafften: Irans Ölexporte durch die Straße von HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen sind nahezu zusammengebrochen. Von rund zwei Millionen Barrel täglich im März sanken die Verladungen im August auf etwa 220.000 bis 255.000 Barrel. Damit trifft Washington eine der wichtigsten Quellen für Devisen des Regimes.

haOlam hatte bereits Anfang September über dieselbe Entwicklung berichtet: Pezeshkian bot damals eine Rückkehr zum Juni-Abkommen an, während der wirtschaftliche Druck gleichzeitig immer größer wurde. Neu ist nun, wie offen Teheran den Preis formuliert, den andere Staaten zahlen sollen, falls es keinen Deal gibt.

Verhandlungen mit der einen Hand, Drohungen mit der anderen

Am Rande der UN-Generalversammlung wurden erstmals seit Monaten wieder Nachrichten zwischen den Vereinigten Staaten und Iran ausgetauscht. Steve Witkoff und Jared Kushner führten Gespräche mit Vermittlern, während Irans Außenminister Abbas Araghchi die iranischen Bedingungen übermitteln ließ. Über die genaue Form des Kontakts gibt es unterschiedliche Darstellungen; Witkoff betonte, dass Vermittler zwischen den Delegationen pendelten. Trump sprach anschließend von einer „produktiven“ Begegnung und von Bewegung in Richtung eines Abkommens.

Die iranischen Forderungen sind allerdings umfangreich. Teheran verlangt unter anderem ein Ende der amerikanischen Blockade, die Freigabe eingefrorener Gelder und eine Beendigung der Kämpfe an mehreren regionalen Fronten. Im Gegenzug stellt Iran eine Öffnung der Straße von Hormus in Aussicht. Reuters berichtete, Teheran könne die Meerenge innerhalb einer Woche wieder vollständig öffnen, sofern Washington seinen militärischen und wirtschaftlichen Druck reduziert.

Gleichzeitig verschärft Iran seine Drohungen. Sicherheitsratssekretär Mohsen Rezaei warnte bereits, Nachbarstaaten, die amerikanische Maßnahmen gegen iranische Fluggesellschaften unterstützten, könnten selbst Probleme beim Betrieb ihrer Flughäfen bekommen. Andere iranische Vertreter verwiesen auf Öl-, Gas-, Strom- und Wasseranlagen in den Golfstaaten als verwundbare Infrastruktur. Das ist keine Friedensrhetorik. Es ist der Versuch, wirtschaftlichen Druck mit regionalem Gegenschmerz zu beantworten.

Besonders gefährlich ist die iranische Argumentation zum Präventivschlag. Teheran erklärt inzwischen öffentlich, es müsse nicht zwingend warten, bis ein erwarteter Angriff tatsächlich beginnt. Sollte die Führung zu dem Schluss kommen, ein neuer amerikanischer oder israelischer Schlag stehe unmittelbar bevor, könne Iran selbst zuerst angreifen. N12 beschreibt zusätzlich Drohungen, einen erneuten Krieg geografisch auszuweiten und wesentlich länger zu führen als frühere Eskalationen.

Für IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen ist diese Entwicklung keineswegs theoretisch. Iran verfügt weiterhin über ballistische Raketen, Drohnen und regionale Verbündete. Der Konflikt betrifft gleichzeitig den Persischen Golf, den Irak, Jemen und den Libanon. Eine iranische Strategie, den Preis eines amerikanischen Angriffs auf möglichst viele Staaten zu verteilen, würde zwangsläufig auch Israels Sicherheitsplanung betreffen.

Und wieder liegt die Atombombe auf dem Tisch

Noch gefährlicher ist, dass Teheran erneut mit dem Fundament der internationalen Kontrolle seines Atomprogramms spielt. Iran ist Vertragsstaat des Atomwaffensperrvertrags und damit zu entsprechenden Sicherungsmaßnahmen verpflichtet. Die IAEA hatte bereits vor dem aktuellen Krieg festgestellt, dass Iran über Jahre nicht ausreichend mit den Inspektoren kooperierte und ungeklärte Fragen zu nicht deklariertem Nuklearmaterial offenblieben. Der Gouverneursrat stellte 2025 ausdrücklich fest, Iran habe trotz wiederholter Aufforderungen nicht die erforderliche Zusammenarbeit geleistet.

Im September warnte Rezaei, Maßnahmen der IAEA könnten Staaten dazu bringen, den NPT zu verlassen. Innerhalb Irans wird genau diese Möglichkeit inzwischen offen diskutiert. N12 berichtet, dass dabei auch die bisherige religiöse Fatwa gegen Massenvernichtungswaffen nicht mehr als unveränderliche Schranke betrachtet werde. Unter dem neuen Obersten Führer Mojtaba Khamenei könne nach iranischer Argumentation auch diese Linie geändert werden.

Damit wird sichtbar, wie eng die verschiedenen Druckmittel miteinander verbunden sind. Hormus, Öl, Raketen, regionale Infrastruktur und das Atomprogramm sind keine getrennten Krisen. Teheran versucht, aus jedem dieser Bereiche Verhandlungsmasse zu machen.

Das Problem für das Regime: Einige dieser Karten verlieren an Wirkung. Die Weltwirtschaft hat begonnen, sich an die Störungen in Hormus anzupassen. Alternative Transportwege und teure Schiff-zu-Schiff-Umladungen halten Teile des Ölverkehrs aufrecht. Gleichzeitig trifft die amerikanische Blockade Iran selbst besonders hart. Reuters beschreibt eine Wirtschaft unter wachsendem Devisenmangel, Importproblemen und massivem Inflationsdruck.

Das macht Iran nicht ungefährlicher. Im Gegenteil: Ein Regime mit weniger wirtschaftlichen Möglichkeiten kann versucht sein, militärische Eskalation als verbliebenes Druckmittel stärker einzusetzen. Genau deshalb wäre es gefährlich, die Gespräche in New York bereits als Entspannung zu verkaufen.

Teheran bietet keinen einfachen Frieden an. Es legt eine Rechnung auf den Tisch: Sanktionen lockern, Blockade beenden, Geld freigeben und regionalen Druck reduzieren. Andernfalls stellt das Regime eine Ausweitung des Konflikts in Aussicht.

Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob Iran noch verhandelt.

Sondern wie weit das Regime zu gehen bereit ist, wenn Washington seine Bedingungen nicht akzeptiert.




Autor: Redaktion
Sonntag, 27 September 2026

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