Teherans Spielraum schrumpft: Immer mehr Staaten stellen sich gegen Irans TerrornetzwerkeTeherans Spielraum schrumpft: Immer mehr Staaten stellen sich gegen Irans Terrornetzwerke
Zehn Staaten Amerikas verurteilen iranische Terroraktivitäten, 56 Länder wollen wiederhergestellte UN-Beschränkungen konsequent durchsetzen. Gleichzeitig verliert Teheran selbst dort Rückhalt, wo Israelpolitik lange keinen gemeinsamen Nenner schuf.

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Es sind zunächst zwei Erklärungen, die für sich genommen keine neue Weltordnung schaffen. Zusammengenommen zeigen sie jedoch, wie stark sich das internationale Umfeld der Islamischen Republik innerhalb weniger Monate verändert hat. Am 5. Oktober verurteilten die Vereinigten Staaten, Argentinien, Kanada, Kolumbien, Costa Rica, die Dominikanische Republik, Guyana, Paraguay, Peru sowie Trinidad und Tobago gemeinsam iranische Terroraktivitäten und Einflussoperationen auf dem amerikanischen Kontinent. Genannt werden Anschlagsplanungen, illegale Finanzierung, politische Einflussnahme, die Unterstützung terroristischer Netzwerke und Operationen gegen vermeintliche Gegner. Die Botschaft ist ungewöhnlich eindeutig: Iran und seine Stellvertreter sollen diese Aktivitäten einstellen, die beteiligten Staaten wollen ihre Zusammenarbeit gegen das iranische Netzwerk ausbauen.
Nur drei Tage zuvor hatten 56 Staaten erklärt, die nach dem sogenannten Snapback wieder geltenden UN-Beschränkungen gegen Iran konsequent umzusetzen. Unterzeichner reichen von den USA, Deutschland, Frankreich und Großbritannien über Japan und Südkorea bis zu Bahrain, Marokko, Argentinien, Kolumbien, Paraguay und Jemen. Sie wollen Transfers verhindern, die Teherans Nuklearprogramm, ballistische Raketen oder andere Rüstungsprogramme unterstützen könnten. Die beiden Erklärungen behandeln unterschiedliche Probleme. Die eine richtet sich gegen Terror- und Geheimdienstaktivitäten, die andere gegen Proliferation und Aufrüstung. Gerade darin liegt ihre Bedeutung: Das Problem Iran wird international längst nicht mehr auf eine einzige Streitfrage reduziert.
Lateinamerika erkennt, was Israel seit Jahrzehnten warnt
Besonders deutlich ist der Wandel in Lateinamerika. Iran und die HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen haben dort seit Jahrzehnten Netzwerke aufgebaut. Argentinien trägt die Erinnerung an den Anschlag auf das jüdische Gemeindezentrum AMIA in Buenos Aires von 1994, bei dem 85 Menschen ermordet wurden. Iranische Funktionäre und die Hisbollah werden seit Jahren mit dem Anschlag in Verbindung gebracht. Paraguay wiederum kämpft seit langem gegen Finanz- und Unterstützungsstrukturen der Hisbollah im Dreiländereck mit Argentinien und Brasilien.
Neu ist, dass sich immer mehr Staaten nicht mehr mit Beobachtung oder einzelnen Sanktionen begnügen. Kolumbien brach seine diplomatischen Beziehungen zur Islamischen Republik mit Wirkung vom 19. September ab. Das Außenministerium in Bogotá nannte dabei mutmaßliche Verbindungen Teherans zu internationalen Terror- und Drogenterrornetzwerken, Menschenrechtsverletzungen, iranische Angriffe auf Staaten außerhalb des eigentlichen Konflikts, die Blockade der Straße von HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen sowie die Behinderung der Internationalen Atomenergiebehörde.
Nur wenige Tage später ging Kolumbien weiter und stufte die Islamischen RevolutionsgardenIslamische Revolutionsgarden: Machtzentrum des iranischen RegimesDie Islamischen Revolutionsgarden sind eine mächtige militärische, politische und wirtschaftliche Organisation der Islamischen Republik Iran. Sie wurden nach der Revolution von 1979 gegründet, unterstehen dem Obersten Führer und steuern über die Quds-Einheit Irans regionales Terrornetzwerk.Mehr lesen als Terrororganisation ein. Bogotá begründete dies mit deren Rolle bei Repression im Iran und verdeckten Operationen außerhalb der Landesgrenzen. Personen mit Verbindung zu den Revolutionsgarden sollen verstärkt an der Einreise gehindert werden.
Das ist politisch erheblich. Die Revolutionsgarden sind kein gewöhnlicher Teil der iranischen Streitkräfte. Über die Quds-EinheitQuds-Einheit: Irans geheime Kommandozentrale gegen IsraelDie Quds-Einheit ist die für Auslandseinsätze zuständige Eliteeinheit der Islamischen Revolutionsgarden des Iran. Sie unterstützt Terrororganisationen und Milizen in der Region, darunter Hisbollah, Hamas, Islamischer Dschihad, Huthi und schiitische Milizen.Mehr lesen, Geheimdienststrukturen, Finanznetzwerke und regionale Partner bilden sie das Rückgrat des iranischen Systems der Machtausübung außerhalb der eigenen Grenzen. Hisbollah im Libanon, bewaffnete Milizen im Irak und weitere Stellvertreter sind ohne iranische Finanzierung, Ausbildung und Waffen nicht zu verstehen. IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen warnt vor diesem System seit Jahrzehnten. Lange wurde diese Warnung in Teilen Europas und Lateinamerikas als spezifisch israelische Perspektive behandelt. Inzwischen sprechen Regierungen auf mehreren Kontinenten von ihrer eigenen Sicherheit.
Europa hat diese Entwicklung bereits Anfang des Jahres sichtbar gemacht. Die Europäische Union setzte die Revolutionsgarden am 19. Februar offiziell auf ihre Terrorliste. Gelder und wirtschaftliche Ressourcen werden eingefroren, EU-Akteure dürfen ihnen keine Mittel bereitstellen. Großbritannien ging im Juli mit seinem neuen Staatsschutzrecht einen ähnlichen Weg. Unterstützung für die Revolutionsgarden kann dort inzwischen strafbar sein. London begründete dies ausdrücklich mit iranischen Versuchen, Gewalt und Einschüchterung auf britischem und europäischem Boden zu organisieren.
Dass es sich dabei nicht um abstrakte Befürchtungen handelt, zeigte eine weitere internationale Erklärung im Juni. 24 Staaten aus Europa, Nordamerika und Australien verurteilten Anschlagsplanungen und andere Operationen iranischer Sicherheitsorgane gegen Dissidenten, Journalisten sowie jüdische und israelische Gemeinden. Genannt wurden ausdrücklich die Geheimdienstorganisation der Revolutionsgarden, die Quds-Einheit und das iranische Geheimdienstministerium. Damit wird ein Muster sichtbar: Teherans Außenpolitik wird zunehmend nicht mehr ausschließlich als geopolitische Konkurrenz im Nahen Osten betrachtet, sondern als konkrete innere Sicherheitsgefahr für Staaten weit außerhalb der Region.
Selbst die Golfstaaten behandeln Teheran inzwischen als direkte Bedrohung
Noch deutlicher fiel der Wandel am Golf aus. Vor dem Krieg bemühten sich Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar, Bahrain, Kuwait und Oman jahrelang darum, nicht zwischen Israel, den USA und Iran zerrieben zu werden. Mehrere Staaten hatten Beziehungen zu Teheran vorsichtig verbessert und wiederholt erklärt, ihr Territorium solle nicht für Angriffe gegen Iran genutzt werden.
Iranische Raketen- und Drohnenangriffe veränderten diese Rechnung.
Bereits am 2. März verurteilten Saudi-Arabien, die Emirate, Katar, Bahrain, Kuwait, Jordanien und die USA gemeinsam iranische Angriffe auf souveräne Staaten der Region. Wenige Wochen später schlossen sich bei einer weiteren Erklärung auch Ägypten, die Türkei, Pakistan, Aserbaidschan, Libanon und Syrien an. Im Juli erklärten sämtliche sechs Staaten des Golfkooperationsrates gemeinsam mit Jordanien, iranische und von Iran unterstützte Angriffe auf ihre Gebiete, Bürger und zivile Infrastruktur dauerten weiter an. Energieanlagen, Entsalzungsanlagen, Häfen und Flughäfen waren betroffen.
Das ist ein fundamentaler Unterschied zu früheren Jahren. Teheran konnte lange darauf setzen, dass arabische Staaten zwar iranischen Einfluss fürchteten, einen offenen Konflikt mit der Islamischen Republik aber vermeiden wollten. Dieses Kalkül funktioniert schlechter, sobald iranische Raketen auf deren eigenes Territorium fallen und Stellvertreter ihre Infrastruktur bedrohen. Aus einer vermeintlich israelisch-iranischen Konfrontation wurde für mehrere arabische Regierungen eine eigene Sicherheitsfrage.
Die zunehmende internationale Gegenwehr darf dennoch nicht mit vollständiger Isolation verwechselt werden. Iran besitzt weiterhin mächtige Partner. Russland hält an seiner strategischen Zusammenarbeit mit Teheran fest. China bezeichnet Iran weiterhin als umfassenden strategischen Partner und empfing Außenminister Abbas Araghchi noch im September zu Gesprächen in Peking. Katar vermittelt zwischen Washington und Teheran. Auch innerhalb von BRICS und anderen internationalen Zusammenschlüssen verfügt Iran über politische Unterstützung und wirtschaftliche Beziehungen.
Selbst dort zeigen sich jedoch Grenzen. China und die Vereinigten Staaten hielten nach ihren Gesprächen im September gemeinsam fest, Iran müsse seine Verpflichtung einhalten, keine Atomwaffe zu entwickeln, und niemand dürfe internationale Wasserstraßen mit Gebühren oder Blockaden kontrollieren. Russland wiederum unterstützt Teheran diplomatisch, will nach eigenen Aussagen aber ebenfalls keine iranische Atombombe. Unterstützung für Iran bedeutet also längst nicht automatisch Unterstützung für jede Politik des Regimes.
Das macht die derzeitige Entwicklung bedeutsamer als die Zahl einzelner Sanktionen. Staaten mit völlig unterschiedlichen Interessen gelangen aus unterschiedlichen Gründen zu ähnlichen Konsequenzen. Europäische Regierungen reagieren auf Terror- und Geheimdienstoperationen. Lateinamerikanische Staaten fürchten iranische Netzwerke auf ihrem Kontinent. Die Golfstaaten reagieren auf Raketen, Drohnen und Angriffe auf ihre Infrastruktur. Andere Staaten konzentrieren sich auf das Atomprogramm, Raketenentwicklung oder die Freiheit der internationalen Schifffahrt.
Gerade diese Verschiedenheit erschwert es Teheran, jede Gegenmaßnahme als Teil einer israelischen oder amerikanischen Kampagne abzutun.
Die Islamische Republik hat über Jahrzehnte versucht, ihren Einfluss so zu organisieren, dass andere den Preis dafür tragen. Die Hisbollah kämpft im Libanon, die HuthisHuthi: Terrororganisation des Iran-Netzwerks im JemenDie Huthi, auch Ansar Allah genannt, sind eine schiitisch-islamistische Terrororganisation aus dem Jemen. Sie kontrollieren große Teile des Nordwestens, werden vom Iran unterstützt und bedrohen Israel sowie die internationale Schifffahrt im Roten Meer.Mehr lesen bedrohen internationale Schifffahrt, Milizen operieren aus dem Irak, Geheimdienstnetzwerke verfolgen Regimegegner und jüdische Ziele im Ausland. Im eigenen Land sichern die Revolutionsgarden das System mit Repression, während das Regime zugleich behauptet, Iran selbst sei das Opfer internationaler Aggression.
Dieses Modell stößt zunehmend an Grenzen.
haOlam hat bereits nach der Aufnahme der Revolutionsgarden in die EU-Terrorliste darauf hingewiesen, dass politische Einstufungen allein noch keine iranischen Netzwerke zerschlagen. Dafür braucht es eingefrorene Vermögen, konsequente Strafverfolgung, geschlossene Tarnfirmen und internationale Zusammenarbeit. Genau diese zweite Phase scheint nun breiter zu beginnen. Nicht weil plötzlich alle Staaten dieselbe Haltung zu Israel oder zum NahostkonfliktPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen teilen, sondern weil immer mehr von ihnen selbst Erfahrungen mit Teherans Methoden machen.
Von einer geschlossenen Weltfront gegen Iran kann noch keine Rede sein.
Aber das Regime verliert etwas, das ihm über Jahre besonders nützlich war: die Möglichkeit, jede Auseinandersetzung mit seinem Terror-, Raketen- und Atomapparat als isolierten Konflikt mit Israel oder den Vereinigten Staaten darzustellen.
Das Problem Iran ist international geworden.
Und immer mehr Staaten behandeln es inzwischen auch so.
Autor: Redaktion
Donnerstag, 08 Oktober 2026