Iran fürchtet den nächsten Volksaufstand und baut gleichzeitig neue RaketenIran fürchtet den nächsten Volksaufstand und baut gleichzeitig neue Raketen
Israels Sicherheitsführung sieht das iranische Regime unter wachsendem Druck. Die Revolutionsgarden bereiten sich auf neue Unruhen vor, während Teheran seine Raketenproduktion wieder aufnimmt und Millionen an die Hisbollah überweist.

Bildnachweis: Symbolbild / KI
Das iranische Regime steht vor einem gefährlichen Widerspruch. Amerikanische Sanktionen treffen immer größere Teile seiner Wirtschaft, internationale Flugverbindungen brechen weg und die RevolutionsgardenIslamische Revolutionsgarden: Machtzentrum des iranischen RegimesDie Islamischen Revolutionsgarden sind eine mächtige militärische, politische und wirtschaftliche Organisation der Islamischen Republik Iran. Sie wurden nach der Revolution von 1979 gegründet, unterstehen dem Obersten Führer und steuern über die Quds-Einheit Irans regionales Terrornetzwerk.Mehr lesen müssen sich nach israelischen Erkenntnissen auf neue Proteste der eigenen Bevölkerung vorbereiten. Gleichzeitig investiert die Führung in Teheran weiterhin in ballistische Raketen, unterstützt terroristische Organisationen und droht anderen Staaten mit militärischer Gewalt. Während der wirtschaftliche Spielraum kleiner wird, versucht der iranische Machtapparat, seine militärische Handlungsfähigkeit wiederherzustellen.
Nach Einschätzung hochrangiger israelischer Sicherheitsvertreter könnte sich die wirtschaftliche Unzufriedenheit innerhalb Irans in den kommenden Monaten erneut in größeren Protesten entladen. Die Revolutionsgarden und andere Sicherheitsorgane sollen sich deshalb bereits in erhöhter Alarmbereitschaft befinden. Dabei geht es nicht nur um gewöhnliche Polizeivorbereitungen. Für die Islamische Republik ist die Gefahr eines erneuten landesweiten Aufstands eine unmittelbare Bedrohung ihres politischen Überlebens.
Die Einschätzungen wurden am Sonntag, dem 18. Oktober 2026, von der JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen Post veröffentlicht. Sie beruhen auf Gesprächen mit israelischen Verteidigungsvertretern, die sowohl die innenpolitische Entwicklung Irans als auch dessen militärische Aktivitäten beobachten.
Besonders auffällig ist, dass Teheran trotz seiner finanziellen Schwierigkeiten offenbar weiterhin erhebliche Mittel für seine regionalen Verbündeten aufbringt. Aus Beirut liegen Berichte vor, wonach rund 200 Millionen Dollar an die HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen geflossen sein sollen. Gleichzeitig unterstützt Iran die HuthiHuthi: Terrororganisation des Iran-Netzwerks im JemenDie Huthi, auch Ansar Allah genannt, sind eine schiitisch-islamistische Terrororganisation aus dem Jemen. Sie kontrollieren große Teile des Nordwestens, werden vom Iran unterstützt und bedrohen Israel sowie die internationale Schifffahrt im Roten Meer.Mehr lesen im Jemen weiterhin durch Ausbildung, technische Hilfe und Waffenlieferungen. Auch die Beziehungen zu schiitischen Milizen im Irak werden aufrechterhalten.
Damit entsteht ein bemerkenswertes Bild: Ein Regime, das wirtschaftlich zunehmend unter Druck steht und neue Proteste fürchtet, hält dennoch an einem kostspieligen Netzwerk bewaffneter Organisationen fest.
Sanktionen treffen inzwischen den Alltag der Bevölkerung
Die amerikanische Regierung hat ihre wirtschaftlichen Maßnahmen gegen Iran zuletzt erheblich verschärft. Besonders deutlich werden die Folgen im internationalen Luftverkehr. Seit dem 23. September greifen neue Beschränkungen, durch die Unternehmen und Flughäfen außerhalb Irans bei Dienstleistungen für sanktionierte iranische Fluggesellschaften selbst mit amerikanischen Sanktionen rechnen müssen.
Bereits am 8. September hatte das amerikanische Finanzministerium weitere 27 Fluggesellschaften auf seine Sanktionsliste gesetzt. Mit dem Ende einer Übergangsfrist am 23. September verschärften sich die praktischen Folgen erheblich.
Zahlreiche internationale Verbindungen wurden eingestellt. Unter anderem unterbrachen die Vereinigten Arabischen Emirate, OmanStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen, Georgien und Aserbaidschan Flüge iranischer Gesellschaften. Auch der Flughafen von Bagdad nahm keine iranischen Maschinen mehr auf, während Verbindungen in andere irakische Städte teilweise bestehen blieben.
Die Auswirkungen reichen weit über die Reisebranche hinaus. Iraner, die Angehörige im Ausland besuchen, geschäftlich reisen oder medizinische Behandlungen außerhalb ihres Landes benötigen, sehen sich mit erheblichen Schwierigkeiten konfrontiert. Viele müssen inzwischen auf lange und kostspielige Landwege ausweichen.
Allerdings ist der internationale Flugverkehr nicht vollständig zusammengebrochen. China lehnt die amerikanischen Sanktionen ab. Auch nach Russland, Afghanistan, Pakistan und in weitere Staaten bestehen Verbindungen fort. Die Türkei hat den Verkehr stark eingeschränkt, ohne sämtliche Möglichkeiten zu beseitigen.
Gerade diese Unterschiede zeigen, wie kompliziert die internationale Isolation Irans ist. Washington kann mit Sanktionen erheblichen Druck auf Unternehmen und Staaten ausüben, die auf den amerikanischen Finanzmarkt angewiesen sind. Länder, die bereit sind, wirtschaftliche oder politische Risiken einzugehen, können jedoch weiterhin mit Teheran zusammenarbeiten.
Für die Bevölkerung verschärft sich dadurch ein Problem, das schon vor dem jüngsten Krieg bestand. Jahrzehntelange Misswirtschaft, Korruption, internationale Sanktionen und die wirtschaftliche Dominanz regimetreuer Organisationen haben die Lebensbedingungen vieler Iraner erheblich belastet. Die erneute Verschärfung der Sanktionen trifft daher eine Gesellschaft, deren wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit bereits geschwächt ist.
Nach israelischen Einschätzungen wächst innerhalb des Landes die Unzufriedenheit. Sicherheitsvertreter rechnen damit, dass ein neuer Auslöser ausreichen könnte, um größere Proteste hervorzurufen. Einen konkreten Zeitpunkt können sie allerdings nicht nennen.
Diese Unsicherheit ist entscheidend. Wirtschaftliche Not führt nicht zwangsläufig zu einem politischen Aufstand. Selbst schwere Versorgungskrisen können lange andauern, ohne dass daraus eine organisierte Protestbewegung entsteht. Das iranische Regime verfügt zudem über einen Sicherheitsapparat, der wiederholt bewiesen hat, dass er zur gewaltsamen Unterdrückung von Demonstrationen bereit ist.
Für die Revolutionsgarden sind solche Proteste dennoch besonders gefährlich. Ihre Aufgabe besteht nicht allein in der militärischen Verteidigung Irans. Sie gehören zu den wichtigsten Stützen der politischen Ordnung und haben maßgeblich dazu beigetragen, frühere Protestbewegungen niederzuschlagen.
Sollte die wirtschaftliche Krise erneut Hunderttausende Menschen auf die Straßen treiben, müsste sich der Sicherheitsapparat verstärkt mit inneren Unruhen beschäftigen, während Iran gleichzeitig in einen militärischen Konflikt mit IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen und den Vereinigten Staaten verwickelt ist.
Genau diese Kombination scheint die israelischen Sicherheitsbehörden besonders zu interessieren.
Teheran investiert trotz Geldnot weiter in seinen Krieg gegen Israel
Die militärische Entwicklung liefert jedoch keinen Anlass, Iran bereits als handlungsunfähig zu betrachten.
Nach Angaben israelischer Verteidigungsvertreter hat das Regime die Produktion ballistischer Raketen wieder aufgenommen. Gleichzeitig wird versucht, beschädigte Waffen instand zu setzen und bereits vor der israelisch-amerikanischen Operation „Brüllender Löwe“ begonnene Produktionsprozesse abzuschließen.
Die Arbeiten verlaufen demnach langsamer als vor den militärischen Angriffen. Fehlendes Fachwissen, zerstörte Anlagen und eingeschränkte Produktionskapazitäten erschweren den Wiederaufbau. Dennoch gehen israelische Sicherheitskreise davon aus, dass Teheran seine militärische Infrastruktur schrittweise wiederherzustellen versucht.
Gerade darin liegt die Gefahr einer voreiligen Entwarnung. Die schwere Beschädigung iranischer Militäranlagen bedeutet nicht, dass das Regime seine strategischen Ziele aufgegeben hat. Solange verbliebene Produktionsstätten, Fachpersonal und Beschaffungsnetzwerke vorhanden sind, können militärische Fähigkeiten erneut aufgebaut werden.
Israel hatte während des Krieges erhebliche Teile der iranischen Raketeninfrastruktur angegriffen. Auch zahlreiche führende Angehörige der Revolutionsgarden wurden getötet. Doch eine militärische Organisation dieser Größenordnung verschwindet nicht allein durch die Ausschaltung einzelner Kommandeure oder die Zerstörung wichtiger Einrichtungen.
Besonders problematisch ist dabei die fortgesetzte Unterstützung der Hisbollah.
Aus dem Libanon wurde zuletzt berichtet, dass Iran rund 200 Millionen Dollar an die Terrororganisation überwiesen haben soll. Die Angaben wurden im Zusammenhang mit einem neuen finanziellen Unterstützungsprogramm der Hisbollah für Familien bekannt, deren Wohnungen während des Krieges beschädigt oder zerstört wurden.
Die Herkunft und Höhe der Gelder sind allerdings umstritten. Amerikanische Stellen bezweifelten, dass Teheran unter den gegenwärtigen wirtschaftlichen Bedingungen tatsächlich über die entsprechenden finanziellen Möglichkeiten verfügt. Ein hochrangiger Hisbollah-Vertreter wollte weder die genannte Summe noch die Herkunft der Mittel bestätigen.
Diese Unklarheit ist auch deshalb bemerkenswert, weil amerikanische Militärvertreter erst am Freitag eine scheinbar gegenläufige Entwicklung beschrieben hatten.
Wie haOlam.de am 17. Oktober berichtete, erklärte CENTCOM-Kommandeur Brad Cooper, dass iranisch unterstützte Milizen inzwischen selbst Geld an die finanziell angeschlagenen Revolutionsgarden überweisen sollen. Einige Organisationen würden nach seiner Darstellung sogar Zahlungen an eigene Kämpfer einschränken, um den iranischen Sicherheitsapparat zu unterstützen.
Auf den ersten Blick passen diese Angaben nicht zusammen. Einerseits soll Iran 200 Millionen Dollar an die Hisbollah überwiesen haben, andererseits sollen verbündete Gruppen mittlerweile ihre bisherigen Geldgeber unterstützen.
Ein zwingender Widerspruch ist das jedoch nicht. Unterschiedliche Organisationen und Finanzierungsnetzwerke können gleichzeitig Geld erhalten und weiterleiten. Auch können bereits vorhandene Mittel, unterschiedliche Zahlungszeitpunkte oder voneinander unabhängige Finanzierungsquellen eine Rolle spielen.
Entscheidend ist, dass bislang keine vollständigen und unabhängig überprüfbaren Informationen über die tatsächlichen Finanzströme vorliegen. Deshalb wäre es falsch, sowohl die behaupteten 200 Millionen Dollar als auch die angeblichen Rücküberweisungen an die Revolutionsgarden als abschließend gesicherte Tatsachen darzustellen.
Die strategische Bedeutung bleibt dennoch offensichtlich. Iran versucht, sein über Jahrzehnte aufgebautes Bündnissystem zu erhalten. Die Hisbollah im Libanon, die Huthi im Jemen und schiitische Milizen im IrakSchiitenmilizen: Irans bewaffnete Netzwerke im Nahen OstenSchiitenmilizen sind bewaffnete Gruppen mit schiitischem Hintergrund, die besonders im Irak und in Syrien aktiv sind. Viele von ihnen werden vom Iran unterstützt, ausgebildet oder politisch beeinflusst und gehören zum regionalen Netzwerk der Quds-Einheit und der Revolutionsgarden.Mehr lesen sind für das Regime keine gewöhnlichen außenpolitischen Partner, sondern Bestandteile einer regionalen Machtstrategie.
Über diese Organisationen kann Teheran Israel und andere Gegner bedrohen, ohne in jedem Fall unmittelbar eigene reguläre Streitkräfte einsetzen zu müssen.
Deshalb hält das Regime selbst unter schwerem wirtschaftlichem Druck an ihrer Unterstützung fest.
Parallel dazu wächst die Sorge vor weiteren militärischen Eskalationen am Persischen Golf.
Nach israelischen Angaben hat Iran zuletzt mit der Möglichkeit gedroht, Bodentruppen in benachbarte Staaten zu entsenden. Solche Drohungen sollen vor allem die Golfstaaten unter Druck setzen und diese dazu bewegen, Washington zu einer Lockerung seiner Maßnahmen gegen Teheran zu drängen.
Die iranische Führung weiß, wie empfindlich die Region auf eine Gefährdung ihrer Ölexporte und Handelswege reagiert. Schon begrenzte Angriffe auf Tanker, Häfen oder Energieanlagen können erhebliche wirtschaftliche Folgen auslösen.
Die jüngsten Vorfälle mit Seeminen und beschädigten Handelsschiffen in der Straße von Hormus zeigen, dass diese Gefahr keineswegs theoretischer Natur ist.
Dabei versucht Teheran offenbar, zwei unterschiedliche Ziele miteinander zu verbinden. Einerseits soll der Eindruck entstehen, dass die Islamische Republik trotz aller Verluste weiterhin gefährlich bleibt. Andererseits will die Führung verhindern, dass sich Israel und die Vereinigten Staaten zu weiteren umfassenden Militärschlägen entschließen.
Israelische Sicherheitsvertreter berichten, dass Teheran eine erneute überraschende amerikanische oder israelische Offensive besonders fürchtet. Das Regime bereitet sich deshalb nach ihrer Einschätzung auf unterschiedliche militärische Szenarien vor.
Gleichzeitig bemüht sich die iranische Führung um diplomatische Kontakte. Aus israelischer Sicht dienen diese Gespräche jedoch auch dazu, Zeit für den Wiederaufbau militärischer Fähigkeiten zu gewinnen und den Handlungsspielraum der Vereinigten Staaten einzuschränken.
Diese Bewertung entspricht den bisherigen Erfahrungen Israels mit iranischen Rüstungsprogrammen. Bereits in früheren Phasen diplomatischer Verhandlungen versuchte Teheran, seine militärischen Fähigkeiten aufrechtzuerhalten oder auszubauen. Das allein beweist allerdings nicht, dass sämtliche gegenwärtigen diplomatischen Angebote ausschließlich der TäuschungDesinformation: Gezielte Täuschung der ÖffentlichkeitDesinformation bezeichnet bewusst verbreitete falsche oder irreführende Informationen. Ziel ist häufig, Menschen zu täuschen, Vertrauen zu zerstören, Konflikte zu verschärfen oder politische Entscheidungen zu beeinflussen.Mehr lesen dienen.
Für Israel zählt deshalb weniger, welche Erklärungen aus Teheran kommen, als welche militärischen Maßnahmen tatsächlich erfolgen.
Nach Angaben der Jerusalem Post hat die israelische Regierung über amerikanische, arabische und andere diplomatische Kanäle deutlich gemacht, dass ein iranischer Überraschungsangriff eine besonders schwere militärische Reaktion auslösen würde.
Dabei könnten auch Einrichtungen ins Visier geraten, die während früherer Operationen aufgrund amerikanischer Vorgaben verschont geblieben waren. Israel hatte seinerzeit bestimmte Angriffe auf nationale Infrastruktur begrenzt, um den Konflikt nicht weiter auszuweiten beziehungsweise seine Dauer zu verkürzen.
Die israelische Führung macht nun deutlich, dass diese Zurückhaltung im Fall einer erneuten iranischen Offensive nicht selbstverständlich fortgesetzt werden müsse.
Zugleich betonen Sicherheitsvertreter, dass die Zusammenarbeit zwischen den israelischen Streitkräften und dem amerikanischen Zentralkommando CENTCOM gegenwärtig besonders eng sei. Zwischen beiden Seiten bestehen demnach tägliche Kontakte über militärische Entwicklungen, mögliche Bedrohungen und die Aktivitäten iranischer Verbündeter.
Auch die Vereinigten Staaten halten ihre Streitkräfte in erhöhter Bereitschaft. Ob daraus in absehbarer Zeit ein neuer amerikanischer Angriff entsteht, ist allerdings offen.
Israelische Sicherheitskreise gehen davon aus, dass Washington vor den amerikanischen Zwischenwahlen im November keinen erneuten großen Militärschlag anstrebt, solange Iran nicht selbst angreift oder unmittelbar bevorstehende militärische Aktionen erkennen lässt. Dabei handelt es sich um eine Einschätzung, nicht um eine verbindliche amerikanische Entscheidung.
Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hatte erst am 14. Oktober erklärt, dass er vor der israelischen Parlamentswahl am 27. Oktober keinen erneuten Präventivangriff gegen Iran anstrebe. Gleichzeitig bekräftigte er, dass Israel auf iranische Angriffe entschieden reagieren werde.
Damit stehen beide Staaten vor wichtigen politischen Terminen, während sich ihre Streitkräfte weiterhin auf eine mögliche Eskalation vorbereiten.
Für das iranische Regime bedeutet dies eine schwierige Lage. Es muss die wirtschaftlichen Folgen der Sanktionen bewältigen, seine Sicherheitskräfte auf mögliche Proteste vorbereiten, militärische Anlagen wiederherstellen und gleichzeitig verhindern, dass Israel oder die Vereinigten Staaten einen neuen Angriff starten.
Der Versuch, all diese Aufgaben parallel zu erfüllen, erfordert erhebliche finanzielle und organisatorische Ressourcen.
Doch die entscheidende Frage betrifft nicht allein die wirtschaftliche Stärke des Regimes. Sie betrifft seine politischen Prioritäten.
Während iranische Bürger zunehmend unter den internationalen Beschränkungen und den wirtschaftlichen Folgen des Krieges leiden, setzt die Führung weiterhin auf Raketenproduktion, militärische Drohungen und bewaffnete Organisationen im Ausland. Für diese Ausgaben werden offenbar weiterhin Ressourcen mobilisiert, obwohl der Staat in anderen Bereichen unter erheblichem Druck steht.
Diese Prioritätensetzung gehört seit Jahrzehnten zum Kern des iranischen Herrschaftssystems. Die Revolutionsgarden und ihre regionalen Verbündeten dienen nicht nur der Außenpolitik. Sie sind zugleich ein Instrument, mit dem die Islamische Republik ihren politischen und ideologischen Anspruch aufrechterhalten will.
Gerade deshalb wäre es voreilig, von einem unmittelbar bevorstehenden Zusammenbruch auszugehen. Ein Regime, das bereit ist, große wirtschaftliche Schäden in Kauf zu nehmen, kann erheblich länger an der Macht bleiben, als reine Wirtschaftsdaten vermuten lassen.
Die israelischen Sicherheitsbehörden bereiten sich daher offenbar auf zwei mögliche Entwicklungen vor: auf eine weitere innere Schwächung Irans und auf den Versuch der Führung, ihre Schwierigkeiten durch neue militärische Aktionen zu überspielen.
Beides kann gleichzeitig eintreten.
Die Islamische Republik ist wirtschaftlich angeschlagen, aber weiterhin bewaffnet. Ihre Revolutionsgarden stehen unter Druck, verfügen jedoch noch immer über weitreichende Machtmittel. Und während ein Teil der Bevölkerung unter Sanktionen und wirtschaftlicher Not leidet, versucht das Regime weiterhin, seine regionalen Terrornetzwerke funktionsfähig zu halten.
Für Israel ist deshalb nicht entscheidend, ob Iran wirtschaftlich schwächer geworden ist. Entscheidend ist, ob die Führung in Teheran ihre Fähigkeit verliert, Israel militärisch zu bedrohen und terroristische Organisationen für Angriffe einzusetzen.
Dafür gibt es bislang keine ausreichenden Anzeichen.
Die neue israelische Lagebewertung zeigt vielmehr einen gefährlichen Zwischenzustand: Das iranische Regime fürchtet die eigene Bevölkerung, bereitet sich auf neue Unruhen vor und arbeitet gleichzeitig daran, seine militärische Schlagkraft wiederherzustellen.
Autor: Bernd Geiger
Sonntag, 18 Oktober 2026