Normalerweise ist Recep Tayyip Erdogan nicht für Zurückhaltung bekannt. Der türkische Präsident hat IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen in der Vergangenheit mit scharfen Worten angegriffen, es mit Nazi-Deutschland verglichen und lautstark gedroht, wenn es um Konflikte im Nahen Osten ging. Doch jetzt, während Israel seine Luftangriffe in Syrien verstärkt – etwa auf die T-4-Luftbasis nahe Palmyra – und die israelische Presse offen sagt, das sei eine Botschaft an Ankara, bleibt Erdogan auffällig ruhig. Keine Drohungen, keine großen Reden. Warum dieser Wandel?
Ein Grund liegt auf der Hand: die Beziehung zu Donald Trumps neuer US-Regierung. Die Türkei weiß, dass Trump Israel bedingungslos unterstützt. Während das Weiße Haus Zölle gegen alte Verbündete wie Kanada verhängt oder Handelspartner weltweit unter Druck setzt, bleibt die Nähe zu Israel unerschütterlich. Netanyahu hat schon jetzt Treffen mit Trump in Washington, während Erdogan noch auf einen Termin wartet. Ankara hatte in Trumps erster Amtszeit gute Karten – doch diesmal scheint man vorsichtig, um diese Verbindung nicht zu gefährden. Außenminister Hakan Fidan hat bereits Kontakt zu US-Außenminister Marco Rubio gesucht, ein Zeichen, dass die Türkei auf Diplomatie statt Konfrontation setzt.
Früher war das anders. Als die USA 2018 ihre Botschaft nach JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen verlegten, führte Erdogan den Widerstand an. Vor den Abraham-AbkommenAbraham-Abkommen: Israels Durchbruch in der arabischen WeltDie Abraham-Abkommen sind Normalisierungsvereinbarungen zwischen Israel und mehreren arabischen beziehungsweise muslimisch geprägten Staaten. Sie begannen 2020 mit den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain.Mehr lesen drohte er gar, die Beziehungen zur UAE abzubrechen. Griechenland, US-Truppen in Syrien, sogar die NATO – Ankara scheute keinen Streit. Doch jetzt könnte die Türkei ihre Taktik ändern. Vielleicht sieht Erdogan in Syrien eine Chance, mit Geduld mehr zu gewinnen. Statt laut zu poltern, könnte Ankara abwarten, um später Einfluss zu sichern – eine Art strategisches Schachspiel.
Israels Vorgehen in Syrien könnte die Türkei zudem überrascht haben. Luftangriffe dort sind nichts Neues, aber die klare Botschaft – etwa durch Schläge auf T-4 oder den Militärflughafen nahe Hama – ist ein neuer Ton. Israelische Medien wie Ynet machen keinen Hehl daraus: Das ist eine Warnung an Ankara. Experte Ron Ben-Yishai schrieb kürzlich, Israel und die Türkei könnten Syrien in Einflusszonen aufteilen, bis Stabilität eintritt. Israel will die türkische Präsenz eindämmen, und die Türkei spürt, dass man sie ernst nimmt. Anders als bei HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen oder der HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen, die Israel oft unterschätzte, zeigt man hier Prävention: Türkei soll gar nicht erst groß werden in Syrien.
Das könnte wirken. Während Iran oder die HuthiHuthi: Terrororganisation des Iran-Netzwerks im JemenDie Huthi, auch Ansar Allah genannt, sind eine schiitisch-islamistische Terrororganisation aus dem Jemen. Sie kontrollieren große Teile des Nordwestens, werden vom Iran unterstützt und bedrohen Israel sowie die internationale Schifffahrt im Roten Meer.Mehr lesen-Rebellen sich von Israels Drohungen selten beeindrucken ließen, scheint Ankara nachzudenken. Die Türkei will Basen in Syrien übernehmen, das ist kein Geheimnis. Doch Israels Signale – unterstützt von Trump – könnten Erdogan dazu bringen, den Ton zu senken. Zumindest vorerst. Denn die Türkei hat auch innenpolitische Sorgen: Proteste nach der Verhaftung von Erdogans Rivalen Ekrem Imamoglu zeigen, dass die Lage fragil ist. Ein offener Streit mit Israel und den USA könnte diese Spannungen verschärfen.
Wie lange hält dieser Kurs? Schwierig zu sagen. Erdogan ist unberechenbar – heute still, morgen laut. Doch momentan scheint Ankara abzuwägen: gute Beziehungen zu Trump pflegen, Israels Aggression nicht überreizen, und in Syrien geduldig auf Chancen warten. Für die USA ist das ein Gewinn: Ein ruhigerer Erdogan könnte Stabilität fördern. Ob das klappt, hängt davon ab, wie weit Israel geht – und wie lange die Türkei das Spiel mitspielt. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob das Schweigen Taktik ist oder Schwäche.