Warum Syrien plötzlich gegen Palästinensischen Islamischen Dschihad vorgehtWarum Syrien plötzlich gegen Palästinensischen Islamischen Dschihad vorgeht
Zwei führende PIJ-Mitglieder in Damaskus verhaftet – das neue syrische Regime entfernt sich sichtbar von Iran und Hisbollah

In Syrien herrscht plötzlich eine neue Ordnung. Die Verhaftung zweier führender Vertreter der vom Iran unterstützten Terrororganisation Palästinensischer Islamischer DschihadIslamischer Dschihad: Irans Terrorpartner gegen IsraelDer Islamische Dschihad ist eine palästinensische Terrororganisation, die Anfang der 1980er Jahre entstand. Sie lehnt Israel ab, wird stark vom Iran unterstützt und verfügt mit den Al Quds Brigaden über einen bewaffneten Arm.Mehr lesen (PIJIslamischer Dschihad: Irans Terrorpartner gegen IsraelDer Islamische Dschihad ist eine palästinensische Terrororganisation, die Anfang der 1980er Jahre entstand. Sie lehnt Israel ab, wird stark vom Iran unterstützt und verfügt mit den Al Quds Brigaden über einen bewaffneten Arm.Mehr lesen) durch syrische Sicherheitskräfte markiert einen radikalen Bruch mit der Vergangenheit – und sendet ein deutliches Signal an Teheran und den Libanon. Khaled Khaled, PIJ-Chef für die syrische Arena, und Yasser al-Zafari, Leiter des Organisationskomitees, wurden laut übereinstimmenden arabischen Medienberichten in Damaskus festgenommen – nur 48 Stunden nach einem Treffen zwischen Mahmud AbbasPLO: Die Organisation zwischen Terrorgeschichte, Oslo und MachtverlustDie PLO ist die Palästinensische Befreiungsorganisation. Sie wurde 1964 gegründet, wurde später international als Vertreterin der Palästinenser anerkannt und spielte im Oslo-Prozess eine zentrale Rolle.Mehr lesen und dem neuen Interimspräsidenten Ahmed al-Sharaa.
Noch vor wenigen Monaten war Damaskus ein sicherer Rückzugsort für antiisraelische Kräfte: HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Kommandeure, iranische Revolutionsgardisten, PIJ-Kader – sie alle konnten unter dem Assad-Regime operieren, sich organisieren und neue Angriffe gegen IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen vorbereiten. Doch mit dem Sturz von Bashar al-Assad am 8. Dezember 2024 hat sich Syriens Haltung offenbar grundlegend verändert. Die Übergangsregierung unter Sharaa sucht nun erkennbar Distanz zu den alten Allianzen.
Bereits zuvor hatte Syriens neue Führung iranische Waffenlieferungen abgefangen, in Dörfern Waffen beschlagnahmt und begonnen, die Kontrolle über jahrzehntelang von Milizen dominiertes Territorium wiederherzustellen. Die Verhaftungen nun sind die bislang deutlichste Geste gegen den Einfluss Irans – und gegen eine Organisation, die Israel nicht nur am 7. Oktober blutig angriff, sondern seit Jahren im Westjordanland, im GazastreifenPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen und auf syrischem Boden agiert.
Die Reaktion des PIJ blieb nicht aus: In einem offenen Appell sprach der militärische Arm der Gruppe, die Saraya al-Quds-Brigaden, von einem “ungeklärten” Vorgehen und rief das Regime zur sofortigen Freilassung seiner Funktionäre auf. Zugleich beschwor man die “lange Geschichte” Syriens im Kampf gegen Israel – als wolle man das neue Damaskus an eine frühere Loyalität erinnern.
Doch genau diese Vergangenheit scheint das neue Regime bewusst zu hinterfragen. Die Nähe des PIJ zum Iran, die offene Kollaboration mit Teheran gegen Israel – all das ist für die neue syrische Führung offenbar kein Garant für Unterstützung mehr, sondern ein Risiko. Für Israel könnte das ein diplomatischer Wendepunkt sein, auch wenn Vorsicht geboten bleibt. Noch ist offen, ob Damaskus dem PIJ dauerhaft den Rücken kehren oder nur kurzfristig Druck ausüben will – etwa im Tausch gegen westliche Zugeständnisse. Berichte deuten darauf hin, dass die US-Regierung unter Präsident Donald Trump das Vorgehen gegen iranische Stellvertretergruppen zur Bedingung für Gespräche über Sanktionserleichterungen gemacht hat.
Sicher ist: Die Verhaftung von Khaled Khaled und Yasser al-Zafari ist ein Einschnitt. Es ist das erste Mal überhaupt, dass in Syrien ranghohe PIJ-Köpfe festgesetzt wurden – in einem Land, das bislang über ein Dutzend palästinensische Fraktionen beherbergte. Sollte Damaskus diesen Kurs fortsetzen, könnte dies nicht nur die iranischen Strukturen in der Region erschüttern – sondern auch neue Optionen für Israels Sicherheitsarchitektur eröffnen.
Autor: Redaktion
Dienstag, 22 April 2025