Hisbollah denkt über Abgabe von Waffen nach – unter wachsendem Druck

Hisbollah denkt über Abgabe von Waffen nach – unter wachsendem Druck


Strategiewechsel innerhalb des schiitischen Miliznetzwerks – offenbar Bereitschaft zur Teilentwaffnung

Hisbollah denkt über Abgabe von Waffen nach – unter wachsendem Druck
Von Sebastian Baryli from Wien, Österreich - Naim Kassim, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11539380

Der Druck auf die libanesische Terrororganisation HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen wächst spürbar – politisch, wirtschaftlich und militärisch. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters, der sich auf drei mit den Vorgängen vertraute Quellen beruft, prüft die Führung der Hisbollah derzeit eine teilweise Entwaffnung. Demnach könnten Teile der umfangreichen WaffenlagerTerrorinfrastruktur: Wie Terrorgruppen Krieg in zivile Räume verlagernTerrorinfrastruktur bezeichnet Einrichtungen, Netzwerke und Strukturen, die Terrororganisationen für Angriffe, Waffenlagerung, Kommandoführung, Ausbildung, Raketenbeschuss, Tunnelbau oder Logistik nutzen. Besonders gefährlich wird sie, wenn sie in Wohngebieten, Schulen, Moscheen oder Krankenhäusern versteckt wird.Mehr lesen, insbesondere ballistische Raketen und Drohnen, an staatliche Stellen im Libanon übergeben werden.

Dieser Schritt wäre ein strategischer Bruch mit der jahrzehntelangen Aufrüstungspolitik der Organisation, die sich selbst als „Widerstandskraft gegen IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen“ definiert. Interne Bewertungen hätten jedoch ergeben, dass genau dieser Waffenvorrat zunehmend als Schwachstelle betrachtet werde – etwa im Hinblick auf Angreifbarkeit durch israelische Präzisionsschläge, die seit Jahren regelmäßig Stellungen der Hisbollah treffen.

Ein Teil der Waffenlager im Süden des Landes soll bereits im Rahmen des im November 2024 geschlossenen Waffenstillstandsabkommens an die libanesische Armee übergeben worden sein. Israel hingegen weist darauf hin, dass ein signifikanter Teil der militärischen Infrastruktur in der Region weiterhin unter Kontrolle der Hisbollah stehe.

Laut den Reuters-Quellen steht derzeit zur Diskussion, auch weitere Systeme – insbesondere Langstreckenraketen und unbemannte Flugkörper – abzutreten. Voraussetzung sei allerdings ein Rückzug Israels aus Südlibanon sowie ein Ende der Luftangriffe auf Stellungen der Organisation. Eine vollständige Entwaffnung wird von Hisbollah jedoch nicht in Erwägung gezogen: Leichte Waffen und Panzerabwehrraketen sollen aus Gründen der "Selbstverteidigung in der Zukunft" behalten werden.

Die internen Debatten spiegeln die verschärfte Lage der Organisation wider. Seit der Waffenruhe mit Israel im vergangenen Herbst ist Hisbollah zunehmend unter politischen und wirtschaftlichen Druck geraten. Der andauernde Verlust politischer Einflussmöglichkeiten innerhalb der libanesischen Regierung – insbesondere seit der Bildung eines US-freundlichen Kabinetts im Februar 2025 – sowie internationale Sanktionen und militärische Verluste setzen der Organisation zu.

Hinzu kommt ein dramatischer geostrategischer Einschnitt: Der Sturz des syrischen Regimes unter Baschar al-Assad, einem langjährigen Verbündeten der Hisbollah, hat zentrale Nachschubwege aus dem Iran unterbrochen. Auch Teheran, das gerade einen verlustreichen Krieg gegen Israel beendet hat, ist laut Beobachtern derzeit nicht in der Lage, seine libanesischen Partner in gewohnter Weise zu unterstützen.

Die USA drängen seit Monaten auf eine vollständige Entwaffnung der Hisbollah – bisher ohne Erfolg. Ob der nun diskutierte Strategiewechsel ein echtes Umdenken oder nur ein taktisches Manöver darstellt, bleibt offen. Eine offizielle Stellungnahme der Hisbollah zu den Berichten steht bislang aus.




Autor: Redaktion
Freitag, 04 Juli 2025

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