Die Illusion von Abrüstung: Warum Israel weiß, dass Hamas bald wieder zuschlagen wird

Die Illusion von Abrüstung: Warum Israel weiß, dass Hamas bald wieder zuschlagen wird


Ein amerikanisch-palästinensischer Unterhändler beschreibt den „Tag danach“ in Gaza – Hamas soll ihre schweren Waffen abgeben und in neue Sicherheitsstrukturen integriert werden. Für Israel klingt das nicht nach Frieden, sondern nach einem Countdown bis zum nächsten Krieg.

Die Illusion von Abrüstung: Warum Israel weiß, dass Hamas bald wieder zuschlagen wird

In Washington nennt man es „einen politischen Neuanfang“. In JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen nennt man es beim Namen: eine gefährliche Illusion.

Der palästinensisch-amerikanische Unterhändler Bishara Bahbah hat in einem Interview mit dem saudischen Sender Al-Arabiya skizziert, wie der GazastreifenPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen künftig aussehen könnte. Seine Aussagen sind in den diplomatischen Kreisen der USA mit leiser Hoffnung aufgenommen worden – in IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen dagegen mit wachsender Sorge.

Bahbah sprach von „Integration“ und „Verantwortung“, von einem HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Anteil an den künftigen Sicherheitskräften, und von einer „kontrollierten Entwaffnung“. Doch wer die Worte genauer liest, erkennt: Hamas gibt nicht ihre Macht ab, sie verändert nur ihre Uniform.

Nach Bahbahs Modell soll die Terrororganisation nur jene Waffen abgeben, die als „schwer“ gelten – also Waffen, die „mehr als fünf Menschen gleichzeitig töten können“. Diese Definition, offenbar aus einem Gespräch im Weißen Haus übernommen, klingt technokratisch, ist aber sicherheitspolitisch absurd.
Denn Hamas hat gelernt, mit einfachsten Mitteln tödliche Präzision zu erzielen. Raketen sind ersetzbar. Eine Bewegung, die in Tunneln operiert, Sprengsätze baut und Panzerabwehrwaffen wie Werkzeuge behandelt, braucht keine Artillerie, um Israel anzugreifen.

Was auf den ersten Blick nach Abrüstung klingt, ist in Wahrheit eine Modernisierung ihrer Überlebensstrategie.

Noch bedenklicher ist der zweite Teil des Plans: die Amnestie für Hamas-Funktionäre. Wer seine „schweren Waffen“ abgibt, soll weder von Israel noch international verfolgt werden – und darf wahlweise im Gazastreifen bleiben oder ihn unter US-Garantie verlassen.
Das ist kein Friedensangebot. Das ist ein diplomatischer Freifahrtschein für jene, die am 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen die Ermordung, Folter und Entführung israelischer Zivilisten organisiert haben.

In Israel erinnert man sich gut daran, wohin solche Vereinbarungen führen. Die PLOPLO: Die Organisation zwischen Terrorgeschichte, Oslo und MachtverlustDie PLO ist die Palästinensische Befreiungsorganisation. Sie wurde 1964 gegründet, wurde später international als Vertreterin der Palästinenser anerkannt und spielte im Oslo-Prozess eine zentrale Rolle.Mehr lesen in den 1990er Jahren, die HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen im Libanon, jetzt Hamas in Gaza – jedes Mal, wenn die Weltgemeinschaft versuchte, Terror durch politische Integration zu zähmen, kam er gestärkt zurück.

Die Hamas ist keine politische Partei mit militärischem Flügel, sondern ein militärischer Apparat mit politischem Vorwand. Ihre Ideologie kennt keinen Waffenstillstand, nur Atempausen. Wenn Bahbah also sagt, dass Hamas sich „unter Aufsicht“ in die Sicherheitskräfte einfügen könnte, hört man in Jerusalem nur eines: In einem Jahr stehen dieselben Männer wieder an der Front – diesmal mit offizieller Uniform und internationaler Deckung.

Hamas selbst gibt keinen Anlass zu Optimismus. Sprecher Hazem Qassem sagte fast zeitgleich im Interview mit Al-Arabiya: „Wir müssen uns nicht an israelische Definitionen von Waffen halten. Es gibt viele andere Wege, national zu handeln.“
Diese Worte sind keine Floskel. Sie bedeuten: Hamas wird Wege finden, ihre Bewaffnung fortzuführen – technisch, organisatorisch, ideologisch.

Israel weiß, wie diese Geschichte endet, weil es sie schon kennt. Nach jeder Phase internationaler Beschwichtigung, nach jedem Versuch, Hamas einzubinden, kam der nächste Angriff. Erst auf die Grenzdörfer, dann auf Tel Aviv, dann auf den Süden. Nichts in der Struktur dieser Bewegung deutet auf Einsicht, alles auf Vorbereitung hin.

Was in Washington als „politischer Kompromiss“ gilt, wirkt in Israel wie ein Minenfeld, das gerade neu verlegt wird.
Die Idee, Terroristen mit Verwaltungsaufgaben zu betrauen, mag in Diplomatenbüros vernünftig klingen. Auf israelischem Boden bedeutet sie, dass in einem Jahr dieselben Kämpfer, die jetzt „demobilisiert“ werden, wieder im Namen einer neuen „nationalen Behörde“ operieren – mit denselben Zielen, denselben Symbolen und derselben Ideologie.

Die Waffenruhe hat das Blut gestoppt, nicht den Hass.
Und solange Hamas unter welchem Namen auch immer weiter existiert, weiß Israel, dass die Ruhe in Gaza keine Zukunft hat – nur eine Pause.




Autor: Redaktion
Dienstag, 14 Oktober 2025

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