Libanesische Armee erklärt Kontrolle im Süden – Zweifel bleiben

Libanesische Armee erklärt Kontrolle im Süden – Zweifel bleiben


Beirut meldet Fortschritte südlich des Litani. Doch das Schweigen über die Hisbollah und Israels klare Warnungen zeigen, wie brüchig diese Erklärung ist.

Libanesische Armee erklärt Kontrolle im Süden – Zweifel bleiben
Bildnachweis: Symbolbild KI generiert

Die libanesische Armee hat am Donnerstag erklärt, sie habe außerhalb der von IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen kontrollierten Zonen die operative Kontrolle über den Süden des Landes bis zum Litani-Fluss übernommen. Zugleich teilte das Militär mit, man befinde sich in einer fortgeschrittenen Phase der Waffenmonopolisierung und sei entschlossen, künftig zu verhindern, dass bewaffnete Akteure das Grenzgebiet erneut als Ausgangspunkt militärischer Angriffe nutzen.

In der Erklärung bekräftigt die Armee ihren Anspruch, alleiniger Garant der inneren Sicherheit im Libanon zu sein. Besonders hervorgehoben wird dabei der Raum südlich des Litani, jener sensiblen Zone, die seit Jahrzehnten Schauplatz bewaffneter Auseinandersetzungen und internationaler Vereinbarungen ist. Nach Angaben des Militärs sei die erste Phase eines umfassenden Sicherheitsplans erfolgreich abgeschlossen worden. Die gesetzten Ziele seien erreicht, operative Kontrolle hergestellt.

Aus libanesischer Sicht ist diese Botschaft klar. Der Staat beansprucht Autorität. Waffen sollen ausschließlich in den Händen staatlicher Kräfte liegen. Angriffe über die Grenze hinweg sollen der Vergangenheit angehören. Doch genau hier beginnen die Zweifel.

Nach Darstellung der Armee gilt die erklärte Kontrolle nicht für Gebiete, die weiterhin unter israelischer Aufsicht stehen. Dort operiert die Israel Defense Forces nach eigenem Ermessen. Das allein zeigt, dass die Sicherheitslage im Süden des Libanon weiterhin fragmentiert ist.

In Israel wurde die Erklärung mit deutlicher Skepsis aufgenommen. Der ehemalige Verteidigungsminister Yoav Gallant warf der libanesischen Armee öffentlich vor, bewusst Konfrontationen mit der HezbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen zu vermeiden. Trotz wohlklingender Erklärungen werde das bestehende Abkommen nicht umgesetzt, schrieb Gallant. TerrorinfrastrukturTerrorinfrastruktur: Wie Terrorgruppen Krieg in zivile Räume verlagernTerrorinfrastruktur bezeichnet Einrichtungen, Netzwerke und Strukturen, die Terrororganisationen für Angriffe, Waffenlagerung, Kommandoführung, Ausbildung, Raketenbeschuss, Tunnelbau oder Logistik nutzen. Besonders gefährlich wird sie, wenn sie in Wohngebieten, Schulen, Moscheen oder Krankenhäusern versteckt wird.Mehr lesen werde nicht konsequent neutralisiert.

Gallant erinnerte daran, dass Israels Maßnahmen im Norden einen hohen Preis hatten. Die Zerschlagung des Raketenarsenals, die Ausschaltung der Hisbollah-Führung und die Zerstörung von Stellungen entlang der Grenze seien mit erheblichen Belastungen für die israelische Zivilbevölkerung erkauft worden, insbesondere für die Bewohner des Nordens. Daraus leite sich eine klare Pflicht ab. Israel müsse die Aktivitäten der Hisbollah weiter überwachen und dort eingreifen, wo neue Bedrohungen entstehen.

Diese Haltung ist nicht neu, aber sie ist unmissverständlich. Worte aus Beirut reichen JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen nicht. Entscheidend ist, ob sich die Realität vor Ort verändert.

Besonders bemerkenswert ist, was in der Erklärung der libanesischen Armee fehlt. Die Hisbollah wird mit keinem Wort erwähnt. Dabei ist sie der zentrale Akteur, um den sich alle Sicherheitsfragen im Süden drehen. Der Waffenstillstand vom November 2024, der nach schweren israelischen Schlägen gegen Führung und Infrastruktur der Miliz zustande kam, sah ausdrücklich vor, dass nur staatliche Sicherheitskräfte bewaffnet sein dürfen.

Die erneuten Kämpfe hatten begonnen, nachdem die Hisbollah am 8. Oktober 2023 Angriffe auf Israel gestartet hatte, einen Tag nach den Massakern der HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen in Israel. Seitdem ist der Süden des Libanon erneut zum Brennpunkt geworden.

Ein libanesischer Sicherheitsvertreter erklärte, die Armeemitteilung solle signalisieren, dass künftig keine Gruppe mehr von libanesischem Boden aus angreifen könne. Doch diese Zusicherung steht im Widerspruch zu fortlaufenden israelischen Luftschlägen gegen Hisbollah-Aktivisten, die versuchen, ihre Strukturen im Süden wieder aufzubauen.

Nach israelischen Angaben wurden seit Inkrafttreten des Waffenstillstands hunderte Kämpfer der Miliz getötet. Geheimdienstliche Einschätzungen gehen zudem davon aus, dass die libanesische Armee strukturell nicht in der Lage ist, die Hisbollah wirksam zu kontrollieren. Berichte über eingeschleuste Doppelagenten innerhalb der Armee verstärken diese Zweifel.

Der libanesische Staat steht damit vor einem altbekannten Dilemma. Er beansprucht Souveränität, verfügt aber nicht über die Durchsetzungskraft, sie gegen eine tief verankerte Miliz tatsächlich auszuüben. Solange diese Lücke besteht, wird jede Erklärung aus Beirut als vorläufig gelten.

Für Israel bleibt der Norden ein sicherheitspolitisches Risiko, das nicht auf Ankündigungen, sondern nur auf überprüfbare Veränderungen reagieren kann. Die libanesische Armee mag Fortschritte melden. Ob sie die entscheidende Machtprobe besteht, ist eine andere Frage.




Autor: Redaktion
Donnerstag, 08 Januar 2026

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