„Ich bin Zionistin“ und wurde zur Staatsfeindin erklärt

„Ich bin Zionistin“ und wurde zur Staatsfeindin erklärt


Ein einziger Satz reicht aus, um eine türkische Muslimin zur Zielscheibe von Hass, Todesdrohungen und staatlicher Verfolgung zu machen. Der Fall der Studentin Türkü Avci zeigt, wie offen Antisemitismus und politische Repression in der Türkei inzwischen ineinandergreifen.

„Ich bin Zionistin“ und wurde zur Staatsfeindin erklärt
Bildnachweis: Symbolbild: Pixabay

Ein Satz. Mehr war nicht nötig. „Ja, natürlich bin ich ZionistinZionismus: Das Recht der Juden auf SelbstbestimmungZionismus bezeichnet die jüdische Nationalbewegung, die für die Rückkehr des jüdischen Volkes in seine historische Heimat und für jüdische Selbstbestimmung im Land Israel eintrat. Der moderne Zionismus entstand im 19. Jahrhundert als Antwort auf Antisemitismus, Verfolgung und Entrechtung.Mehr lesen.“

Mit diesen Worten hat die türkische Muslimin Türkü Avci ihr bisheriges Leben faktisch verloren. Innerhalb weniger Stunden wurde aus einer Journalistikstudentin an der Hebrew University of JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen eine Zielscheibe. Heute spricht Avci von einem Haftbefehl, von systematischen Todesdrohungen, von einer Hetzjagd, die sie und ihre Familie aus dem Alltag gerissen hat.

Der Auslöser war banal und gerade deshalb entlarvend. In einem Straßeninterview eines israelischen Influencers antwortete Avci offen auf die Frage, ob sie als türkische Muslimin Zionistin sei. Das Video verbreitete sich rasant in türkischen Medien und sozialen Netzwerken. Was folgte, war kein Shitstorm. Es war eine koordinierte politische Eskalation.

Binnen 48 Stunden kursierten tausende Kommentare, in denen ihre Verhaftung, ihre Ermordung und eine Untersuchung durch den türkischen Geheimdienst gefordert wurden. Journalisten staatlicher Medien wie TRT verbreiteten persönliche Daten ihrer Eltern, inklusive Ausweisinformationen. Boulevardblätter konstruierten Verschwörungserzählungen, in denen Avci zur angeblichen israelischen Agentin erklärt wurde.

Dann kam der entscheidende Punkt. Avci erfuhr, dass in der Türkei ein Haftbefehl gegen sie vorliege. Weder sie noch ihr Anwalt haben Einblick in die Akte. Kein Aktenzeichen, keine Begründung. Nur der Hinweis, dass es sich offenbar um einen Vorgang der Staatssicherheit handle. Für Avci bedeutet das faktisch: Rückkehr ausgeschlossen. Kontakt zur türkischen Botschaft unmöglich. Lebensgefahr bei Einreise.

Was hier sichtbar wird, ist kein Einzelfall. Es ist ein System. Ein Staat, in dem Loyalität zu IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen, ja selbst das Wort Zionismus, als krimineller Akt behandelt wird. Ein Staat, in dem soziale Medien und regierungsnahe Journalisten als Vorfeldinstrumente der Einschüchterung funktionieren. Und ein Staat, in dem AntisemitismusAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen nicht nur geduldet, sondern politisch nutzbar gemacht wird.

Besonders perfide ist die Dimension der Sippenhaft. Avcis Eltern mussten ihren Aufenthaltsort wechseln, erhielten Drohungen, obwohl sie mit der Aussage ihrer Tochter nichts zu tun haben. Genau diese Strategie ist bekannt: maximaler Druck über das private Umfeld, um Abweichung zu bestrafen.

Avci selbst lebt inzwischen in existenzieller Unsicherheit. Ihr Studentenvisum erlaubt keine Arbeit, ihre privaten Förderer zogen sich nach dem 7. Oktober zurück, sie ist faktisch mittellos. Ab März steht ihr Visaablauf bevor. Politisches Asyl in Israel ist eine Option, aber ein langer, unsicherer Weg.

Und dennoch ist ihre Haltung bemerkenswert klar. Sie spricht nicht von Reue. Sie spricht von Klarheit. Israel habe sie nie ausgegrenzt, sagt sie. Sie habe in jüdischen, religiösen und säkularen Haushalten gelebt, Diskriminierung nicht erlebt. In der Türkei hingegen reiche ein einziges Wort, um zur Verräterin erklärt zu werden.

Der Fall Avci ist ein Spiegel. Er zeigt, wie sehr sich die Türkei unter ErdoÄŸan von rechtsstaatlichen Prinzipien entfernt hat. Wie Antisemitismus „legal“ geworden ist, wie IsraelhassAnti-Zionismus: Wenn Israelhass als Politik getarnt wirdAnti-Zionismus bezeichnet die Ablehnung des Zionismus und damit häufig die Ablehnung jüdischer Selbstbestimmung im Staat Israel. Nicht jede Kritik an israelischer Politik ist antisemitisch. Anti-Zionismus wird jedoch dort antisemitisch, wo Israel delegitimiert, dämonisiert oder mit doppelten Maßstäben behandelt wird.Mehr lesen zur Eintrittskarte in die öffentliche Loyalität wurde. Und er zeigt, wie gefährlich es inzwischen ist, sich offen zu Israel zu bekennen selbst als Muslimin.

Was hier geschieht, ist keine Meinungsdebatte. Es ist politische Verfolgung. Und sie richtet sich nicht nur gegen Juden, sondern gegen jeden, der sich weigert, den vorgegebenen Hass zu reproduzieren.




Autor: Redaktion
Mittwoch, 21 Januar 2026

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