Erdogan schützt Teheran und warnt den Westen trotz tausender Toter

Erdogan schützt Teheran und warnt den Westen trotz tausender Toter


Während in Iran Menschen sterben und Gefängnisse überfüllt sind, warnt der türkische Präsident vor ausländischem Eingreifen. Ankara spricht von Stabilität, meint aber etwas anderes. Der Anruf bei Präsident Peseschkian offenbart eine beunruhigende politische Linie.

Erdogan schützt Teheran und warnt den Westen trotz tausender Toter

Als in Iran die schwersten inneren Unruhen seit der Islamischen Revolution von 1979 das Land erschüttern, entscheidet sich der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan für eine klare Position. In einem Telefonat mit dem iranischen Präsidenten Massud Peseschkian erklärte er, die Türkei lehne jede Form ausländischer Einmischung in Iran ab. Ankara betone die Bedeutung von Frieden und Stabilität in der Region und sehe eine weitere Zuspitzung der Lage nicht im eigenen Interesse.

Diese Worte fallen zu einem Zeitpunkt, an dem die Realität in Iran kaum brutaler sein könnte. Seit Ende Dezember 2025 gehen Menschen landesweit auf die Straße. Sicherheitskräfte reagieren mit massiver Gewalt. Offiziellen Angaben zufolge wurden rund 5000 Menschen getötet, oppositionelle Quellen sprechen von bis zu 20000 Opfern. Tausende weitere wurden festgenommen, viele verschwanden spurlos. Dennoch richtet sich Erdogans Mahnung nicht an das Regime in Teheran, sondern an den Westen.

Der türkische Präsident spricht von Deeskalation und davon, dass Probleme ohne weiteres Aufflammen gelöst werden müssten. Was er nicht sagt, ist ebenso aufschlussreich wie seine Worte selbst. Kein öffentliches Wort über die Erschießung von Demonstranten. Kein Hinweis auf Folter, Massenverhaftungen oder Hinrichtungen. Kein Mitgefühl mit einer Bevölkerung, die unter einem repressiven System leidet.

Stattdessen stellt sich Ankara faktisch schützend vor die Führung in Teheran. Der Begriff der Nichteinmischung dient dabei als politischer Schutzschild. Er verschiebt den Fokus weg von den Verbrechen im Inneren und hin zu einer angeblichen Bedrohung von außen. Damit übernimmt Erdogan exakt jene Argumentationslinie, die das iranische Regime seit Wochen nutzt, um seine Gewalt zu rechtfertigen.

Währenddessen reagiert Europa deutlich anders. Die Europäische Union verabschiedete eine Resolution, in der sie die brutale Niederschlagung der Proteste verurteilt, ein Ende der Hinrichtungen fordert und die Freilassung der Inhaftierten verlangt. Zudem wurde dazu aufgerufen, die Revolutionsgarden offiziell als Terrororganisation einzustufen. Es ist ein seltener Moment klarer politischer Sprache aus Brüssel.

Der Gegensatz könnte kaum größer sein. Auf der einen Seite Parlamente, die von Mord, Repression und systematischer Gewalt sprechen. Auf der anderen Seite ein NATO Staat, der Stabilität beschwört und jede äußere Reaktion ablehnt. Für die Menschen in Iran bedeutet diese Haltung vor allem eines: Isolation.

Erdogans Position ist dabei kein Zufall. Die Türkei verfolgt seit Jahren eine Politik der strategischen Ambivalenz. Sie will regionale Macht sein, Vermittler auftreten und zugleich autoritäre Partner nicht verprellen. Menschenrechte spielen in diesem Kalkül nur eine untergeordnete Rolle. Entscheidend ist, dass bestehende Machtstrukturen erhalten bleiben.

Dass Erdogan ausgerechnet jetzt vor ausländischer Einflussnahme warnt, während das Regime in Teheran mit äußerster Härte gegen die eigene Bevölkerung vorgeht, wirkt wie eine bewusste Verschiebung der Verantwortung. Nicht die Schützen auf den Straßen sollen im Mittelpunkt stehen, sondern mögliche Reaktionen von außen.

Dabei zeigen selbst westliche Sicherheitsexperten, wie angespannt die Lage ist. Der ehemalige CIA Direktor David Petraeus erklärte, die Entwicklungen in Iran stellten ernsthafte Fragen zur langfristigen Stabilität des Regimes. Gleichzeitig räumte er ein, dass es derzeit danach aussehe, als könne die Führung die Proteste mit Gewalt unter Kontrolle bringen. Ein Satz, der nüchtern klingt, aber eine bittere Wahrheit beschreibt: Gewalt wirkt, wenn niemand eingreift.

Genau hier entfaltet Erdogans Aussage ihre politische Sprengkraft. Wer in diesem Moment jede äußere Einflussnahme ablehnt, akzeptiert faktisch, dass ein Staat seine Bürger töten darf, solange dies als innere Angelegenheit deklariert wird. Stabilität wird dann nicht als Schutz von Leben verstanden, sondern als Schutz der Macht.

Für Israel ist diese Entwicklung von besonderer Bedeutung. Ein iranisches Regime, das seine eigene Bevölkerung nur durch Terror kontrollieren kann, bleibt nach außen aggressiv und unberechenbar. Jede internationale Rückendeckung, ob offen oder indirekt, stärkt genau jene Kräfte, die regionalen Terror finanzieren und Israel offen mit Vernichtung drohen.

Erdogans Telefonat mit Peseschkian ist deshalb mehr als diplomatische Routine. Es ist ein politisches Signal. Ankara positioniert sich nicht an der Seite der Unterdrückten, sondern an der Seite der Regime. Nicht an der Seite der Wahrheit, sondern an der Seite der Ruhe um jeden Preis.

Diese Ruhe jedoch ist trügerisch. Sie basiert auf Blut, Angst und Schweigen. Und sie wird nicht halten.


Autor: Redaktion
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Freitag, 23 Januar 2026

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