Israel nimmt Abschied von Matti Caspi, einer Stimme, die ein ganzes Land prägteIsrael nimmt Abschied von Matti Caspi, einer Stimme, die ein ganzes Land prägte
Der große Musiker, Komponist und Sänger Matti Caspi ist nach langem Krebsleiden gestorben. Mit ihm verliert Israel einen Künstler, dessen Lieder Generationen begleiteten und die Seele des Landes formten.
Am frühen Sonntagmorgen ist Matti Caspi, eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der israelischen Musikgeschichte, im Alter von 76 Jahren gestorben. Der Tod des Sängers und Komponisten löste in ganz Israel tiefe Trauer aus. Für viele war Caspi mehr als nur ein Musiker. Er war ein Klang gewordener Teil der eigenen Biografie, eine vertraute Stimme, die seit Jahrzehnten durch Wohnzimmer, Radios und Konzertbühnen hallte.
Kultur- und Sportminister Miki Zohar fasste das Gefühl vieler Israelis in einem offiziellen Nachruf zusammen. Mit großem Schmerz nehme man Abschied von einem Künstler, der die Herzen der Menschen berührt und Klassiker geschaffen habe, die zu tragenden Säulen der israelischen Kultur geworden seien. Lieder wie Brit Olam oder Ma Zot Ahava hätten Generationen durch glückliche und schwere Zeiten begleitet. Sie seien zum Soundtrack von Liebe und Hoffnung geworden. Worte, die kaum jemand bestreiten würde.
Caspi hatte bereits im Mai 2025 öffentlich gemacht, dass er an Krebs erkrankt war, der sich im gesamten Körper ausgebreitet hatte. Trotz der Diagnose blieb er bis zuletzt ein kreativer Mensch, veröffentlichte neue Musik und trat noch im Jahr 2024 gemeinsam mit dem Jerusalem Orchestra East West auf. Seine Krankheit konnte seine Leidenschaft nicht brechen, doch am Ende erwies sie sich als stärker.
Über ein halbes Jahrhundert lang prägte Matti Caspi die israelische Musiklandschaft wie kaum ein anderer. Als Sänger, Komponist und Arrangeur schuf er rund tausend Lieder. Darunter befinden sich einige der beliebtesten und meistgespielten Werke des Landes. Brit Olam, Yamei Binyamina, Yelduti Hashniya oder Nahlieli gehören längst zum kollektiven Gedächtnis Israels. Viele dieser Lieder entstanden in enger Zusammenarbeit mit dem legendären Texter Ehud Manor. Die kreative Partnerschaft der beiden gilt bis heute als eine der fruchtbarsten in der Geschichte der hebräischen Popmusik.
Caspi arbeitete im Laufe seiner Karriere mit zahlreichen Größen der israelischen Kultur zusammen. Sasha Argov, Shlomo Gronich, Riki Gal und viele andere fanden in ihm einen kongenialen Partner. Seine Musik ließ sich nie in ein einziges Genre zwängen. Er verband Pop, Rock, Jazz, Balkanrhythmen, Mizrahi-Klänge und sogar brasilianische Bossa-Nova-Einflüsse zu einem einzigartigen Stil. Sobald ein Lied von Matti Caspi im Radio erklang, war es sofort erkennbar. Kein anderer Musiker klang wie er.
Sein künstlerisches Talent war außergewöhnlich vielseitig. Caspi spielte oft sämtliche Instrumente auf seinen Aufnahmen selbst. Gitarre, Klavier, Schlagzeug, Bass und Mundharmonika beherrschte er mit derselben Selbstverständlichkeit. Seine Lieder waren manchmal verspielt, manchmal zutiefst emotional, immer aber getragen von großer musikalischer Intelligenz und Sensibilität.
Vom Kibbutzjungen zur nationalen Ikone
Matti Caspi wurde 1949 als Sohn rumänischer Einwanderer im Kibbutz Hanita in Galiläa geboren. Schon als Kind zeigte sich seine außergewöhnliche Begabung. Trotz einer Polioerkrankung im Säuglingsalter, die ihm ein leichtes Hinken hinterließ, begann er früh mit dem Musikunterricht. Der Kibbutz kaufte eigens ein Klavier für ihn, eine damals fast undenkbare Investition. Dieser junge Mann sollte die Zukunft der israelischen Musik verändern.
Seine Karriere nahm Fahrt auf, als er 1968 der Militärband des Südkommandos beitrat. Dort begann er zu komponieren und zu singen. Nach dem Militärdienst arbeitete er zunächst für andere Künstler, bevor er 1974 sein erstes Soloalbum veröffentlichte. Es machte ihn über Nacht zu einem Star. Schon das zweite Album mit seinem Namen auf einer schlichten Türklingel wurde zu einer Ikone des israelischen Designs und der Popkultur.
Caspi war kein Künstler, der sich um Ruhm bemühte. Er suchte nicht das grelle Rampenlicht, gab sich in der Öffentlichkeit eher zurückhaltend. Gerade diese Unaufgeregtheit machte ihn für sein Publikum glaubwürdig. Er musste sich nicht inszenieren. Seine Musik sprach für sich.
Neben den beruflichen Höhen gab es auch persönliche Krisen. Eine komplizierte Scheidung, juristische Auseinandersetzungen und gesundheitliche Probleme begleiteten Teile seines Lebens. In einem Dokumentarfilm aus dem Jahr 2015 sprach er offen über mentale Schwierigkeiten und eine Autoimmunerkrankung, die sein Seh- und Hörvermögen beeinträchtigte. Dennoch verlor er nie den Zugang zur Musik.
Seine Lieder erzählten von Liebe, Kindheit, Geschichte und jüdischer Identität. Viele von ihnen wurden auch zu Klassikern für Kinder. Nahlieli oder Noah werden bis heute in Schulen und Kindergärten gesungen. Caspi schuf eine Musik, die Generationen miteinander verband. Großeltern, Eltern und Kinder konnten dieselben Melodien teilen.
Ein Vermächtnis, das weiterklingt
Mit Matti Caspi verliert Israel keinen gewöhnlichen Künstler, sondern einen kulturellen Wegbegleiter des gesamten Landes. Seine Musik war zugleich persönlich und national, modern und tief verwurzelt in jüdischen Traditionen. Er verstand es wie kaum ein anderer, die Vielfalt Israels in Töne zu fassen.
Sein Tod markiert das Ende einer Epoche. Doch sein Werk bleibt. Die Lieder, die er schrieb und sang, werden weiterleben, in Konzertsälen, auf Radiosendern und in den Erinnerungen von Millionen Menschen. Jede neue Generation wird sie neu entdecken, so wie die Generationen davor.
In einer Zeit, in der sich Israel ständig verändert, bleibt die Musik von Matti Caspi ein fester Anker. Sie erinnert an frühere Jahre, an Hoffnungen, an Liebe und an die Kraft der Kunst. Dafür wird ihm das Land für immer dankbar sein.
Sein Name ist nun Teil der Geschichte. Seine Stimme bleibt Teil der Gegenwart.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: By אילנה שקולניק ilana shkolnik, CC BY 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8570633
Sonntag, 08 Februar 2026