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World Vision, Hamas und die offene Wunde eines Gaza-Falls

World Vision, Hamas und die offene Wunde eines Gaza-Falls


Mohammed el-Halabi bestreitet weiter jede Verbindung zur Hamas. Doch ein israelisches Gericht verurteilte ihn wegen Terrorfinanzierung. Der Fall zeigt, wie schwer humanitäre Arbeit in einem von Hamas kontrollierten Umfeld von Terrorstrukturen zu trennen ist.

World Vision, Hamas und die offene Wunde eines Gaza-Falls
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Der Fall Mohammed el-Halabi bleibt auch Jahre nach seiner Verurteilung einer der umstrittensten Vorgänge im Zusammenhang mit internationaler Hilfe im GazastreifenPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen. Der frühere GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen-Direktor der christlichen Hilfsorganisation World Vision wurde 2016 von IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen festgenommen, 2022 von einem israelischen Gericht wegen TerrorfinanzierungPay for Slay: Wie Terror gegen Israelis weiter belohnt wird„Pay for Slay“ ist ein kritischer Begriff für palästinensische Zahlungen an in Israel inhaftierte Täter, freigelassene Gefangene und Familien getöteter Angreifer. Kritiker sehen darin eine Belohnung für Terror gegen Israelis.Mehr lesen verurteilt und im Februar 2025 im Rahmen eines Geisel-Gefangenen-Abkommens nach Gaza entlassen. Bis heute weist er jede Verbindung zur HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen zurück.

In einem ausführlichen Interview mit der JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen Post erklärte Halabi, er habe nie für Hamas gearbeitet und auch keine Hilfsgelder oder Materialien an die Terrororganisation weitergeleitet. Das israelische Gericht kam jedoch zu einem anderen Ergebnis. Es sah es als erwiesen an, dass Halabi große Mengen an Eisen, Kunststoff und Grabungswerkzeugen an Hamas weitergegeben habe, um den Bau von Terrortunneln zu unterstützen. Außerdem soll er laut Urteil bereits 2004 von Hamas angeworben worden sein, bevor er später für World Vision arbeitete.

World Vision selbst hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Die Organisation erklärte nach einer externen Untersuchung, keine Beweise dafür gefunden zu haben, dass Halabi für Hamas gearbeitet oder Hilfsgelder veruntreut habe. Zugleich verwies NGO Monitor auf Unstimmigkeiten in Finanzunterlagen und auf angebliche Zahlungen an Hamas-nahe Personen. Genau darin liegt der Kern dieses Falls: Zwei vollkommen unterschiedliche Erzählungen stehen bis heute nebeneinander.

Halabi beschreibt sich als Opfer eines Verfahrens, das auf falschen Zahlen, geheimen Beweisen und einem erzwungenen Geständnis beruhe. Besonders bemerkenswert ist seine eigene Darstellung, er habe gegenüber israelischen Stellen bewusst überhöhte Angaben gemacht, um die Anklage später angreifbar zu machen. Er erklärte, er habe falsche Informationen gegeben, damit nachgewiesen werden könne, dass die israelische Darstellung nicht stimme. Für seine Kritiker wirkt genau das kaum entlastend. Wer in einem Terrorfinanzierungsfall bewusst falsche Angaben macht, trägt selbst dazu bei, dass Wahrheit und Taktik kaum noch voneinander zu trennen sind.

Auch die Rolle der Hamas bleibt widersprüchlich. Nach Angaben Halabis soll Hamas seine Frau kontaktiert und Bankauszüge verlangt haben, weil die Terrororganisation geglaubt habe, er habe Geld unterschlagen. Damit wollte Halabi offenbar belegen, dass Hamas ihn selbst nicht als eigenen Mann betrachtete. Zugleich zeigt schon diese Darstellung, wie tief Hamas in das Umfeld humanitärer Organisationen in Gaza hineinwirkte. Wenn eine Terrororganisation Mitarbeiter, Ehefrauen und mögliche Zeugen überprüft, dann ist das kein normales ziviles Umfeld. Es ist ein Klima von Kontrolle, Druck und Angst.

Besonders schwer wiegt der Streit um mögliche Zeugen. Halabi und sein Anwalt sagen, Israel habe Zeugen aus Gaza abgeschreckt oder nicht einreisen lassen. NGO Monitor verweist dagegen auf Dokumente, die nahelegen sollen, dass Hamas selbst versucht habe, Aussagen zu beeinflussen und mögliche Belastungszeugen an der Ausreise zu hindern. Wahrscheinlich zeigt gerade dieser Punkt die ganze Tragik des Falls: In Gaza entscheidet nicht nur ein Gerichtssaal über Wahrheit, sondern auch ein Machtapparat, der Zeugen einschüchtern, Informationen kontrollieren und humanitäre Strukturen für eigene Zwecke nutzen kann.

Für Israel ist der Fall deshalb mehr als eine juristische Akte. Er berührt eine Grundfrage des Krieges gegen Hamas: Wie können Hilfsgelder, Baumaterialien und internationale Projekte in einem Gebiet kontrolliert werden, in dem eine Terrororganisation über Jahre staatliche Funktionen, Sicherheitsapparate und zivile Strukturen durchdrungen hat? Israel steht dabei vor einem Dilemma. Humanitäre Hilfe ist notwendig. Doch jede Lücke im Kontrollsystem kann von Hamas ausgenutzt werden, um Tunnel zu bauen, Kämpfer zu versorgen oder internationale Organisationen als Schutzschild zu missbrauchen.

Das bedeutet nicht, dass jede Hilfsorganisation verdächtig ist. Es bedeutet aber, dass naive Vorstellungen von Gaza gefährlich sind. Wer so tut, als könnten internationale Organisationen dort unabhängig von Hamas arbeiten, blendet die Machtverhältnisse aus. Hamas ist nicht irgendeine Partei im Hintergrund. Sie ist eine Terrororganisation, die Gaza über Jahre kontrollierte, Gegner verfolgte, öffentliche Strukturen beherrschte und zivile Not systematisch für politische und militärische Ziele nutzte.

Halabi versucht heute, seinen Namen reinzuwaschen und in die humanitäre Arbeit zurückzukehren. Er lebt nach eigenen Angaben in Nordgaza und sagt, viele Menschen bäten ihn um Hilfe, obwohl er derzeit nicht für internationale Organisationen tätig sei. Ob er unschuldig ist, wie er behauptet, oder schuldig, wie ein israelisches Gericht entschied, bleibt politisch umkämpft. Juristisch aber steht die israelische Verurteilung im Raum.

Der Fall zeigt vor allem eines: In Gaza kann humanitäre Arbeit nicht losgelöst von Hamas betrachtet werden. Wer helfen will, muss genau prüfen, wohin Material, Geld und Verantwortung fließen. Wer das ignoriert, gefährdet nicht nur Israel, sondern auch jene Menschen in Gaza, für die Hilfe eigentlich bestimmt ist. Denn jeder Sack Zement, jedes Werkzeug und jeder Dollar, der in Terrortunnel statt in zivile Infrastruktur fließt, verlängert am Ende das Leid auf beiden Seiten.




Autor: Redaktion
Sonntag, 31 Mai 2026

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