Wir brauchen Ihre Hilfe: haOlam.de arbeitet ohne Verlag. Damit wir unsere Arbeit in gewohnter Qualität fortsetzen und laufende Aufgaben abschließen können, sind wir weiter auf Unterstützung angewiesen.
Roman Gofman übernimmt den Mossad: Israels Schattenkrieg gegen Iran geht in die nächste Runde

Roman Gofman übernimmt den Mossad: Israels Schattenkrieg gegen Iran geht in die nächste Runde


Roman Gofman übernimmt den Mossad in einer Phase, in der Israels Kampf gegen Teheran längst nicht beendet ist. Sein Amtsantritt zeigt, wie sehr Jerusalem den Druck auf Irans Machtapparat erhöhen will.

Mit dem Amtsantritt von Roman Gofman an der Spitze des Mossad beginnt in IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen eine neue Phase in einem alten Krieg. Es ist ein Krieg, der selten offen erklärt wird, oft im Verborgenen geführt wird und dennoch die Sicherheit des Landes bis in den Kern berührt. Gofman, der neue Direktor des israelischen Auslandsgeheimdienstes, machte bei seiner Einführungszeremonie unmissverständlich deutlich, wo der Schwerpunkt seiner Amtszeit liegen wird: beim iranischen Regime, seiner nuklearen Bedrohung, seinen Raketenprogrammen und dem Netz seiner bewaffneten Stellvertreter in der Region.

Vor den Mitarbeitern des Mossad sprach Gofman von einem schweren Schlag, den die iranisch-schiitische Achse durch Israel und den Mossad in den jüngsten Kriegen erlitten habe. Gemeint ist nicht nur ein einzelner militärischer Erfolg. Gemeint ist eine strategische Veränderung, die Israel Teheran aufgezwungen hat. Nach Gofmans Worten habe Israel das Kräfteverhältnis in der gesamten Region verändert und Irans Pläne, den jüdischen Staat langfristig zu vernichten, empfindlich getroffen. Zugleich machte er klar: Der Auftrag sei keineswegs erfüllt. Die Bedrohung aus Teheran bestehe weiter, und der Mossad werde weiter im Schatten handeln, Fähigkeiten entwickeln und Strategien entwerfen, mit denen Israels Gegner nicht rechnen.

Diese Worte sind bewusst gewählt. Der Mossad ist keine Behörde für symbolische Gesten. Er ist eines der zentralen Instrumente israelischer Selbstverteidigung in einer Region, in der offene Fronten, verdeckte Netzwerke, Raketenarsenale, TerrorfinanzierungPay for Slay: Wie Terror gegen Israelis weiter belohnt wird„Pay for Slay“ ist ein kritischer Begriff für palästinensische Zahlungen an in Israel inhaftierte Täter, freigelassene Gefangene und Familien getöteter Angreifer. Kritiker sehen darin eine Belohnung für Terror gegen Israelis.Mehr lesen und nukleare Ambitionen ineinandergreifen. Wer den Mossad führt, führt nicht nur einen Nachrichtendienst. Er trägt Verantwortung für Operationen, deren Erfolg oft nie öffentlich bekannt wird, deren Scheitern aber unmittelbare Folgen für das Leben israelischer Bürger haben kann.

Gofman sprach vom Mossad als der „stillen Stimme“ und der Kraft des Staates Israel und des jüdischen Volkes. Diese Formulierung sagt viel über das Selbstverständnis des Dienstes. Der Mossad arbeitet nicht für Schlagzeilen. Er arbeitet dort, wo diplomatische Erklärungen nicht reichen, wo militärische Abschreckung vorbereitet werden muss und wo Israel Gefahren erkennen muss, bevor sie an seinen Grenzen oder in seinen Städten ankommen. Gerade gegenüber Iran ist diese Aufgabe seit Jahrzehnten existenziell.

Ministerpräsident Benjamin Netanyahu verband Gofmans Amtsantritt mit einer besonders harten Botschaft. Er erklärte, Gofman werde dazu beitragen, das islamische Regime Irans aus der Welt zu entfernen. Netanyahu sagte zudem, nach den israelischen Schlägen gegen Iran im Jahr 2025 und Anfang 2026 werde das Regime nicht mehr in der Lage sein, Israel wie früher mit Fortschritten auf dem Weg zu einer Atomwaffe oder mit massiven Beständen ballistischer Raketen zu bedrohen.

Solche Aussagen sind in ihrer politischen Härte bemerkenswert, aber sie kommen nicht aus dem Nichts. Für Israel ist Iran keine abstrakte außenpolitische Herausforderung. Teheran finanziert, bewaffnet und lenkt seit Jahren Kräfte, die Israel an mehreren Fronten bedrohen. HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen im Libanon, HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen im GazastreifenPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen, der Islamische Dschihad, Milizen in Syrien und im Irak sowie die HuthiHuthi: Terrororganisation des Iran-Netzwerks im JemenDie Huthi, auch Ansar Allah genannt, sind eine schiitisch-islamistische Terrororganisation aus dem Jemen. Sie kontrollieren große Teile des Nordwestens, werden vom Iran unterstützt und bedrohen Israel sowie die internationale Schifffahrt im Roten Meer.Mehr lesen im Jemen sind Teile eines regionalen Drucksystems, das Israel nicht nur militärisch, sondern auch psychologisch zermürben soll. Die Logik dahinter ist klar: Israel soll niemals Ruhe finden, niemals strategische Tiefe gewinnen und dauerhaft unter dem Druck einer Belagerung leben.

Der 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen hat diese Bedrohung noch einmal anders sichtbar gemacht. Er hat gezeigt, was geschieht, wenn Terrororganisationen nicht nur Raketen besitzen, sondern auch die Absicht und Fähigkeit haben, in israelische Gemeinden einzudringen, Menschen zu ermorden, zu verschleppen und ein ganzes Land zu traumatisieren. Seitdem betrachtet Israel die Achse um Iran nicht mehr nur als strategisches Problem, sondern als unmittelbare Überlebensfrage.

Gofmans Ernennung ist auch deshalb bemerkenswert, weil sein Weg an die Spitze des Mossad keineswegs geradlinig war. Er wurde in Belarus geboren und kam mit 14 Jahren nach Israel. Netanyahu hob bei der Zeremonie hervor, Gofman habe sich seinen Weg selbst erkämpft. Als Jugendlicher sei er ein erfolgreicher Boxer gewesen und habe mit 17 Jahren bei einem Wettbewerb den zweiten Platz erreicht. Diese biografische Erzählung passt zu dem Bild, das der Regierungschef zeichnen wollte: ein Mann, der Widerstände kennt, der sich durchsetzt und der nicht aus einem bequemen Apparat heraus nach oben getragen wurde.

Gofman war zuvor Netanyahus Militärsekretär. Auch das macht seine Ernennung politisch sensibel. Militärsekretäre stehen stets an einer besonderen Schnittstelle zwischen Armee, Regierung und Sicherheitsapparat. Sie sehen mehr als viele andere, hören mehr als viele andere und bewegen sich in einem Raum, in dem militärische Lagebilder und politische Entscheidungen eng miteinander verbunden sind. Für Kritiker kann genau das ein Problem sein, weil sie eine zu starke Nähe zum Regierungschef befürchten. Für Netanyahu dürfte es gerade ein Grund gewesen sein, Gofman auszuwählen.

Seine Ernennung wurde erst nach juristischen Auseinandersetzungen endgültig. Die Regierung hatte ihn bereits am 12. April bestätigt, offiziell wurde die Personalie jedoch erst, nachdem der Oberste Gerichtshof am Montag grünes Licht gab. Zuvor hatte ein Prüfungsausschuss unter dem früheren Präsidenten des Obersten Gerichtshofs, Asher Grunis, Gofman nach Verzögerungen und Kontroversen gebilligt. Dass seine Berufung auf Widerstand stieß, auch aus dem Umfeld früherer und amtierender Mossad-Spitzen, zeigt die Brisanz des Vorgangs.

David Barnea, der bisherige Mossad-Direktor, beendet nach fünf Jahren seine Amtszeit. Er hatte den Dienst seit 2021 geführt, also durch eine der gefährlichsten Phasen der jüngeren israelischen Geschichte. Der Wechsel an der Spitze fällt in eine Zeit, in der der Mossad nicht nur gegen Iran arbeitet, sondern auch mit den Folgen des 7. Oktober, mit Geiselfragen, regionalen Machtverschiebungen und einer neuen Sicherheitsordnung im Nahen Osten konfrontiert ist.

Innerhalb des Mossad könnte Gofmans Amtsantritt dennoch Reibungen auslösen. In israelischen Sicherheitskreisen wurde erwartet, dass einzelne hochrangige Mitarbeiter ausscheiden könnten, weil nicht ein Kandidat aus dem engsten inneren Kreis des Dienstes den Posten erhielt. Besonders der bisher als Favorit gehandelte Kandidat mit dem Kürzel „A“ galt lange als aussichtsreich. Dass er nun Stellvertreter des Mossad-Chefs wird, kann allerdings auch als Versuch verstanden werden, Stabilität zu sichern und den Übergang abzufedern.

Neue Mossad-Chefs bringen fast immer personelle Veränderungen mit sich. Das ist in Sicherheitsorganisationen nicht ungewöhnlich. Jeder Direktor setzt andere Schwerpunkte, vertraut anderen Führungspersonen, fördert andere operative Kulturen. Entscheidend wird sein, ob Gofman die innere Geschlossenheit des Dienstes bewahren kann. Denn gerade der Mossad lebt von Vertrauen, Verschwiegenheit und der Fähigkeit, politische Spannungen nicht in operative Schwäche umschlagen zu lassen.

Netanyahu begründete seine Wahl unter anderem mit Gofmans Fähigkeit, das große Lagebild zu erkennen und zugleich tief in Details einzusteigen. Er sprach von ungewöhnlichem Talent, List und der Bereitschaft, außerhalb gewohnter Denkmuster zu handeln. Genau das ist für einen Dienst wie den Mossad entscheidend. Gegen Iran reicht es nicht, alte Muster zu wiederholen. Teheran lernt, passt sich an, verlegt Programme, tarnt Strukturen, nutzt Stellvertreter und versucht, unterhalb der Schwelle eines offenen Krieges dauerhaft Druck aufzubauen.

Israel muss deshalb schneller denken als seine Feinde. Es muss Verbindungen erkennen, bevor sie sichtbar werden. Es muss Raketenketten, Geldflüsse, Kommandoebenen, technische Beschaffungswege und politische Tarnungen zusammenlesen. Der Mossad ist dabei nicht allein, aber er ist eines der schärfsten Werkzeuge des Staates. Sein Erfolg hängt davon ab, ob er Entwicklungen erkennt, bevor sie zu Angriffen werden.

Gofmans Botschaft an Iran war daher mehr als eine Antrittsrede. Sie war eine strategische Ansage. Israel betrachtet die vergangenen Schläge gegen die iranische Achse nicht als Abschluss, sondern als Beginn einer neuen Ordnung, in der Teheran nicht mehr ungestört aufrüsten, planen und seine Stellvertreter vorschieben kann. Der neue Mossad-Chef übernimmt sein Amt mit dem Anspruch, diese Veränderung zu vertiefen.

Für Israel bedeutet das auch: Der Kampf gegen Iran wird nicht allein an sichtbaren Frontlinien entschieden. Er wird in Laboren, Häfen, Banken, Grenzregionen, Nachrichtennetzen und Machtzentren geführt. Er wird mit Diplomatie, Luftschlägen, Geheimdienstinformationen, Cyberfähigkeiten und stillen Operationen geführt. Die Öffentlichkeit erfährt oft nur Bruchstücke. Doch diese Bruchstücke reichen aus, um zu erkennen, wie umfassend der Konflikt ist.

Gofman steht damit vor einer Aufgabe, die größer ist als seine eigene Biografie und größer als die innenpolitische Debatte um seine Ernennung. Er übernimmt einen Dienst, der Israel vor Bedrohungen schützen soll, die sich nicht immer an Grenzen, Uniformen oder offene Kriegserklärungen halten. Genau darin liegt die Härte dieser Amtszeit.

Der neue Mossad-Chef hat den Ton gesetzt: Iran bleibt im Zentrum. Die Achse des Regimes hat schwere Schläge erlitten, aber sie ist nicht verschwunden. Israel wird nicht darauf vertrauen, dass seine Gegner ihre Absichten ändern. Es wird weiter handeln, beobachten, verhindern und zuschlagen, wenn es seine Sicherheit verlangt. Für ein Land, das seit seiner Gründung lernen musste, dass Warnungen aus Teheran, Gaza, Beirut oder Damaskus niemals bloß Rhetorik sind, ist das keine aggressive Haltung. Es ist die nüchterne Konsequenz aus Erfahrung.




Autor: Redaktion
Mittwoch, 03 Juni 2026

haOlam unterstützen

haOlam ist auf die Unterstützung seiner Leserinnen und Leser angewiesen. Jeder Beitrag hilft, unabhängige Berichterstattung weiterzuführen.

Sie benötigen nicht zwingend ein PayPal-Konto. Im nächsten Schritt kann je nach PayPal-Anzeige auch eine Zahlung per Karte angeboten werden.

Sie möchten unsere Arbeit unterstützen, nutzen aber kein PayPal? Schreiben Sie uns kurz, wir melden uns mit den passenden Möglichkeiten.

empfohlene Artikel
weitere Artikel von: Redaktion
Newsletter


meistgelesene Artikel der letzten 7 Tage