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Israels Oberster Gerichtshof zwingt den Staat zur Erklärung: Warum bekommen charedische Zivildienstleistende teils mehr als Soldaten?

Israels Oberster Gerichtshof zwingt den Staat zur Erklärung: Warum bekommen charedische Zivildienstleistende teils mehr als Soldaten?


Israels Oberster Gerichtshof verlangt Antworten: Charedische Männer im Nationaldienst erhalten teils mehr Geld als Soldaten der IDF. Der Streit trifft Israels wundesten Punkt.

Israels Oberster Gerichtshof zwingt den Staat zur Erklärung: Warum bekommen charedische Zivildienstleistende teils mehr als Soldaten?
Bildnachweis: Symbolbild

Israels Oberster Gerichtshof hat den Staat und die Knesset aufgefordert zu erklären, warum charedische Männer im nationalen Zivildienst teils deutlich höhere Zahlungen erhalten als andere Dienstleistende und sogar mehr als viele Soldaten der IDF. Die Entscheidung ging am Donnerstag in der Aufregung um massive Straßenblockaden radikaler charedischer Demonstranten fast unter. Inhaltlich aber trifft sie einen der empfindlichsten politischen Punkte Israels: die Frage, wer in Kriegszeiten dient, wer sich entzieht und wer dafür am Ende auch noch besser gestellt wird.

Nach den von der Bewegung IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen Hofsheet vorgelegten Zahlen erhält ein verheirateter charedischer Mann mit Kindern im nationalen Zivildienst je nach Stundenumfang bis zu 4.581 Schekel im Monat. Ein Elternteil im regulären Nationaldienst kommt dagegen auf 1.325 Schekel. Zum Vergleich: IDF-Kämpfer im Pflichtdienst erhalten laut Bericht 2.647 Schekel im Monat, Frontkämpfer im dritten Dienstjahr 3.276 Schekel. Damit kann ein charedischer Mann in einem zivilen Ersatzweg mehr staatliche Unterstützung bekommen als ein Soldat, der im Libanon, in GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen oder an anderen Fronten sein Leben riskiert.

Genau diese Schieflage muss der Staat nun erklären. Der Oberste Gerichtshof in JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen gab dem Staat 30 Tage Zeit, um darzulegen, warum junge charedische Männer, die grundsätzlich der Wehrpflicht unterliegen und ihren Status nicht geregelt haben, überhaupt in den nationalen Zivildienst eintreten dürfen. Ebenso soll erklärt werden, warum dieser Weg weiter finanziert wird, obwohl noch kein Gesetz verabschiedet wurde, das ihn sauber als Alternative zum Armeedienst regelt. Drittens muss der Staat begründen, warum die Zahlungen in den charedischen Sonderwegen nicht an die Zahlungen im regulären Nationaldienst angeglichen werden.

Das ist mehr als eine Haushaltsfrage. Es geht um Gerechtigkeit im Kern des israelischen Gesellschaftsvertrags. Während ReservistenReservisten: Israels Bürger in UniformReservisten sind frühere Soldaten, die nach ihrem aktiven Dienst weiter für Einsätze, Übungen oder Kriegsfälle bereitstehen. In Israel heißen sie im Alltag oft Miluim und sind für die Verteidigungsfähigkeit des Landes besonders wichtig.Mehr lesen seit dem 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen immer wieder aus Familien, Betrieben und Berufen herausgerissen werden, während junge Soldaten monatelang an Fronten stehen und während Familien um Gefallene trauern, entsteht der Eindruck eines Systems, das ausgerechnet jene besonders schont, die dem militärischen Dienst ausweichen. Für viele Israelis ist das nicht mehr vermittelbar.

Die höheren Zahlungen entstehen nicht zufällig. Die charedischen Zivildienstwege richten sich an Männer ab 23 Jahren. Viele von ihnen sind zu diesem Zeitpunkt bereits verheiratet und haben Kinder. Deshalb greifen höhere Sätze, die an Familienstand und Kinderzahl gekoppelt sind. Rein technisch lässt sich das erklären. Politisch aber bleibt die Frage, warum ein Staat im Krieg einen Weg offenhält, der für Wehrpflichtige attraktiver sein kann als der Dienst in der Armee. Wer kämpfen muss, bekommt weniger. Wer in einen Sonderweg wechselt, kann mehr bekommen. Diese Botschaft ist verheerend.

Besonders bitter ist der Zeitpunkt. Israel befindet sich weiterhin im Krieg an mehreren Fronten. Im Norden kämpft die IDF gegen die HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen, im Süden wirken die Folgen des HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Massakers vom 7. Oktober weiter fort, und der Iran-Krieg 2026 hat gezeigt, wie schnell regionale Bedrohungen direkt auf Israel zurückschlagen können. In einer solchen Lage ist Wehrgerechtigkeit keine abstrakte Verwaltungsfrage. Sie entscheidet darüber, ob Bürger das Gefühl haben, dass Lasten fair verteilt werden oder ob politische Gruppen sich dauerhafte Ausnahmen sichern.

Die charedischen Proteste gegen Einberufungen verschärfen diesen Eindruck. Am Donnerstag blockierten radikale Demonstranten Straßen aus Protest gegen die Festnahme von Wehrdienstverweigerern. Während ein Teil der Gesellschaft blockiert, protestiert und staatliche Sonderwege verteidigt, tragen andere Familien die reale Last des Krieges. Das kann ein Staat nicht dauerhaft aushalten, ohne Vertrauen zu verlieren.

Dabei geht es nicht darum, religiöse Lebensweisen pauschal abzuwerten. Charedische Israelis sind keine geschlossene Einheit, und auch innerhalb der Gemeinschaft gibt es unterschiedliche Stimmen, Lebenswege und Haltungen. Doch ein demokratischer Staat darf nicht zulassen, dass eine ganze politische Struktur den Eindruck erzeugt, Pflichten seien verhandelbar, solange der Druck groß genug ist. Wer Staatsbürger ist, muss Rechte haben. Aber Rechte ohne gemeinsame Pflichten zerstören auf Dauer die Solidarität.

Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs zwingt die Regierung nun zu Antworten, die sie lange vermieden hat. Wenn der nationale Zivildienst für charedische Wehrpflichtige eine echte Alternative sein soll, muss er gesetzlich klar geregelt, gerecht finanziert und mit dem Dienst anderer Bürger vergleichbar sein. Wenn er aber faktisch ein Umgehungsweg ist, der besser bezahlt wird als der Dienst von Soldaten, dann muss er beendet oder grundlegend neu geordnet werden.

Israel kann sich in dieser Lage keine doppelte Moral leisten. Soldaten an der Front, Reservisten in langen Einsatzzyklen und Familien im Norden und Süden dürfen nicht den Eindruck bekommen, dass der Staat ihre Opfer selbstverständlich nimmt, während andere Gruppen bessere Bedingungen aushandeln. Der Staat schuldet ihnen mehr als Dankesreden. Er schuldet ihnen Fairness.

Der Oberste Gerichtshof in Jerusalem hat nun nicht entschieden, wie die Lösung aussehen muss. Aber er hat die richtige Frage gestellt: Warum finanziert der Staat ein System, das Wehrpflichtige unterschiedlich behandelt und ausgerechnet jene besserstellen kann, die nicht zur IDF gehen? Auf diese Frage wird die Regierung antworten müssen. Und die Antwort wird zeigen, ob Israel bereit ist, den schwersten inneren Konflikt seiner Kriegsjahre wirklich anzupacken.




Autor: Redaktion
Montag, 15 Juni 2026

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