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Netanyahu zieht rote Linie im Libanon: Israel bleibt, solange der Norden nicht sicher ist

Netanyahu zieht rote Linie im Libanon: Israel bleibt, solange der Norden nicht sicher ist


Netanyahu widerspricht dem US Iran Papier offen: Israel wird seine Sicherheitszone im Süden Libanons nicht räumen, solange die Hisbollah eine Gefahr für Nordisrael bleibt.

Netanyahu zieht rote Linie im Libanon: Israel bleibt, solange der Norden nicht sicher ist
Bildnachweis: Symbolbild

Benjamin Netanyahu hat ausgesprochen, was in JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen seit Tagen als unausweichliche Sicherheitslinie gilt: IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen wird sich nicht aus dem Süden Libanons zurückziehen, solange die Sicherheit der Bewohner im Norden nicht wiederhergestellt ist. Damit stellt sich der israelische Ministerpräsident offen gegen den Druck, der aus dem neuen amerikanisch-iranischen Verständigungsrahmen entsteht. Dieses Papier verlangt ein Ende der Feindseligkeiten im Libanon und zielt auf einen vollständigen israelischen Abzug aus libanesischem Gebiet. Für Washington mag das nach diplomatischer Ordnung klingen. Für Israel klingt es nach einem gefährlichen Risiko.

Bei einer Zeremonie zur Wiedereröffnung der Route 60 im Norden sagte Netanyahu, Israel werde die Sicherheit im Norden wiederherstellen. Dafür brauche es die Aufrechterhaltung der Sicherheitszone im Süden Libanons. Und dafür dürfe Israel sich nicht zurückziehen, solange die eigenen Sicherheitsbedürfnisse dies erforderten. Das ist keine beiläufige Formulierung. Es ist die Antwort Jerusalems auf den Versuch, den Libanon in ein US Iran Abkommen einzubauen, an dem Israel nicht als Vertragspartei beteiligt war, dessen Folgen aber direkt auf israelische Grenzorte wirken würden.

Der Streit trifft den Kern des Iran Krieges 2026. Iran hat Israel nicht nur mit eigenen Raketen, Drohnen und dem Atomprogramm bedroht. Teheran hat über Jahre ein Netz regionaler Stellvertreter aufgebaut. Die HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen im Libanon ist dabei der gefährlichste Arm an Israels Nordgrenze. Sie verfügt über Waffen, Kampferfahrung, politische Macht und eine Infrastruktur, die nicht verschwindet, nur weil in Washington und Teheran ein Memorandum unterschrieben wurde. Wer von Israel verlangt, sich aus dem Süden Libanons zurückzuziehen, muss deshalb zuerst beantworten, wer dort die Hisbollah tatsächlich zurückdrängt.

Genau diese Antwort fehlt. Die israelische Armee hat eine Karte der Sicherheitszone veröffentlicht, die nach Angaben aus Israel etwa zehn Kilometer tief in libanesisches Gebiet reicht. Die Präsenz dort wird mit operativen Gründen begründet: Bedrohungen beseitigen, Schmuggel verhindern, Angriffe erschweren und den Schutz der nördlichen Gemeinden verbessern. Auch eine maritime Sicherheitszone wird als Fortsetzung dieses Schutzraums beschrieben. Der israelische Generalstab nennt keine Frist für einen Abzug. Das ist kein Zufall. Eine feste Frist ohne verlässliche Entwaffnung der Hisbollah wäre aus israelischer Sicht ein Geschenk an die Terrororganisation.

Die Lage im Norden Israels ist nicht abstrakt. In den vergangenen Jahren mussten viele Menschen in Grenzorten erleben, was es bedeutet, wenn die Hisbollah den Raum unmittelbar jenseits der Grenze militärisch nutzt. Familien wurden evakuiert, Gemeinden lebten unter Raketen- und Drohnengefahr, Landwirtschaft, Schulen und Alltag wurden schwer getroffen. Wer heute in Jerusalem Verantwortung trägt, kann diesen Menschen nicht sagen: Kehrt zurück und vertraut darauf, dass ein amerikanisch-iranisches Papier die Hisbollah zähmt. Vertrauen ist kein Sicherheitskonzept.

Besonders problematisch sind die Äußerungen Donald Trumps. Der amtierende US Präsident kritisierte Israels Vorgehen im Libanon und sagte sinngemäß, man müsse nicht jedes Gebäude zerstören, wenn ein Hisbollah-Mitglied hineingehe. Netanyahu nannte er einen guten Mann, der manchmal etwas zu begeistert sei. Noch schwerer wiegt Trumps Vorschlag, Syrien solle sich um die Hisbollah kümmern. Das klingt in Washington vielleicht wie ein pragmatischer Einfall. In Israel muss es wie eine Zumutung wirken.

Syrien unter Ahmad al-Sharaa ist ein neuer Machtfaktor, aber kein belastbarer Sicherheitsgarant für Israel. Das Land ist politisch fragil, militärisch begrenzt und selbst tief in regionale Machtkämpfe verstrickt. Die Vorstellung, ausgerechnet Damaskus könne die iranisch gestützte Hisbollah zuverlässiger begrenzen als Israel, verlangt ein Maß an Vertrauen, das die Realität nicht hergibt. Israel kann die Sicherheit von Metula, Kiryat Shmona, Nahariya und den Gemeinden an der Nordgrenze nicht an eine syrische Zusage delegieren.

Auch der libanesische Staat ist in dieser Frage nur begrenzt handlungsfähig. Seit Jahren lautet das internationale Versprechen, die libanesische Armee und staatliche Institutionen könnten den Süden stabilisieren und die Hisbollah zurückdrängen. Die Wirklichkeit war eine andere. Die Hisbollah blieb bewaffnet, tief verankert und bereit, im Auftrag Teherans Druck auf Israel auszuüben. Wenn jetzt wieder dieselbe Formel angeboten wird, diesmal unter dem Dach eines US Iran Abkommens, darf Israel skeptisch sein.

Das bedeutet nicht, dass Israel dauerhaft im Süden Libanons bleiben will oder sollte. Eine Sicherheitszone ist kein Selbstzweck. Sie ist ein Mittel, solange keine bessere Sicherheitsordnung existiert. Ein geordneter Rückzug kann möglich sein, wenn die Hisbollah überprüfbar zurückgedrängt wird, wenn der libanesische Staat oder andere tragfähige Kräfte tatsächlich Kontrolle ausüben und wenn die Bewohner Nordisraels nicht erneut als Versuchspersonen für internationale Hoffnungen missbraucht werden. Aber ein Abzug, nur weil Iran im Gegenzug Öl verkaufen darf und Washington einen diplomatischen Erfolg braucht, wäre kein Frieden. Es wäre eine Verlagerung des Risikos auf israelische Zivilisten.

Der Konflikt mit Washington ist deshalb ernst. Ein hochrangiger israelischer Vertreter aus dem Umfeld Netanyahus erklärte laut Reuters, Israel führe hartnäckige Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten über die Fortsetzung seiner Truppenpräsenz im Süden Libanons. Israel habe nicht die Absicht, von seinen Positionen abzurücken. Diese Aussage ist mehr als innenpolitische Härte. Sie ist eine Botschaft an Washington: Das Bündnis mit den USA ist zentral, aber Israel wird seine unmittelbare Grenzsicherheit nicht aus einem Papier ableiten, das mit Iran verhandelt wurde.

Teheran hat ein klares Interesse daran, den Libanon in das Abkommen hineinzuziehen. Wenn israelische Angriffe gegen Hisbollah-Stellungen künftig als Verletzung des US Iran Memorandums dargestellt werden können, erhält Iran einen politischen Schutzschirm für seinen wichtigsten Stellvertreter. Genau das darf Jerusalem nicht zulassen. Die Hisbollah darf nicht von einer Terrorarmee zu einer diplomatisch geschützten Größe werden, nur weil sie in einem größeren Deal als Teil der regionalen Beruhigung behandelt wird.

Das neue Memorandum verschiebt die Machtbalance ohnehin zugunsten Teherans. Iran erhält wirtschaftliche Entlastung, Aussicht auf Ölexporte, möglicherweise Zugang zu eingefrorenen Geldern und eine 60 Tage Phase, in der zentrale Fragen weiterverhandelt werden. Gleichzeitig bleiben Uran, Raketen und Stellvertreterstrukturen nach bisherigen Informationen problematisch oder unzureichend geklärt. Wenn Israel nun auch im Libanon zurückgedrängt würde, wäre das aus iranischer Sicht ein zusätzlicher Erfolg.

Netanyahu setzt dem eine klare Linie entgegen. Man kann über die Dauer, Tiefe und konkrete Ausgestaltung der israelischen Präsenz diskutieren. Man kann Fragen nach internationalem Recht, diplomatischen Folgen und den Risiken einer längeren Präsenz stellen. Doch man darf nicht so tun, als sei der Abzug automatisch verantwortungsvoll. Verantwortung bedeutet, die Menschen im Norden Israels nicht ein weiteres Mal leeren Sicherheitsversprechen auszusetzen.

Für Europa und Deutschland sollte diese Lage eine Lehre sein. Wer nur „Abzug“ fordert, ohne die Hisbollah zu entwaffnen, fordert in Wahrheit keine Stabilität. Wer Israel drängt, Sicherheitsräume aufzugeben, muss sagen, wer danach die Raketen, Drohnen, WaffenlagerTerrorinfrastruktur: Wie Terrorgruppen Krieg in zivile Räume verlagernTerrorinfrastruktur bezeichnet Einrichtungen, Netzwerke und Strukturen, die Terrororganisationen für Angriffe, Waffenlagerung, Kommandoführung, Ausbildung, Raketenbeschuss, Tunnelbau oder Logistik nutzen. Besonders gefährlich wird sie, wenn sie in Wohngebieten, Schulen, Moscheen oder Krankenhäusern versteckt wird.Mehr lesen und Schmuggelwege kontrolliert. Wer diese Frage nicht beantworten kann, sollte keine moralischen Forderungen an Jerusalem richten.

Israel steht an einer schwierigen Schwelle. Es will keinen endlosen Krieg im Libanon. Aber es kann auch keinen Frieden akzeptieren, der die Hisbollah stehen lässt und nur die israelische Präsenz problematisiert. Der Norden braucht keine schönen Formulierungen, sondern Sicherheit, die im Alltag spürbar ist. Kinder müssen wieder zur Schule gehen können, Familien müssen zurückkehren können, Bauern müssen ihre Felder bestellen können, ohne auf die nächste Drohne zu warten.

Genau dafür steht Netanyahus Erklärung. Sie ist nicht nur ein Satz über Truppenbewegungen. Sie ist ein Satz über die Pflicht eines Staates, seine Bürger nicht einer diplomatischen Illusion zu opfern. Israel bleibt im Süden Libanons nicht, weil es Grenzen verschieben will. Israel bleibt, solange die Gefahr nicht gebannt ist. Wer das ändern will, muss zuerst die Hisbollah entwaffnen, nicht Israel entwaffnen.




Autor: Redaktion
Freitag, 19 Juni 2026

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