Projekt-Unterstützung
20 Unterstützer für den Sommerbetrieb gesucht
haOlam.de wird privat getragen. Damit Redaktion, Technik und laufende Arbeiten auch in den Sommermonaten verlässlich weitergehen können, bitten wir Leserinnen und Leser jetzt um konkrete Hilfe.
Jeder Beitrag hilft, die nächsten Wochen abzusichern. Auch größere Beiträge sind willkommen.
Irans Drohung aus dem Libanon zeigt, wer die Hisbollah wirklich steuert

Irans Drohung aus dem Libanon zeigt, wer die Hisbollah wirklich steuert


Während in Washington über den Südlibanon verhandelt wird, droht der Kommandeur der iranischen Al-Quds-Einheit Israel offen. Teheran macht damit klar: Die Hisbollah ist nicht nur ein libanesisches Problem.

Irans Drohung aus dem Libanon zeigt, wer die Hisbollah wirklich steuert
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Der Zeitpunkt war kein Zufall. Während Vertreter Israels und des Libanon in Washington über den weiteren Umgang mit dem Südlibanon sprachen, meldete sich ausgerechnet Esmail Qaani zu Wort, der Kommandeur der Al-Quds-EinheitQuds-Einheit: Irans geheime Kommandozentrale gegen IsraelDie Quds-Einheit ist die für Auslandseinsätze zuständige Eliteeinheit der Islamischen Revolutionsgarden des Iran. Sie unterstützt Terrororganisationen und Milizen in der Region, darunter Hisbollah, Hamas, Islamischer Dschihad, Huthi und schiitische Milizen.Mehr lesen der Islamischen RevolutionsgardenIslamische Revolutionsgarden: Machtzentrum des iranischen RegimesDie Islamischen Revolutionsgarden sind eine mächtige militärische, politische und wirtschaftliche Organisation der Islamischen Republik Iran. Sie wurden nach der Revolution von 1979 gegründet, unterstehen dem Obersten Führer und steuern über die Quds-Einheit Irans regionales Terrornetzwerk.Mehr lesen. Seine Botschaft war unmissverständlich: Wenn IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen sich nicht freiwillig aus dem Südlibanon zurückziehe, werde es später „besiegt“ hinausgedrängt. Es war keine diplomatische Bemerkung, kein Kommentar am Rand. Es war eine Drohung aus Teheran, gerichtet an JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen, gesprochen über libanesisches Gebiet hinweg.

Genau darin liegt der Kern dieser Entwicklung. Der Südlibanon wird nicht nur von libanesischen Interessen bestimmt. Er ist seit Jahren Teil der iranischen Front gegen Israel. Die HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen ist keine gewöhnliche Partei mit bewaffnetem Flügel, sondern eine Terrororganisation, die über Jahrzehnte durch Iran aufgebaut, bewaffnet, finanziert und politisch geschützt wurde. Wenn nun der Chef der iranischen Auslandseinheit Israel öffentlich auffordert, aus dem Südlibanon zu verschwinden, dann spricht nicht ein außenstehender Beobachter. Dann spricht der eigentliche Schutzpatron jener Kraft, wegen der israelische Familien im Norden seit Jahren unter Raketenbedrohung leben.

Die aktuelle Lage ist besonders brisant, weil sie in die neue Phase des Iran Krieges 2026 fällt. Nach den offenen israelischen und amerikanischen Schlägen gegen Iran, nach der brüchigen Feuerpause und nach den Verhandlungen über eine breitere regionale Beruhigung versucht Teheran, den Libanon als Hebel zu nutzen. Iran will nicht nur sein eigenes Atomprogramm politisch retten. Das Regime will auch verhindern, dass seine Stellvertreterfronten dauerhaft geschwächt werden. Der Südlibanon ist dafür entscheidend. Von dort aus konnte die Hisbollah über Jahre RaketenstellungenTerrorinfrastruktur: Wie Terrorgruppen Krieg in zivile Räume verlagernTerrorinfrastruktur bezeichnet Einrichtungen, Netzwerke und Strukturen, die Terrororganisationen für Angriffe, Waffenlagerung, Kommandoführung, Ausbildung, Raketenbeschuss, Tunnelbau oder Logistik nutzen. Besonders gefährlich wird sie, wenn sie in Wohngebieten, Schulen, Moscheen oder Krankenhäusern versteckt wird.Mehr lesen, Tunnel, WaffenlagerTerrorinfrastruktur: Wie Terrorgruppen Krieg in zivile Räume verlagernTerrorinfrastruktur bezeichnet Einrichtungen, Netzwerke und Strukturen, die Terrororganisationen für Angriffe, Waffenlagerung, Kommandoführung, Ausbildung, Raketenbeschuss, Tunnelbau oder Logistik nutzen. Besonders gefährlich wird sie, wenn sie in Wohngebieten, Schulen, Moscheen oder Krankenhäusern versteckt wird.Mehr lesen und Abschussanlagen nahe der israelischen Grenze aufbauen.

Washington versucht nun offenbar, einen Weg zu finden, der eine schrittweise Übergabe bestimmter Gebiete an die libanesische Armee ermöglicht. Reuters berichtete über Gespräche zu sogenannten Pilotzonen. Die Idee: Israel würde sich aus einzelnen Bereichen zurückziehen, die libanesische Armee müsste dort einrücken, Waffen beseitigen, Hisbollah Infrastruktur entfernen und verhindern, dass die Terrororganisation erneut an die Grenze zurückkehrt. Auf dem Papier klingt das wie ein Weg aus der Sackgasse. In der Realität entscheidet sich alles an einer einzigen Frage: Ist die libanesische Armee bereit und fähig, sich tatsächlich gegen die Hisbollah durchzusetzen?

Genau daran bestehen in Israel erhebliche Zweifel. Jerusalem kann nicht einfach darauf vertrauen, dass internationale Zusagen diesmal halten, wenn die Erfahrung der vergangenen Jahre das Gegenteil nahelegt. Nach dem Krieg von 2006 sollte die Hisbollah südlich des Litani nicht wieder militärisch Fuß fassen. Dennoch wuchs dort über Jahre eine bewaffnete Infrastruktur heran. Wer heute von Israel verlangt, seine Sicherheitszone ohne belastbare Garantien aufzugeben, muss eine ehrliche Gegenfrage beantworten: Würde irgendein anderer Staat auf Schutz verzichten, wenn direkt hinter seiner Grenze Raketen, Drohnen, Tunnel und bewaffnete Kämpfer einer vom Ausland gesteuerten Terrororganisation stehen?

Besonders auffällig ist der Widerspruch um die angebliche israelische Teilräumung. Ein hochrangiger Beamter des US Außenministeriums erklärte laut Reuters, Israel habe bereits einen konkreten Schritt getan und sich aus Teilen seiner Pufferzone zurückgezogen. Sowohl Israel als auch libanesische Stellen dementierten diese Darstellung jedoch rasch. Auch das ist mehr als eine technische Unklarheit. Es zeigt, wie empfindlich die Lage ist. Washington möchte offenbar Fortschritt sichtbar machen. Israel will nicht den Eindruck erwecken, es gebe sicherheitsrelevante Positionen auf, bevor die Hisbollah entwaffnet oder zumindest aus dem Grenzraum entfernt ist. Beirut wiederum will nicht als bloßer Empfänger amerikanischer und israelischer Entscheidungen erscheinen.

Qaanis Drohung macht diese Verhandlungen nicht leichter. Sie zeigt Teherans Absicht, jede israelische Präsenz im Südlibanon als politisches Druckmittel zu verwenden. Iran spricht von Widerstand, meint aber Kontrolle. Iran spricht von libanesischer Souveränität, bewaffnet aber seit Jahrzehnten eine Organisation, die dem libanesischen Staat die Souveränität nimmt. Wenn Teheran tatsächlich an einem souveränen Libanon interessiert wäre, müsste es die Hisbollah entwaffnen lassen. Stattdessen droht der Kommandeur der Al-Quds-Einheit Israel und stellt sich demonstrativ hinter jene Kräfte, die den Libanon in immer neue Kriege ziehen.

Hinzu kommt ein weiterer Punkt, der die iranische Rolle noch klarer macht. Nach israelischen Berichten soll das Regime in Teheran inzwischen sogar versuchen, neue Kämpfer für die Hisbollah zu gewinnen. In den Straßen Teherans sollen entsprechende Aufrufe aufgetaucht sein, mit monatlichen Zahlungen von rund 1.000 Dollar. In einem Land, in dem viele Menschen unter massiven wirtschaftlichen Problemen leiden, wäre eine solche Summe für junge Männer aus ärmeren Milieus ein starkes Lockmittel. Sollte sich diese Entwicklung bestätigen, wäre sie ein deutliches Zeichen dafür, wie schwer die Hisbollah durch die Kämpfe der vergangenen Monate getroffen wurde und wie direkt Iran versucht, ihre Reihen wieder aufzufüllen.

Für Israel ist das keine abstrakte Analyse. Die Bedrohung aus dem Norden betrifft Städte, Dörfer, Familien, Schulen und Straßen. Sie betrifft Menschen, die nicht in geopolitischen Kategorien leben, sondern morgens wissen müssen, ob ihre Kinder sicher zur Schule gehen können. Wer diese Lage aus der Ferne kommentiert, sollte sich davor hüten, Israel eine Verantwortungslosigkeit abzuverlangen, die kein Staat gegenüber den eigenen Bürgern akzeptieren würde.

Der Weg aus dem Südlibanon führt nicht über iranische Drohungen. Er führt nur über eine wirkliche Entmachtung der Hisbollah im Grenzraum, über eine libanesische Armee, die nicht nur symbolisch einrückt, sondern Waffenlager räumt, Tunnel zerstört und die Rückkehr der Terrororganisation verhindert. Erst dann kann über Rückzug, Wiederaufbau und Normalität gesprochen werden. Alles andere wäre keine Lösung, sondern eine Einladung an die Hisbollah, die nächste Runde vorzubereiten.

Qaanis Worte sind deshalb ein Warnsignal. Sie zeigen nicht Stärke, sondern Nervosität. Iran sieht, dass die Hisbollah geschwächt ist. Iran sieht, dass Washington zumindest formal auf eine stärkere Rolle der libanesischen Armee drängt. Iran sieht, dass Israel nach dem Iran Krieg 2026 nicht bereit ist, seine Nordgrenze wieder einer gefährlichen Illusion zu überlassen. Genau deshalb droht Teheran. Nicht weil es den Libanon schützen will, sondern weil es fürchtet, einen seiner wichtigsten Hebel gegen Israel zu verlieren.




Autor: Redaktion
Freitag, 26 Juni 2026

haOlam unterstützen

haOlam ist auf die Unterstützung seiner Leserinnen und Leser angewiesen. Jeder Beitrag hilft, unabhängige Berichterstattung weiterzuführen.

Sie benötigen nicht zwingend ein PayPal-Konto. Im nächsten Schritt kann je nach PayPal-Anzeige auch eine Zahlung per Karte angeboten werden.

Sie möchten unsere Arbeit unterstützen, nutzen aber kein PayPal? Schreiben Sie uns kurz, wir melden uns mit den passenden Möglichkeiten.

empfohlene Artikel
weitere Artikel von: Redaktion
Newsletter


meistgelesene Artikel der letzten 7 Tage