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Hamas löst ihr Gaza-Gremium auf, doch der Machtkern bleibt bewaffnet

Hamas löst ihr Gaza-Gremium auf, doch der Machtkern bleibt bewaffnet


Der Rücktritt des Hamas-Funktionärs Mohammed al-Farra soll den Weg für ein technokratisches Gaza-Komitee freimachen. Doch solange Waffen, Sicherheitskräfte und alte Netzwerke bleiben, ist der Schritt kein Ende der Hamas-Herrschaft.

Hamas löst ihr Gaza-Gremium auf, doch der Machtkern bleibt bewaffnet
Bildnachweis: Symbolbild / KI

HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen meldet einen Rückzug aus der Verwaltung Gazas. Genau deshalb muss man besonders vorsichtig hinschauen. Am Montag erklärte die Terrororganisation, der Leiter ihres sogenannten Notfallkomitees, Mohammed al-Farra, habe seinen Rücktritt eingereicht. Dieses Komitee gilt als Teil jener Struktur, mit der Hamas im GazastreifenPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen de facto Regierungsgewalt ausübt. Nun soll die Auflösung den Weg für das National Committee for the Administration of GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen, kurz NCAG, freimachen. Das technokratische Komitee unter Ali Shaath soll künftig zivile Verwaltungsaufgaben übernehmen.

Auf dem Papier klingt das nach einem Einschnitt. Hamas spricht von einer Übergabe administrativer Befugnisse. Technisches und fachliches Personal solle bleiben, um die Versorgung der Bevölkerung nicht zusammenbrechen zu lassen. Doch genau in dieser Formulierung liegt die Gefahr. Wer bleibt? Wem gehorcht dieses Personal? Welche früheren Hamas-Strukturen werden nur mit neuem Briefkopf weitergeführt? Und vor allem: Wer hat am Ende die Waffen?

Das Gaza Board of Peace reagierte deshalb bemerkenswert nüchtern. Die Bewertung werde sich an Taten orientieren, nicht an Versprechen. Der Kern bleibe: eine Autorität, ein Recht, eine Waffe. Damit ist die entscheidende Bedingung ausgesprochen. Gaza kann nicht zugleich von einem technokratischen Komitee verwaltet und von Hamas bewaffnet kontrolliert werden. Ein echter Machtwechsel beginnt nicht mit einer Presseerklärung, sondern mit überprüfbarer Entwaffnung, klarer Sicherheitskontrolle und einer Verwaltung, die nicht im Hintergrund von Hamas gelenkt wird.

Nickolay Mladenov, Generaldirektor des Board of Peace, beschrieb die Roadmap als Brücke zwischen Erklärungen und Umsetzung. Je schneller eine Einigung über die offenen Mechanismen erreicht werde, desto eher könne das NCAG Verantwortung übernehmen, die Stilllegung der Waffen beginnen, der Rückzug israelischer Kräfte voranschreiten und der Wiederaufbau in größerem Umfang starten. Diese Reihenfolge ist wichtig. Ohne Sicherheitsfrage gibt es keinen belastbaren Wiederaufbau. Ohne Entwaffnung bleibt jede Verwaltung in Gaza erpressbar.

Hamas versucht seit Monaten, sich als bereit zur zivilen Übergabe darzustellen. Reuters berichtete bereits im Januar über das von den USA unterstützte Modell eines palästinensischen Technokratenkomitees unter Ali Shaath, das Gaza während einer Übergangsphase verwalten soll. Zugleich blieb unklar, wie Hamas entwaffnet werden soll. Genau dieser Punkt blockiert den gesamten Prozess. Auch Reuters meldete nun, Hamas wolle zwar zivile Verantwortung abgeben, aber Einfluss auf Sicherheitsfragen in Teilen Gazas behalten.

Das ist kein Detail, sondern der Kern des Problems. Hamas herrschte in Gaza nie nur durch Ministerien, Schalter und Genehmigungen. Sie herrschte durch Waffen, Einschüchterung, Geheimdienststrukturen, Polizei, Patronage, Tunnel, Raketen und die Fähigkeit, jeden Gegner als Verräter zu markieren. Eine Organisation, die ihre Gegner unterdrückt, Proteste verhindert und angebliche Kollaborateure hinrichtet, verschwindet nicht aus der Macht, weil ein Funktionär zurücktritt.

Auch palästinensische Stimmen äußerten gegenüber der JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen Post tiefe Zweifel. Ein hochrangiger Vertreter in Ramallah sagte, Hamas habe nicht das Ende ihrer Herrschaft im Gazastreifen erklärt, sondern nur die Auflösung eines von ihr so bezeichneten Notfallgremiums. Gleichzeitig solle eine andere vorläufige Struktur übernehmen. Nach dieser Einschätzung will Hamas zeigen, dass sie den Prozess nicht blockiert, zugleich aber Zeit gewinnen und ihre militärische sowie administrative Macht sichern.

Für IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen ist diese Frage nicht theoretisch. Hamas hat am 7. Oktober gezeigt, wozu ihre Herrschaft dient. Sie baute über Jahre eine TerrorinfrastrukturTerrorinfrastruktur: Wie Terrorgruppen Krieg in zivile Räume verlagernTerrorinfrastruktur bezeichnet Einrichtungen, Netzwerke und Strukturen, die Terrororganisationen für Angriffe, Waffenlagerung, Kommandoführung, Ausbildung, Raketenbeschuss, Tunnelbau oder Logistik nutzen. Besonders gefährlich wird sie, wenn sie in Wohngebieten, Schulen, Moscheen oder Krankenhäusern versteckt wird.Mehr lesen auf, versteckte sich in zivilen Räumen, nutzte die eigene Bevölkerung als Schutzschild und machte Gaza zu einem Ausgangspunkt mörderischer Angriffe. Wenn heute nur die zivile Oberfläche ausgetauscht wird, während der bewaffnete Kern bleibt, entsteht keine neue Ordnung. Dann entsteht eine Pause bis zur nächsten Eskalation.

Der geplante Übergang zum NCAG kann nur dann mehr sein als Fassade, wenn drei Dinge gesichert werden: Hamas darf keine eigenen Sicherheitskräfte unter neuem Namen in die neuen Strukturen einschleusen. Internationale Hilfe darf nicht erneut in Netzwerke der Terrororganisation fließen. Und das Prinzip „eine Autorität, ein Recht, eine Waffe“ muss nicht als Formel, sondern als überprüfbare Realität umgesetzt werden.

Cairo soll nun innerhalb kurzer Zeit weitere Gespräche mit palästinensischen Fraktionen, darunter Hamas, ausrichten. Dabei geht es nicht nur um Verwaltungstechnik, sondern um die Machtfrage im Gazastreifen. Wer kontrolliert Polizei, Grenzübergänge, Hilfsgüter, Waffenlager und Wiederaufbau? Wer entscheidet, ob aus Gaza künftig ein ziviler Raum oder erneut ein militärisches Vorfeld gegen Israel wird?

Die internationale Gemeinschaft sollte sich von der Hamas-Ankündigung nicht blenden lassen. Sie kann ein erster Schritt sein. Sie kann aber ebenso ein Versuch sein, Verantwortung abzugeben, Geldflüsse freizuschalten und zugleich den eigenen Einfluss zu retten. Hamas ist erfahren darin, politischen Druck in taktische Zugeständnisse zu verwandeln. Genau deshalb reicht es nicht, den Rücktritt eines Funktionärs als historischen Durchbruch zu verkaufen.

Gaza braucht tatsächlich eine neue Verwaltung. Die Menschen dort brauchen Versorgung, Wiederaufbau, Sicherheit und eine Zukunft ohne Hamas-Herrschaft. Israel braucht Garantien, dass aus dem Gazastreifen nicht erneut Raketen, Tunnel und Kommandostrukturen gegen seine Bürger entstehen. Und die Vermittler brauchen endlich den Mut, den entscheidenden Punkt nicht zu umschiffen: Hamas muss entmachtet werden, nicht nur umbenannt.

Solange ihre Waffen bleiben, bleibt ihre Herrschaft. Solange ihre Leute in Polizei, Verwaltung und Sicherheitsapparat weiterwirken, bleibt das technokratische Komitee gefährdet. Und solange internationale Akteure Versprechen höher bewerten als überprüfbare Schritte, wird Gaza nicht befreit, sondern neu verpackt.




Autor: Redaktion
Dienstag, 07 Juli 2026

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