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Israel arbeitet den 7. Oktober auf, doch die zentrale Untersuchung fehlt noch

Israel arbeitet den 7. Oktober auf, doch die zentrale Untersuchung fehlt noch


Armee, Geheimdienste und Staatskontrolleur haben zahlreiche Fehler untersucht. Offen bleibt eine gemeinsame Kommission, die politische und militärische Verantwortung zusammenführt, ohne Hamas aus der Täterrolle zu entlassen.

Israel arbeitet den 7. Oktober auf, doch die zentrale Untersuchung fehlt noch
Bildnachweis: Hnuden / Quelle

Fast drei Jahre nach dem Massaker vom 7. Oktober7. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen 2023 hat IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen große Teile des militärischen und geheimdienstlichen Versagens untersucht. Kommandeure traten zurück, interne Berichte wurden veröffentlicht, Verantwortlichkeiten benannt und operative Lehren gezogen. Auch der Staatskontrolleur, Gerichte und Ausschüsse der Knesset beschäftigen sich mit den Ereignissen.

Das Bild eines Staates, der sich jeder Aufklärung verweigert, ist deshalb falsch.

Israel hat sich der Frage gestellt, wie HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen seine Grenze durchbrechen, Gemeinden überfallen, mehr als 1.200 Menschen ermorden und 251 Geiseln nach GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen verschleppen konnte. Die israelischen Streitkräfte untersuchten das Verhalten einzelner Einheiten und Kommandostellen. Der Inlandsgeheimdienst überprüfte seine Fehleinschätzungen. Sicherheitsverantwortliche übernahmen persönliche Verantwortung.

Was weiterhin fehlt, ist eine einzige übergreifende Untersuchung, die politische Entscheidungen, Geheimdienstbewertungen und militärische Planungen gemeinsam betrachtet.

Die neuen Hamas-Dokumente machen diese letzte Stufe der Aufarbeitung dringlicher. Sie zeigen, dass Jihia Sinwar zeitweise mit bis zu 10.000 Angreifern und Angriffen auf mehr als 200 israelische Ortschaften und Militärstellungen plante. Am 7. Oktober drangen schließlich mehrere Tausend Terroristen und weitere Angreifer in mehreren Wellen nach Israel ein.

Die Verantwortung dafür liegt ohne jede Einschränkung bei Hamas.

Hamas plante die Invasion, täuschte Israel, ermordete Zivilisten, vergewaltigte Frauen, verschleppte Kinder und setzte bewusst auch die Bevölkerung Gazas den Folgen ihres Krieges aus. Kein israelischer Untersuchungsbericht und keine Kritik an israelischen Entscheidungen darf diese Täterrolle verwischen.

Eine umfassende Aufarbeitung ist deshalb kein Schuldeingeständnis gegenüber Israels Feinden. Sie ist Teil der Stärke des jüdischen Staates.

Viel wurde untersucht, aber noch nicht alles zusammengeführt

Der 7. Oktober war nicht das Ergebnis eines einzigen Fehlers. Versagt haben mehrere Systeme gleichzeitig. Hamas wurde über Jahre als abgeschreckt und an wirtschaftlicher Stabilität interessiert eingeschätzt. Warnzeichen wurden falsch bewertet. Truppen waren nicht in ausreichender Zahl an der Grenze stationiert. Kommunikationswege brachen zusammen. Einige Gemeinden warteten viele Stunden auf Verstärkung.

Die israelischen Streitkräfte konnten diese operativen Fehler innerhalb ihrer eigenen Strukturen untersuchen. Solche internen Untersuchungen sind notwendig, weil nur die Armee detailliert rekonstruieren kann, welche Einheit wann welchen Befehl erhielt, welche Kräfte verfügbar waren und weshalb bestimmte Stellungen überrannt wurden.

Sie haben bereits zu personellen und organisatorischen Konsequenzen geführt.

Doch eine militärische Untersuchung kann nicht allein klären, wie Entscheidungen der Regierung, Einschätzungen des Inlandsgeheimdienstes, politische Strategien gegenüber Gaza und militärische Planungen zusammenwirkten. Ebenso kann eine politische Untersuchung nicht ohne militärisches Fachwissen erklären, weshalb die Verteidigung am Morgen des 7. Oktober zusammenbrach.

Der Staatskontrolleur begann ebenfalls mit umfangreichen Prüfungen. Der Oberste Gerichtshof begrenzte jedoch Teile seiner Arbeit, weil bestimmte Fragen seine gesetzliche Zuständigkeit überschritten oder betroffene Personen nicht ausreichend angehört worden waren.

Auch das ist kein Zeichen dafür, dass Israel nichts untersucht. Es zeigt vielmehr, dass der bestehende Untersuchungsapparat für eine Katastrophe dieser Größenordnung nur teilweise geeignet ist.

Eine zentrale Kommission könnte diese verschiedenen Ebenen zusammenführen. Sie müsste Dokumente aus Regierung, Armee und Geheimdiensten prüfen, Zeugen anhören und widersprüchliche Darstellungen gegeneinander abwägen.

Dabei geht es nicht darum, Israel vor der Welt auf die Anklagebank zu setzen. Es geht darum, Israels Verteidigung zu verbessern.

Der Streit dreht sich um die richtige Kommission

Die politische Auseinandersetzung betrifft vor allem die Frage, wer eine solche Kommission einsetzen und ihre Mitglieder bestimmen soll.

Die Opposition und viele Angehörige der Opfer fordern eine klassische staatliche Untersuchungskommission nach bestehendem israelischem Recht. Ihre Mitglieder würden durch den Präsidenten des Obersten Gerichtshofs ernannt.

Die Regierungskoalition lehnt dieses Modell ab, weil sie der Justiz politische Einseitigkeit vorwirft. Sie unterstützt stattdessen eine Kommission, deren Mitglieder durch die Knesset bestimmt werden sollen.

Beide Seiten berufen sich auf Unabhängigkeit und öffentliche Glaubwürdigkeit. Genau darin liegt der Konflikt.

Eine Kommission, deren Mitglieder von der Regierung oder der Koalition bestimmt werden, könnte den Eindruck erwecken, die politische Führung wähle ihre eigenen Untersucher aus. Eine ausschließlich durch die Spitze der Justiz zusammengestellte Kommission wird wiederum von Teilen der Bevölkerung nicht als politisch neutral angesehen.

Dieses Misstrauen lässt sich nicht einfach ignorieren. Eine Untersuchung, die von einem großen Teil des Landes bereits vor Beginn abgelehnt wird, kann ihre Aufgabe kaum erfüllen.

Israel braucht deshalb ein Verfahren, das weder von der Regierung kontrolliert noch als Instrument ihrer politischen Gegner verstanden wird. Die Mitglieder müssen fachlich geeignet sein und Vertrauen über politische Lager hinweg genießen. Angehörige der Opfer, ehemalige Sicherheitsverantwortliche, Juristen und Vertreter unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen müssen sich darauf verlassen können, dass keine Seite das Ergebnis vorab bestimmt.

Die Regierung hat zudem vorgeschlagen, auch frühere politische Entwicklungen wie die Oslo-Abkommen, den Rückzug aus Gaza und langfristige Strategien gegenüber Hamas einzubeziehen. Diese Vorgeschichte darf nicht ausgeblendet werden. Der Aufstieg der Hamas, der Rückzug aus Gaza, der Raketenkrieg und die jahrelange Politik der Abschreckung gehören zur Erklärung des 7. Oktober.

Der Untersuchungsrahmen darf jedoch nicht so weit ausgedehnt werden, dass die konkreten Entscheidungen der Jahre unmittelbar vor dem Angriff darin verschwinden.

Es muss beides untersucht werden: der langfristige Weg, der Hamas stärkte, und die unmittelbaren Entscheidungen, die Israels Süden am 7. Oktober ungeschützt ließen.

Aufarbeitung ist eine Stärke Israels

Israels Feinde versuchen jede interne Debatte als Beweis für Schwäche, Schuld oder moralisches Versagen darzustellen. Diese Deutung muss zurückgewiesen werden.

Demokratien untersuchen ihre Fehler. Terrororganisationen tun das nicht.

Hamas wird keine unabhängige Kommission einsetzen, die ihre Morde, Vergewaltigungen, Geiselnahmen und den Missbrauch der Bevölkerung Gazas untersucht. Das iranische Regime wird keine freie Aufarbeitung seiner Finanzierung und Bewaffnung der Hamas zulassen. Die Täter arbeiten mit PropagandaDesinformation: Gezielte Täuschung der ÖffentlichkeitDesinformation bezeichnet bewusst verbreitete falsche oder irreführende Informationen. Ziel ist häufig, Menschen zu täuschen, Vertrauen zu zerstören, Konflikte zu verschärfen oder politische Entscheidungen zu beeinflussen.Mehr lesen, Vertuschung und Gewalt.

Israel dagegen führt eine offene, teilweise schmerzhafte Debatte über Verantwortung.

Diese Debatte ist kein Geschenk an Israelhasser. Sie ist der Unterschied zwischen einem demokratischen Staat und einer Terrororganisation.

Die Angehörigen der Ermordeten, die Überlebenden, die ehemaligen Geiseln und die Soldaten haben Anspruch auf vollständige Antworten. Sie müssen erfahren, welche Warnungen vorlagen, wie Entscheidungen getroffen wurden und weshalb Hilfe in vielen Orten so spät eintraf.

Eine zentrale Untersuchung sollte deshalb nicht als Abrechnung mit Israel formuliert werden. Sie muss Teil des Wiederaufbaus israelischer Sicherheit sein.

Hamas hat Israel am 7. Oktober angegriffen und das schwerste Massaker an Juden seit der SchoahShoah: Der nationalsozialistische Mord an sechs Millionen JudenShoah ist der hebräische Begriff für die Katastrophe der Vernichtung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland und seine Helfer. Rund sechs Millionen Juden wurden ermordet.Mehr lesen verübt. Israel hat seitdem militärisch reagiert, seine Verteidigung verändert und zahlreiche interne Fehler untersucht.

Nun fehlt noch der letzte Schritt: eine glaubwürdige gemeinsame Untersuchung, die alle Ebenen zusammenführt und daraus klare Lehren für die Zukunft zieht.

Nicht weil Israels Feinde es verlangen.

Sondern weil Israel seinen Bürgern verpflichtet ist.




Autor: Redaktion
Dienstag, 14 Juli 2026

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