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Nach Gespräch mit Netanjahu: Trump fordert Israels Rückzug aus Syrien und dem Libanon

Nach Gespräch mit Netanjahu: Trump fordert Israels Rückzug aus Syrien und dem Libanon


Donald Trump verlangt nach Medienberichten eine israelische Neuaufstellung in Syrien und im Libanon. Doch ein Rückzug ohne wirksame Sicherheitsgarantien könnte genau jene Gefahr zurückbringen, die Israel nach dem 7. Oktober nicht länger hinnehmen will.

Nach Gespräch mit Netanjahu: Trump fordert Israels Rückzug aus Syrien und dem Libanon
Bildnachweis: The White House / Quelle

US-Präsident Donald Trump erhöht offenbar den Druck auf IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen, seine militärische Präsenz in Syrien und im Libanon zu verringern. Nach einem Bericht des amerikanischen Nachrichtenportals Axios soll Trump Ministerpräsident Benjamin Netanjahu während eines Telefongesprächs aufgefordert haben, mit einer Verlegung israelischer Truppen aus syrischem Gebiet zu beginnen und auch im Libanon weitere Rückzugsschritte einzuleiten. Ein amerikanischer Regierungsvertreter gab Trumps Botschaft mit den Worten wieder: „Sie wollen euch dort nicht. Ihr solltet eure Kräfte neu aufstellen.“

Die Darstellung ist jedoch nicht unumstritten. Während Axios von einer deutlichen amerikanischen Forderung spricht, berichtete Israel Hayom unter Berufung auf zwei mit den Gesprächen vertraute Personen, Trump habe die syrische Forderung nach einem israelischen Rückzug lediglich als mögliches Ziel künftiger Verhandlungen übermittelt. Er habe sie demnach nicht ausdrücklich als eigene amerikanische Forderung präsentiert. Das Büro des israelischen Ministerpräsidenten bezeichnete die zugespitzte Wiedergabe des Gesprächs als verzerrt und erklärte, Netanjahu habe Trump die Notwendigkeit israelischer Sicherheitsstreifen sowohl in Syrien als auch im Libanon erläutert. Das Weiße Haus bestätigte den Inhalt des Gesprächs nicht, dementierte den Bericht aber ebenfalls nicht.

Auch innerhalb der israelischen Streitkräfte sorgte der Bericht offenbar für Überraschung. Militärische Quellen erklärten gegenüber der JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen Post, ihnen sei das beschriebene Gespräch nicht bekannt gewesen. Vor Ort gebe es bislang weder eine Veränderung der israelischen Aufstellung noch Anzeichen für einen unmittelbar bevorstehenden Abzug. Das ist entscheidend: Bislang handelt es sich um politischen Druck und diplomatische Gespräche, nicht um einen bereits beschlossenen Rückzug.

Washington sieht Chancen, Israel sieht offene Gefahren

Trumps Vorstoß kam einen Tag nach seinem Treffen mit dem syrischen Präsidenten Ahmed al-Scharaa am Rande des Gipfeltreffens der NATO in Ankara. Der amerikanische Präsident setzt zunehmend auf eine politische Einbindung der neuen Führung in Damaskus. Washington betrachtet al-Scharaa offenbar als möglichen Partner für die Stabilisierung Syriens, die Schwächung iranisch gelenkter Gruppen und langfristig vielleicht sogar für eine regionale Annäherung an Israel. Die Vereinigten Staaten streben deshalb eine Wiederaufnahme der israelisch-syrischen Gespräche an.

Aus amerikanischer Sicht könnte die israelische Präsenz in der syrischen Pufferzone zum Hindernis werden. Trump befürchtet nach Angaben amerikanischer Regierungsvertreter, dass militärische Zwischenfälle zwischen israelischen Soldaten, syrischen Kräften und Bewohnern der angrenzenden Ortschaften die neue Ordnung in Damaskus gefährden könnten. Die Jerusalem Post argumentiert in einer Analyse sogar, für Israel bestehe derzeit kein zwingender taktischer Grund, den täglichen Druck auf syrische Ortschaften entlang der Pufferzone aufrechtzuerhalten. Stattdessen könne Jerusalem mit den neuen syrischen Sicherheitskräften zusammenarbeiten.

Diese Sichtweise klingt auf dem Papier vernünftig. Sie setzt jedoch voraus, dass die Führung in Damaskus zuverlässig handeln kann, ihre eigenen Streitkräfte kontrolliert, Minderheiten schützt und bewaffnete Gruppen von der israelischen Grenze fernhält. Genau daran bestehen in Israel erhebliche Zweifel. Nach Angaben von Israel Hayom hält Jerusalem al-Scharaa bislang nicht für ausreichend stark, um iranisch unterstützte Terrorgruppen und andere bewaffnete Verbände dauerhaft zu entwaffnen. Hinzu kommen Berichte über das gewaltsame Vorgehen seiner Kräfte gegen Drusen und Kurden.

Besonders schwer wiegt die wachsende Rolle der Türkei. Der israelische öffentlich-rechtliche Sender Kan berichtete, Ankara sei bereits am Aufbau der neuen syrischen Armee und militärischer Einrichtungen beteiligt. Ein israelischer Sicherheitsvertreter bezeichnete eine tiefere türkische Verankerung in Syrien als eine Frage der Zeit. Israel müsste bei einem Rückzug daher nicht nur auf al-Scharaas Zusagen vertrauen. Es müsste darauf hoffen, dass weder türkische Streitkräfte noch von Ankara geförderte Verbände, iranische Zellen oder andere islamistische Gruppen das entstehende Machtvakuum nutzen.

Die israelische Präsenz begann nach dem Zusammenbruch des Assad-Regimes im Dezember 2024. Die Armee besetzte damals Teile der seit 1974 bestehenden Pufferzone sowie strategisch wichtige Höhen am Hermon. Ziel war es, WaffenlagerTerrorinfrastruktur: Wie Terrorgruppen Krieg in zivile Räume verlagernTerrorinfrastruktur bezeichnet Einrichtungen, Netzwerke und Strukturen, die Terrororganisationen für Angriffe, Waffenlagerung, Kommandoführung, Ausbildung, Raketenbeschuss, Tunnelbau oder Logistik nutzen. Besonders gefährlich wird sie, wenn sie in Wohngebieten, Schulen, Moscheen oder Krankenhäusern versteckt wird.Mehr lesen zu sichern, feindliche Kräfte von der Grenze fernzuhalten und zu verhindern, dass die unklare Lage in Syrien für einen überraschenden Angriff auf den Norden Israels genutzt wird. Das israelische Außenministerium erklärte bereits 2025, Israel habe keine territorialen Ziele in Syrien, werde jedoch keine unkontrollierte terroristische Bedrohung unmittelbar an seiner Grenze dulden.

Vor dem 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen vertraute Israel ebenfalls auf Grenzanlagen, Frühwarnsysteme, internationale Absprachen und die Annahme, dass ein Gegner durch wirtschaftliche Interessen oder militärische Abschreckung von einem Großangriff abgehalten werde. Diese Annahme endete in einem Massaker. Seitdem gilt in Jerusalem eine andere Grundregel: Ein feindlicher Angriffsraum darf nicht unmittelbar an israelische Häuser, Straßen und Gemeinden heranreichen.

Ein Rückzug aus Syrien kann daher nur das Ergebnis eines belastbaren Sicherheitsabkommens sein. Dazu gehören eine dauerhaft entmilitarisierte Zone im Süden Syriens, überprüfbare Beschränkungen für syrische und ausländische Streitkräfte, ein Ausschluss iranischer und türkischer Militärstrukturen, ein wirksamer Schutz der Drusen sowie die ausdrückliche Freiheit Israels, gegen unmittelbar entstehende Gefahren vorzugehen. Diplomatische Hoffnungen allein reichen nicht aus.

Im Libanon entscheidet die Entwaffnung der Hisbollah

Noch deutlicher ist die Lage im Libanon. Dort geht es nicht um eine theoretische Gefahr, sondern um eine Terrororganisation, die über Jahre ein eigenes Raketenarsenal, Tunnel, Waffenlager, Kommandoeinheiten und militärische Stellungen entlang der israelischen Grenze aufgebaut hat. Die HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen begann am 8. Oktober 2023 mit Angriffen auf Israel und zwang Zehntausende Bewohner des Nordens, ihre Häuser zu verlassen.

Israel und der Libanon unterzeichneten am 26. Juni 2026 in Washington ein von den Vereinigten Staaten vermitteltes Rahmenabkommen. Es sieht einen schrittweisen israelischen Rückzug aus bestimmten Gebieten vor. Im Gegenzug soll die libanesische Armee die Kontrolle übernehmen und die militärische Infrastruktur der Hisbollah beseitigen. Zunächst wurden zwei Gebiete als Versuchszonen vorgesehen. Israel soll sich dort zurückziehen, nachdem die Zerstörung der terroristischen Einrichtungen abgeschlossen und eine wirksame Übernahme durch die libanesischen Streitkräfte gewährleistet ist.

Genau diese Reihenfolge darf nicht umgekehrt werden. Ein israelischer Abzug darf keine Vorleistung sein, die anschließend mit neuen Versprechen aus Beirut beantwortet wird. Die libanesische Regierung muss beweisen, dass ihre Armee nicht nur israelische Stellungen übernehmen, sondern auch Waffenlager räumen, Tunnel zerstören, Raketenstellungen beseitigen und die Rückkehr der Hisbollah verhindern kann.

Die Hisbollah selbst hat das Abkommen bereits zurückgewiesen. Ihr Generalsekretär Naim Kassem bezeichnete es als demütigend und erklärte, seine Organisation werde weiterhin Druck ausüben. Solange die Terrororganisation ihre Waffen behalten, staatliche Entscheidungen blockieren und erneut militärische Strukturen im Süden aufbauen kann, wäre ein vollständiger israelischer Rückzug kein Friedensschritt. Er wäre eine Einladung zur nächsten Aufrüstung.

Trump verfolgt ein nachvollziehbares Ziel. Er will die Kämpfe beenden, Syrien politisch stabilisieren, die libanesische Regierung stärken und eine neue regionale Ordnung schaffen. Doch eine schnelle diplomatische Lösung darf nicht auf Kosten jener Menschen entstehen, die im Norden Israels leben. Für sie ist ein Sicherheitsstreifen keine Linie auf einer Karte. Er ist der Abstand zwischen einer bewaffneten Terrorgruppe und ihrem Schlafzimmer.

Die Vereinigten Staaten können Israel zu Verhandlungen drängen. Sie können Garantien anbieten, Beobachter entsenden und wirtschaftlichen Druck auf Damaskus und Beirut ausüben. Was Washington jedoch nicht verlangen darf, ist blindes Vertrauen in Regierungen, die ihre eigenen Gebiete und bewaffneten Gruppen bislang nicht vollständig kontrollieren.

Israel sollte jede ernsthafte Gelegenheit zu einem Abkommen nutzen. Es muss aber an einer einfachen Bedingung festhalten: Erst müssen die Gefahren verschwinden, dann können die Soldaten gehen. Nicht umgekehrt. Der 7. Oktober hat gezeigt, welchen Preis Israel bezahlt, wenn politische Hoffnung mit tatsächlicher Sicherheit verwechselt wird.




Autor: Redaktion
Mittwoch, 15 Juli 2026

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