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Israels Tunneljäger zerstören Irans unterirdische Kriegsmaschine

Israels Tunneljäger zerstören Irans unterirdische Kriegsmaschine


Tief unter Wohnhäusern baute die Hisbollah mit iranischer Hilfe Kommandozentralen, Raketenstellungen und Drohnenwerkstätten. Israels Spezialeinheit Yahalom legt das Tunnelreich frei und zerstört es mit gewaltigem Aufwand.

Israels Tunneljäger zerstören Irans unterirdische Kriegsmaschine
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Was Israels Soldaten unter dem südlibanesischen Ort Majdal Zoun entdeckten, war kein improvisierter Schutzraum. Das Tunnelsystem war Teil einer über Jahre aufgebauten militärischen Infrastruktur der HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen. Es bot Platz für Waffen, Drohnen, Sprengstoff und Kämpfer, besaß schwere Stahltore und war für längere Aufenthalte unter der Erde vorbereitet.

Ein Kommandeur der auf unterirdische Anlagen spezialisierten Einheit S-2 der israelischen Elitepioniereinheit Yahalom hat gegenüber Walla geschildert, wie aufwendig die Suche, Räumung und anschließende Zerstörung solcher Anlagen ist. Sein Name wird aus Sicherheitsgründen nur mit dem hebräischen Anfangsbuchstaben D. angegeben.

Die Spezialeinheit hatte vor dem 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen vor allem mit Sprengstoffbeseitigung zu tun. Seit Beginn des Krieges konzentriert sie sich verstärkt auf die Ortung, Vermessung und Vernichtung unterirdischer TerrorinfrastrukturTerrorinfrastruktur: Wie Terrorgruppen Krieg in zivile Räume verlagernTerrorinfrastruktur bezeichnet Einrichtungen, Netzwerke und Strukturen, die Terrororganisationen für Angriffe, Waffenlagerung, Kommandoführung, Ausbildung, Raketenbeschuss, Tunnelbau oder Logistik nutzen. Besonders gefährlich wird sie, wenn sie in Wohngebieten, Schulen, Moscheen oder Krankenhäusern versteckt wird.Mehr lesen im GazastreifenPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen und im südlichen Libanon.

Allein die Suche nach einem Tunnel bei Majdal Zoun dauerte dem Kommandeur zufolge fünf Tage. Solche Anlagen lassen sich nicht zuverlässig anhand eines einzelnen Eingangs erkennen. Die Soldaten gleichen Geheimdienstinformationen, frühere Bewegungen von Hisbollah-Terroristen, Drohnenaufnahmen und auffällige Veränderungen im Gelände miteinander ab.

Mitunter zeigt der Geheimdienst lediglich ein größeres Suchgebiet an. Erst die Arbeit der Soldaten vor Ort führt zum Zugang.

Vier Stahltore und 84 Tonnen Sprengstoff

Nach dem Auffinden beginnt der gefährlichste Teil der Operation. Die ursprünglichen Eingänge können mit Sprengfallen versehen oder nach israelischen Luftangriffen verschüttet sein. In Majdal Zoun mussten die Soldaten nach Angaben des Kommandeurs zunächst Stahl- und Betonreste entfernen, die durch einen früheren Luftangriff von Decke und Wänden auf den Boden gestürzt waren.

Im Inneren stießen sie demnach auf vier massive Stahltore. Jedes soll zwischen fünf und sieben Tonnen gewogen haben. Für ihre Entfernung musste die Einheit besondere technische Lösungen und kleinere Baumaschinen tief in das Einsatzgebiet und anschließend unter die Erde bringen.

Die israelischen Streitkräfte bestätigten bereits im Juni die Entdeckung einer mehr als 200 Meter langen und über 25 Meter tiefen Tunnelanlage unter Majdal Zoun. Sie verfügte nach Armeeangaben über zwölf Räume und vier Abschussöffnungen in Richtung IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen. Darin befanden sich Hunderte Waffen, Sprengsätze, Panzerabwehrraketen und unbemannte Fluggeräte.

In israelischen Berichten ist außerdem von einer größeren unterirdischen Infrastruktur mit einer Länge von 538 Metern die Rede. Da die offiziellen Mitteilungen der Armee für einzelne Anlagen beziehungsweise Teilstrecken unterschiedliche Längen nennen, müssen die Angaben voneinander getrennt betrachtet werden. Gesichert ist, dass in der Umgebung von Majdal Zoun mehrere Tunnelrouten entdeckt wurden.

Bei einer späteren Operation meldete die israelische Armee zwei weitere Strecken mit einer gemeinsamen Länge von etwa 200 Metern und einer Tiefe von ungefähr 20 Metern.

D. beschrieb einen Tunnel als etwa drei Meter hoch und dreieinhalb Meter breit. Die Hisbollah hatte dort nicht nur Waffen eingelagert. Nach seinen Angaben befand sich in der Anlage auch eine Werkstatt zur Montage von Drohnen für die Hisbollah-Einheit 127, die für den Einsatz unbemannter Luftfahrzeuge zuständig ist.

Israelische Berichte sprechen von 50 iranischen Drohnen, die in einer unterirdischen Anlage bei Majdal Zoun gefunden worden seien. Acht Tonnen Sprengstoff sollen in einem weiteren Bereich zurückgelassen worden sein. Solche Zahlen beruhen teilweise auf Aussagen beteiligter Soldaten und sind nicht in allen Einzelheiten durch separate offizielle Veröffentlichungen bestätigt. Sie verdeutlichen dennoch die militärische Funktion der Anlagen.

Für die Zerstörung eines besonders großen Tunnels seien in einer Nacht 140 Lastwagen mit insgesamt 84 Tonnen eines besonderen Sprengmaterials aus Israel in das Einsatzgebiet gefahren, sagte der Kommandeur. Rund 50 Soldaten hätten die Ladung innerhalb einer Nacht abgeladen und in der Anlage verteilt. Ursprünglich sei dafür mit vier Arbeitstagen gerechnet worden.

Diese Dimension zeigt, warum Tunnel nicht einfach durch einen einzelnen Luftangriff beseitigt werden können. Tief in Fels und Erdreich gebaute Anlagen müssen zunächst eingenommen, vollständig untersucht, vermessen und an zahlreichen Stellen mit Sprengstoff präpariert werden. Andernfalls bleiben Teilstrecken erhalten und können später wieder genutzt werden.

Während Soldaten unter der Erde arbeiten, sichern weitere Kräfte die Umgebung gegen Panzerabwehrraketen, Drohnen und Angriffe von Hisbollah-Terroristen. Eine besondere Rettungsgruppe steht bereit, um Verwundete aus der Tiefe zu bergen. Ihre Mitglieder beherrschen neben Sprengtechnik auch Abseilen, Klettern und die Rettung mit Seilwinden.

Iran baute keine Bunker, sondern ein Angriffssystem

Die entdeckten Anlagen widerlegen die Behauptung, bei den Hisbollah-Tunneln handle es sich lediglich um Schutzbunker. Einige wurden als Kommandozentralen genutzt, andere als Lager, Beobachtungsposten oder Ausgangspunkte für Raketen, Panzerabwehrwaffen und Drohnen.

Die Tunnel verfügen über Stromversorgung, Generatoren, Wasserbehälter, Lebensmittel, Matratzen und teilweise Solaranlagen. Sie wurden für den monatelangen Aufenthalt von Terroristen vorbereitet. Mehrere Ein- und Ausgänge ermöglichten es, unterschiedliche Waffensysteme aus derselben Anlage einzusetzen.

Am Beaufort-Rücken entdeckte die israelische Armee ein weiteres von Iran geplantes und finanziertes Tunnelsystem, das nur sechs Kilometer von Metula entfernt lag. Ein Tunnel war ungefähr einen Kilometer lang. In dem Komplex befanden sich Wohnräume, Küchen, Duschen, medizinische Einrichtungen, Waffenlager und Abschusspositionen. Hunderte Hisbollah-Terroristen sollten dort gleichzeitig operieren können.

Die Anlagen lagen in oder unter zivilen Gebieten. In Majdal Zoun befand sich die Infrastruktur nach israelischen Angaben in der Nähe von Wohnhäusern, einer Schule und einer Moschee. Das ist kein zufälliger Nebeneffekt. Die Hisbollah integriert ihre militärischen Einrichtungen gezielt in das zivile Umfeld und setzt damit die libanesische Bevölkerung einem erheblichen Risiko aus.

Dahinter steht eine iranische Strategie. Teheran lieferte Geld, technisches Wissen, Waffen und Drohnen. Die Hisbollah verwandelte Teile des südlichen Libanon in eine vorbereitete Angriffszone gegen israelische Ortschaften. Der libanesische Staat war über Jahre nicht willens oder nicht in der Lage, diese Infrastruktur zu beseitigen.

Der Bau begann nicht erst nach dem 7. Oktober. Seit dem Krieg von 2006 investierten Iran und Hisbollah in ein unterirdisches System, das israelische Luftangriffe überstehen und den fortgesetzten Beschuss Nordisraels ermöglichen sollte. Die Terrororganisation konnte sich darauf verlassen, dass internationale Beobachter zwar auf israelische Einsätze reagierten, ihr militärischer Ausbau unter zivilen Ortschaften aber weitgehend folgenlos blieb.

Genau deshalb wäre es ein Fehler, Israels Operation vor der vollständigen Zerstörung dieser Infrastruktur zu beenden. Ein israelischer Rückzug ohne verlässliche Entwaffnung der Hisbollah würde der Terrororganisation lediglich Zeit geben, blockierte Eingänge freizuräumen, neue Schächte anzulegen und die verbliebenen Tunnel erneut auszurüsten.

Die Sprengungen richten sich nicht gegen den Libanon. Sie beseitigen ein vom iranischen Regime finanziertes Angriffssystem, das vom libanesischen Boden aus gegen Israel aufgebaut wurde. Jeder zerstörte Tunnel nimmt der Hisbollah einen Teil ihrer Fähigkeit, israelische Gemeinden zu beobachten, zu beschießen und Terroristen geschützt an die Grenze heranzuführen.

Die Soldaten von Yahalom zerstören deshalb nicht nur Beton und Fels. Sie demontieren Irans unterirdischen Krieg gegen Israel.




Autor: Redaktion
Sonntag, 19 Juli 2026

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