Illegale Vorstöße und brennende Moscheen: Extremisten gefährden Israels SoldatenIllegale Vorstöße und brennende Moscheen: Extremisten gefährden Israels Soldaten
Israelische Sicherheitsvertreter werfen radikalen Gruppen vor, bewusst ohne Abstimmung in palästinensische Ortschaften einzudringen. Nach zwei israelischen Todesopfern und einer Nacht der Brandanschläge wächst der Druck auf Armee und Regierung.

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IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen befindet sich in einem MehrfrontenkriegSicherheitsdoktrin Israels: Abschreckung, Frühwarnung und ÜberlebenDie Sicherheitsdoktrin Israels beschreibt die Grundsätze, mit denen der Staat seine Existenz schützt. Klassisch beruht sie auf Abschreckung, Frühwarnung und schneller militärischer Entscheidung, später ergänzt durch Verteidigungssysteme.Mehr lesen, bekämpft palästinensische TerrorzellenTerrorinfrastruktur: Wie Terrorgruppen Krieg in zivile Räume verlagernTerrorinfrastruktur bezeichnet Einrichtungen, Netzwerke und Strukturen, die Terrororganisationen für Angriffe, Waffenlagerung, Kommandoführung, Ausbildung, Raketenbeschuss, Tunnelbau oder Logistik nutzen. Besonders gefährlich wird sie, wenn sie in Wohngebieten, Schulen, Moscheen oder Krankenhäusern versteckt wird.Mehr lesen in Judäa und SamariaJudäa und Samaria: Israels historisches Kernland im politischen StreitJudäa und Samaria bezeichnen historische Landschaften zwischen Jerusalem, dem Jordantal und den zentralen Höhenzügen des Landes Israel. In Israel ist der Begriff gebräuchlich. International wird das Gebiet oft anders bezeichnet und politisch als umstritten eingeordnet.Mehr lesen und muss seine Kräfte gleichzeitig in GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen, an der libanesischen Grenze und gegen Iran bereithalten. Gerade in einer solchen Lage ist es unverantwortlich, Soldaten durch bewusst herbeigeführte Zwischenfälle zusätzlich zu binden und ihr Leben für private oder politische Aktionen zu riskieren.
Führende Vertreter des israelischen Sicherheitsapparats erheben deshalb schwere Vorwürfe gegen radikale Gruppen aus dem Umfeld der Siedlungsbewegung. Nach ihren Angaben dringen Israelis wiederholt ohne Abstimmung mit der Armee in palästinensische Ortschaften der Gebiete A und B ein. Die Aktionen würden als Wanderungen oder Ausflüge bezeichnet. Sobald es zu Zusammenstößen komme, werde die Armee gerufen, um die Teilnehmer herauszuholen.
Ein Sicherheitsvertreter bezeichnete dieses Vorgehen gegenüber N12 als bewusste Methode. In den vergangenen Wochen habe es Dutzende vergleichbarer Fälle gegeben. Dabei würden nicht nur die beteiligten Israelis gefährdet. Soldaten müssten in Ortschaften vorrücken, in denen jederzeit Schüsse, Sprengsätze, Steinwürfe oder Entführungsversuche drohen könnten.
Das ist keine mutige Erschließung des Landes und kein verantwortliches Eintreten für jüdische Rechte. Wer ohne militärische Abstimmung in ein feindliches Umfeld eindringt und anschließend erwartet, dass Soldaten ihn unter Lebensgefahr retten, handelt leichtfertig und missbraucht die Armee für eigene politische Ziele.
Zwei Tote nach einem nicht abgestimmten Eindringen
Die Kritik richtet sich besonders auf den tödlichen Zwischenfall vom Freitag in der palästinensischen Ortschaft Tell, südwestlich von Nablus. Eine Gruppe von Israelis war in das Gebiet eingedrungen, ohne den Besuch mit der Armee abzustimmen. Nach Angaben des Militärs sind Israelis grundsätzlich nicht berechtigt, ohne Genehmigung in die entsprechenden Gebiete einzureisen.
Bei der anschließenden Auseinandersetzung gelang es einem Palästinenser, einem Angehörigen der örtlichen israelischen Sicherheitskräfte ein Sturmgewehr zu entreißen. Der Angreifer eröffnete damit das Feuer und tötete den 32-jährigen ReservistenReservisten: Israels Bürger in UniformReservisten sind frühere Soldaten, die nach ihrem aktiven Dienst weiter für Einsätze, Übungen oder Kriegsfälle bereitstehen. In Israel heißen sie im Alltag oft Miluim und sind für die Verteidigungsfähigkeit des Landes besonders wichtig.Mehr lesen Benayahu Mellet sowie Major Yuval Ezra, einen 27 Jahre alten Batteriekommandeur der Artillerie. Weitere Israelis wurden verletzt. Vier Palästinenser kamen in dem folgenden Feuergefecht ums Leben. Die genaue Beteiligung der einzelnen Personen und das Verhalten der eingesetzten Kräfte werden weiter untersucht.
Für die Ermordung der beiden Israelis trägt der palästinensische Schütze die unmittelbare Verantwortung. Ein nicht abgestimmter Aufenthalt in einer palästinensischen Ortschaft rechtfertigt weder einen Angriff noch den Raub einer Waffe und schon gar nicht die Erschießung von Israelis.
Diese klare Schuldzuweisung darf jedoch nicht dazu führen, die vorhergehenden Entscheidungen auszublenden. Die Armee musste ausrücken, weil israelische Zivilisten ein Gebiet betreten hatten, in dem sie sich ohne Abstimmung nicht aufhalten sollten. Major Ezra wurde an einen Einsatzort gerufen, den es ohne dieses eigenmächtige Vorgehen möglicherweise nicht gegeben hätte.
Das macht die Teilnehmer nicht zu Tätern des palästinensischen Angriffs. Es macht ihr Verhalten aber nicht weniger verantwortungslos.
Nach Angaben von N12 geht der Sicherheitsapparat inzwischen davon aus, dass solche Aktionen gezielt organisiert werden. Die Teilnehmer dringen demnach in palästinensische Dörfer oder in Gebiete unter palästinensischer Verwaltung ein und schaffen damit Situationen, in denen eine militärische Rettungsaktion fast vorhersehbar wird. Sicherheitsvertreter werfen einzelnen Politikern vor, dieses Verhalten zumindest politisch zu unterstützen oder nicht entschieden genug dagegen vorzugehen.
Die Führung der Siedlungsbewegung muss sich deshalb deutlich äußern. Hunderttausende Israelis leben friedlich in Judäa und Samaria, leisten Militärdienst, schützen ihre Familien und sind selbst immer wieder Ziel palästinensischer Anschläge. Es wäre falsch und unfair, sie mit einer kleinen Gruppe radikaler Aktivisten gleichzusetzen.
Gerade deshalb müssen ihre gewählten Vertreter jene isolieren, die jüdische Gemeinden als Ausgangspunkt für gesetzlose Aktionen missbrauchen. Schweigen schützt nicht die Siedlungsbewegung. Es überlässt ihr öffentliches Bild denjenigen, die Soldaten in gefährliche Einsätze zwingen und anschließend weitere Gewalt auslösen.
Die Folgen treffen bereits die gesamte israelische Armee. Nach Angaben israelischer Sicherheitsvertreter wurden allein in den vergangenen drei Wochen drei zusätzliche Bataillone nach Nord-Samaria verlegt, um neu errichtete Außenposten und die angespannte Region zu sichern. Die Einheiten sollten zuvor aus Einsätzen in Gaza und im Libanon herausgelöst werden und nach fast drei Jahren anhaltender Kämpfe Zeit zur Erholung und Ausbildung erhalten.
Stattdessen bleiben die Soldaten im Einsatz.
Das beeinträchtigt nicht nur ihre persönliche Belastbarkeit. Einheiten, die nicht trainieren, Ausrüstung warten und neue Kräfte eingliedern können, verlieren langfristig an Einsatzbereitschaft. Wer immer neue Außenposten ohne ausreichende Abstimmung errichtet oder gewollt Konflikte auslöst, bindet damit Kräfte, die an anderen Fronten fehlen.
Palästinensische Terrororganisationen profitieren von jeder israelischen Einheit, die von der Terrorbekämpfung abgezogen und zur Bewachung einer eigenmächtigen Aktion eingesetzt werden muss.
Brandanschläge sind Terror und kein „Preisschild“
In der Nacht zum Sonntag kam es nach palästinensischen Angaben zu einer Reihe von Vergeltungsangriffen in mehreren Ortschaften. In Qusra wurde eine Moschee in Brand gesetzt. An den Wänden befand sich die hebräische Aufschrift „Rache für Benayahu“, offenbar als Bezug auf den ermordeten Benayahu Mellet.
Die israelische Armee bestätigte, dass Soldaten nach Qusra entsandt wurden und dort Brandspuren sowie hebräische Schmierereien feststellten. Die Verdächtigen waren vor dem Eintreffen der Truppen geflohen.
Auch aus Kur bei Tulkarm wurde die Brandstiftung an einer Moschee gemeldet. Dort soll die Parole „Jüdisches Blut ist nicht herrenlos“ aufgesprüht worden sein. In einem Steinbruch bei Ein Samiya wurden Baumaschinen in Brand gesetzt. In Beit Furik versuchten Unbekannte nach palästinensischen Berichten, ein Wohnhaus anzuzünden, während sich eine Familie darin befand. Benzin soll auf eine Tür und ein Fenster gegossen worden sein. Der Brandversuch scheiterte, verletzt wurde nach ersten Angaben niemand.
Die Identität sämtlicher Täter muss von Polizei und Sicherheitsbehörden festgestellt werden. Solange keine Festnahmen und gerichtlichen Entscheidungen vorliegen, darf nicht jeder Vorwurf automatisch als erwiesen gelten.
Sollten sich die Berichte jedoch bestätigen, handelt es sich nicht um politischen Protest und nicht um eine hinnehmbare Reaktion auf palästinensischen Terror. Wer eine Moschee anzündet, begeht einen Angriff auf ein Gotteshaus. Wer versucht, ein bewohntes Haus in Brand zu setzen, nimmt den Tod einer Familie in Kauf. Ein solcher Täter ist kein Verteidiger Israels, sondern ein Terrorist.
Der Begriff „Preisschild-Aktion“ verharmlost solche Verbrechen. Er klingt nach Sachbeschädigung oder einer politischen Botschaft. Tatsächlich können Brandanschläge auf Gotteshäuser und Wohnhäuser Menschen töten, religiöse Gewalt auslösen und ganze Regionen in einen neuen Kreislauf aus Rache und Gegengewalt treiben.
Das israelische Bündnis Tag Meir bezeichnete die Verantwortlichen für den Angriff in Qusra als „jüdische Terroristen“. Nach Angaben der Organisation wurden seit Mitte Juni 2026 sieben Moscheen in Judäa und Samaria angezündet oder geschändet. Diese Zahl stammt von der Organisation und bedarf für jeden einzelnen Fall einer behördlichen Prüfung. Der grundsätzliche Befund ist dennoch alarmierend: Eine Serie religiös und nationalistisch aufgeladener Angriffe gefährdet Israels SicherheitStaatsräson: Bedeutung und Israels SicherheitStaatsräson meint ein grundlegendes Staatsinteresse, das als besonders wichtig für Bestand, Sicherheit oder Verantwortung eines Staates gilt. In Deutschland wird der Begriff häufig mit der Sicherheit Israels verbunden.Mehr lesen und seinen Rechtsstaat.
Israel darf bei der Bekämpfung von Terror keinen doppelten Maßstab anwenden. Ein palästinensischer Angreifer, der einen Israeli ersticht oder erschießt, ist ein Terrorist. Ein Jude, der ein palästinensisches Wohnhaus mit einer Familie darin anzünden will, ist ebenfalls ein Terrorist.
Die Ziele und politischen Erzählungen mögen verschieden sein. Die Bereitschaft, unschuldige Menschen anzugreifen, bleibt dieselbe.
Eine entschlossene Verfolgung jüdischer Extremisten schwächt den israelischen Anspruch auf Judäa und Samaria nicht. Sie stärkt ihn. Ein Staat, der seine historischen und sicherheitspolitischen Rechte verteidigt, muss zugleich beweisen, dass diese Rechte nicht zur Rechtfertigung privater Gewalt missbraucht werden dürfen.
Die Angriffe helfen weder den Bewohnern von Judäa und Samaria noch den Familien der Ermordeten. Sie schaffen neue Fronten, zwingen die Armee zu zusätzlichen Einsätzen, liefern Israels Gegnern Bilder für ihre PropagandaDesinformation: Gezielte Täuschung der ÖffentlichkeitDesinformation bezeichnet bewusst verbreitete falsche oder irreführende Informationen. Ziel ist häufig, Menschen zu täuschen, Vertrauen zu zerstören, Konflikte zu verschärfen oder politische Entscheidungen zu beeinflussen.Mehr lesen und lenken Kräfte von der eigentlichen Aufgabe ab: der Bekämpfung palästinensischer Terrorzellen.
Vor dem Hintergrund der eskalierenden Lage ordnete der Kommandeur des Zentralkommandos ein vorläufiges Verbot für palästinensische Arbeiter an, israelische Ortschaften in Judäa und Samaria zu betreten. Auf Baustellen außerhalb der Ortschaften soll eine Beschäftigung nur mit ausdrücklicher Ausnahmegenehmigung möglich sein. Industriegebiete sollen dagegen zunächst weiter zugänglich bleiben. Diese Entscheidung zeigt, wie groß die Angst vor weiteren Anschlägen und Vergeltungstaten inzwischen ist.
Zwei israelische Soldaten sind tot. Mehrere Moscheen und Fahrzeuge wurden angegriffen. Eine Familie entging offenbar nur knapp einem Brandanschlag. Drei weitere Bataillone müssen eine Region sichern, während ihre Kameraden an anderen Fronten kämpfen.
Wer in dieser Lage bewusst weitere Konflikte provoziert, handelt nicht im Interesse Israels.
Er gefährdet seine Soldaten, seine Bürger und den Staat, den er angeblich verteidigen will.
Autor: Redaktion
Sonntag, 26 Juli 2026