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Türkische Einflussoperation soll Israels Wahlkampf spalten

Türkische Einflussoperation soll Israels Wahlkampf spalten


Israelische Sicherheitsbehörden warnen vor türkischen Aktivitäten in sozialen Netzwerken. Ziel soll es sein, gesellschaftliche Konflikte zu verschärfen, das Vertrauen in die Wahl zu beschädigen und den politischen Prozess zu stören.

Türkische Einflussoperation soll Israels Wahlkampf spalten
Bildnachweis: Pixabay

Der Angriff auf Israels Demokratie kommt möglicherweise nicht mit Raketen, Drohnen oder bewaffneten Terroristen. Er kommt als scheinbar gewöhnlicher Beitrag in sozialen Netzwerken, als empörtes Video, als anonymer Kommentar und als Nachricht, die angeblich von einem besorgten israelischen Bürger stammt.

Nach Informationen der „JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen Post“ haben israelische Sicherheitsbehörden Hinweise auf eine türkische EinflussoperationDesinformation: Gezielte Täuschung der ÖffentlichkeitDesinformation bezeichnet bewusst verbreitete falsche oder irreführende Informationen. Ziel ist häufig, Menschen zu täuschen, Vertrauen zu zerstören, Konflikte zu verschärfen oder politische Entscheidungen zu beeinflussen.Mehr lesen im Vorfeld der kommenden Knessetwahl identifiziert. Türkische Akteure sollen versuchen, die israelische Öffentlichkeit über soziale Netzwerke zu beeinflussen, den Wahlkampf zu stören und bestehende Spannungen zwischen verschiedenen Teilen der Gesellschaft weiter zu verschärfen. Damit wird die Türkei neben Iran als möglicher ausländischer Akteur genannt, der die inneren Konflikte Israels für eigene politische Ziele ausnutzen will.

Die Warnung ist schwerwiegend. Noch schwerer wiegt jedoch, wie wenig bislang öffentlich bekannt ist. Die Sicherheitsvertreter nannten weder konkrete Benutzerkonten noch die betroffenen Plattformen oder Organisationen. Sie erklärten auch nicht, welche politischen Kräfte in IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen bevorzugt oder geschwächt werden sollen. Vor allem blieb offen, ob die Operation unmittelbar von der türkischen Regierung, von regierungsnahen Netzwerken oder von anderen Akteuren innerhalb der Türkei gesteuert wird.

Diese Einschränkung ist entscheidend. Ein Verdacht aus Sicherheitskreisen ist noch kein öffentlich vorgelegter Beweis gegen Präsident Recep Tayyip Erdogan oder den türkischen Staat. Wer staatliche Einflussnahme behauptet, muss Verbindungen, Finanzströme, technische Spuren oder klare Befehlswege nachweisen können. Bis diese Informationen vorliegen, wäre es falsch, jede türkischsprachige Kritik an Israel oder jede antiisraelische Kampagne automatisch Ankara zuzurechnen.

Ebenso falsch wäre es jedoch, die Warnung deshalb kleinzureden. Ausländische Einflussoperationen funktionieren gerade deshalb, weil sie nicht wie ein klassischer Angriff aussehen. Ihr Ziel besteht häufig nicht darin, eine bestimmte Partei sichtbar zu unterstützen. Erfolgreicher ist es, Misstrauen zu säen, politische Gegner zu Feinden zu erklären und den Eindruck zu erzeugen, eine Gesellschaft stehe unmittelbar vor dem Zusammenbruch.

Ein fremder Akteur muss den israelischen Wählern nicht sagen, welche Partei sie wählen sollen. Es kann bereits genügen, religiöse und säkulare Israelis gegeneinander aufzubringen, Juden und Araber weiter voneinander zu entfernen oder Streit über den Krieg, die Geiseln, die Justiz und die politische Führung gezielt zu verschärfen. Auch die Verbreitung des Eindrucks, die Wahl sei ohnehin manipuliert, kann das Vertrauen in das Ergebnis beschädigen, unabhängig davon, wer am Ende gewinnt.

Der israelische Staatskontrolleur Matanyahu Englman hat erst im Juli vor genau dieser Gefahr gewarnt. Sein Bericht beschreibt ausländische Einflussnahme als verdeckten Angriff auf die Souveränität des Staates. Feindliche Akteure versuchten, politische Instabilität zu erzeugen, gesellschaftliche Spaltungen zu vertiefen und Angst sowie Panik in der Bevölkerung zu verbreiten. Solche Kampagnen seien bereits während Kriegen, Protesten und früheren israelischen Wahlkämpfen aufgetreten.

Besonders alarmierend ist, dass Israel nach den Feststellungen des Staatskontrolleurs auf diese Bedrohung nur unzureichend vorbereitet ist. Im März 2026 existierte demnach noch immer keine umfassende nationale Strategie gegen ausländische Einflussnahme. Ebenso war keine Behörde eindeutig damit beauftragt, die Zusammenarbeit zwischen Schin Bet, Cyberabwehr, Justiz, Wahlkommission und anderen zuständigen Stellen zu führen. Vorbereitungen würden trotz der bekannten Gefahr häufig erst kurz vor einer Wahl intensiviert.

Englman stellte fest, dass der Staat die Bedrohung seit Jahren kennt, aber noch immer keine klare Führungsstruktur geschaffen hat. Der Schin Bet begann demnach erst im Januar mit den gezielten Vorbereitungen auf die Wahl im Oktober, während der Nationale Sicherheitsrat seine Arbeit an dem Thema bereits im August 2025 eingestellt hatte. Die Zentrale Wahlkommission richtete zwar eine eigene Arbeitsgruppe ein, verwies bei der eigentlichen Bekämpfung ausländischer Operationen jedoch auf die Sicherheitsbehörden.

Damit droht genau jene Lücke, die fremde Staaten ausnutzen können. Alle Stellen erkennen das Problem, doch niemand trägt sichtbar die Gesamtverantwortung. Der Geheimdienst kann verdächtige Netzwerke beobachten. Die Staatsanwaltschaft kann gegen bestimmte Inhalte oder Konten vorgehen. Die Wahlkommission schützt die technische und rechtliche Durchführung der Abstimmung. Doch wer entscheidet, wann aus vereinzelten Beiträgen eine koordinierte ausländische Operation geworden ist? Wer informiert die Bevölkerung? Und wer legt fest, welche Informationen vor der Wahl veröffentlicht werden dürfen, ohne laufende Ermittlungen zu gefährden?

Schin-Bet-Direktor David Zini sollte die Hinweise auf ausländische Einmischung einer vertraulichen Unterkommission der Knesset vorstellen. Neben digitalen Kampagnen soll es auch um die Fähigkeit des Staates gehen, verdeckte Geldströme aufzuspüren, mit denen politische Aktivitäten innerhalb Israels finanziert werden könnten. Der Vorsitzende der Zentralen Wahlkommission, Noam Sohlberg, sollte ebenfalls an der Sitzung teilnehmen.

Diese Untersuchung darf nicht zu einer geheimen Akte werden, deren Existenz zwar für Schlagzeilen sorgt, deren Inhalt aber niemand überprüfen kann. Selbstverständlich können Geheimdienste nicht sämtliche technischen Erkenntnisse offenlegen. Doch die Bevölkerung hat ein Recht auf klare Antworten.

Welche Themen werden von den verdächtigen Netzwerken besonders verstärkt? Werden echte israelische Konten übernommen oder falsche Identitäten aufgebaut? Handelt es sich um automatisierte Bot-Netzwerke, bezahlte Kommentatoren, manipulierte Videos oder scheinbare Nachrichtenseiten? Versuchen die Akteure, eine Partei zu fördern, die Wahlbeteiligung bestimmter Gruppen zu senken oder grundsätzlich das Vertrauen in das Wahlergebnis zu zerstören?

Auch künstliche Intelligenz verschärft die Gefahr. Der Staatskontrolleur warnt davor, dass mit ihrer Hilfe glaubwürdige falsche Identitäten, täuschend echte Bilder, Stimmen und Videos in großer Zahl hergestellt werden können. Eine erfundene Aussage eines Politikers kann innerhalb weniger Stunden Millionen Menschen erreichen, bevor ihre Fälschung zweifelsfrei bewiesen ist.

Das bedeutet jedoch nicht, dass der Staat zum Wahrheitsministerium werden darf. Die Bekämpfung ausländischer Einflussnahme darf nicht als Vorwand dienen, legitime Kritik zu unterdrücken oder unbequeme israelische Stimmen pauschal als ausländische Agenten darzustellen. In einem Wahlkampf müssen Bürger, Journalisten und Parteien die Regierung, die Opposition, den Krieg und die Sicherheitsbehörden hart kritisieren dürfen.

Der entscheidende Unterschied liegt nicht in der politischen Meinung, sondern in der Täuschung. Eine ausländische Operation verbirgt ihren Ursprung, gibt sich als israelische Bürgerbewegung aus, koordiniert scheinbar unabhängige Stimmen und manipuliert den öffentlichen Raum, ohne dass die Wähler wissen, wer tatsächlich hinter der Botschaft steht.

Gerade deshalb müssen die Sicherheitsbehörden ihre Vorwürfe so konkret wie möglich belegen. Eine Warnung vor der Türkei darf nicht selbst zum politischen Werkzeug werden. Wird sie ohne nachvollziehbare Informationen verbreitet, können Parteien sie nutzen, um Gegner zu diskreditieren oder Kritik als fremdgesteuert abzutun. Das würde am Ende genau jene Spaltung vertiefen, die der mutmaßliche Angreifer erreichen will.

Die Türkei verfügt über starke politische, mediale und gesellschaftliche Netzwerke in der Region. Die Regierung Erdogan hat Israel wiederholt scharf angegriffen und antiisraelische Kampagnen unterstützt. Doch zwischen offener Propaganda und einer verdeckten Operation zur Manipulation einer Wahl besteht ein erheblicher Unterschied. Diesen Unterschied müssen die israelischen Ermittler beweisen, nicht nur behaupten.

Israel steht vor seiner ersten nationalen Wahl seit dem Massaker vom 7. Oktober7. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen und den folgenden Kriegen. Die Gesellschaft ist erschöpft, politisch tief gespalten und mit Fragen konfrontiert, die über die nächste Regierung hinausreichen. Es geht um Verantwortung für das Sicherheitsversagen, den Umgang mit Terrororganisationen, die Zukunft der Geiseln, das Verhältnis zwischen Justiz und Politik sowie um die strategische Ausrichtung des Landes.

Damit ist Israel ein besonders lohnendes Ziel für fremde Einflussnahme. Der Angreifer muss keine neuen Konflikte erfinden. Er muss lediglich vorhandene Wunden finden und immer wieder hineindrücken.

Die wichtigste Antwort darauf ist nicht Zensur, sondern Transparenz. Israel muss verdächtige Netzwerke entlarven, ihre Finanzierung offenlegen und den Bürgern zeigen, wie digitale Manipulation funktioniert. Plattformen müssen verpflichtet werden, koordiniertes unechtes Verhalten schnell zu untersuchen. Parteien sollten ihre digitalen Dienstleister und ausländischen Geldgeber offenlegen müssen. Sicherheitsbehörden brauchen eine klare gemeinsame Führung und eindeutige rechtliche Befugnisse.

Vor allem darf die israelische Gesellschaft nicht den Fehler begehen, jeden politischen Gegner als Verräter zu betrachten. Genau das wäre der Erfolg einer feindlichen Einflussoperation.

Ob die türkische Regierung selbst hinter der nun bekannt gewordenen Aktivität steht, ist bislang nicht bewiesen. Dass ausländische Akteure versuchen, Israels Wahlkampf zu beeinflussen, ist dagegen längst keine theoretische Gefahr mehr.

Israel muss den Angriff auf seine Demokratie abwehren, ohne dabei seine Demokratie selbst zu beschädigen.




Autor: Redaktion
Montag, 27 Juli 2026

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